Pets

In den USA hat PETS in den ersten Tagen direkt den Rekord für das erfolgreichste Startwochenende eines Original-Films gebrochen. Nun kommt das neueste Werk aus den Illumination-Studios auch in unsere Kinos und ein Endergebnis in mehrstelliger Millionenhöhe dürfte ziemlich sicher sein. Warum, das verrate ich in meiner Kritik.Pets

Der Plot

Im Herzen von Manhattan geht es Max (deutsche Stimme: Jan Josef Liefers) bei Frauchen Katie (deutsche Stimme: Stefanie Heinzmann) prächtig. Doch er traut seinen Augen kaum, als diese eines Tages einen weiteren Hund mit nach Hause bringt: einen riesigen, haarigen und unerzogenen Neufundländer namens Duke (deutsche Stimme: Dietmar Bär). Der freut sich tierisch über sein neues Zuhause und scheint davon auszugehen, dass er und sein neuer Bruder fortan ihr Leben bei Katie gemeinsam verbringen werden. Natürlich versucht Max, sein Revier zu verteidigen – und Duke, der eigentlich bloß ein großer, süßer Hund ist, bekommt bald das ungute Gefühl, dass sein Artgenosse ihn nicht mag. Als sicher ist, dass Max ihn wieder vertreiben will, ergreift Duke die Initiative. Beim täglichen Spaziergang in den Park, will er Max in einer Falle locken. Doch der Plan geht mächtig schief und beide landen in den Händen von Hundefängern. Nun sind Max‘ Freunde, die arrogante Katze Chloé (deutsche Stimme: Martina Hill), der hyperaktive Zwergspitz Gidget (deutsche Stimme: Jella Haase) und viele andere Haustiere New Yorks gefragt, um Max und Duke nicht nur aus den Klauen der Hundefänger, sondern auch vor einer gefährlichen Bande weggeworfener Haustiere zu retten, die unter der Führung des jähzornigen Hasen Snowball (deutsche Stimme: Fahri Yardim) Jagd auf die beiden Vierbeiner machen.

Kritik

Die großen amerikanischen Animationsstudios haben alle ihren ganz eigenen Wiedererkennungswert. Disney und Pixar kreieren Geschichten, die Groß wie Klein mittels unaufdringlicher Message gleichermaßen verzaubern. DreamWorks Animation setzt lieber auf das dynamische Abenteuer mit exzentrischen Figuren, packt eine ordentliche Portion Popkulturverweise hinzu und tangiert die herzliche Message nur oberflächlich. Dasselbe gilt für die Blu-Sky-Studios, die sich in den letzten Jahren kaum voran bewegten und deren neuestes „Ice Age“-Abenteuer auch an den Kinokassen derzeit die Quittung dafür bekommt, dass die Macher technisch immer noch auf dem Stand von 2005 verweilen; von der inhaltlichen Austauschbarkeit ganz zu schweigen. Das noch recht junge Animationsstudio Illumination wurde hauptsächlich aufgrund der immens erfolgreichen „Minions“-Abenteuer bekannt und setzt ähnlich DreamWorks und Blu-Sky lieber auf rasanten 3D-Klamauk denn tiefschürfende Botschaften. Doch genau das scheint zumindest im Falle der gelben Kultwichtel der Schlüssel zum Erfolg gewesen zu sein. Es lässt sich nur schwer vorstellen, dass insbesondere das „Minions“-Spin-Off mit einer komplexeren Geschichte ebenso gut funktioniert hätte. Nun nimmt sich dieses Studio der Frage an, was unsere Haustiere eigentlich so treiben, wenn wir Menschen nicht hinsehen. Da werden Erinnerungen an Disneys „Toy Story“ wach, der dasselbe Prinzip aufgriff, als er es 1995 auf Spielzeuge übertrug. Auch der Rest der Handlung bietet inhaltlich weder Neues, noch besonders viel Substanz. Das lässt Disney sicher aufatmen; dem Mäusekonzern in Zusammenarbeit mit der ehemaligen Apple-Firma Pixar macht in Sachen „dreidimensionales Geschichtenerzählen“ keiner etwas vor. Die Qualitäten von „Pets“ liegen ähnlich der „Ich – Einfach unverbesserlich“-Filme woanders. Unter dem fast vollkommenen Verzicht auf emotionalen Ballast bieten die knalligen CGI-Eskapaden der amüsanten Vierbeiner absolut kurzweilige Comedy, bei der das Prädikat „für die ganze Familie“ keine bloße Werbefloskel ist.

Pets

In den USA gelang der neuesten Regiearbeit von Chris Renaud („Ich – Einfach unverbesserlich 1 und 2“) und Yarrow Cheney („How the Grinch Stole Christmas“) direkt zum Startwochenende ein neuer Rekord: Mit einem Einspiel von rund 103 Millionen US-Dollar holte „Pets“ das bisher stärkste Ergebnis eines Original-Films ein und stellte den bisherigen Rekordhalter „Alles steht Kopf“ in den Schatten. Kein Wunder: Bereits bei der Aufmachung der Trailer verließen sich die Macher auf ein Konzept, mit welchem schon Filme wie „Der König der Löwen“, „Die Eiskönigin“ oder eben auch „Minions“ zum Erfolg geführt wurden: Die ersten Bewegtbilder gingen als eine Art Kurzfilm viral; eine Sequenz, die fast vollständig auf das gesprochene Wort verzichtete und einen ersten Einblick in das geben sollte, was für einen Unfug die von ihren Haltern allein gelassenen Haustiere anstellen, bestach mit hohem Slapstick-Gehalt und der Konzentration auf Physical Comedy. Damit ist das „Pets“-Short-Movie direkt universell (und eben auch für die aller kleinsten) verständlich und avancierte zu einem der meistgeklickten Trailer des bisherigen Kinojahres. Dass dieser erste Eindruck nur rudimentär die Stärken des Langfilms einfängt, liegt schon angesichts der Filmlänge auf der Hand; ein Animationsfilm aus dem Jahre 2016 würde mit dem vollständigen Verzicht auf Sprache schon ein großes Wagnis eingehen. Es ist daher kein Geheimnis, dass „Pets“ keine bloße Aneinanderreihung von Momentaufnahmen ist, sondern einen roten Faden besitzt, der hier in Form eines New-York-Reise-Plots zutage tritt. Unsere Helden gehen in der Hektik des Big Apple verloren und müssen irgendwie wieder nach Hause finden, um von ihren Menschen in die Arme geschlossen zu werden.

Diese Menschen spielen in „Pets“ eine absolut untergeordnete Rolle. Der Film nimmt vollständig die Sichtweise der Vierbeiner an, was hier und da schade ist; gerade die Szenen, in denen die Macher das Zusammenleben von Mensch und Tier einfangen, gehören zu den humoristischen  Höhepunkten des Films und veranschaulichen treffend die unterschiedliche Umweltwahrnehmung der verschiedenen Spezies. Doch die Autoren entschließen sich dazu, den Zweibeinern schon bald keinerlei Relevanz beizumessen.  Haben Max und Duke die Hundefänger erst einmal ausgetrickst, konzentriert sich „Pets“ ausschließlich auf die Interaktion innerhalb der gemischten Haustiergruppen. Auf der einen Seite stehen die Vierbeiner aus Menschenhaltung, die den beiden abhanden gekommenen Hunden helfen wollen. Auf der anderen Seite agiert das Rudel aus ausgesetzten, abgeschobenen Haustieren unter der Führung des hyperaktiv-aggressiven aber äußerlich doch auch tierisch süßen Hasen Snowball. Zunächst als Rettung für Max und Duke infrage kommend, erweist sich die Truppe schnell als radikale, fast sektenähnliche Gruppierung, die Haustiere aus Menschenhaltung generell ablehnt und sich daher als neuer Gegenspieler für Max und Duke entpuppt. Die beiden werden zu Gejagten, die sich allein durch die US-amerikanische Metropole schlagen müssen. Die verschiedenen Stationen, die die beiden Partner wider Willen auf ihrer Reise durchlaufen, reihen sich sketchartig aneinander und sind auf hohem Niveau von unterschiedlicher Qualität. Ein Besuch in einer Wurstfabrik wird zu einem wahnwitzigen, surrealistisch anmutenden Würstchen-Ballett (und damit irgendwie auch zu einem inoffiziellen Trailer des nahenden Erwachsenen-Animationsfilms „Sausage Party“), eine Stippvisite bei Dukes altem Zuhause unterfüttert Dukes Charakter, bringt Ruhe in die Handlung, bremst das vorab aufgebaute Erzähltempo aber auch ein wenig zu sehr aus. Besonders gelungen sind sämtliche Aufeinandertreffen mit der Wildtier-Bande; ein gescheitertes Aufnahmeritual in der New Yorker Kanalisation entwickelt eine irrwitzige Eigendynamik und auch sämtliche Verfolgungsjagden können in Rasanz und Ausführung locker mit Real-Life-Actionfilmen mithalten.

Pets

All diese Szenen eint sowohl das stets vorherrschende hohe Tempo, als auch die Konzentration auf Slapstick. Allzu ausgefallenen Wortwitz bietet „Pets“ ebenso wenig, wie eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Figuren. Letzteres hat einerseits Vorteile; in seinen ohnehin sehr kurzweiligen 87 Minuten hält sich die Geschichte nie zu lange an langen Erklärungen auf. Die Figuren sprechen für sich, Gedankengänge und Handlungen ergeben sich aus der jeweiligen Situation. Gleichwohl haben Momente wie der Besuch bei Dukes altem Zuhause nicht den gewünschten, emotionalen Effekt. Es ist nahezu irrelevant, welche Backgroundgeschichten die einzelnen Charaktere haben; selbst der nur noch zwei funktionstüchtige Beine besitzende Hundegreis Pops (deutsche Stimme: Didi Hallervorden) nimmt seine nur noch kurze Lebenserwartung immer wieder zum Anlass derber Späße. Doch den Machern scheint das bewusst zu sein: Läuft „Pets“ Gefahr, zu lang die falschen Gefühlsregungen zu provozieren, ziehen die Macher die Bremse und konzentrieren sich wieder ganz auf das Abenteuer. Dass dieses sie durch eine animierte Version von New York führt, ist für den Zuschauer ein echter Glücksgriff. Schon die in spektakulärer 3D-Optik (der Aufpreis an der Kasse ist diesmal tatsächlich Pflichtprogramm!) animierte Fahrt quer durch den Big Apple ist nicht nur eine Augenweide, sondern auch eine wundervolle Hommage an die Stadt selbst. Wann immer es sich anbietet, ergötzen sich die Macher an wundervollen New-York-Panoramen, die selbst Pixar nicht hätte besser kreieren können. Die Animation von Mensch und Tier ist indes weitaus comichafter. Das fast schon naive, dem Kindchen-Schema angepasste Erscheinungsbild sämtlicher Lebewesen verpasst den Figuren aber auch einen hohen Wiedererkennungswert, der sich nicht zuletzt wohl auch positiv auf die Merchandise-Verkaufszahlen auswirken wird.

Für die deutsche Synchronfassung konnte, wie bereits im Original, eine große Menge mehr oder weniger namhafter Sprecher, Schauspieler und Comedians gewonnen werden. Wenngleich klare Highlights auszumachen sind – Fahri Yardims herausragende Egotour des allmachtsfanatischen Hasen Snowball ist die mit Abstand beste Leistung unter den Sprechern – halten sich die Lowlights in Grenzen. Selbst auf dem Gebiet weniger bekannte Namen wie Mario Barth als schnell zu begeisternder Mopsrüde oder YouTuber LeFloid als verpeiltes Meerschweinchen überzeugen im Ensemble und erwecken die Filmfiguren zum Leben. Einzig Didi Hallervorden („Honig im Kopf“) ist klar als er selbst zu erkennen und scheint in manchen Momenten lethargischer als es seine Rolle verträgt. Dafür qualifiziert sich „Fack ju Göhte“-Star Jella Haase als Neuentdeckung in der Synchronbranche.

Pets

Unter den Anweisungen der mutigen Spitzdame Gidget wollen Max‘ Freunde ihren Hund wieder nach Hause bringen.

Fazit: Emotionale Berührungspunkte sucht man in „Pets“ so gut wie vergeblich, dafür ist die Geschichte um eine Gruppe von Haustieren, die in den Wirren von New York verloren geht und wieder nach Hause finden muss, so dynamisch, frech und visuell detailreich inszeniert, dass man gar nicht anders kann, als sich in die flauschigen Vierbeiner zu verlieben.

„Pets“ ist ab dem 28. Juli in den deutschen Kinos zu sehen – auch in phänomenalem 3D!

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