Den Sternen so nah

Fernbeziehungen sind was für Weicheier! In Peter Chelsoms Teenager-Romanze DEN STERNEN SO NAH leben Mann und Frau gar auf unterschiedlichen Planeten. Eine interessante Ausgangssituation, aus der leider wenig Gefühl entsteht. Mehr dazu in meiner Kritik.Den Sternen so nah

Der Plot

Eigentlich könnte alles so sein wie bei Tausenden anderen Teenagern auch: Gardner (Asa Butterfield) und Tulsa (Britt Robertson) haben sich beim Chatten im Internet kennengelernt und würden sich gern endlich persönlich kennenlernen. Aber was Tulsa nicht ahnt: Gardner lebt Millionen von Kilometern von ihr entfernt. Vor 16 Jahren kam er während einer Mars-Expedition als Kind einer Astronautin zur Welt. Seine Mutter starb bei der Geburt, und er lebt seitdem auf dem roten Planeten. Schon lange aber träumt er davon, endlich zur Erde zu fliegen, um endlich das wirkliche Leben kennen zu lernen – und natürlich Tulsa, das Mädchen aus Colorado, die ihm, ebenso einsam wie er, so vertraut und verbunden scheint. Die Ärzte befürchten zwar, dass sein Körper der Erdatmosphäre nicht gewachsen sein könnte. Aber Gardners Neugier und Freiheitsdrang sind größer als alle Bedenken. Endlich auf der Erde angekommen, macht er sich bei erster Gelegenheit aus dem Staub, um zusammen mit Tulsa den Trip seines Lebens zu unternehmen – und um seinen Vater zu finden…

Der Plot

Eine Fernbeziehung zu führen, kann ganz schön hart sein, ist innerhalb Deutschlands aber möglich. Ein Hoch auf die gute Infrastruktur! Das Szenario, das Peter Chelsom („Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück“) auf Basis des Drehbuchs von Allan Loeb („Verborgene Schönheit“) in „Den Sternen so nah“ etabliert, treibt die Idee vom gemeinsamen Einsamsein auf die Spitze. Sein Poragonistenpärchen lebt nicht bloß in fremden Städten, in verschiedenen Ländern oder auf unterschiedlichen Kontinenten. Zwischen Mann und Frau liegen hier Abermillionen von Kilometern – der draufgängerische Gardner lebt auf dem Mars, die zurückhaltende Tulsa auf der Erde. Wie es so kam, dass der Teenager-Junge auf dem Planeten lebt, auf dem zuletzt schon Matt Damon zum Marsianer wurde, ist eine von vielen hanebüchenen Ideen, die die zwischenzeitlich immer wieder recht charmant anzusehende Teenagerromanze präsentiert. Gleichzeitig hält einen aber nicht einmal die Besinnung auf dieses High-Concept davon ab, wie viel logischen Spielraum sich Peter Chelsom hier nimmt. Und leider merkt man der Geschichte zu guter Letzt auch noch das Mitwirken von Allan Loeb an. Nach seiner Mitarbeit am moralisch fragwürdigen Drama „Verborgene Schönheit“ ist auch die Botschaft von „Den Sternen so nah“ keine, die man (gerade als Heranwachsender) für bare Münze nehmen sollte.

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Gardner (Asa Butterfield) und seine Angebetete Tulsa (Britt Robertson) genießen die Zeit zu zweit.

Das starbesetzte Ensembledrama „Verborgene Schönheit“ lebte von der Prämisse eines schwer depressiven Geschäftsmannes, der von drei Freunden und mithilfe billiger Tricks davon überzeugt werden sollte, psychisch krank zu sein, um sich endlich seiner Krankheit zu stellen. Eine ziemlich befremdliche Angelegenheit – erst recht, wenn sie, wie hier, im Rahmen einer Wohlfühlschmonzette aufbereitet wird. Auch der hierzulande äußerst erfolgreiche Science-Fiction-Blockbuster „Passengers“ ließ einen am Ende ziemlich gespalten zurück; streifte Morten Tyldums Film doch ähnliche moralische Gewässer, wie die Will-Smith-Show seines Kollegen. Wenngleich sich die Personalien im Hinblick auf „Den Sternen so nah“ nur bedingt decken, gleichen sich die finalen Aussagen sämtlicher Filme und lassen in einem die Frage aufkommen, ob 2017 das Jahr solcher Geschichten werden soll, in denen man unsereins eintrichtert, bloß nichts mehr zu hinterfragen, sondern die gegebene Situation einfach nur so hinzunehmen, wie man sie uns präsentiert. Was Will Smith in „Verborgene Schönheit“ und Jennifer Lawrence in „Passengers“ über sich ergehen lassen mussten, wiederholt sich hier nämlich für die von Asa Butterfield („Enders Game“) recht eindimensional verkörperte Hauptfigur Gardner. Erneut wird eine Person zum Opfer (falschen) Handels Umstehender und erneut spricht man ihr jegliche Entscheidungsfreiheit ab. Das ist zu Beginn der Story noch nachvollziehbar, schließlich kann Gardner vom roten Planeten nicht einfach so fliehen. Doch spätestens wenn sich das Geschehen vom Mars auf die Erde verlagert, nimmt die Menschenjagd der es besser wissenden Erwachsenen auf den Jungen Ausmaße an, welche die eigentlich im Mittelpunkt stehende Teenie-Romanze immer mehr verdrängen.

Die für die Zielgruppe eigentlich so relevante Liaison zwischen den beiden gut miteinander harmonierenden Hauptdarstellern kann streckenweise trotzdem mitreißen. In erster Linie liegt das an der Performance von Britt Robertson, die schon in der Nicholas-Sparks-Verfilmung „Kein Ort ohne Dich“ ihr Händchen für leidenschaftliches Gefühlskino bewiesen hat. Die Interaktion zwischen ihr und dem – im wahrsten Sinne des Wortes – weltfremden Gardner ist von einer spürbaren Leichtigkeit geprägt. Wenn Gardner seiner Traumfrau ganz unverhohlene Avancen macht und sie diese mit der Begründung ablehnt, dass man ja nicht einfach so seine Gefühle offenbaren könne, ist die naive Wahrheit spürbar, die sich durch „Den Sternen so nah“ zieht. In erster Linie geht es nämlich um das sich Annähern, das Entdecken der Gemeinsamkeiten trotz aller Unterschiede, sowie die Erkenntnis, dass es nicht immer ausreicht, einfach nur stark zu sein. Wenn das Paar im letzten Drittel an seine naturgegebenen Grenzen stößt, wird es sogar richtig dramatisch. Doch all das gerät in den Hintergrund, wenn in der nächsten Szene wieder die Jagd auf die beiden im Mittelpunkt steht und die Erwachsenen zwei Jugendliche dafür büßen lassen, was sie vor langer Zeit selbst verbockt haben. Das nur allzu versöhnliche Ende setzt dieser moralisch äußerst fragwürdigen Aussage schließlich die Krone auf. „Verborgene Schönheit“ und „Passengers“ lassen grüßen – so schlimm ist all das natürlich gar nicht.

BRITT ROBERTSON and ASA BUTTERFIELD star in THE SPACE BETWEEN US

Das Traumpaar flüchtet auf dem Motorrad vor seinen Verfolgern…

Richtig Eindruck macht „Den Sternen so nah“ indes auf der technischen Ebene. Kameramann Berry Peterson („Central Intelligence“) kleidet den Film in große, klare und die Schönheit des Planeten Erde betonende Bilder, während er die Mars-Kulisse ähnlich aussehen lässt, wie schon Ridley Scott in „Der Marsianer“. Das weitaus schmalere Budget sieht man dem Film nicht an. Dafür ergötzen sich die Macher im Rahmen der Ausstattung zu gekonnt an den ohnehin schwelgerischen Kulissen. Weitaus weniger umsichtig gerät da das musikalische Design. Komponist Andrew Lockington („San Andreas“) weiß mit seinem zurückhaltenden Score noch zu gefallen, doch wie es in modernen, auf Teenager konzipierten Filmen mittlerweile üblich ist, setzt Regisseur Peter Chelsom auf allerhand Radiopop. Das raubt dem Leinwandgeschehen die ohnehin nur selten anzutreffende Subtilität – in „Den Sternen so nah“ überlässt man eben nichts dem Zufall. Ausgerechnet eine Sache scheint es aber dann doch sehr undurchdacht ins Skript geschafft zu haben. Als die Existenz von Gardners Vater auf der Zielgeraden enttarnt wird, verpufft die Wirkung dieses vermeintlichen Twists in der Luft. Das hat nämlich nichts mehr mit einer erzählerischen Überraschung zu tun, sondern mit aus der Luft gegriffenem Humbug. Immerhin: An der Dramatik der Geschichte ändert es nichts. Das ist wohl das, was zumindest die Zielgruppe am ehesten interessieren dürfte.

Fazit: „Den Sternen so nah“ überzeugt dank der gut miteinander harmonierenden Hauptdarsteller stellenweise als romantisches Drama. Über die moralisch fragwürdige Aussage sowie den hanebüchenen Plottwist innerhalb des Schlussakts dieses sich insgesamt sehr zäh anfühlenden Films, können die beiden ihm dann aber auch nicht hinweg helfen.

„Den Sternen so nah“ ist ab dem 9. Februar in den deutschen Kinos zu sehen.

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