My Little Pony – Der Film

Nach den „Transformers“ und dem Ouija-Brett wird mit MY LITTLE PONY – DER FILM der nächste Hasbro-Klassiker für die große Leinwand adaptiert. Doch was kann man von einem Film erwarten, der auf knallbunten Plastikponys basiert? Mehr dazu verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Donnergrollen über Equestria! Prinzessin Twilight Sparkle steckt mitten in den Vorbereitungen für das große Freundschaftsfestival, als der mächtige Sturmkönig und seine Kommandantin Tempest Shadow mit einem gemeinen Plan in Ponyville einfallen. Tempest war einst selbst Bewohnerin von Equestria, doch als Kind verlor sie ihr magisches Horn und damit auch den Glauben an die Macht der Freundschaft. Um ihre Zauberkraft zurückzugewinnen, kämpft sie jetzt an der Seite des furchteinflößenden Sturmkönig, der den Prinzessinnen von Ponyville all ihre magischen Fähigkeiten rauben will. Aber so einfach geben Twilight und ihre fünf besten Freundinnen nicht auf! Sie ergreifen die Flucht, um Hilfe zu holen. Mit Tempest immer dicht auf den Fersen, schlagen sie sich mit einem zwielichtigen Kater namens Capper herum, fliegen mit dem Luftschiff von Käpt‘n Celaenos schrägen Vögeln und landen schließlich im glitzernden Unterwasserkönigreich Seaquestria. Werden die Ponys dort Verbündete für den Kampf um ihr Zuhause finden?

Kritik

Die „My Little Pony“-Sammelfiguren von der Erfolgsfirma Hasbro haben sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem ähnlich großen Phänomen entwickelt, wie die firmeninternen Pendants der Transformers. Das Besondere: Wirken die knallbunten Minipferdchen mit ihren kuriosen Namen auf den ersten Blick wie ein reines Kinderspielzeug, das – bemüht man die Vorurteilskeule – wohl vornehmlich von kleinen Mädchen genutzt wird, haben wir es hier eigentlich mit einem sämtliche Altersgruppen und Geschlechter umspannenden Produkt zu tun. Vergleichbar mit solchen Serien wie „Die Simpsons“ oder „Spongebob Schwammkopf“ haben sich auch die Serien und Filme rund um die glitzernden Ponys irgendwann aus ihrer zunächst anvisierten Zielgruppe freigeschwommen und mithilfe zeitloser Thematiken (Freundschaft, Zusammenhalt und Toleranz) sowie Verweisen auf andere popkulturelle Phänomene zu einem eigenständigen Hype entwickelt, der sogar einen eigenen Fachbegriff für die (männlichen) Anhänger hervorgebracht hat: Bronys – eine Zusammensetzung aus Pony und Bro für Brother. Das klingt komisch, ist aber so; das Ergebnis sind mehrere Generationen Sammelfiguren, Filme, TV-Formate, Computergames und Pony-Conventions (!), denen mit „My Little Pony – Der Film“ nun erstmalig eine im Kino ausgestrahlte Filmproduktion folgt. Leider wird in dieser auf all das verzichtet, was die „My Little Pony“-Figuren in Nerdkreisen so beliebt gemacht hat; dieser Vertreter hier ist nicht mehr als ein generisches Zeichentrickabenteuer von der Stange.

Auf ihrer Reise entdecken die Ponys das Unterwasserkönigreich Seaquestria.

Bislang nutzten die auch in diesen Film involvierten Macher (Regie: Jason Thiessen) der „My Little Pony“-Geschichten abseits ihrer universell auslegbaren Freundschaftsstorys nicht selten auch die Meta-Ebene, um Gags zu transportieren und verschiedene Erzählstränge zu kreieren. Dabei gehen, wie so oft im modernen Animations- und Kinderfilmsegment, immer wieder humoristische Faktoren am allzu jungen Publikum vorbei (im Pony-Universum gibt es beispielsweise eine an die Sci-Fi-Serie „Dr. Who“ angelegte Figur namens Dr. Whooves), aber für die erwachsenen Zuschauer gibt’s mächtig viel zu entdecken. Auch bei der Namensgebung diverser anderer Ponys findet man Dutzende von Verweisen in Richtung berühmter Marken, Serien, Länder oder real existierender VIPs, sodass es überhaupt nicht wundert, dass der durchschnittliche „My Little Pony“-Fan nicht weiblich und acht, sondern männlich und 28 ist. Da ein Großteil dieser den Hype überhaupt erst auf den Weg gebrachten Elemente in „My Little Pony – Der Film“ wegfällt, dürften sich gerade die älteren Zuschauer von dieser Spielfilmvariante enttäuscht zeigen; mit Ausnahme, dass die in den Medien aktuell ohnehin dauerpräsente Popmusikerin Sia eine eigene Figur spendiert bekommt, was inhaltlich vor allem darauf hinaus läuft, dass sie am Ende Werbung für ihren neuesten Song machen darf, hangelt sich der Plot ohne doppelten Boden von einer Station zur nächsten – ganz so, als würden die Macher die einzelnen Punkte eines standardisierten Kinderabenteuerfilms auf einer Checkliste abarbeiten, ohne dabei nach links und rechts zu schauen.

Nach der feindlichen Übernahme des Pony-Königreich Equestria durch den furchteinflößenden Sturmkönig und dessen Gehilfin Tempest Shadow (deutsche Stimme: Maite Kelly) begibt sich die Gruppe Ponys rund um Prinzessin Twilight Sparkle auf eine lange und beschwerliche Reise, um Hilfe zu suchen. Dabei stoßen sie auf jede Menge kuriose Gestalten, von denen sich das Aufeinandertreffen mit dem gewieften Kater Capper (deutsche Stimme: Gil Ofarim) noch als halbwegs abwechslungsreich erweist. Der Musiker und „Let’s Dance“-Gewinner Gil Ofarim legt nicht bloß einen hörbaren Spaß dabei an den Tag, seinen zwielichtigen Gesellen ebenso undurchsichtig wie exzentrisch anzulegen, er ist obendrein der einzige prominente Synchronsprecher, dem man eine zweite Karriere in dieser Branche zutraut. Die anderen Etappen – von einer Kollision mit einem Piratenchef bis hin zu dem Entdecken eines magischen Unterwasserreichs – gestalten sich nicht bloß aufgrund ihres vorhersehbaren, überraschungsarmen Verlaufs langweilig, auch den hierin involvierten Sprechern ist anzumerken, dass es sich bei ihrer Arbeit um das erste Synchronprojekt handelt. Insbesondere Maite Kelly ist in ihrer Rolle der bösen Tempest Shadow vollkommen verloren; der von ihr vorgetragene Schurkensong ist der stärkste Moment des gesamten Films, jedes gesprochene Wort klingt indes leidenschaftslos abgelesen.

Für Sängerin Sia hat sich das Mitwirken an „My Little Pony“ gelohnt: Sie darf im Finale ihren neuesten Song performen.

Apropos Musik: „My Little Pony – Der Film“ ist durchzogen von solide produzierten, gleichwohl unspektakulären Popsongs, die das Zeichentrickabenteuer irgendwo zwischen halbherzigem Musical und auf den Verkauf von möglichst vielen CDs kalkuliertem Kinderfilm mäandern lassen. Dabei sind die verschiedenen Lieder keineswegs originell; propagieren sie doch lediglich immer wieder den Wert der Freundschaft, den Glauben an sich selbst oder beides zusammen, sodass der Film sukzessive zu einer Ansammlung von schon vielfach da gewesenen Plattitüden wird, bei der die Macher auf jedwede Form der Variation verzichten. Dahinter steckt zwar auch zu jeder Zeit der (gerade heute alles andere als selbstverständliche) Appell an gegenseitige Toleranz, doch wenn dieser lohnenswerte Ansatz ins Extreme kippt, lässt sich auch dieser Ansatz kaum noch ernst nehmen – etwa wenn sich Twilight Sparkle und ihre Freunde selbst dann noch vollkommen aufgeschlossen gegenüber Anderen zeigen, wenn diese gerade angekündigt haben, diese umzubringen. Nach einem Mut machenden Gute-Laune-Song ist diese Gefahr aber natürlich direkt gebannt. Damit ist der Weg in Richtung Happy End vorgezeichnet, genauso wie die Entwicklungen der verschiedenen Figuren (Stichwort: Tempest Shadow und ihr Grund für ihr Bösewichtdasein). Zusätzlich anstrengend gestaltet sich das mit 99 Minuten dann auch noch überraschend ausladende Unterfangen durch die technische Aufmachung: Das Design der schillernden Ponywelt mag für eine TV-Serie ausreichend sein, auf der großen Leinwand wirkt es dagegen einfach nur billig, während die professionellen Synchronsprecher zwar alle einen soliden Job machen, die betont auf eine möglichst hohe Tonlage gecasteten Stimmen jedoch irgendwann die Nerven des Publikums malträtieren.

Fazit: Anders als die bisherigen „My Little Pony“-Filme und -Serien setzen die Macher bei dieser Leinwandadaption ausschließlich auf die ganz Kleinen als Zielgruppe und arbeiten mehr gelangweilt denn routiniert die To-Do-List eines jeden Mut-Mach-Abenteuerfilms ab. Kleine Highlights bilden die Gesangseinlagen von Gil Ofarim und Maite Kelly.

„My Little Pony – Der Film“ ist ab dem 5. Oktober in den deutschen Kinos zu sehen.

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