Die Sch’tis in Paris

Nach dem überwältigenden Überraschungserfolg der französischen Mundartkomödie „Willkommen bei den Sch’tis“ legt Dany Boon mit dem Sequel DIE SCH’TIS IN PARIS nach und liefert damit eine nicht halb so gelungene Familiencomedy ab. Wo die Fortsetzung sich schwer tut, das verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Das angesagte Architektenpaar Valentin D. (Dany Boon) und Constance Brandt (Laurence Arné) bereitet die Eröffnung ihrer Retrospektive im Pariser Museum für Moderne Kunst vor. Was niemand weiß: Valentin hat der Pariser Gesellschaft und sogar seinem Schwiegervater und Hauptinvestor (François Berléand) seine Sch’ti-Herkunft aus dem Arbeitermilieu verschwiegen und gibt sich als Waise aus. Doch als Valentins Bruder (Guy Lecluyse) zusammen mit seiner Frau (Valérie Bonneton) und Mutter (Line Renaud) überraschend nach Paris reisen, treffen nicht nur zwei völlig gegensätzliche Welten aufeinander, sondern sein großes Geheimnis droht zu platzen und publik zu werden. Und es kommt noch schlimmer: Nach einem Unfall verliert Valentin sein Gedächtnis und spricht nur noch Sch’ti…

 

Kritik

Wenn man über das französische Kino in Deutschland spricht, fällt heute meist zuerst der Titel „Ziemlich beste Freunde“. Dabei reicht die Erfolgsgeschichte der Komödien unserer südwesteuropäischen Nachbarn schon bis ins Jahr 2008 zurück. Damals avancierte Dany Boons Mundartcomedy „Willkommen bei den Sch’tis“ mit 2,3 Millionen hierzulande zu einem absoluten Überraschungserfolg. Und das völlig zu Recht, denn die Geschichte rund um einen strafversetzten Postbeamten, der im nordfranzösischen Hinterland mit einem völlig absurden Dialekt konfrontiert wird, war aufgrund ihrer kompromisslosen Kreativität tatsächlich zum Brüllen komisch. Obwohl es in seinem Produktionsland zu Kontroversen kam – den Filmemachern wurde vorgeworfen, Vorurteile rund um die Nordregion des Landes zu befeuern – wurde „Willkommen bei den Sch’tis“ mit über 20 Millionen Besuchern zum dato erfolgreichsten französischen Film aller Zeiten. Kein Wunder also, dass auch der Kelch mit dem Namen „Fortsetzung“ nicht an ihm vorbeigeht. Da es sich bei „Willkommen bei den Sch’tis“ um eine abgeschlossene Geschichte handelt, entwarf der auch diesmal als Regisseur und Drehbuchautor fungierende Dany Boon („Nichts zu verschenken“) für diese ein ganz neues Szenario. Das bedeutet im Klartext: „Die Sch’tis in Paris“ hat inhaltlich absolut gar nichts mit dem Vorgänger zu tun. Lediglich die Prämisse rund um den absurden Sch’ti-Dialekt wurde beibehalten. Dieser ist zwar immer noch ganz witzig, allem drumherum lässt sich aber noch nicht einmal mehr das Prädikat „Durchschnitt“ verpassen.

Valentin (Dany Boon) und Constance (Laurence Arné) sind die Stars der französischen Möbeldesignerszene.

Anders als in „Willkommen bei den Sch’tis“ prallen in der Fortsetzung nicht bloß zwei völlig unterschiedliche Dialekte aufeinander, sondern auch verschiedene Klientel. Valentin und Constance leben als erfolgreiches Künstlerehepaar und Teil der Pariser High Society in einer riesigen Luxuswohnung samt Putzfrau und besitzen Geld im Überfluss, während sich Valentins Sch’ti-Familie auf dem nordfranzösischen Lande mehr schlecht als recht als Selbstversorger durchschlägt und außer eines alten Wohnwagens kaum Besitztümer vorweisen kann. Genau durch diesen Clash aus Arm und Reich kommt die Geschichte aber erst zustande: Gustave möchte sich von seinem reichen Bruder Valentin Geld leihen, um endlich seine Schulden abzuzahlen. Dafür begibt er sich mit (fast) dem gesamten Sch’ti-Clan in Richtung französischer Hauptstadt. Alles was sich hier schließlich zwischen Valentin und Constance sowie Valentins Familie abspielt, ist bis zum entscheidenden Autounfall allerdings eher eine Aneinanderreihung von Klischees anstatt eine ordentlich geschriebene Gagparade. Die Künstlerszene zeichnen die Drehbuchautoren Dany Boon und Sarah Kaminsky („Gauguin“) als versnobte Nichtsnutze, deren Arbeit im Grunde nicht zu gebrauchen ist, während die armen Sch’tis vom Lande keinerlei Benehmen an den Tag legen und Valentin vor seinen reichen Freunden und Kollegen ordentlich blamieren.

Ab dem entscheidenden Crash zwischen Valentin und einem Auto (dessen Fahrer an dieser Stelle aus Spoilergründen nicht verraten werden soll) rückt Boon weg vom Konflikt zwischen Ober- und Unterschicht. Von nun an steht ganz der von Boon selbst verkörperte Valentin im Mittelpunkt, der durch den Unfall sein Gedächtnis verloren hat, sich wieder für einen Teenager hält und zu allem Überfluss auch nicht Sch’ti spricht, obwohl er sich den Dialekt mühsam über viele Jahre hinweg abtrainiert hat. Mithilfe verschiedener Trigger versuchen seine Frau und Familie, ihn wieder an seine wahre Existenz als erwachsener und angesehener Möbelarchitekt zu erinnern, doch auch all diese Versuche sind letztlich zu abgedroschen, um wirklich komisch zu sein. Auch Valentins Verhalten als Neu-Jugendlicher verlaufen nach Schema F: Zwischen Valentin und seinem Bruder entspinnt sich ein halbgarer Konflikt darum, dass Gustaves Ehefrau für eine kurze Zeit mit Valentin liiert war (der sich – geistig wieder auf dem Stand eines Teenagers – natürlich prompt wieder in sie verliebt), in Valentins Firma versuchen mehrere Mitarbeiter, Vorteile aus dem Geisteszustandes ihres Chefs zu ziehen und in kurzen Einschüben sieht man Valentins daheim gebliebenen Vater, der in bester Slapstick-Manier daran verzweifelt, dass er sich ganz allein um den Haushalt kümmern muss.

Valentins Familie kommt den Neu-Pariser ohne Voranmeldung besuchen und sorgt für reichlich Chaos.

Da die Filmemacher ohnehin von Anfang an eine Feelgood-Atmosphäre etablieren, weiß man schon lange vor dem Finale, dass sich am Ende von „Die Sch’tis in Paris“ sämtliche Familienmitglieder miteinander versöhnt haben dürften. Trotzdem kann Dany Boon mit seinem guten Gespür für punktgenaue Pointen vereinzelt richtige Lacher generieren. Vollkommen blass bleiben dafür die Figuren – und so verkommt „Die Sch’tis in Paris“ letztlich zur reinen Nummernrevue. Auch wenn man spätestens in den vielen Outtakes zum Ende des Films einen Eindruck bekommt, wie viel Spaß das gesamte Team am Set hatte, bleiben die Charaktere bis zuletzt auf ihren Zweck innerhalb der Handlung reduziert. Am interessantesten ist da noch Dany Boons Filmpartnerin Laurence Arné, mit der er bereits in der unweit schwächeren Komödie „Nichts zu verschenken“ zusammengearbeitet hat. Die in ihrer Natürlichkeit absolut umwerfende Schauspielerin erhält nicht nur mit Abstand die besten Szenen (so lernt sie für ihren Freund Valentine zum Beispiel extra Sch’ti, um sich mit ihm unterhalten zu können – eine in Timing und Wortwitz absolut überragende Einzelszene), ihre Figur macht außerdem eine absolut glaubhafte, eben alles andere als klischeehafte Wandlung durch – und wenn die charismatische Blondine schließlich in derbstem Sch’ti drauf los quasselt, erreicht „Die Sch’tis in Paris“ für einen kurzen Moment sogar jene Qualitäten des Vorgängers, der aber letztlich gar keiner ist.

Fazit: Mit „Willkommen bei den Sch’tis“ hat das inoffizielle Sequel „Die Sch’tis in Paris“ nichts mehr zu tun – nur der Sprachwitz ist übrig geblieben. Das ist dann auch vereinzelt das, was an dieser schematischen Gedächtnisverlustcomedy überhaupt noch überzeugen kann, denn die Geschichte und die Figuren bleiben völlig austauschbar.

„Die Sch’tis in Paris“ ist ab dem 22. März bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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