Hercules

Schon einmal suchte in diesem Jahr eine moderne Adaption der weltbekannten Hercules-Saga die Kinoleinwände heim. Nachdem Kellan Lutz mit seiner Interpretation kläglich scheiterte, versuchen sich nun Brett Ratner und Dwayne Johnson an dem schwierigen Unterfangen, das Publikum zufriedenzustellen. Wie sich ihr 3D-Abenteuer HERCULES schlägt und warum der Film wesentlich weniger konventioneller Blockbuster ist, verrate ich in meiner Kritik. 

Der Plot

Der legendäre Hercules (Dwayne Johnson) führt seine kampferprobten Söldner und die Armee von König Cotys (John Hurt) in die Schlacht um Thrakien. Ihr Ziel: ihn als rechtmäßigen Throninhaber wieder an die Macht bringen. Doch Hercules – halb Mensch, halb Gott – ahnt nicht, dass Cotys ein doppeltes Spiel mit ihm treibt. So steht sein größter Kampf, der alles von ihm fordern und seine sagenumwobenen Fähigkeiten auf die Probe stellen wird, unmittelbar bevor. Aber nicht umsonst eilt Hercules und seinen eingeschworenen Gefährten ein ehrfürchtiger und übermächtiger Ruf voraus…

Kritik

Es ist schon eine ganze Weile her, dass Muskelmann Dwayne Johnson unter seinem Wrestler-Alias „The Rock“ in der Öffentlichkeit auftrat. Seit 2002 konzentriert sich der Schauspieler vornehmlich auf seine Filmkarriere, trat jedoch immer noch sporadisch in den Ring, um sich Anfang 2013 in Gänze aus dem Sport zurückzuziehen. Diese Tatsache spiegelt auch Johnsons Rollenauswahl wieder: War dieser lange Zeit bevorzugt in wenig tiefgründigen Actionrollen zu sehen – man erinnere sich nur an sein Stelldichein in der „Fast & Furious“- oder „G.I. Joe“-Reihe – bewies er in seinen letzten Projekten „Snitch“ und „Pain & Gain“ nicht nur sein komödiantisches Talent, sondern auch, dass der Sprung vom belächelten Blockbusterhelden zum Charaktermimen kurz bevor steht. Dass sich Johnson trotzdem nicht ganz vom Bombastkino loslösen kann, bekommt das Publikum ab September im dreidimensionalen Actionspektakel „Hercules“ zu sehen. Abgesehen von den äußeren Gegebenheiten, die Dwayne Johnson zu einem für die Rolle prädestinierten Halbgott machen, ist es gerade seine persönliche Vorliebe für den legendären Heroen, die sich zu jeder Zeit in seiner Verkörperung der griechischen Sagenfigur wiederfindet. Vor allem deshalb ist Brett Ratners „Hercules“-Neuinterpretation ein kurzweiliges Vergnügen, das anders als die Anfang des Jahres an den Kinokassen gescheiterte Kellan-Lutz-Variante weitaus weniger auf Blockbuster getrimmt ist, als man es der Produktion zunächst zutrauen möchte.

Es ist ein beeindruckender Kniff, den sich Brett Ratner („Aushilfsgangster“) zunutze macht, um seinen Protagonisten nicht als übermächtigen Alleskönner, sondern menschlichen Krieger mit individuellen Schwächen einzuführen. Wenn Hercules – verkörpert von einem bestens aufgelegten und mehr denn je muskelbepackten Dwayne Johnson – seinen ersten, großen Auftritt als Piratenkiller erhält, seine Feinde allerdings nicht allein, sondern mit einer ganzen Bande von im Verborgenen bleibenden Handlangern massakriert, geben die Verantwortlichen damit nicht bloß den humoristischen Ton vor, sondern haben zugleich den Mut, ihren allmächtigen Protagonisten zu demaskieren. Damit lassen die Drehbuchautoren Ryan Condol und Evan Spiliotopoulos („Arielle, die Meerjungfrau – Wie alles begann“), deren Skript auf einem äußerst brutalen Comic basiert, eine differenzierte Betrachtungsweise des Helden zu und sorgen so dafür, dass das Publikum nicht nur im Anbetracht von Effektspektakel und beeindruckender Kampfsequenzen ins Staunen gerät, sondern auch die menschlichen Zwischentöne registriert. Zwar bleibt „Hercules“ auch in der hier dargebotenen Form überdeutlich ein auf Unterhaltungswert getrimmtes Projekt, doch die dramatischen Fallhöhen können sich für derlei gelagerte Produktionen durchaus sehen lassen; Auch deshalb, weil man davon absieht, auf einen so beliebt gewordenen Comedy-Sidekick oder anderweitigen Stichwortgeber zurückzugreifen.

Anders als diverse moderne Blockbuster des neuen Jahrtausends wie etwa die des Marvel-Universums, die „Bourne“-Reihe oder auch die neueren „James Bond“-Filme, verlässt sich Brett Ratner in seinem neuen Projekt nicht auf hollywoodtauglichen Hochglanz, sondern kommt in einem dreckig-modernen Look daher, wie man ihn zuletzt in den „300“-Filmen gesehen hat. Eine Schlacht mit Ureinwohnern lässt visuell gar Erinnerungen an das italienische Horrorkino wach werden. Dass die Macher auch mit Blut nicht geizen, obgleich dem Regisseur von Seiten der Produktionsfirma ein Limit in der Verwendung gesetzt wurde, beraubt „Hercules“ alsbald den Status als generationenübergreifender Unterhaltungsfilm. Eine FSK-Freigabe ab 12 dürfte sich der Streifen zwar gerade noch erkämpfen, dennoch präsentiert Ratner hier überdeutlich Erwachsenenunterhaltung. Ohne die vom Studio auferlegten Grenzen könnte sich „Hercules“ vermutlich noch mehr Freunde machen, doch diesen kleinen Schönheitsfehler wissen die Verantwortlichen gekonnt auszugleichen – unter anderem mit einem brillanten 3D, das trotz seiner nachträglichen Konvertierung nicht nur gestochen scharf daherkommt, sondern besonders in den Pop-Outs derart realistisch ist, dass man in Anbetracht diverser Speere, die einem im Laufe der gut eineinhalbstündigen Laufzeit immer wieder entgegenfliegen, gen Ende hin regelrecht außer Puste ist.

Im Vordergrund von „Hercules“ stehen genreangemessen die beeindruckend in Szene gesetzten Schlachten. Während sich im historisch angehauchten Blockbusterkino mittlerweile viele Sequenzen in Choreographie, Ausführung und Kameraarbeit ähneln und sich mit der Zeit eine massentaugliche Inszenierung im „Herr der Ringe“-Stil bewährt hat, schlägt Brett Ratner neue Töne an. Kameramann Dante Spinotti („Die Chroniken von Narnia – Die Reise auf der Morgenröte“) behält jederzeit die Übersicht, liefert hier und da Einblicke aus der Vogelperspektive und legt das Hauptaugenmerk auf die Vielfalt unterschiedlicher Kampfstrategien. Damit hebt „Hercules“ gekonnt verschiedene Techniken hervor und lässt das Publikum direkt an den Kriegsplanungen teilhaben. Der Zuschauer behält den Überblick über das Geschehen, die Action reißt mit und es ergibt sich nach und nach ein Gefühl über Erfolg und Misserfolg im Schlachtengetümmel. Längen hat „Hercules“ dadurch so gut wie keine und auch Kritikern des immer eintöniger werdenden Actionkinos dürfte an dieser Stelle der Wind aus den Segeln genommen werden.

Neben Dwayne Johnson ziehen vor allem diverse Hollywood-Schönheiten die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich. Beautys wie Rebecca Ferguson („The White Queen“), die Norwegerin Ingrid Bolsø Berdal („Hänsel und Gretel: Hexenjäger“) oder das „Sports Illustrated“-Model Irina Shayk lassen sich jedoch auf ihr Dasein als schmuckes Beiwerk beschränken. Für die Handlung relevant ist ihr Handeln in den seltensten Fällen. Das ist schade, da Brett Ratner seinem Film somit ein wenig den eigentlich so lohnenswerten „Anti-Blockbuster-Stil“ raubt. Auch musikalisch präsentiert sich „Hercules“ mittelmäßiger als das Gesamtprodukt schlussendlich ist; mehr als ein durchschnittlicher Bombastscore ist Fernando Velázquez („Mama“) nicht gelungen. Dafür überzeugen John Hurt („Snowpiercer“) als manischer Bösewicht und „American Horror Story“-Star Joseph Fiennes in der Rolle des mächtigen Königs Eurystheus. Auch dem ausgeglichenen Skript, das zwischen den körperlichen Auseinandersetzungen und der gelungenen Bezugnahme auf diverse griechische Mythen immer wieder Platz für menschlichen Interaktion lässt, ist es zu verdanken, dass es den Darstellern möglich ist, sich zu profilieren. Darüber hinaus setzt auffälliges, aber gelungenes CGI, das überdimensionale Löwen, Zentauren und dreiköpfige Hunde zum Leben erweckt, stimmige Akzente.

Hercules (Dwayne Johnson) und sein Heer aus tapferen Kriegern.

Fazit: Mit „Hercules“ ist der Ratner-Johnson-Kooperation ein bildgewaltiger Actionspaß gelungen, der mit Respekt vor der Vorlage eine zeitgemäße Variante des griechischen Helden kreiert und vor imposanter Kulisse toll choreographierte Schlachten zum Besten gibt, die weitaus dreckiger daherkommen, als man es vom modernen Hollywoodblockbuster gewöhnt ist.

„Hercules“ ist ab dem 4. September bundesweit in den Kinos zu sehen – auch in 3D!

Erschienen bei Quotenmeter.de

Erschienen bei IOFP.de