Girls‘ Night Out

Mädelspower Deluxe – in GIRLS‘ NIGHT OUT gerät der Junggesellinnenabschied von Scarlett Johansson mächtig aus den Fugen. Abgegriffenes Comedy-Szenario oder erfrischende Girlie-Komödie? Das verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Nach zehn langen Jahren sind die fünf alten College-Freundinnen Jess (Scarlett Johansson), Pippa (Kate McKinnon), Frankie (Ilana Glazer), Alice (Jillian Bell) und Blair (Zoë Kravitz) endlich wiedervereint: Auf einem wilden Junggesellinnenabschied in Miami lassen sie so richtig die Sau raus! Doch die ausgelassene Party läuft plötzlich aus dem Ruder, als die Clique aus Versehen einen Stripper um die Ecke bringt. Panik bricht aus und für die Frauen beginnt eine wahnsinnige Nacht voller skurriler Eskapaden, die sie nur überstehen werden, wenn alle zusammenhalten.

Kritik

Manche Situationen sind wie geschaffen, um ordentlich aus dem Ruder zu laufen, wenn sie nicht ohnehin direkt darauf ausgelegt sind. Das beste Beispiel dafür sind Junggesellenabschiede. In dieser locker-losgelösten Stimmung kann selbst im normalen Leben tendenziell alles passieren. Wenn dieses Szenario dann auch noch auf das bei Komödien gern über die logische wie inszenatorische Strenge schlagende Hollywood trifft, sollte einem normalerweise schon vor einem Film mit dieser Prämisse klar sein, was einen da die kommenden eineinhalb Stunden erwartet. Kurzum: „Girls‘ Night Out“ bietet schon mal, was der Titel verspricht. Und das ist immerhin ein fairer Deal, den die Regisseurin Lucia Aniello mit ihrem Publikum eingeht. Dass die Filmemacherin ganz neu im Spielfilmgeschäft ist, fällt dabei gar nicht auf. Aniello, die bislang ausschließlich bei Videoclips und TV-Serien Regie führte, legt mit dem im Original „Rough Night“ betitelten Star-Auflauf tatsächlich ihr Debüt vor, das sich allerdings so geradlinig an anderen Vertretern dieses Genres orientiert, dass man das als Zuschauer kaum bemerkt. Ihr stark aufgelegtes Ensemble hat sie fest im Griff, die Pointen sitzen mal, während sie ein anderes Mal krepieren und damit ist „Girls‘ Night Out“ eine klassische Ami-Comedy, mit einem kleinen Haken: Die Überraschung bleibt auf der Strecke und das gewisse Etwas, mit dem gerade Sony-Komödien in der Vergangenheit auftrumpfen konnten, sucht man hier vergebens.

Kate McKinnon und Scarlett Johansson werden in „Girls‘ Night Out“ zu besten Freundinnen.

Es ist schon verdammt lustig, wenn Scarlett Johansson („Ghost in the Shell“) in der aller ersten Szene die zugeknöpfte Politikerin mimt, wenn man doch genau weiß, dass die kommenden neunzig Minuten nichts mehr von diesem übergroßen Stock in ihrem Hintern übrig bleiben wird; Denn als hätte Johansson in den vergangenen Jahren einfach nur darauf gewartet, in einer Komödie die Sau raus lassen zu dürfen, ist sie es, die ihr Mädelsensemble mitreißt und motiviert. „Girls‘ Night Out“ lebt zum Einen von der losgelösten Spielweise sämtlicher Darstellerinnen (wobei Johansson und „Ghostbusters“-Star Kate McKinnon deutlich das schauspielerische Highlight bilden), zum Anderen von den Gegensätzen der Figuren, mit der auch die charakteristischen Fallhöhen einhergehen. Eine Kate McKinnon ist von Natur aus abgedreht und freeky, doch wenn eine normalerweise so seriös und tough auftretende Scarlett Johansson ihr seriöses Image für einen Abend komplett hinter sich lässt, hat das umso mehr Gewicht. Jillian Bell („22 Jump Street“), Ilana Glazer („Die highligen drei Könige“) und Zoë Kravitz („Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“) spielen dagegen „nur“ solide auf, wobei die letzteren beiden ohnehin nur wenig zu tun bekommen. Absolut bemerkenswert ist dagegen der völlig selbstverständliche Umgang mit der angedeuteten Homosexualität der zwei Frauen. Was anderswo Gegenstand altbackener Gags wäre, wird hier zum ganz natürlichen, emotionalen Bestandteil der Geschichte. So soll es sein!

Dieser sich so authentisch anfühlende Nebenhandlungsstrang beißt sich mit der Einfallslosigkeit, mit der sich die Geschichte von „Girls‘ Night Out“ ihren Weg von der Einleitung bis hin zum Finale bahnt. Wie die fünf Grazien versuchen, den aus Versehen umgebrachten Stripper unbemerkt zu beseitigen, zieht zwar immer wieder amüsante Situationen nach sich; vor allem die für Sony-Komödien in der Vergangenheit so typischen Meta-Einschübe, mit deren Hilfe die Macher direkt mit den Genrekonventionen selbst kokettieren, bilden auch in diesem Fall die Highlights des Films. Doch die Schlagzahl gelungener Gags ist einfach nicht hoch genug und bietet darüber hinaus zu wenig Abwechslung, als dass „Girls‘ Night Out“ mit Genrehighlights der Marke „Hangover“ mithalten könnte. Sogar der Versuch, Überraschung mithilfe von Plottwists zu erzeugen, schlägt fehl. Wenn sich im letzten Drittel die echten Umstände der ganzen Tat erklären, dann wird ein Großteil des Publikums diese Entwicklung bereits lange vorab gerochen haben. Es ist somit einzig und allein den Damen zu verdanken, dass der perfekt auf sie zugeschnittene Film nicht in Langatmigkeit abdriftet. Und wer nicht sämtliche US-Komödien der vergangenen fünf Jahre gesehen hat, wird an „Girls‘ Night Out“ obendrein nochmal mehr Spaß haben, als mit der Materie nur allzu vertraute Zuschauer.

Wohin nur mit dem Toten?

Das wahre Highlight von „Girls‘ Night Out“ bildet allerdings ausgerechnet ein Subplot, der mit den Frauen überhaupt nichts zu tun hat. Die sich bei ihrer Inszenierung auf den üblichen Hochglanz-Komödien-Look verlassende Lucia Aniello nimmt irgendwann auch noch den Verlobten von Hauptfigur Jess in den Fokus. Als dieser durch unglückliche Umstände von der (falschen) Nachricht erfährt, seine Ehefrau in spe wolle die Hochzeit mit ihm nicht mehr, begibt dieser sich auf eine abenteuerliche, von Aufputschmitteln und Drogen begleitete Reise von seinem Zuhause in Richtung Miami, wo seine Freundin mit ihren Mädels verweilt. Dieser insgesamt nur einen winzigen Bruchteil der Handlung ausmachende Subplot steckt voller irrer Ideen, punktet mit einem fantastisch aufgelegten Paul W. Downs (spielt wie viele seiner Kollegen in „Girls‘ Night Out“ in Lucien Aniellos TV-Serie „Broad City“ mit) und ist dem Rest des Films in Schnelligkeit und Einfallsreichtum meilenweit voraus. Das unterstreicht auch einen weiteren Aspekt, durch welchen „Girls‘ Night Out“ im Großen und Ganzen nicht richtig mitreißen kann: Punktet dieser Nebenhandlungsstrang durch die knackig-kurze Inszenierung, ist das gesamte Filmszenario einfach nicht auf 100 Minuten Lauflänge ausgelegt. Als Shortmovie hätte der Film weitaus besser funktioniert. So kommt er leider nicht über Standardware aus dem US-amerikanischen Komödiensektor hinaus.

Fazit: „Girls‘ Night Out“ hat einige schöne Momente und kann am meisten durch das Ensemble und den Subplot um eine aus dem Ruder laufende Rettungsmission überzeugen. Die eigentliche Handlung präsentiert sich dagegen zu austauschbar, um sich im ohnehin überlaufenden Party-Komödien-Segment ein Alleinstellungsmerkmal zu erarbeiten.

„Girls‘ Night Out“ ist ab dem 29. Juni bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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