Schlagwort-Archiv: Drama

Das startet am 8. März 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 8. März, an dem der von der breiten Masse wohl am ehesten wahrgenommene Start noch einer Sperrfrist unterliegt: „Vielmachglas“ nämlich, die neue Komödie mit unter Anderem Matthias Schweighöfer. Erst ab Donnerstag darf über den Film berichtet werden. Den stärksten Beitrag liefert in dieser Woche allerdings Aaron Sorkin ab; sein Skript zu „Molly’s Game“ wurde nicht umsonst für den Oscar nominiert. Ebenfalls ein Wörtchen mitzureden haben, könnte Eli Roths Ausflug ins Actionfach. Immerhin bringt er mit „Death Wish“ endlich mal wieder Bruce Willis auf die große Leinwand zurück.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

MOLLY’S GAME  | Regie:  Aaron Sorkin | USA/CAN/CN 2017

Nach einer schweren Verletzung muss die junge, charismatische Skifahrerin und US-Olympiahoffnung Molly Bloom (Jessica Chastain) ihre Karriere aufgeben. Über einen Aushilfsjob kommt sie in Kontakt mit einer Welt, die von reichen und mächtigen Männern dominiert wird: der Underground-Poker-Szene Hollywoods. Als Molly erkennt, dass sie dank ihrer Intelligenz und Disziplin wie geschaffen ist für die Organisation solcher Veranstaltungen, setzt sie alles auf eine Karte: Sie veranstaltet das weltweit exklusivste Pokerturnier für die Reichen und Mächtigen von Los Angeles. Die vollen Konten der VIPs aus Sport, Business und Entertainment bescheren ihr ein Jahrzehnt voller Glamour und Erfolg. Doch eines Tages erregt Mollys Glückssträhne unerwünschte Aufmerksamkeit, als sie sich versehentlich Mitglieder der russischen Mafia an den Spieltisch holt… 

Für „Molly’s Game“ treffen die pointierten Dialoge eines Aaron Sorkin auf das Tempo und die Extravaganz von „The Big Short“.  Das Ergebnis ist ein hochspannendes Thrillerdrama mit einer einnehmenden Jessica Chastain, das einem ganz neue Einblicke in das Glückspiel bietet.


LUCKY | Regie: John Carroll Lynch | USA 2017

Lucky (Harry Dean Stanton) ist ein 90-jähriger Eigenbrötler, Atheist und Freigeist. Er lebt in einem verschlafenen Wüstenstädtchen im amerikanischen Nirgendwo und verbringt seine Tage mit bewährten Ritualen – Yoga und Eiskaffee am Morgen, ausführliche philosophische Gespräche mit seinen treuen Weggefährten (unter anderem David Lynch) bei Bloody Mary am Abend. Bis er sich nach einem kleinen Unfall plötzlich seiner Vergänglichkeit bewusst wird. Und auf einmal ist es an der Zeit, dem Leben noch einmal auf den Zahn zu fühlen. Er überdenkt seine Vergangenheit, sucht den Dialog mit Menschen, die er bis dato fast vergrault hat und gesteht sich ein, dass sein Leben langsam zu Ende geht. Doch bis dahin versorgt er seine Mitmenschen noch mit seinem Wissen über die Gott, die Welt und unser aller Existenz. 

 Am Ende von „Lucky“ glaubt man, das Leben ein klein wenig mehr verstanden zu haben. Harry Dean Stanton brilliert in seiner aller letzten Rolle als Schauspieler in dieser charmant-lakonischen Tragikomödie, begleitet von alten Weggefährten.

OPERATION: 12 STRONG  | Regie: Nicolai Fuglsig | USA 2018

Während die ganze Welt in den ersten Folgetagen der Terroranschläge am 11. September 2001 weiter schockiert den Atem anhält, entsendet die US amerikanische Regierung eine erste Bodenspezialeinheit von nur zwölf Elitesoldaten nach Afghanistan auf eine lebensgefährliche Mission. Keiner von ihnen weiß, was sie dort erwartet oder ob sie ihre Familien zu Hause je wiedersehen werden. Mitch Nelson, der noch recht neue befehlshabende Captain führt seine Männer direkt in das unwegsame Gebiet des Hindukusch-Gebirges, um mit diplomatischem Geschick und großem Mut die dort kontrollierende afghanischen Nordallianz zu einem bislang ungeahnten Bündnis im Kampf gegen die gemeinsamen Gegner aus Taliban- und Al-Kaida-Kämpfern zu überzeugen. Gegenseitiges Misstrauen und scheinbar enorme kulturelle Unterschiede erschweren die Zusammenarbeit nicht weniger als der Mangel an moderner Ausrüstung. 

„Operation: 12 Strong“ ist ein handwerklich sehr solide inszenierter Kriegs-Actionfilm, der sich zwischen den beeindruckenden Kampfsequenzen immer wieder auch mit der inneren Anspannung unter den Kameraden sowie nüchternen Organisationsvorgängen befasst und dadurch einen erstaunlichen Realismus an den Tag legt.


ARTHUR & CLAIRE | Regie: Miguel Alexandre | DE/NED/AT 2017

Ein Mann, eine Frau und eine Nacht, in der es um alles oder nichts geht. In einem Hotel in Amsterdam begegnen sich zwei Menschen, von denen jeder für sich bereits mit dem Leben abgeschlossen hatte. Doch dann vereitelt Arthur, der nur ein letztes stilvolles und vor allem einsames Dinner im Sinn hatte, durch Zufall den Plan der jungen Claire. Aus den beiden Lebensmüden wird eine unerwartete Schicksalsgemeinschaft, die gemeinsam in die Amsterdamer Nacht aufbricht und zwischen Grachten, Coffee Shops, bestem Whiskey und vorsichtiger neuer Freundschaft beginnt, die Pläne des Anderen gehörig zu durchkreuzen. In klugen, witzigen Dialogen kreisen Arthur und Claire um die Dinge, die das Leben wirklich ausmachen und beschließen, sich diesem Leben zu stellen und es bis zum letzten Augenblick auszukosten. 

Woody Allen made in Austria: In „Arthur & Claire“ sinnieren sich Josef Hader und Hannah Hoekstra an ihrem letzten Abend unter Lebenden gemeinsam durch das pulsierende Nachtleben Amsterdams und kommen zu einigen lustigen, vielen traurigen, vor allem aber wahren Erkenntnissen.


VIELMACHGLAS | Regie: Florian Ross | DE 2018

Marleen (Jella Haase) erlebt ihren Alltag als steilen Berg – unerklimmbar! Mit Anfang 20 ist sie nicht einmal in der Lage, sich für ein Studienfach zu entscheiden. Selbst ihr geliebter großer Bruder (Matthias Schweighöfer) schafft es nicht, sie aus ihrem Dauer-Formtief herauszuholen. Erst durch eine persönliche Katastrophe wird die menschenscheue Marleen so aufgerüttelt, dass sie sich Hals über Kopf auf ein Abenteuer einlässt, das etliche Nummern zu groß für sie ist: Im Hamburger Hafen wartet ein Schiff auf sie, mit dem sie in die Antarktis reisen will. Doch wie soll sie quer durchs Land nach Hamburg kommen, wenn sie nur acht Euro in der Tasche hat? Das ist der Beginn einer sowohl verrückten als auch emotionalen Reise, auf der Marleen erfährt, dass es durchaus noch verrücktere Zeitgenossen gibt als sie selbst. Und sie macht die überraschende Erfahrung: Je weiter sie reist, desto näher kommt sie sich selbst. 

Als seichte Roadmovie-Komödie funktioniert „Vielmachglas“ – auch dank der ungemein charismatischen Jella Haase – wirklich gut. Das darum gesponnene Familiendrama dagegen nimmt der per se sympathisch gedachten Geschichte dann aber doch an Glaubwürdigkeit.


DEATH WISH  | Regie: Eli Roth | USA 2018

Der Chirurg Dr. Paul Kersey (Bruce Willis) erlebt die Folgen der Gewalt auf den Straßen Chicagos jeden Tag in der Notaufnahme – bis seine Frau (Elisabeth Shue) und seine Tochter (Camila Morrone) in den eigenen vier Wänden brutal attackiert werden und Pauls Frau den Überfall mit ihrem Leben bezahlen muss, während seine Tochter dauerhaft im Koma liegt. Da die örtliche Polizei die Ermittlungen nicht vorantreibt und generell von der Verbrechensflut in der Stadt überfordert scheint, beschließt Paul das Gesetz kurzerhand selbst in die Hand zu nehmen. Er begibt sich auf nächtliche Streifzüge und bringt gnadenlos einen Kriminellen nach dem anderen zur Strecke – bis er eines Tages in den Fokus der Medien gerät und sich die Öffentlichkeit zu fragen beginnt, wer eigentlich hinter dem unbekannten Racheengel steckt… 

Als ernstgemeinter Kommentar auf die Waffenvernarrtheit der US-Amerikaner scheitert Eli Roths „Ein Mann sieht rot“-Remake erwartungsgemäß grandios. Doch wenn man sich erst einmal durch zähe erste Stunde gekämpft hat, man „Death Wish“ dank absurder Gewalteskapaden, viel schwarzem Humor und einem gut aufgelegten Bruce Willis überraschend viel Spaß.


FÜHLEN SIE SICH MANCHMAL AUSGEBRANNT UND LEER? | Regie: Lola Randl | DE/NED 2017

Luisa (Lina Beckmann) rast durch ihr Leben. Vom Job nach Hause, vom Ehemann zum Liebhaber, von den Erdnussflips zur Rohkost-Diät. Wem wird das nicht irgendwann zu viel? Als die Paartherapeutin eines Morgens aufwacht, gibt es sie plötzlich doppelt. Sie hat sich über Nacht aufgespalten in die alte Luisa und in die neue Ann. Äußerlich sehen die beiden völlig gleich aus, ansonsten aber sind sie grundverschieden. Luisa steht ständig unter Strom und macht sich über alles Gedanken. Ann ist tiefenentspannt und stopft alles in sich hinein, worauf sie gerade Lust hat. Nach dem ersten Schock erkennt Luisa die ungeahnten Möglichkeiten, die ihr das zweite Ich eröffnet: Endlich kann sie mit ihrem Lover Leopold durchbrennen, während Ann sich um ihren Mann Richard kümmert.

Für eine Komödie ist „Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer?“ schlicht nicht lustig genug und für eine ernstzunehmende Analyse einer kriselnden Ehe mangelt es dem Film an erzählerischem Fundament.


Heimkinotipp: ROCK MY HEART  | Regie: Hanno Olderdissen | DE 2018

Wie lebt man, wenn jeder Herzschlag der letzte sein könnte? Diese Frage begleitet die 17-jährige Jana ständig, denn sie lebt mit einem angeborenen Herzfehler. Und weil das nicht fair ist, riskiert sie immer wieder Kopf und Kragen. Sie will jeden Augenblick auskosten. Sehr zum Leidwesen ihrer besorgten Eltern, die sie zu einer rettenden, aber riskanten Operation überreden wollen. Doch Jana weigert sich. Als sie dem Vollbluthengst Rock My Heart begegnet, ändert sich für sie alles. Die beiden scheinen wie füreinander gemacht. Das schwarze Pferd ist wie sie: wild, ungezähmt, rebellisch und lässt niemanden an sich heran – außer Jana. Rocks Trainer Paul Brenner wittert seine Chance: Er überredet Jana mit Rock für ein wichtiges Galopprennen zu trainieren, um mit dem Preisgeld endlich seine Schulden abzubezahlen. Von Janas Krankheit hat er keine Ahnung – und Jana wird ihr Geheimnis bestimmt nicht preisgeben.

„Rock My Heart“ kombiniert auf eine absolut authentische Weise das Drama um eine Todkranke mit einem hoffnungsvoll-optimistischen Pferdefilm, das überrascht, mitreißt und die aufgesetzte Hintergrundmusik gar nicht bräuchte, um zu Tränen zu rühren. Die fantastischen Darstellungen im Ensemble und der realistische Umgang mit dem Metier des Pferderennsports runden den starken Gesamteindruck ab.

Das startet am 1. März 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 1. März, an dem die erwachsenen Zuschauer klar den Vorteil haben. Als solche kann man diese Woche nämlich gefahrlos in sämtliche Neustarts gehen – am stärksten dürfte „Game Night“ starten; auch in Ermangelung an Genrekonkurrenz. Dank Starpower könnte auch „Red Sparrow“ gut aus den Startlöchern kommen, doch die FSK 16-Freigabe grenzt den potenziellen Zuschauerkreis natürlich ein wenig ein. „Call Me By Your Name“ ist indes das große Highlight unter den Neustarts, doch als Programmkino-Kandidat dürfte man hier nicht die allzu großen Zahlen erwarten. Ganz im Gegenteil zum neuen „Biene Maja“-Film, der das wiederum nicht wirklich verdient hat.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

CALL ME BY YOUR NAME  | Regie:  Luca Guadagnino | IT/FR/BRA/USA 2018

Der 17-jährige Elio Perlman genießt den norditalienischen Sommer des Jahres 1983. Seine Zeit verbringt der Junge mit klassischer Musik, mit Lesen und seiner Freundin Marzia. Mit seinen Eltern ist Elio eng verbunden. Sein Vater, ein angesehener Professor, hat sich auf die griechisch-römische Kultur spezialisiert. Elios Mutter Annella arbeitet als Übersetzerin. Gemeinsam bringen sie ihrem Sohn die Errungenschaften der Hochkultur nahe und bereiten ihm ein sorgenfreies Leben mit allen Vorzügen. Eines Tages trifft der 24-jährige amerikanische Doktorand Oliver als neuer Sommer-Praktikant von Elios Vater auf der Villa ein. Inmitten jener prächtigen, sonnengetränkten Szenerie entdecken Elio und Oliver die berauschende Schönheit aufblühenden Verlangens im Verlauf eines Sommers, der ihre Leben für immer verändern wird. 

„Call Me By Your Name“ zelebriert vor fantastischer Urlaubskulisse die Liebe über sämtliche Gendergrenzen hinweg und stellt sie als das Selbstverständlichste der Welt dar. Timothée Chalamet und Armie Hammer spielen überragend und am Ende rollen Tränen, wenn einem die harte Realität das Herz zerreißt.


GAME NIGHT | Regie: John Francis DaleyJonathan Goldstein | USA 2018

Max und Annie sind große Brettspielfans und halten wöchentlich Brettspielabende für Paare ab. Als Max’ charismatischer Bruder Brooks eines Abends eine Mordfall-Ermittlungsparty arrangiert – inklusive falscher Gangster und Pseudo-FBI-Agenten –,  dringen plötzlich echte Ganoven ins Haus ein und kidnappen ihn. Die ahnungslosen Mitspieler glauben daran, dass all dazugehört. Doch als die sechs ehrgeizigen Hobby-Ermittler auf Spurensuche gehen, begreifen sie allmählich, dass weder dieses „Spiel“ noch Brooks selbst das sind, was sie zu sein vorgeben. Im Laufe dieser total chaotischen Nacht geraten die Freunde bis über die Ohren in einen Schlamassel, dem keiner von ihnen gewachsen ist, weil sie durch ständig neue Wendungen verblüfft werden. Es gibt keine Regeln, keine Grenzen und keine Anhaltspunkte, was echt und was Fake ist…

„Game Night“ qualifiziert sich früh für den Titel „Komödie des Jahres“, den die mit voller Leidenschaft für das Thema Brettspiele inszenierte Actioncomedy punktet mit fantastischen Darstellern, einer überdurchschnittlichen Gag-Trefferquote, charmanten Wendungen und einer herausragenden Kameraarbeit – der lustigste Spieleabend des Jahres!


RED SPARROW  | Regie: Francis Lawrence | USA 2018

Als eine Verletzung ihrer Karriere ein Ende setzt, sehen Dominika und ihre Mutter einer trostlosen und unsicheren Zukunft entgegen. Daher lässt sie sich schnell dazu überreden, eine der neusten Rekruten der Sparrow School zu werden, einem Geheimdienst, der außergewöhnliche junge Menschen wie sie trainiert, ihren Körper und Verstand als Waffe einzusetzen. Nachdem sie den abartigen und brutalen Trainingsprozess überstanden hat, entwickelt sie sich zum gefährlichsten Sparrow, den das Programm je hervorgebracht hat. Dominika muss ihr Leben auf ihre neue machtvolle Situation abstimmen und das betrifft auch alle ihr nahestehenden Menschen, die sich durch sie in Gefahr befinden –  darunter auch ein amerikanischer CIA Agent, der versucht, sie davon zu überzeugen, dass er die einzige Person ist, der sie trauen kann. 

Francis Lawrences eleganter Noir-Thriller „Red Sparrow“ ist ein kühl-unberechenbarer, dialoglastiger Trip mit einer herausragenden Jennifer Lawrence, für den der Zuschauer allerdings weder Probleme mit Nacktheit, noch mit brachialer Gewalt haben sollte.


DAS SCHWEIGENDE KLASSENZIMMER | Regie: Lars Kraume | DE 2018

1956: Bei einem Kinobesuch in Westberlin sehen die Abiturienten Theo und Kurt in der Wochenschau dramatische Bilder vom Aufstand der Ungarn in Budapest. Zurück in Stalinstadt entsteht spontan die Idee im Unterricht eine solidarische Schweigeminute für die Opfer des Aufstands abzuhalten. Doch die Geste zieht viel weitere Kreise als erwartet: Während ihr Rektor zwar zunächst versucht, das Ganze als Jugendlaune abzutun, geraten die Schüler in die politischen Mühlen der noch jungen DDR. Der Volksbildungsminister verurteilt die Aktion als eindeutig konterrevolutionären Akt und verlangt von den Schülern innerhalb einer Woche den Rädelsführer zu benennen. Doch die Schüler halten zusammen und werden damit vor eine Entscheidung gestellt, die ihr Leben für immer verändert… 

Substance Over Style: Inszenatorisch bewegt sich „Das schweigende Klassenzimmer“ auf dem soliden Niveau deutscher Geschichtsfilme, doch die starken Nachwuchsdarsteller veredeln den ohnehin viel wichtigeren Faktor: die mitreißende, inspirierende Story.


MEIN FREUND, DIE GIRAFFE  | Regie: Barbara Bredero | NED/BEL/DE 2017

Dominik (Liam de Vries) und Raff sind von klein auf die allerbesten Freunde und verbringen jede freie Minute gemeinsam. Allerdings ist Raff nicht einfach ein normaler Spielkamerad, wie ihn jeder Junge hat, sondern etwas ganz Besonderes: Raff ist eine Giraffe, die sogar sprechen kann! Weil Dominik mit seiner Familie direkt neben dem Zoo wohnt, kann er seinen Kumpel jeden Tag besuchen und die beiden erleben viele gemeinsame Abenteuer. Bis der Tag kommt, an dem Dominik eingeschult werden soll. Zuerst ist er sehr aufgeregt und freut sich auf die Schule. Doch als ihm bewusst wird, dass Raff ihn nicht dorthin begleiten kann, macht ihn das sehr traurig. Eine Lösung muss her! Gemeinsam mit seinem neuen Schulfreund tüftelt Dominik einen Plan aus, wie er Raff doch noch mit in die Schule nehmen kann. Wird es ihm gelingen? 

„Mein Freund, die Giraffe“ ist eine solide Kinderfilmproduktion aus den Niederlanden, die perfekt auf die ganz Kleinen zugeschnitten ist. Als solche wäre sie sogar richtig stark, wenn die deutsche Synchronisation nicht völlig vermasselt wäre, die der Geschichte jedwedes Leben raubt.


DIE BIENE MAJA – DIE HONIGSPIELE | Regie: Noel Cleary, Sergio Delfino, Alexs Stadermann | DE/AT 2018

Heller Aufruhr im Bienenstock: Ein Gesandter der Kaiserin hat den weiten Weg von Summtropolis auf sich genommen, um den Bienen der Klatschmohnwiese eine Nachricht zu überbringen. Ob diesmal ihr Traum in Erfüllung geht und sie endlich an den Honigspielen teilnehmen dürfen? Doch Majas Aufregung wandelt sich schnell zu bitterer Enttäuschung, als sie erfährt, dass der Bote nur gekommen ist, um die Hälfte ihrer Honigernte für die Spiele einzufordern. Empört beschließt Maja kurzerhand, die Sache selbst zu regeln und überredet ihren Freund Willi zu einer abenteuerlichen Reise nach Summtropolis. Allerdings geht das gehörig schief, denn die Kaiserin ist verärgert über Majas Ungehorsam und beschließt, der kleinen Biene eine Lektion zu erteilen. Sie darf an den Spielen teilnehmen, sollte sie jedoch verlieren, muss ihr Bienenstock die gesamte Honigernte abgeben… 

„Die Biene Maja – Die Honigspiele“ fühlt sich nicht wie ein Abenteuer der beliebten Trickfigur an, sondern ist – wie auch schon der erste dreidimensionale Kinofilm der beliebten Bienendame – einfach nur reichlich formelhaftes Animationsfilmkino von der Stange, das sich auch direkt im Fernsehen versenden ließe. Da haben selbst die ganz Kleinen Besseres verdient.


Heimkinotipp: CAPTAIN UNDERPANTS  | Regie: David Soren | USA 2017

George Beard und Harold Hutchins sind beste Freunde und gehen in die vierte Klasse der Jerome Horowitz Grundschule in Piqua, Ohio. Ihre Lieblingsbeschäftigung ist es, Comics zu zeichnen und den Anderen in der Schule Streiche zu spielen. Dabei müssen sie jedoch sehr aufpassen, um sich von ihrem fiesen Schuldirektor Mr. Krupp nicht erwischen zu lassen. Da haben die beiden eine total abgefahrene Idee: George und Harold beschließen, den grimmigen Mr. Krupp mittels Hypnose in den Lieblingshelden ihrer selbst gemachten Comics zu verwandeln: den tollpatschigen Captain Underpants. Das Experiment gelingt tatsächlich! Und nun ist der gemeine Lehrer plötzlich ein kinderliebender Held, der in Unterhosen und rotem Cape für Gerechtigkeit sorgt. Gemeinsam stürzen sich die drei in herrlich aufregende Abenteuer…

Für kleine Kinder nur bedingt geeignet, besitzt der irre Meta-Spaß „Captain Underpants – Der supertolle erste Film“ das anarchische Flair einer „Circus HalliGalli“-Folge und kombiniert es mit der selbstreferenziellen Cleverness der Sitcom „Community“. Am Ende sorgt vor allem die hohe Schlagzahl fast ausschließlich gelungener Gags und Ideen für Lachtränen.

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