Steve Jobs

Danny Boyle ist ein Genrehopper par excellènce. Ob Survivaldrama, Thriller oder Endzeithorrorfilm – dem 59-jährigen Regisseur ist keine Filmgattung fremd. Nun legt er mit STEVE JOBS sein erstes Biopic vor. Doch eine simple Nacherzählung vom Leben des Apple-Gründers würde weder Jobs selbst, noch dem Können von Boyle gerecht werden. Stattdessen nimmt sich der Filmemacher drei Ereignisse in der Apple-Historie vor, anhand derer er die komplexe Persona des 2011 verstorbenen Genies nach und nach (de)konstruiert. Mehr dazu in meiner Kritik.Steve Jobs

Der Plot

Aufbrausend und dabei doch immer sein Ziel vor Augen, ein Mensch mit Ecken und Kanten – das ist Steve Jobs (Michael Fassbender). Inmitten der digitalen Revolution Ende der Siebzigerjahre versucht der geniale Egomane, eine Vision Wirklichkeit werden zu lassen: den Computer für jedermann. In ständigen kreativen Auseinandersetzungen, die den Zusammenhalt und das gemeinsame Ziel der drei Freunde immer wieder in Frage stellen, erschaffen Steve Jobs, Steve Wozniak (Seth Rogen) und Ron Wayne Apple und damit die Computer, die die Welt für immer verändern werden. Von den ersten Anfängen, der Entwicklung des legendären, alles revolutionierenden Macintosh bis hin zum Neuanfang mit dem iMac im Jahr 1998 – wird Jobs zu einem größten Visionäre unserer Zeit und seiner Mitstreiter.

Kritik

Als Apple-Gründer Steve Jobs Ende Oktober 2011 im Alter von 56 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung starb, herrschte für einige Tage eine Trauerstimmung in den USA, wie man es zuvor lediglich bei John Lennon, Amy Winehouse oder Kurt Cobain mitbekam. Auf der ganzen Welt versammelten sich Menschen, um dem Erfinder des iPods, iPhones und Macs zu gedenken. Die Bildschirme der Apple-Nutzer zierte dabei häufig eine Kerzen-App – ganz so, als hätte Steve Jobs schon zu Lebzeiten dafür gesorgt, dass seine Anhänger in seinem Todesfall die Möglichkeit haben, ihrer Trauer 2.0 Ausdruck zu verleihen. Denn trotz der Aufspaltung der Enterainment-Liebhaber in Apple-Befürworter und Apple-Gegner, so sind sich doch spätestens bei der Frage nach Jobs‘ Sinn für Kreativität und dem Erkennen des zeitgeistgeprägten Massengeschmacks alle einig: Dieser Mann war ein Genie. Er brachte den Computer in die eigenen vier Wände, machte Musik zu einem stylisch-transportablen Begleiter und entwickelte das erste Smartphone zu (zumindest annähernd) erschwinglichen Preisen. Das Design von Apple-Produkten markierte eine Trendwende innerhalb des technischen Entertainmentsektors, die Marke wurde zeitweise zur wertvollsten der Welt, Präsentationen der neuesten Produkte, sogenannte Keynotes, ließen die Server von Fachwebsites zusammenbrechen.

Steve Jobs

Es lässt sich also mit Fug und Recht behaupten, dass Steve Jobs dazu beigetragen hat, die Welt – zumindest in Ansätzen – zu verändern. Doch gerade diese eindeutige Tatsache macht es Filmemachern schwer, einen ordentlichen Ansatz für ein Biopic über den gebürtigen Kalifornier zu finden. Jobs war zwar fachlich brillant, menschlich wurde ihm ein etwaiger Lichtgestalten-Status jedoch immer wieder abgesprochen. Sowohl privat als auch geschäftlich soll er es seinen Mitmenschen stets äußerst schwer gemacht haben, doch eine rückwirkende Abrechnung auf Celluloid zu bannen, ist keineswegs ein adäquater Ersatz für eine zweistündige Lobhudelei. Es musste also ein Mittelweg daher, der Steve Jobs sowohl von seiner brillanten, als auch von seiner – nennen wir es einmal – emotional komplexen Seite einfängt. Und hier kommt Danny Boyle ins Spiel. Nach dem hierzulande lediglich im Heimkino veröffentlichten und inszenatorisch ebenso oberflächlichen wie unentschlossenen Portrait „Jobs“, in welchem Ashton Kutcher die Rolle Steve Jobs‘ übernahm, wagt sich der Regisseur von „The Beach“, „Trance“ sowie „Slumdog Millionaire“ mit seinem Biopic „Steve Jobs“ an eine Idee, der viele Monate der Vorplanung vorausgingen. Noch lange bevor das Casting sämtlicher Rollen überhaupt begonnen werden konnte, schrieb Drehbuchautor Aaron Sorkin („The Social Network“) das Skript immer wieder um, sprach mit Zeitzeugen und einstigen Weggefährten des Apple-Gründers und verbrachte viele Wochen und Monate mit der rückblickenden Vergewisserung auf eine möglichst originalgetreue Abhandlung jener Ereignisse, die er als Rahmenhandlung für seinen Film auserkoren hat. „Steve Jobs“ macht sich keine lineare Erzählweise zunutze, um das Schaffen des Protagonisten aufzubereiten. Stattdessen wählten die Macher drei prägende Ereignisse innerhalb der Apple-Historie und nehmen das Publikum mit an die Seite von Steve Jobs, der sich jeweils vor der entscheidenden Produktpräsentation hinter den Kulissen befindet und sich – eigentlich – auf seine Ansprache vorbereiten sollte.

                Steve JobsSteve-Jobs-Promo-LaptopTasche-Mockup

Zum Kinostart von „Steve Jobs“ verlost Wessels-Filmkritik.com in Kooperation mit Universal Pictures ein Fanpaket, bestehend aus dem Original-Filmplakat, einem iPhone-Case für das iPhone 5S sowie einer Laptoptasche im stylischen Steve-Jobs-Design. Alles was Ihr machen müsst, ist das Teilen des zugehörigen Facebook-Beitrags!

Viel Glück!

Dieses Konzept klingt zunächst einmal nach viel Dialog. Genau so ist es auch. „Steve Jobs“ lebt von den Wortgefechten, Monologen und Debatten, die Steve Jobs und sein Umfeld mit- sowie gegeneinander austragen. Dabei steht nicht bloß Steve Jobs selbst im Fokus, dessen komplexen Charakter Michael Fassbender („Macbeth“) hervorragend auszuloten weiß, sondern auch eine Handvoll Nebencharaktere, die sich trotz weitaus weniger überschäumender Egos nicht vor der schier übermenschlichen Persona Jobs‘ zu verstecken brauchen. Aaron Sorkin entschied sich für den Miteinbezug seiner Ex-Freundin Chrisann Brennan (Katherine Waterston) sowie der gemeinsamen Tochter Lisa, deren Vaterschaft Jobs zu Lebzeiten lange Zeit leugnete. Immer wieder sucht Chrisann den Dialog, scheitert jedoch genauso wie Lisa selbst an den Mauern, die Jobs um sich aufbaute. Die Gespräche innerhalb dieses Dreiergespannes sind von Missachtung, Ratlosigkeit, aber auch von dem Versuch geprägt, irgendwie einen Kompromiss zu finden, der für alle Beteiligte erträglich ist. Das komplette Gegenteil zu diesen geerdeten Disharmonien findet sich in der Konversation zwischen Jobs und seinem ehemaligen Kollegen und Apple-Mitbegründer Steve Wozniak, den der bevorzugt für seine Komödienrollen bekannte Akteur Seth Rogen („Bad Neighbors“) mit viel Selbstsicherheit verkörpert. Wozniak konfrontiert Steve mit seinem Genie, aber auch dem Wahnsinn, durch den Jobs nach und nach zu einem egomanischen Einzelkämpfer wurde. Die Aufeinandertreffen zwischen den ehemaligen Kollegen sind nie aggressiv, haben unterschwellig jedoch eine hämmernde Dynamik. Beide Männer begegnen sich auf rhetorischer Augenhöhe und schenken einander nichts. Nur die Gespräche zwischen Jobs und John Sculley (gespielt von einem nach „Der Marsianer“ einmal mehr ungewohnt seriösen Jeff Daniels), dem ehemaligen Apple-CEO, legen noch tiefere Schichten von Steve Jobs offen. Die Dialoge sind sehr selbstreflexiv und lassen die Gefühle selten hochkochen. Zusammengenommen mit den Gesprächen zwischen Jobs und Marketing-Managerin Joanna Hoffmann (kaum wiederzuerkennen: Kate Winslet), die sämtliche Erzählstränge nicht nur sympathisch umspannen, sondern auch am ehesten so etwas wie sympathische Züge an Steve Jobs offenbaren, sind all diese Subplots die Bestandteile eines Films, der beweist, dass auf der Leinwand nicht viel passieren muss, um dennoch hochspannend zu sein.

Steve Jobs

Neben der Story, die weder Skandale aufdecken, noch so etwas wie „das Mysterium Steve Jobs“ erklären will, sondern sich ähnlich „Birdman“ hauptsächlich auf das Alleinstellungsmerkmal mehrerer eindrucksvoller Momentaufnahmen konzentriert, liegt das Hauptaugenmerk vorzugsweise auf der technischen Umsetzung. Kameramann Alwin H. Küchler („R.I.P.D.“) heftet sich schleichend an die Fersen der Hauptfigur und kleidet jede Dekade in einen ganz eigenen Look. Der erste Abschnitt kommt aufgrund seiner 16mm-Herkunft in einem grobkörnigen, fast antiquierten Look daher und versetzt das Publikum glaubhaft um rund 30 Jahre zurück. Nur fünf Jahre später sieht das Bild – im wahrsten Sinne des Wortes – schon ganz anders aus. 35mm sind es nun und das Auge ist diesen Look deutlich mehr gewohnt, als noch in der ersten dreiviertel Stunde. Als Letztes folgt der Sprung ins digitale Filmemachen und „Steve Jobs“ gleicht sich somit dem klar-unverfälschten Look seiner Geräte an, die über Jahre zum Markenzeichen der Marke wurde. Hinzu kommt ein Soundtrack von Daniel Pemberton, der nicht bloß Oscar-Qualitäten hat, sondern so pulsierend-vorantreibend ist, sich den einzelnen Dekaden anpasst und in seinem Minimalismus mit Elektrobeats punktet, dass der Komponist nach seinen Arbeiten für „Codename U.N.C.L.E.“ sowie „The Counselor“ endgültig zu den namhaften Filmkomponisten Hollywood gehören dürfte. Die klar definierten Klänge des Scores gehen mit den forcierten Dialogen einher und verschmelzen zu einer zielstrebigen Einheit.

Fazit: Basierend auf Walter Isaacsons Biographie „Steve Jobs“ nimmt uns Danny Boyle in seinem gleichnamigen Film mit hinter die Kulissen des Apple-Zirkus‘. Dadurch entsteht ein ebenso komplexes wie hochspannendes Drama, das bei aller Dialoglastigkeit stets mitreißend bleibt. Die technische Ausstattung ist nicht nur makellos sondern auch vielseitig und authentisch. Michael Fassbender lotet die unterschiedlichen Facetten seiner schwierigen Hauptfigur hervorragend aus und wird von einem Ensemble unterstützt, das seinen Job nicht besser machen könnte. Es bleibt zu hoffen, dass der holprige US-Start nicht dafür sorgt, dass „Steve Jobs“ bei der Oscar-Verleihung 2015/2016 in den Hintergrund gerückt wird.

„Steve Jobs“ ist ab dem 12. November bundesweit in den Kinos zu sehen.

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