Rico, Oskar und der Diebstahlstein

Dieser Tage startet mit RICO, OSKAR UND DER DIEBSTAHLSTEIN der dritte Film, basierend auf den gleichnamigen Romanen von Andreas Steinhöfel in den Kinos. Dieser soll gleichzeitig auch der letzte sein – was wir nicht hoffen wollen! Warum, das verrate ich in meiner Kritik.Rico, Oskar und der Diebstahlstein

Der Plot

In der Dieffe 93 hat sich einiges getan: Ricos Mutter Tanja (Karoline Herfurth) ist mittlerweile mit dem Bühl (Ronald Zehrfeld) zusammen und Ricos bester Freund Oskar (Juri Winkler) lebt mit seinem Vater Lars (Detlev Buck) nun auch bei Rico (Anton Petzold) im Haus. Also ist eigentlich alles gut und Ricos Laune ist prima. Doch dann stirbt völlig überraschend der knarzige Fitzke (Milan Peschel) und vererbt Rico seine geliebte Stein-Sammlung. Während Oskar überzeugt ist, dass diese Sammlung absolut wertlos ist und eine echte Fitzke-Marotte war, glaubt Rico nun im Besitz eines wertvollen Schatzes zu sein, den er in Gedenken an Fitzke auch würdig bewahren möchte.  Als die beiden Jungs feststellen, dass Ricos Lieblingsstein, der Kalbstein, gestohlen wurde, ist ihr Detektiv-Spürsinn geweckt! Sie müssen die Diebe stellen und finden heraus, dass die auf dem Weg an die Ostsee sind. Da passt es prima, dass Tanja mit dem Bühl in den „Knutsch-Urlaub“ geflogen ist und so begeben sich die beiden pfiffigen Jungs allein auf eine spannende Reise an die Ostsee.

Kritik

Wer einmal das Glück hatte, den beiden jungen Hauptdarstellern Anton Petzold und Juri Winkler persönlich gegenüber zu treten, der wird im Nachhinein tief durchgeatmet haben. Wird er während des Gespräches doch kaum dazu gekommen sein. Die beiden Schüler, die in ihren Paraderollen als die unzertrennlichen Freunde Rico und Oskar nun schon zum dritten Mal in Folge auf die Leinwand treten dürfen, legen eine solch selbstbewusste Energie an den Tag, von der sich selbst viele ihre erwachsenen Kollegen Dutzende von Scheiben abschneiden könnten und dann immer noch weit von dem Enthusiasmus entfernt wären, mit dem Petzold und Winkler daherkommen. Vermutlich ist diese unbedarfte Attitüde, die sich von den Darstellern zu jeder Sekunde auch auf den Film überträgt, gleichsam das Geheimnis hinter den insgesamt drei, auf den gleichnamigen Romanen von Kinderbuchautor Andreas Steinhöfel basierenden Filmabenteuern, von denen „Rico, Oskar und der Diebstahlstein“ nun das Finale bilden soll. Und es ist ein Jammer: Nachdem „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ (818.864 Zuschauer) sowie „Rico, Oskar und das Herzgebreche“ (547.352 Zuschauer) als so ziemlich einziges, hochwertiges Kinderfilm-Franchise die brachliegende Kinderkrimi-Landschaft am Leben erhielten, wird nach Beendigung der Reihe vermutlich erst einmal wieder gähnende Leere im Kinosaal herrschen. Nicht, weil das Genre des Kinderfilms generell unterrepräsentiert wäre. Sondern weil deutsche Familienproduktionen auf einem derart kreativen Niveau heutzutage kaum noch zu finden sind.

Rico, Oskar und der Diebstahlstein

Um den heutigen Sehgewohnheiten der nachwachsenden Generation zu entsprechen, setzen Kinder- und Familienfilme immer häufiger auf eine hektische Handlung, technische Spielereien und Popkulturanspielung für die älteren, den Nachwuchs begleitenden Zuschauer. Wie schon in den beiden Filmen zuvor ist auch „Rico, Oskar und der Diebstahlstein“ in Gänze anders gepolt. Neele Leana Vollmer, die bereits den ersten Teil inszenierte, nimmt sich erneut viel Zeit für die Handlung, die aus den besten Bestandteilen eines klassischen Kinderkrimis besteht. Vom Versuch, in der Bahn nicht beim Schwarzfahren erwischt zu werden, über Verfolgungsjagden am Strang bis hin zu Streits mit Freunden und Familie ist „Rico, Oskar und der Diebstahlstein“ gespickt mit unaufgeregten, für das junge Publikum jedoch nicht minder packenden Sequenzen, sofern dieses noch nicht vollständig von den CGI-Schlachten großer Filmschmieden und nervtötenden Zeichentrickserien der nachmittäglichen Privatsender geformt wurde. Daran gemessen wirkten die „Rico, Oskar“-Filme schon immer ein wenig wie aus der Zeit gefallen. Ohne die Zuhilfenahme von Special Effects oder anstrengende Farbfilter liegt der Fokus auch im Falle des „Diebstahlstein“-Abenteuers ganz auf der Interaktion zwischen den beiden Hauptfiguren sowie deren Umfeld. Und die ist vor allem deshalb so zeitlos schön, weil es dem feinsinnigen Skript von Martin Gypkens (schrieb auch das Drehbuch zu den „Herzgebreche“-Eskapaden) erneut durchgehend gelingt, die kindliche Sichtweise seiner Protagonisten einzunehmen.

Ein weiteres Mal versammelt die Regisseurin neben den Stammschauspielern auch eine große Riege an Nebendarstellern um sich. Nach Anke Engelke, Annette Frier, Moritz Bleibtreu, Katharina Thalbach und diversen weiteren Akteuren und Aktricen treten diesmal Heike Makatsch („Alles ist Liebe“), Fahri Yardim („8 Sekunden – Ein Augenblick Unendlichkeit“), Detlev Buck („Bibi & Tina: Mädchen gegen Jungs“), Friederike Kempter („Tatort“) und Katharina Schüttler („Elser“) in die Fußstapfen ihrer Vorgänger. Auch die wiederkehrende Rolle von David Kross („Boy 7“) als homosexueller Nachbar darf diesmal ein wenig mehr tun, als noch in den beiden Filmen zuvor. Die „Rico, Oskar“-Filme scheinen sich als großes Stelldichein der namhaftesten Schauspieler Deutschlands etabliert zu haben; selbst wenn einzelne Rollen nur auf einzelne kleine Szenen ausgelegt sind, ist es doch gerade diese Masse an Stars, die auch „Rico, Oskar und der Diebstahlstein“ zusätzlich aufpeppt. Eine Sache ist ihnen allen dann allerdings nicht vergönnt: Die Show stehlen lassen sich Anton Petzold und Juri Winkler auch von ihren berühmten Kollegen nicht.

Detlev Buck

Während der Schwerpunkt des Films zum Großteil auf den detektivischen Ermittlungen von Rico und Oskar liegt, ist zwischendurch immer wieder Zeit für sehr ruhige, bisweilen äußerst emotionale Töne. Wenn der von Detlev Buck zunächst so knurrig verkörperte Vater von Oskar mit der Zeit auftaut und sich ernsthaft um seinen Sohn sorgt, dann geht das spätestens dann an die Nieren, wenn er Oskar mit Tränen in den Augen eine rührende Liebeserklärung macht. Überhaupt ist Buck trotz seines nur kleinen Auftritts wohl die größte Bereicherung der Reihe; sein Charakter besticht durch eine komplexe Wankelmütigkeit, mit der die „Rico, Oskar“-Filme schon immer gesegnet waren. Regisseurin Neele Leana Vollmer verweigert sich erneut des schlichten Schwarz-Weiß-Denkens, packt Themen wie Tod, Trauer, Nacktheit und Homosexualität wie selbstverständlich an und bereitet sogar ein älteres Publikum damit noch einmal ganz neu aufs Leben vor. Die an die Zeichnungen aus den Büchern angelegten, zwischendurch eingeworfenen Animationen und Kurzfilme runden das Seherlebnis auf urkomische Weise ab (wie Oskar aus dem Off erklärt, was es mit dem Wort Klaustrophobie auf sich hat, hat den Wert eines viralen Onlinesketches).

Fazit: Wir wollen einfach nicht glauben, dass mit „Rico, Oskar und der Diebstahlstein“ tatsächlich Schluss sein soll! Erneut liefert Neele Leana Vollmer mit ihrem kurzweilig-geerdeten Kinderabenteuer ganz großes Familienkino ab.

„Rico, Oskar und der Diebstahlstein“ ist ab dem 28. April bundesweit in den Kinos zu sehen.

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