96 Hours – Taken 3

Dass die 2008 gestartete „96 Hours“-Reihe mit Liam Neeson in der Hauptrolle ein solcher Erfolg werden würde, war damals gar nicht unbedingt abzusehen. Doch nachdem Teil zwei auch hierzulande noch mehr, genau genommen über doppelt so viele Zuschauer in die Lichtspielhäuser locken konnte als sein Vorgänger, war ein weiteres Sequel schnell beschlossene Sache. 96 HOURS – TAKEN 3 reiht sich qualitativ genau zwischen den ersten beiden Filmen ein und begeistert einmal mehr mit Actionstar Neeson und seiner Filmtochter Maggie Grace. Mehr zum Film in meiner Kritik.

96 Hours - Taken 3

Der Plot

Der ehemalige Top-Agent Bryan Mills (Liam Neeson) steht vor den Trümmern seines Lebens: Er wird fälschlicherweise eines grausamen Mordes beschuldigt, dessen Opfer ihm sehr nahe stand. Während er selbst plötzlich ins Fadenkreuz eines hartnäckigen Polizeiinspektors (Forest Whitaker) gerät, muss Mills einmal mehr seine ganz besonderen Fähigkeiten einsetzen, um den wahren Killer zu finden und ihn zur Rechenschaft zu ziehen. Denn für ihn gilt es jetzt, das Einzige zu schützen, das für ihn zählt – seine Tochter (Maggie Grace), die trotz der harten Vorwürfe immer noch zu ihrem Vater hält.

Kritik

Als Pierre Morels 2009 in den Kinos angelaufendes Actionspektakel „96 Hours“ entgegen aller Erwartungen rund das Zehnfache seiner mit 30 Millionen Dollar nicht gerade geringen Produktionskosten wiedereinspielte, geriet die umgehende Planung eines Sequels zur Selbstverständlichkeit. Und das, obwohl die Geschichte, wie es ja der Filmtitel fast schon ankündigt, gar nicht unbedingt zur Fortführung einlud. Doch mit dem gerade als neuem Actionheld gefeierten Hollywoodstar Liam Neeson („Non-Stop“) in der Hauptrolle wohnte der Mischung aus beinhartem Mann-gegen-Mann-Thriller und Familiendrama ohnehin eine gewisse Franchisetauglichkeit inne; mit Luc Besson als Produzent und späterem Drehbuchautor hatte man auch einen blockbustererfahrenen Hollywoodveteran an seiner Seite. Das Konzept der Filmreihe sollte lauten, Brian Mills jedes Mal aufs Neue damit zu konfrontieren, dass seine Familie ins Visier gemeingefährlicher Schwerverbrecher gerät. In Teil eins entführte man die Tochter, in Teil zwei Mutter und Tochter und in Teil drei? Nun, da ist sicher nicht alles anders, aber mit einigem frischen Wind und vielen handgemachten Kampfchoreographien präsentiert sich „96 Hours – Taken 3“ (dessen Titel tatsächlich nur noch mit dem Nachsatz irgendwie Sinn macht) weitaus weniger lieblos als sein direkter Vorgänger, kommt dabei jedoch nicht ganz an den adrenalinpeitschenden Auftaktfilm heran. Macht aber nichts. „Taken 3“ macht Spaß, sieht, von einigen viel zu hektischen Kamerafahrten einmal abgesehen, toll aus und das Storytelling präsentiert sich zumindest in der ersten Hälfte äußerst ausgewogen. Doch so ganz kann Olivier Megaton, der Morel bei der Regieführung seiner beiden Fortsetzungen beerbte, das ambitionierte Niveau der Eröffnungsphase nicht halten. Besonders die letzte halbe Stunde hat dann doch einige Sequenzen zu bieten, die eher zu einem Film der Marke „Fast & Furious“ passen.

96 Hours - Taken 3

Im Mittelpunkt steht einmal mehr Liam Neeson in der Rolle des alternden Cops, dessen Chemie mit Filmtochter Maggie Grace ob ihrer Lebensechtheit schier überwältigend ist. Wenn Bryan Mills in der Eröffnungsszene einen riesigen Plüschbären als Geburtstagsgeschenk für sein erwachsenes Mädchen kauft, ist dies nicht albern, sondern niedlich und hebt die besondere Bindung, die Vater und Tochter seit der vorausgegangenen Ereignisse haben, nochmal besonders hervor. Ebenjenen bodenständigen Unterbau braucht es auch, um dem per se wenig spektakulären „96 Hours – Taken 3“ die Möglichkeit zu geben, Anlauf zu nehmen.  Ohne sämtliche Storywendungen, von denen der Streifen gleich in der Anfangsphase einige zu bieten hat, vorab zu verraten, sei an dieser Stelle lediglich gesagt, dass es Mills in diesem Teil mit einem hinterhältigen Plan zu tun hat, der ihn nicht mehr nur als beinharten Kämpfer fordert, sondern auch taktisches Geschick von ihm erwartet. Wie der den Anderen stets haushoch überlegene Top-Agent sowohl die auf ihn angesetzte Polizei, als auch sämtliche Ganoven an der Nase herumführt, hat einen enormen Unterhaltungswert. Gleichsam gestaltet sich „Taken 3“ in den brachialen Kampfsequenzen auch durchaus blutig und ist in seiner ausgereiften Nihilistik nichts für schwache Gemüter. Dem klassischen Blockbusterpublikum zuliebe verzichtet man jedoch auf allzu rabiate Bilder und visierte bei der visuellen Gestaltung überdeutlich ein R-Rating respektive eine FSK-Freigabe ab 16 an. Das wiederum kommt der Geschichte zugute: Megaton definiert seinen Film nicht über das ästhetische, da sehr stylische Erscheinungsbild sondern besonders in der ersten Hälfte über einen durchaus komplexen Thriller-Plot ohne viel Knalleffekt. Da wird viel geredet, seitens Mills sehr viel abgewägt und traktiert und doch ist Neeson in seiner Rolle ein solcher Sympathieträger und das Geschehen vorantreibender Faktor, das die Geschichte nie auch nur annähernd ins Stocken gerät.

Wird die Action in der ersten Hälfte noch vorzugsweise als Gewalt- und Eskalationsspitze genutzt und hat in diesen Momenten auch ein weitestgehend realistisches Erscheinungsbild, gipfeln die ansehnlich choreographierten Fights nach und nach in immer absurdere Szenerien. Wenn Mills gen Ende gar in der Lage ist, mit seinem Auto ein Flugzeug von der Startbahn zu drängen, haben derlei Skurrilitäten nichts mehr mit dem anfangs so realistisch angehauchten Plot zu tun. Am Entertainmentfaktor ändern zwar auch die absurderen Actioneinlagen nichts. Wohl aber an der Glaubwürdigkeit der Prämisse, welche die logischen Regeln des Filmuniversums im Laufe der Story immer weiter ausdehnt. Dies führt unweigerlich dazu, dass sich „96 Hours – Taken 3“ auch am Ende wieder einmal sämtliche Türchen für eine weitere Fortsetzung offen lässt und nicht das Gefühl aufkommt, die Macher hätten sich vollends auf ein zufriedenstellendes Ende eingelassen. Dass man in einem etwaigen vierten Teil zwangsläufig eine Änderung im Cast vornehmen muss, ist da noch das größte Zugeständnis an all jene Zuschauer, die mit dem Fortsetzungswahn Hollywoods ohnehin nicht allzu viel anfangen können.

Liam Neeson

Darstellerisch sind es, wie eingangs erwähnt, erneut Liam Neeson und Maggie Grace („Californication“), durch welche diese eigentlich so beliebige Actionreihe das notwendige Charisma erhält. Das Vater-Tochter-Gespann hält die Story zusammen und verleiht dem Plot einen hohen Mitfieberfaktor. Auch Forest Whitaker („Der Butler“) erweist sich in der Rolle des Oberinspektors, der für die Suche nach Mills leitend zuständig ist, als echte Bereicherung. Immer wieder erlaubt sich das Skript von Luc Besson („Lucy“) und Robert Mark Kamen („Colombiana“) auch durchaus humoristische Akzente. Sämtliche Polizisten sind in den Augen der beiden Autoren nichtsnutzige Donutfresser, während Bryan Mills in so ziemlich jeder Lebenslage derjenige ist, der zuletzt lacht, das letzte Wort hat oder die Cops auf andere Art und Weise vorführt. Dabei kommen die Macher selbstverständlich nie so ganz ohne Klischees aus. Aber so wohldosiert, wie der Humor in „96 Hours – Taken 3“ zur Geltung kommt, lässt sich dieser kleine Minuspunkt durchaus verschmerzen.

Fazit: „96 Hours – Taken 3“ ist zwar nicht mehr als ein gelungener Actionthriller, gleicht seine Schwächen im geordneten Storytelling aber durch ein über alle Maße sympathisches Vater-Tochter-Gespann, interessante Twists und einen bestens aufgelegten Forest Whitaker wieder aus. Fortsetzung: sehr wahrscheinlich!

„96 Hours – Taken 3“ ist ab dem 8. Januar 2015 bundesweit in den Kinos zu sehen!

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