Tomb Raider

Nach Angelina Jolie schlüpft nun Shootingstar und Oscarpreisträgerin Alicia Vikander in die Rolle der Videogame-Ikone Lara Croft. Mit TOMB RAIDER ist das Ergebnis ein bildgewaltiger, nostalgischer und äußerst kurzweiliger Action-Abenteuerfilm im Stile von „Indiana Jones“. Mehr dazu verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Lara Croft (Alicia Vikander) ist die leidenschaftlich emanzipierte Tochter eines exzentrischen Abenteurers, der spurlos verschwand, als sie noch ein kleines Mädchen war. Inzwischen ist Lara erwachsen, aber ihr fehlt ein klares Lebensziel. Eher unmotiviert brettert sie als Fahrradkurierin durch die Straßen der Trendviertel von East London – zum Leben reicht das kaum. Sie will sich ihren eigenen Weg suchen und lehnt daher auch die Leitung des globalen Konzerns ihres Vaters ebenso strikt ab, wie sie sich weigert, an seinen Tod zu glauben. Mittlerweile sind allerdings sieben Jahre vergangen, und man legt Lara nahe, sich allmählich mit der Realität abzufinden. Doch irgendetwas – Lara begreift es selbst nicht – treibt sie dazu, endlich herauszufinden, was ihrem Vater eigentlich passiert ist. Als Lara alle Brücken hinter sich abbricht, handelt sie bewusst auch gegen den letzten Willen ihres Vaters. Ihre Suche beginnt dort, wo er zuletzt gesehen wurde: in dem legendären Grabmal auf einer mythischen Insel, die sich irgendwo vor der japanischen Küste befinden könnte.

Kritik

Als im vergangenen Jahr die Besetzung der „Tomb Raider“-Neuauflage an die Öffentlichkeit gelangte, bekleckerte sich ein Teil der Gaming-Szene nicht mit Ruhm; nämlich der, der sich einzig und allein deshalb in der Wahl von Shootingstar und Oscar-Preisträgerin Alicia Vikander (2016 für „The Danish Girl“) störte, da diese nun einmal viel flachbrüstiger sei, als ihr aus Pixeln bestehendes Vorbild. Gewiss: Als die Spiele rund um Actionikone Lara Croft Anfang der Nullerjahre erstmals für die große Leinwand adaptiert wurden und in die Rolle derselben noch die damals ziemlich üppig ausgestatteten Angelina Jolie schlüpfte, passten Vorlage und Nachbildung zumindest rein visuell noch ganz gut zusammen – und damit argumentiert ja auch ein Großteil der im Internet pöbelnden. Doch wir können gar nicht oft genug ungläubig fragen, ob die sich nun über Vikander echauffierten Liebhaber der Reihe die Spiele wirklich ausschließlich aufgrund der gut gefüllten Körbchen der Protagonistin zockten, oder ob da nicht möglicherweise noch ein wenig mehr ist, womit die „Tomb Raider“-Games eben eine Verfilmung als spektakuläres Action-Adventure rechtfertigen. Spieleschöpfer Toby Gard jedenfalls hatte seine Lara ursprünglich gar als eine Art „weiblichen Indana Jones“ interpretiert – und genau den bekommt die Kinogemeinde mit der Big-Budget-Neuauflage „Tomb Raider“ nun auch; im besten Sinne nostalgisches Abenteuerkino mit einer Hauptdarstellerin, deren Körbchengröße erwartungsgemäß völlig egal ist.

Lara Croft (Alicia Vikander) entdeckt ein Geheimnis an der Grabstätte ihres für tot erklärten Vaters.

Nachdem ein Off-Kommentar zu einer ansprechend aufgemachten Bildmontage aus Kartenmaterial und Zeichnungen kurz erläutert, um welches Geheimnis es in den kommenden zwei Stunden gehen wird, gibt die den Film nahezu völlig allein auf ihren Schultern stemmende Alicia Vikander mit ihrem aller ersten Auftreten die Marschrichtung vor: Ihre Lara ist aktive Boxerin, liefert sich schon mal halsbrecherische Fahrradmanöver und erhält zumindest Ansätze eines familiären Backgrounds. Vielmehr als der Antrieb für die eigentliche Geschichte, ist die Story rund um den vermeintlichen Tod ihres Vaters (Dominic West) allerdings nicht. Dass dieser in Wirklichkeit nämlich ganz schön lebendig ist, ist da im Anbetracht des vorhersehbaren Skripts letztlich so wenig überraschend, dass der sonst eher über große Gesten und laute Töne funktionierende Film hier nicht einmal einen Twist darin zu sehen scheint. Das erste Aufeinandertreffen zwischen Lara und ihrem Dad gestaltet sich jedenfalls derart unspektakulär, dass sich Vikanders Enttäuschung im Anbetracht der nahezu beiläufigen Inszenierung in ihrem Gesicht ablesen lässt. Natürlich erwarten wir von einer „Tomb Raider-Verfilmung kein tiefschürfendes Charakterkino. Ein klein wenig verheizt wirken Vikander sowie ihre namhaften Schauspielkollegen wie Dominic West („The Square“), Walton Goggins („The Hateful 8“) Kristin Scott Thomas („Die dunkelste Stunde“) und Derek Jacobi („Mord im Orient Express“) dennoch.

Trotzdem gelingt es dem Autorenduo aus Geneva Robertson-Dworet (ist aktuell für das Skript zu „Captain Marvel“ im Gespräch) und Alastair Siddons („Das Gesetz der Familie“), in der ersten Hälfte eine solide erzählerische Basis für ihre nachfolgenden Jump-and-Run-Eskapaden zu schaffen. Weshalb sich Lara auf diese gefährliche Reise begibt, was ihr Antrieb ist und weshalb sie körperlich weitaus gewiefter agiert, als ihre vielen Gegner, etabliert das Skript glaubhaft und schnörkellos. Erst wenn sich nach rund einer halben Stunde (und einem beeindruckend wuchtig inszenierten Schiffsunglück) der Fokus mehr auf die Action verlagert, machen sich hier und da Längen bemerkbar. Das liegt nicht an den aufwändig gefilmten Actionszenen (Kamera: George Richmond, „Kingsman: The Golden Circle“) in denen sich computergenerierte (von denen mit Ausnahme eines Fallschirmfluges auch alle ordentlich aussehen) und handgemachte Effekte die Waage halten, während viele der beeindruckenden Setpieces (Stichwort: Flugzeugwrack) tatsächlich von den Darstellerinnen und Darstellern bespielbar waren. Im Gegenteil: Mit diesen tritt Roar Uthaug ordentlich aufs Gas und treibt vor allem seine Protagonistin zu Höchstleistungen an. Doch während die Actionszenen allesamt unterschiedlich und kreativ choreographiert sind, verpasst der Regisseur hier und da den rechtzeitigen Absprung und zieht Szenen stattdessen unnötig in die Länge.

Alicia Vikander macht sich die Rolle der Lara Croft wie selbstverständlich zu eigen.

Im letzten Drittel konzentriert sich „Tomb Raider“ schließlich weniger auf Spektakel denn vielmehr das klassische Abenteuerfeeling; nicht bloß in der Aufmachung der Rätsel erkennt man den Ursprung des Spiels (die wenigen Knobelaufgaben lassen sich auch hervorragend mit ein wenig Cleverness selbst lösen), sondern auch im Design des Todestempels (ja, „Indiana Jones“ lässt auch hier grüßen!), um den sich im Finale alles dreht. Gespickt mit jeder Menge Fallen, die von unserer Heldin mit viel Geschick absolviert werden, kommt man gar nicht umher, irgendwann selbst die Konsole in die Hand nehmen und Lara durch die labyrinthartigen Gänge manövrieren zu wollen. Aus atmosphärischer Sicht haben sich die Macher definitiv ordentlich am Spiel orientiert. Auch vereinzelte Shots aus der First-Person-Perspektive oder die vielen bereits im Trailer zur Schau gestellten Sprünge, für die Lara Croft (unter anderem) so berühmt ist, verfeinern das Actionabenteuer zusätzlich um eine große Prise Gaming-Flair. Auf inhaltlicher Ebene gibt es außerdem einige charmante Querverweise in Richtung der Story, die beim Kenner der Reihe für den einen oder anderen sympathischen Aha-Moment sorgen dürften. Und ein größeres Lob als die Aussage, nach einer Verfilmung plötzlich Interesse an der Vorlage zu entwickeln, kann es doch im gerade auf dem so kleinen Gebiet der gut gelungenen Spieleadaptionen nicht geben.

Fazit: Alicia Vikander ist als neue Lara Croft eine wahre Wucht. Der Film um sie herum ist die meiste Zeit ein sehr solider Action-Abenteuerfilm mit im besten Sinne altmodischem Flair, der starke Effekte und stimmungsvolle Bilder in den Fokus rückt, während die Geschichte abseits von ein wenig Fanservice generisch gerät.

„Tomb Raider“ ist ab dem 15. März bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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