Gespensterjäger

Anke Engelke, Bastian Pastewka, Christian Tramitz und Newcomer Milo Parker sind Teil der europäischen Produktion GESPENSTERJÄGER. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Jugendbuchautorin Cornelia Funke hofft Regisseur Tobi Baumann mit seinem Fantasyabenteuer auf den internationalen Erfolg. Ob diese Hoffnung berechtigt ist, verrate ich in meiner Kritik.

Gespensterjäger

Der Plot

Was für ein Schreck: Tom (Milo Parker) hat ein grünes Gespenst im Keller! Der schleimige Hugo (gesprochen von Bastian Pastewka) ist ein MUG, ein mittelmäßig unheimliches Gespenst, und Tom merkt bald, dass Hugo zwar völlig harmlos ist aber dringend Hilfe braucht. Hugo kann nicht in seine Gespenstervilla zurück, weil sich dort ein gefährliches UEG, ein Urzeitliches Eisgespenst, eingenistet hat und arktische Kälte im Hochsommer in der ganzen Stadt verbreitet. Tom und Hugo wenden sich an die professionelle Geisterjägerin Hedwig Kümmelsaft (Anke Engelke), die weder Kinder noch Gespenster besonders mag und gerade ihren Job bei der CGI, Centrales Gespensterbekämpfungsinstitut, verloren hat. Hedwig zeigt Tom und Hugo das Einmaleins der Gespensterjagd und die drei werden zu einem ungewöhnlichen Team: Nur durch Freundschaft, Mut und Selbstvertrauen können sie ihre Gegner überwinden und die Stadt vor dem UEG retten.

Kritik

Die gefeierte Kinderbuchautorin Cornelia Funke schrieb schon solch beeindruckende Teenie- und Jugendwerke wie die dreiteilige „Tintenwelt“-Trilogie und „Die wilden Hühner“, doch auch ihre „Gespensterjäger“-Reihe hat es mittlerweile auf eine beachtliche Fanbase gebracht. In Zeiten, in denen das Jugendfantasykino Hochkonjunktur hat, war es wohl nur noch eine Frage der Zeit, eh man an Funke herantreten und um die Filmrechte bitten würde. Diese hat sie nun also Regisseur Tobi Baumann („Der Wixxer“) eingeräumt, der normalerweise eher für die Inszenierung von Erwachsenencomedy wie „Ladykracher“ oder „Pastewka“ zuständig ist und der die Verfilmung des ersten „Gespensterjäger“-Bandes „Auf eisiger Spur“ zur Erhöhung der weltweiten Vermarktungschancen komplett auf Englisch drehte. Das ist dann im Kino auch direkt der erste Stolperstein für ein vorbehaltlos gelungenes Filmerlebnis, denn mit Ausnahme des britisch-stämmigen Milo Parker, der demnächst auch in der Sherlock-Holmes-Adaption „Mr. Holmes“ zu sehen sein wird, ist es vorzugsweise das Who-is-Who der deutschen Komikerszene, das „Gespensterjäger“ im Alleingang stemmt – und das sich obendrein auch noch selbst synchronisiert. Das wirkt in den ersten Minuten tatsächlich befremdlich, denn durch die zu den Darstellern passenden Stimmen ist der asynchrone Eindruck zu Beginn unvermeidlich. Auch dass manche Gags in der deutschen Fassung nur mit zugedrückten Augen funktionieren, schmälert den guten Eindruck des ansonsten so zielgruppengerecht umgesetzten Abenteuerfilms, der munter bekannte Kultfilme rezitiert, sich beim Design an Produktionen der Marke „Men in Black“ orientiert und dennoch einen charmant-bodenständigen Charme beibehält.

Gespensterjäger

Ob Anke Engelke in der kauzigen Hauptrolle der Gespensterjägerin Hedwig Kümmelsaft, „Bullyparade“-Gesicht Christian Tramitz als ihr überambitionierter, jedoch wenig charismatischer Kollege, Karoline Herfurth („Fack ju Göhte“) als überforderte Zentralvorsitzender der Gespensterjägervereinigung oder Bastian Pastewka („Baymax – Riesiges Robowabohu“) in der (Sprech-)Rolle des nicht ganz so heimlichen „Gespensterjäger“-Stars Hugo: Vor allem die Besetzung der deutsch-österreichisch-irischen Ko-Produktion ist die Basis für die Leinwandadaption dieses Kinderbuchklassikers, der wie für Cornelia Funke typisch ein adrenalingeladenes Abenteuer mit einer tragikomischen Familiengeschichte kombiniert. Mit Anleihen an diverse Fantasy- und Science-Fiction-Klassiker (nicht umsonst erinnert der Original-Filmtitel „Ghost Hunters“ an die berühmt-berüchtigten „Ghostbusters“) macht Tobi Baumann aus einer handelsüblichen Spukgeschichte ein echtes Family-Adventure. Während die Anleihen an ebenjene Parapsychologen-Zusammenkunft aus Bill Murray, Dan Aykroyd und Co. zugleich auch den Ton von „Gespensterjäger“ vorgibt, ist Baumanns erster Kinofilm seit „Vollidiot“ 2007 ein beachtlich moderner Film, der es für sein internationales Erscheinungsbild auch in Kauf genommen hat, entscheidenden Elemente des Romans eine Art Generalüberholung zu unterziehen. Aus dem klassisch in Laken gehüllten Gespenst Hugo ist ein keckes CGI-Spukwesen geworden, das sich durchaus mit internationalen Fantasygestalten messen kann. Die Gespensterjäger-Zentrale erinnert nicht nur in ihrem Design an „Men in Black“, sondern wird sogleich Schauplatz einer ganzen Parade an unterschiedlichen Computereffekt-Monstern. Kein Wunder also, dass die Gespensterjäger-Zentrale auch auf den Namen „CGI“ hört, was im Deutschen leider nicht immer Sinn ergibt.

Der Charme der Vorlage bleibt bei all der Modernität jedoch nicht ansatzweise auf der Strecke. Denn gerade der erfrischenden Performance von Anke Engelke und Milo Parker ist es zu verdanken, dass der Film selbst nicht nur herrlich selbstironische Züge annimmt, sondern sich auch nie zu schade ist, die fantastischen Elemente den pädagogisch wertvollen unterzuordnen. So hat „Gespensterjäger“ trotz seiner unzähligen Fantasy-Elemente auch immer eine gewisse Bodenständigkeit. Und die braucht es auch spätestens dann, wenn im großen Showdown schließlich das wirkungsvolle Eismonster auf die Leinwand tritt. Dieses erinnert in seinem zwischen Marschmellow und Michelin-Werbefigur schwankenden Design stark an ebenjenes Wesen aus dem Disney-Hit „Die Eiskönigin“, wodurch es im Schlussakt nicht mehr nur ein wenig absurd, sondern obendrein auch ordentlich gruselig wird. Die FSK-Freigabe ab sechs sollte an dieser Stelle also unbedingt berücksichtigt werden.

Gespensterjäger

Aus technischer Sicht kann sich „Gespensterjäger“ durchaus mit der internationalen CGI-Konkurrenz messen, denn trotz sichtbar geringerer Finanzierungsmittel sind die wichtigen Elemente, die sich hier in einem schlichten 3D-Gewand präsentieren, äußerst ansehnlich. Wenn die Gespensterjäger-Zentrale zu einem regelrechten Schaulaufen diverser CGI-Monster mutiert, wähnt man sich zeitweise im modernen Blockbusterkino und realisiert sogleich, wohin ein Großteil der Produktionskosten wohl geflossen sein muss. Dies geht zum Teil zu Lasten des ansonsten nur sehr schlichten Erscheinungsbildes, denn mit einem übersichtlich spektakulären Setdesign und einer sporadischen Kameraarbeit hat „Gespensterjäger“ lediglich Fernsehqualitäten. Doch für die anvisierte Zielgruppe der Bis-zwölf-Jährigen dürfte das ohnehin kaum von Relevanz sein. Und wenn sich durch die kessen Wortspielereien und diverse augenzwinkernden Popkulturverweise dann auch noch für die erwachsenen Begleitpersonen keine langweiligen eineinhalb Stunden ergeben, haben zu guter Letzt alle etwas von dem Ticketkauf, der nicht einmal mit einem obligatorischen 3D-Zuschlag gesegnet ist.

Fazit: Die europäische Romanverfilmung „Gespensterjäger“ wartet mit einer temporeichen, zielgruppengerechten Geschichte auf, die stets die Balance zwischen Komik und Spannung hält. Die guten CGI-Effekte kommen auf einem ordentlichen Niveau daher und spätestens wenn das zum Liebhaben süße Schleimmonster Hugo auf die Leinwand tritt, sind auch die allesamt bestens aufgelegten Darsteller nicht mehr zu halten. „Gespesterjäger“ ist ein spannendes Familienabenteuer für alle Altersklassen, dessen Synchronisation zu Anfang zwar befremdlich wirkt, für das wir uns aber freuen würden, wenn es auch über die deutschen Grenzen hinaus seine Befürworter findet.

„Gespensterjäger“ ist ab dem 2. April bundesweit in den Kinos zu sehen.

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