Almanya – Willkommen in Deutschland

Es ist immer so eine Sache mit deutschen Komödien – entweder man liebt sie, oder man hasst sie. Normalerweise bin ich deutschen Komödien nicht abgeneigt und wenn sie es ins Kino schaffen, entdecke ich durchaus immer eine gewisse Daseinsberechtigung der einzelnen Werke. Umso enttäuschter war ich, als ich, nachdem ich mal wieder instinktiv zugegriffen hatte (das geht normalerweise nie schief!) mich schließlich 100 Minuten durch die deutsch-türkische Möchtegern-Komödie ALMANYA – WILLKOMMEN IN DEUTSCHLAND quälte. Und dabei hatte ich soviel erwartet, aber lest selbst.

Der Plot

Cenk Yilmaz (Rafael Koussouris) ist sechs Jahre alt und der Sohn von Ali (Denis Moschitto), der ursprünglich aus der Türkei stammt und seiner deutschen Frau Gabi (Petra Schmidt-Schaller). Cenk ist in Deutschland aufgewachsen und hat somit zum Großteil den Bezug zum Heimatland seines Vaters verloren. Bewusst wird ihm diese Tatsache, als er in der Schule weder in die deutsche, noch in die türkische Fußballmannschaft gewählt wird. Von nun an beginnt sich Cenk die Frage zu stellen, woher er eigentlich kommt. Was ist seine Heimat und was ist das für ein Land, zu dem er eigentlich einen großen Bezug haben müsste? Gemeinsam ist die dreiköpfige Familie eines Tages bei ihren (türkischen) Großeltern eingeladen, wo diese verkünden, sich einbürgern lassen zu wollen, gleichzeitig aber ihrer Familie eröffnen, sich in der Türkei ein Haus gekauft zu haben, um mit ihrer Familie dort hinzufahren. Als die 22-jährige Cousine des kleinen Cenk, Canan, schließlich auch noch die Bombe platzen lässt, ein Kind von ihrem britischen Freund zu erwarten, beginnt eine Rückblende auf die Geschichte der türkischen Einbürgerung. Im Zentrum des Geschehens steht der Großvater von Cenk und wie dieser vor etwa 50 Jahren als 1.000.001. Gastarbeiter nach Deutschland kam. Die Geschichte erzählt von Konflikten, davon, welche Schwierigkeiten es bei der Einbürgerung geben kann und wie die Familie letztendlich ihr ganz eigenes Deutschland für sich entdeckte.

Kritik

Der Trailer verspricht eine heitere deutsch-türkische Komödie. Auch die Beschreibung auf der DVD-Rückseite sagt nicht großartig etwas anderes aus. Doch wie kommt es dann, dass dieser Film alles andere ist, aber auf gar keinen Fall eine Komödie? Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich es nicht weiß. Ich bin wirklich für jede Art Humor empfänglich. Das darf ganz platter Humor sein, ich bin Ironie und Sarkasmus nicht abgeneigt und ich schalte auch bei überaus intelligentem politischem Kabarett nicht ab. Ich bin geschmackstechnisch eine „Humor-Allzweckwaffe“ und kann über alles lachen, was auch nur irgendwie komisch gedacht ist (ja, ich musste zum Beispiel auch über die „Werner“-Filme lachen, aber das bitte ganz schnell vergessen, liebe Leser!). Doch ich möchte es aussprechen: dieser Film ist keine Komödie! Im Trailer werden lustige Ausschnitte gezeigt, die auch auf jeden Fall lustig sind, doch leider haben die werten Trailer-Gestalter auch jeden einzelnen Gag, den der Film aufweist, in diesen Trailer getan. Andere Gegebenheiten, zu denen man lachen könnte, gibt es nicht! Interessant ist auch die bildliche Gestaltung des Films. In Deutschland bleibt es bei einem grauen Einheitsbrei, in der Türkei hingegen mag man es als Filmemacher offenbar gelb/orange. Ich verzichte besser darauf, da ein Statement, gar ein politisches, rauszulesen.

Nun könnte man weiterdenken: wenn es keine Komödie ist, was ist es dann? Aber dieser Film ist weder Fisch noch Fleisch. Sieht man ihn als „seichten Abenteuerfilm“ (was ja durchaus möglich wäre, wenn man bedenkt, dass der Film davon berichtet, wie sich eine Familie in einem fremden Land zurecht findet), dann fehlt die Spannung und die Action. Ein Drama ist es auch nicht, da der Film überhaupt nicht dramatisch ist, so banal es klingt. Es könnte eine Familiengeschichte sein, doch dafür hat der Film im Grunde genommen keinerlei Handlung. Und da ist es nun: dieser Film hat keinen roten Faden! Es werden Ausschnitte aneinander gereiht, in welchen einzelne Darsteller bemüht komisch versuchen zu schildern, wie es war, als sie das erste (oder auch das zweite, dritte) mal mit der deutschen Kultur in Kontakt kamen. Da sind faszinierende Kindergesichter, die es kaum glauben können, dass in Deutschland „Riesen-Ratten“ an der Leine herumgeführt werden, da bekommen die zukünftigen Auswanderer Kleidung gestrickt, weil die Deutschen „ja so schmutzig“ sein. Ich habe nichts gegen einen solchen Humor und möchte mal darüber hinweg sehen, dass der Film sämtliche Vorurteile ausschlachtet, sowohl auf der deutschen, als auch auf der türkischen Seite, wenn es denn wenigstens lustig wäre, oder zum Nachdenken anregen würde, doch weder ein Lachen kommt über meine Lippen, noch finde ich, dass das, was ich auf dem Bildschirm sehe sozialkritisch ernst zu nehmen ist.

„Almanya – Willkommen in Deutschland“ hat, zusammengefasst, einfach das Problem, dass er nicht weiß, was für ein Film er sein will, wie oben bereits beschrieben. Er lädt nicht zum lachen ein, nicht zum weinen, nicht mal zum nachdenken, denn dafür ist er auch wieder zu seicht. Was bleibt ist einfach: nichts! Es bleibt kein bleibender Eindruck und wenn das bei einem Film so ist, dann hat er versagt. Ich könnte mir vorstellen, dass der Film sich im Schulunterricht der Unterstufe ganz gut eignet, zum Thema „Integration“ gezeigt zu werden. Denn ich glaube jeder, der in der Schulzeit Filme gesehen hat bzw. sehen musste, kennt das Gefühl: man schaut alle 5 Minuten auf die Uhr und hofft einfach nur eins: dass es vorbei ist!