Venom: The Last Dance

Die „Venom“-Saga geht zu Ende – das suggerieren zumindest der Filmtitel VENOM: THE LAST DANCE und das stark auf einen Abgesang verweisende Marketing. Doch ganz gleich, ob wir Eddie Brock und seinen außerirdischen Partner wider Willen noch einmal zu Gesicht bekommen oder nicht: Teil drei wird nichts daran ändern, ob man als Fan oder Nicht-Fan Bock auf ein weiteres Abenteuer hat.

OT: Venom: The Last Dance (USA 2024)

Darum geht’s

Eddie Brock (Tom Hardy) und sein Alien-Symbiont Venom sind auf der Flucht, nachdem ihnen der Mord an einem Police-Officer angehängt wurde. Doch nicht nur die Polizei hat es auf das ungleiche Duo abgesehen. In der Area 51 führt ein geheimer Militär-Stützpunkt Forschungen an außerirdischem Leben durch und eröffnet ebenfalls die Jagd auf die beiden. Gleichzeitig bahnt sich eine weitere Bedrohung an – und diese ist ausnahmsweise nicht von dieser Welt. Eddie und Venom geraten ins Visier einer außerirdischen Spezies, die für ihren düsteren Herrscher Knull (Andy Serkis) etwas beschaffen muss, mit dem nur die beiden dienen können. Schon bald steht erneut das Schicksal der ganzen Welt auf dem Spiel…

Kritik

Im Superheldenkino wird nur selten damit geworben, dass ein Film einer Reihe tatsächlich der letzte sein wird. Schon allein, weil man sich bei einer dann doch kommenden Fortsetzung unglaubwürdig machen würde. Natürlich umgeben manche Produktionen gewisse Gerüchte, aber „Venom: The Last Dance“ trägt den Abgesang nicht nur bereits im Titel, sondern setzte in seiner Marketingkampagne außerdem verstärkt darauf, dass sich das Publikum nach diesem Film von seinem (Anti-)Helden verabschieden muss. Durchaus verwunderlich, wenn man bedenkt, dass das Sony-Marvel-Universum und das von Disney beherbergte MCU dank der Multiversums-Saga – quasi der Nachfolger der Infinity-Saga – mittlerweile eng zusammengefunden haben. In „Venom 3“ gibt es zum Beispiel ein kurzes Gespräch darüber, wie die Familie einer Nebenfigur infolge des Blip (Thanos‘ Fingerschnipsen, infolgedessen die Hälfte der Weltbevölkerung verschwand, eh sie am Ende von „Avengers: Endgame“ wieder auftauchte) für fünf Jahre wie vom Erdboden verschluckt war. Nach der freundlichen Aufnahme von Tom Hollands Spider-Man in die Riege der Avengers müssen die Macher:innen der „Venom“-Saga längst keinerlei Verrenkungen mehr unternehmen, um das Sony-Marvel-Universum und das MCU voneinander zu trennen.

Vier Beine sind schneller als zwei…

Ob es nach Venoms letztem Tanz auch wirklich kein Widersehen mehr mit dem einstigen Journalisten Eddie Brock und seinem außerirdischen Symbionten geben wird, dürfte sicherlich davon abhängig sein, wie stark der Film an den Kinokassen performt. Denn auch wenn die Kritik den ersten beiden „Venom“-Filmen nie sonderlich viel abgewinnen konnte, hat es den altbekannten Grund namens „Erfolg“, dass die Reihe ihr Dasein als Trilogie abschließt – und das, obwohl „Venom: Let there be Carnage“ nur noch etwas mehr als die Hälfte des Vorgängers einspielte. Mehr denn je umgibt „Venom 3“ das Gefühl, vor allem ein Film für die Fans zu sein. Und seien wir einmal ehrlich: Wer, wenn nicht diejenigen, die schon Teil eins und zwei geschaut (und gemocht) haben, sollte sich den dritten Teil der Superhelden-Actionreihe überhaupt ansehen? Da wundert es dann auch nicht, dass die Regiedebütantin und Drehbuchautorin Kelly Marcel (schrieb schon die Skripte zum den ersten beiden „Venom“-Filmen und weitere für unter anderem „Saving Mr. Banks“ und „Cruella“) zu keinem Zeitpunkt die Frage nach der Zielgruppe offenlässt – und mit „Venom: The Last Dance“ einfach munter das bedient, was jene von einem „Venom“-Film erwartet. Zumindest wenn die sich nach dem ersten Teil damit abgefunden hat, dass die im Original eigentlich ziemlich blutrünstige Comicvorlage für die Filme arg weichgespült wurde.

„Es verwundert nicht, dass die Regiedebütantin und Drehbuchautorin Kelly Marcel zu keinem Zeitpunkt die Frage nach der Zielgruppe offenlässt – und mit ‚Venom: The Last Dance‘ einfach munter das bedient, was jene von einem ‚Venom‘-Film erwartet.“

Auch „Venom 3“ trägt wie seine Vorgänger eine Altersfreigabe ab zwölf. So darf das einmal mehr einen Oneliner nach dem nächsten reißende Alien zwar in Großaufnahme Köpfe abbeißen, aber sonderlich viel Blut sieht man dabei nicht. Die Action und ihre Choreographien entsprechen dem aktuellen Superhelden-Usus, gehören hier visuell aber nicht zu den Glanzstunden. Insbesondere der finalen Schlacht auf einer freien Fläche inmitten der Area 51 fehlt es an Finessen, sodass sich letztlich wieder einmal nur die Guten mit den Bösen kloppen. Ausgeklügelte Kamerafahrten, besonders auffällige Perspektiven und Perspektivwechsel, eine aufregende Schnittarbeit oder clever choreographierte Nahkämpfe sucht man hier vergebens – was ebenfalls bemerkenswert nah an die Qualitäten (oder Nicht-Qualitäten) von „Venom“ und „Venom: Let there be Carnage“ heranreicht. Diese Parallelen lassen sich auch bei der uninteressanten Ausarbeitung eines wieder einmal austauschbaren Schurken sowie den mittelmäßigen Effekten ziehen. Alles an „Venom: The Last Dance“ reiht sich – auf gewisse Weise makellos – in die Tradition der ersten beiden Teile ein. Müßig zu erwähnen, dass jene, die diesen beiden Filmen eher mit Missmut gegenüberstehen, wohl auch am dritten Venom-Abenteuer keinerlei Freude haben werden…

In der Area 51 forschen die Wissenschaftler:innen Dr. Payne (Juno Temple) und Rex Strickland (Chiwetel Ejiofor) an außerirdischen Lebensformen…

… es sei denn, dass ihnen der große Pluspunkt der Trilogie dann eben doch ausreicht, um im Rahmen der Filme ein kurzweiliges Vergnügen zu empfinden. Denn das schlagende Herz der Reihe ist und bleibt weiterhin Tom Hardy („The Bikeriders“), der mit Eddie Brock als mit Venom dauerquasselnder, genervter aber sich doch nach und nach mit seinem „Mitreisenden“ anfreundender Sympathieträger die Rolle seines Lebens gefunden zu haben scheint – auch wenn er für diese sicherlich bessere Filme verdient gehabt hätte. Sein zu jeder Zeit verschmitztes Grinsen, das er – so mutet es zumindest an – vermutlich auch dann noch auf den Lippen trägt, wenn die Kamera längst aus ist, steckt einfach an. Und in „Venom 3“ dürfen die Zwiegespräche mit Venom dann sogar noch ein wenig tiefer in sein gespaltenes Seelenleben vordringen. Etwa wenn er als Flüchtender im Nahkampf (versehentlich?) einen Menschen tötet oder ihn das Aufeinandertreffen mit einer alternativen Familie damit konfrontiert, dass er und Venom vermutlich niemals ein normales Leben führen werden. Ausgerechnet in den ruhigen, ihrer Hauptfigur gegenüber sehr einfühlsamen Szenen hat „Venom: The Last Dance“ große Stärken vorzuweisen – vorausgesetzt, man ist in das Schicksal Eddie Brocks schon auch irgendwie emotional involviert.

„Ausgerechnet in den ruhigen, ihrer Hauptfigur gegenüber sehr einfühlsamen Szenen hat ‚Venom: The Last Dance‘ große Stärken vorzuweisen – vorausgesetzt, man ist in das Schicksal Eddie Brocks schon auch irgendwie emotional involviert.“

Mehr denn je rückt in „Venom 3“ die zwischenmenschliche (oder zwischen-alien-und-menschliche) Comedy in den Mittelpunkt. Wenngleich die Pointen selten clever, sondern in erster Linie naheliegend sind, wohnt dem Film dadurch etwas sehr Beschwingtes inne. Nicht zuletzt aufgrund seiner einmal mehr übersichtlichen Laufzeit von etwas mehr als 100 Minuten reicht das für ein kurzweiliges Kinovergnügen. Schlucken muss man dafür – neben jeder Menge Expositiontalk (die Eddie und Venom drohende, außerirdische Gefahr wird sage und schreibe dreimal (!) erklärt) – auch eine mitunter nicht ganz kohärente Filmlogik. Trotzdem bleiben Szenen wie Venoms vielfache Verwandlung in allerlei Getier oder der titelgebende letzte Tanz mit einer alten Bekannten im Gedächtnis. Mehr denn je gilt also hier: Fans der ersten beiden Filme werden hier ihre Freude haben. Alle anderen haben vermutlich schon nach Teil eins die Hoffnung aufgegeben.

Fazit: Das (vorläufige?) Finale der „Venom“-Reihe reiht sich qualitativ nahtlos an die bisherigen Filme. Im positiven wie im negativen Sinne.

„Venom: The Last Dance“ ist ab dem 24. Oktober 2024 in den deutschen Kinos zu sehen.

Ein Kommentar

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