Rings

Fünfzehn Jahre nach Gore Verbinskis Horror-Meisterwerk „Ring“ und zwölf Jahre nach dem wahrlich furchterregenden zweiten Teil „Ring 2“ erscheint mit RINGS nun ein weiteres Sequel, das uns in die Welt des finsteren Brunnenmädchens Samara führt. Ob es eine gute Idee war, das Franchise wieder zum Leben zu erwecken, das verrate ich in meiner Kritik.

Rings

Der Plot

Es kursiert immer noch: das Video, das einen umbringt, wenn man es sich ansieht. Seit dem letzten Todesfall sind mittlerweile zwei Jahre vergangen, als der attraktive Bio-Professor Gabriel (Johnny Galecki) auf einem Flohmarkt einen alten Videorekorder ersteht. Auf die Aufforderung „Play Me“, die auf einer mitgelieferten Videokassette steht, reagiert er prompt – und schaut sich sogleich den gruseligen Videoclip an, mit dem sich das Brunnenmädchen Samara einst ihre vielen Todesopfer holte. Ähnliches ist offenbar auch Carter (Alex Roe) ergangen. Seit Wochen distanziert er sich von seiner Freundin Julia (Mathilda Anna Ingrid Lutz), bis sie ihn eines Tages gar nicht mehr erreicht. Sie reist zu ihm, um seinem Verschwinden auf die Schliche zu kommen. Vor Ort entdeckt sie Recherchematerial und diverse Aufzeichnungen, denn ihr Freund hatte kurz zuvor noch versucht, mehr über die Urheberin eines mysteriösen Videobandes herauszufinden…

Kritik

Es ist schon etwas sehr Besonderes, wenn das Remake eines Horrorfilms größere Begeisterungsstürme auslöst, als das (in diesem Fall japanische) Original. Doch genau das gelang Regie-Virtuose Gore Verbinski (sein neuester Film „A Cure for Wellness“ ist ab dem 26. Februar auch in den deutschen Kinos zu sehen) mit seiner auf den internationalen Kinomarkt abgestimmten US-Neuauflage von Hideo Nakatas „Ringu“, die heute, fünfzehn Jahre später, Kultstatus genießt. Die faszinierende Mischung aus Horrorschocker, Kriminalfilm und Charakterdrama steckt voller verstörender Details und entfaltet auch beim wiederholten Anschauen noch immer den Terror von damals; sofern man den auf vielen Insiderlisten unter den „gruseligsten Filmen aller Zeiten“ aufgeführten Horrorfilm denn überhaupt ein zweites Mal sehen will. Vor allem das berühmt berüchtigte Video, das so in der Form nicht nur im Internet zu finden, sondern auch als verstecktes Easter-Egg auf einigen DVD-Editionen enthalten ist, bildet ein bedeutendes Element, mit welchem sich die Ereignisse im Film auch in die Realität übertragen lassen. Das drei Jahre später nicht mehr von Verbinski beaufsichtigte Sequel „Ring 2“ konnte qualitativ dann nicht mehr an das anknüpfen, was Gore Verbinski an Einfallsreichtum, Eleganz und Cleverness vorgelegt hat. Trotz des wiederholten Mitwirkens von Naomi Watts („Shut In“) als Rachel und David Dorfman als ihr Sohn Aidan wurde aus „Ring 2“ ein weitestgehend generisches Jumpscare-Spektakel mit einigen visuellen Spielereien und einer nur noch rudimentären Orientierung an der Original-Geschichte. Bei der Erklärung von Seiten Paramount Pictures, man wolle das „Ring“-Franchise fortan im Jahrestakt fortsetzen, einhergehend damit, dass vor Kinostart so gut wie keine Infos an die Öffentlichkeit gedrungen sind, lässt darauf schließen, dass der dritte Teil „Rings“ eher an die Qualitäten des zweiten, denn des ersten Teils anschließend dürften. Doch ganz so schlimm ist es Gott sei Dank nicht.

Matilda Lutz as Julia in RINGS by Paramount Pictures

Matilda Anna Ingrid Lutz nimmt es in „Rings“ mit Samara auf…

Bereits in der Eröffnungsszene deutet der spanische Regisseur F. Javier Guttiérrez („Tres dias“) an, was angesichts der vielen, zwischen Teil zwei und Teil drei vergangenen Jahre erwartbar war: Der von Samara ausgehende Grusel verbreitet sich in „Rings“ nun nicht mehr ausschließlich über das Videoband (auch wenn dieses ganz stilecht den Auftakt zu diesem neuen Horrorerlebnis bildet); stattdessen reicht es heutzutage schon aus, die Datei des Clips mit einem Mausklick zu kopieren, um wieder sicher zu sein. Damit knüpft „Rings“ an den gleichnamigen Kurzfilm an, der zeitlich zwischen Teil eins und zwei zu verorten ist und die Geschehnisse dieser beiden Filme miteinander verknüpfen sollte. Das rund zehnminütige Shortmovie erzählt von dem im Zuge des Videobandes entstandenen Menschengruppen (den sogenannten Ringen), die sich das Video gezielt hin- und herschicken, um mithilfe von Samara eine Nahtoderfahrung zu durchleben. Mit einem solchen Ring nimmt auch „Rings“ seinen Anfang, nur dass das Skript von David Loucka („House at the End of the Street“), Jacob Estes („Mean Creek“) und Akiva Goldsman („Die 5. Welle“) kurz darauf eine völlig andere Richtung einschlägt. Anders als erwartet verfolgt Guttiérrez mit seinem Film nämlich nicht etwa den reißerischen Stil von „Ring 2“, sondern besinnt sich vielmehr auf die eher im Krimigenre zu findenden Wurzeln des Franchise-Auftakts. So ist „Rings“ für einen Horrorfilm im Jahr 2017 erstaunlich dialoglastig und profitiert stark davon, dass den Verantwortlichen sichtlich daran gelegen ist, erzählerisch möglichst viel aus der Grundgeschichte rund um Samara herauszuholen.

Im Großen und Ganzen gelingt das auch. Die Ausgangslage um das Schicksal des mordenden Brunnenmädchens lässt man unverändert. Stattdessen spannt man den Bogen rund um ihre Herkunft noch weiter, befasst sich mit ihrer Mutter, ihren Großeltern und dringt noch tiefer in die geschundene Seele des Mädchens ein. Das wirkt hier und da überzogen; erst recht, da ein Großteil des Gruselfaktors in „Ring“ und „Ring 2“ daher rührte, eben nicht alles über Samara zu wissen und weite Teile ihrer Geschichte bewusst im Dunkeln zu lassen. Trotzdem findet F. Javier Guttiérrez immer nachvollziehbare Gründe für die Darstellung des Gezeigten. Was ihm dagegen kaum gelingt, ist die Anleitung seiner Schauspieler. Die Protagonisten Matilda Lutz („Crossing Lines“) und Alex Roe („Die 5. Welle“) ergeben optisch zwar ein absolutes Vorzeigepärchen, doch die Handlung auf ihren Schultern zu tragen, gelingt ihnen nicht. Die Interaktion der beiden ist nicht bloß durchgehend von einer ermüdenden Mittelmäßigkeit geprägt, sie besitzen schlicht und ergreifend nicht genug Ecken und Kanten, um die Jagd nach Samara emotional zu unterfüttern. Es fehlt „Rings“ an einem adäquaten Ersatz für die so aufopferungsvolle Rachel, die in „Ring“ und „Ring 2“ so besessen davon war, sich und ihren Sohn vor Samara zu beschützen. So sind in diesem Film einzig und allein die Ermittlungen selbst das Spannende, nicht aber der Ausgang derselben – ob Julia und Hoult nämlich überleben, ist einem schon ziemlich bald ziemlich egal.

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Das berühmt berüchtigte Video wurde um einige gruslige Aufnahmen ergänzt…

Während „Rings“ inhaltlich auf überraschend stabilen Beinen steht, die mit einer pfiffigen (und durchaus überraschenden) Schlusspointe nochmal eine Spur kräftiger erscheinen, gibt der Horrorfilm inszenatorisch allenfalls ein solides Bild ab. Kreierte Gore Verbinski noch eine durch und durch beklemmende, fiebrige und so tatsächlich noch nie da gewesene Atmosphäre, scheinen sich F. Javier Guttiérez und sein Kameramann Sharone Meir („Whiplash“) hier einzig und allein auf einen an das Original angelehnten Farbfilter zu verlassen. „Rings“ konzentriert sich visuell auf dieselben Farbtöne wie „Ring“ im Jahr 2002, weist ähnliche Kamerafahrten und –Perspektiven auf und die Aufnahmen der eins zu eins aus dem Original übernommenen Bilder des berühmten Videos fügen sich nahtlos ins Gesamtkonstrukt ein, doch eine derart dichte Atmosphäre, geschweige denn Spannung kommt nie auf – nicht zuletzt, weil ausgerechnet Samara nur noch vereinzelt von einem echten Mädchen gespielt wird. Mit einigen Ausnahmen wie der gelungenen Musikuntermalung (Matthew Margeson) sowie den sich perfekt ins alte Video integrierenden, neuen Kurzclips, die die bekannte Bildabfolge um einige gruselige Szenen ergänzen, wirkt „Rings“ wie eine Billigversion des Originals und kann zu keinem Zeitpunkt mit der Intensität desselben mithalten. Das ist schade. Schließlich hat die Geschichte echtes Potenzial. Und irgendwie hatten wir das eigentlich andersherum erwartet…

Fazit: Erzählerisch kann F. Javier Guttiérrez den „Ring“-Kosmos um einige interessante Facetten ergänzen, doch inszenatorisch kommt sein sehr krimilastiger „Rings“ nicht über den Status einer gut gemeinten Hommage hinaus.

„Rings“ ist ab dem 2. Februar in den deutschen Kinos zu sehen.

5 Kommentare

  • „den auf vielen Insiderlisten als „gruseligster Film aller Zeiten“ aufgeführten Horrorfilm“

    Es gibt Insiderlisten für Filme? Ist das nicht ein Begriff aus dem Aktienhandel?
    Aber davon abgesehen, wo kann man denn die von dir angesprochenen Listen mit den gruseligsten Filmen aller Zeiten finden? Würde gerne wissen, was sich da noch für Filme befinden und wer genau The Ring auf Platz 1 setzt und auch warum.

    Und findest du wirklich, dass Rings die Geschichte interessant weiterspinnt? Es ist glücklicherweise nicht so, dass der Matrix-ähnliche Plot des Finales der Roman-Trilogie erzählt wird, aber die Story rund um den Pfarrer (Don’t Breathe lässt grüßen) und Samara beißt sich doch stellenweise mit dem, was wir aus den anderen Teilen über Familie, Pflegefamilie und Zeitlinie kennengelernt haben. Ich sehe das eher wie Cube Zero, der wie hier viel zu viel von den mysteriösen Begebenheiten des Originals raubt.

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    • Aber ich muss doch einem aktiven Internet- und Medienkonsumenten nicht davon erzählen, dass alle Nase lang irgendwelche Redaktionen, Kritiker etc. ihre Filmlieblinge ranken und das gern auch genrebezogen. Und da gehört neben Klassikern wie SHINING oder DER EXORZIST auch ein Film wie RING gern zu den Spitzenreitern. Er hatte ja auch viele Jahre Zeit dafür. 😉

      Und – auch wenn es immer nett ist, sich mit dir auszutauschen: Ich fände es klasse, wenn Du in deinen Kommentaren auf Spoiler verweisen könntest. Ist für unwissende Leser sonst immer ein wenig doof.

      SPOILER

      Dein Verweis in Richtung „Don’t Breathe“ ist zwar naheliegend (und kam auch mir in den Sinn), aber ich kann ihn schlecht kritisch anführen, da der Film VOR „Don’t Breathe“ gedreht wurde, das ist also wohl tatsächlich Zufall. Aber die Parallelen sind auf jeden Fall da.

      Ich habe nicht ausmachen können, dass sich die Zeitlinie oder das Wissen um die Person Samara irgendwo beißen. Horrorfilmkonform muss man die logischen Grundsätze ein wenig ausdehnen und manche Übergänge würden in der Realität so nicht recht funktionieren. Aber das eine hebt das andere nicht auf. Trotzdem sind wir uns ja einig darin, dass man nicht alles aufklären braucht. Daher bin ich auch skeptisch, was passiert, wenn es NOCH eine Fortsetzung geben soll. Noch mehr entmystifizieren kann man Samara ja nun nicht mehr… 😀

      Liebe Grüße

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      • Musst du mir nicht, aber da du explizit gewisse Listen ansprichst, hätte ich mir diese gerne mal angesehen, denn auf die Schnelle habe ich keine mit The Ring auf dem ersten Platz gefunden (Exorzist und Shining hingegen schon).

        Ist das denn ein Spoiler? Da muss man als Leser aber schon sehr viel Fantasie mitbringen, um aus dem Filmverweis etwa mitzunehmen für die Story von Rings, bzw. den Verlauf der Geschichte. Aber ich bin da auch nicht ganz so sensibel.Du kannst dem Kommentar gerne eine Spoiler-Warnung editieren, wenn du das für nötig hälst. Damit habe ich kein Problem.

        Habe nochmal nageschaut und laut Wikipedia (en) gab es bei Rings Nachdrehs im Juli 2016. Wobei keine Quelle angeführt ist, was immer blöd ist und auch nicht ersichtlich ist, was sie da gedreht haben. Aber auch angesichts der drei Drehbuchfassungen würde es mich nicht grundsätzlich wundern, wenn es etwas mit dem Ende zu tun hätte.

        Na gut, wenn man die Realität ausweitet, dann lässt sich das sicher hinbiegen. Wie gesagt bin ich ganz froh, dass sie nicht die Romanvorlage verfilmt haben, denn die verlangt einem so einiges ab an Übersinnlichkeit.
        Hör mir bloß auf mit einer eventuellen Fortsetzung, das Wort kann ich langsam nicht mehr hören (außer bei Deadpool). Da freut man sich umso mehr auf den von dir angesprochenen A Cure for Wellness.
        Eine Original-Geschichte. Das Wort geht so gut von der Hand.

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      • Ich bin da selbst auch nicht so empfindlich, habe mich bei Spoilern aber schon das eine oder andere Mal in die Nesseln gesetzt. Daher dachte ich, sag ich es jetzt bei einem Grenzfall für später – jetzt nachträglich einfügen werde ich nichts, alles fein. 🙂

        Ja, das mit den Nachdrehs habe ich auch gelesen und aus exakt diesem Grund habe ich dann eben auch nichts zu besagten Szenen geschrieben. Eben, weil man nicht weiß, was nachgedreht wurde und eh ich dem Film etwas zum Vorwurf mache, was nicht angebracht ist, erwähne ich es lieber weder lobend, noch tadelnd. Es ist übrigens ein echt lustiges Autorentrio, das sich hier zusammengefunden hat, wenn man sich mal die Projekte der Schreiberlinge anschaut. Das Mitwirken von Akiva Goldsman hat mich am meisten überrascht. Leider fühlt sich der Film aber auch genau so an – als hätten an dem Skript sehr viele verschiedene Leute herumgewerkelt.

        Und leider darf ich zu „A Cure for Wellness“ noch absolut nichts sagen, aber ich kündige an dieser Stelle schon mal an, dass du dich auf die nächste Woche erscheinende Review freuen darfst. 🙂

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      • Leider habe ich dieses Jahr den Vorsatz, mir vor dem Film gar nichts über diese durchzulesen und auch keine Trailer anzuschauen. Von dem her werde ich mir Kritiken erst wieder im Nachhinein durchlesen.
        (Mit dem Vorsatz lebt und schreibt es sich bislang sogar sehr gut, muss ich gestehen)

        Oh ja, habe mir vorhin auch mal angeschaut, was die so „verbrochen“ haben. Goldsman ist an sich ist schon wahnsinnig erstaunlich. Auf der einen Seite A Beautiful Mind und dann sowas wie die 5. Welle oder Batman & Robin.

        An dieser Stelle wünsche ich dir eine erholsame Nacht und ich gebe bestimmt bald mal wieder meinen Senf zu einer deiner Kritiken ab.

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