Gallows

Nach dem Handschuh mit den Klingenfingern eines Freddy Kruger, der Machete eines Jason Vorhees und den perfiden Tötungsspielzeugen von Jigsaw kommt in GALLOWS nun Charlie um die Ecke, der nicht mehr vorzuweisen hat, als einen popeligen Galgen. Der in Found-Footage-Optik gedrehten Teenie-Schocker versucht, eine Horrorikone für die aktuelle Generation zu etablieren, doch dem Film mangelt es trotz pfiffiger Morde an Originalität. Mehr dazu verrate ich in meiner Kritik.
Gallows

Der Plot

20 Jahre sind vergangen, seit der Hauptdarsteller Charlie Grimille einer Schultheateraufführung durch einen Unfall ums Leben gekommen ist. Jetzt bringen Schüler derselben Schule die damals abgebrochene Inszenierung erneut auf die Bühne – in Erinnerung an den Jahrestag der Tragödie. Doch bald müssen sie erleben, dass man die Toten besser ruhen lassen sollte. Als eine Handvoll Schüler aus Jux in die Schule einbricht, um das Theater-Equipment zu zerstören und die Aufführung so zu torpedieren, sind die Türen der Aula plötzlich verriegelt und eine unheimliche Gestalt mit einem Galgen in der Hand macht Jagd auf die verängstigen Teenager, die dem Geist von Charlie nach und nach zum Opfer fallen…

Kritik

Freddy Kruger hatte seine Klingen, Jason Vorhees hatte die Machete und Jigsaw hatte von allem ein bisschen. Nun kommt also Charlie. Und Charlie hat einen Galgen, mit dem er in einer beispiellosen Racheaktion nach und nach all jene Heranwachsende meuchelt, die sich über sein tragisches Unfallschicksal lustig machen. Charlie starb nämlich vor zwanzig Jahren im Rahmen einer Theateraufführung an seiner Schule in Nebraska, weil die Requisite – Sie ahnen es: ein Galgen – vorab nicht zureichend geprüft wurde. Das ist die zugegebenermaßen recht konventionelle Ausgangslage des Teenie-Schockers „Gallows“, der in seiner Konzeption fast ein wenig altbacken daherkommt und diesen Missstand auszugleichen versucht, indem sich die Regisseure Travis Cluff („Gold Fools“) und Chris Lofing (bislang ausschließlich für eine Reihe von Kurzfilmen verantwortlich) der mittlerweile nur allzu gezwungen wirkenden Found-Footage-Machart bedienen. Genau diese Art der Inszenierung verhilft „Gallows“ aber dazu, ebenso Beispiel für Inspirationslosigkeit zu sein, wie für den Versuch, sich einmal mehr auf die Ursprünge des modernen Genrekinos zu besinnen; „Gallows“ würde gern die Horrorikone einer neuen Generation hervorbringen und liefert dafür immerhin gute Ansätze. Doch obwohl der mit einem Minimalbudget von gerade einmal 100.000 US-Dollar ausgestattete Schocker seine Zweckmäßigkeit erfüllt, ist von dem Anspruch an die Genreverbeugung, geschweige denn an das Schaffen von etwas völlig Neuem über weite Strecken nur wenig zu spüren.

Gallows

Im Grunde hat „Gallows“ lediglich ein Problem, aus dem mit der Zeit allerdings immer mehr Probleme resultieren. Die Rede ist von der Verwendung des Wackelkamera-Looks, der sich ob seines geringen, technischen Aufwands, mit dem zwangsläufig nur allzu wenige, finanzielle Mittel einhergehen, als ideale Inszenierungsgrundlage für moderne Horrorproduktionen etabliert hat. Jason Blum („Insidious“, „The Purge“), Gründer und Chef der auf derartige Kost spezialisierten Produktionsfirma Blumhouse Pictures, zeichnete als leitender Produzent auch für „Gallows“ verantwortlich. Blum weiß aufgrund seiner jahrelang im Horrorgenre verankerten Vita, wie man dem (vorzugsweise jungen) Publikum von heute das Blut in den Adern gefrieren lässt und so hat sich die Rache-üben-mit-dem-Galgen-Geschichte auch nicht vorzuwerfen, dass sie nicht durchgehend gruselig wäre. „Gallows“ ist von vorn bis hinten atmosphärisch, hat aufgrund seiner nahezu einzigen Kulisse der Schulaula bei Nacht ein einzigartiges Kammerspielflair und entwickelt mit der Zeit ein regelrecht klaustrophobisches Setting. „Gallows“ ist effektiv, bedient sich jedoch lieber gängiger Genremechanismen, anstatt sich an der Konzeption innovativer Ideen aufzuhalten. Dabei kann der Horrorfilm in manchen Momenten doch durchaus überraschen.

Jene Überraschungsmomente finden sich gerade in der visuellen Aufmachung, wenn Kameramann Edd Lukas („Whiplash“-Kurzfilm) die Aula aus möglichst vielen Blickwinkeln einfängt und die Akteure vor der Kamera die Requisiten sowie die technische Ausstattung selbiger nutzen, um sich entweder zu verteidigen oder, ganz banal, einander umzubringen. Dabei möchte man meinen, der Strang als Tötungsart wäre in seiner Ausführung nicht sonderlich effektvoll. „Gallows“ beweist da das Gegenteil und bringt auf makabere Weise frischen Wind in den Slasher-Einheitsbrei. Die Aufnahmen der Morde gehören zu den Highlights des Films. Charlie legt bei der Jagd auf seine Opfer einen fiesen Ideenreichtum an den Tag. Dabei wird nicht immer deutlich, ob seine Figur irdischen oder übernatürlichen Ursprungs ist. Die Vielfalt, mit welcher er die Teenager auf ganz unterschiedliche Art und Weise aufhängt, entschädigt jedoch für diese Drehbuchschwäche, die „Gallows“ sogar zusätzlich zu einer gewissen Undurchsichtigkeit verhilft.

Gallows

Jene braucht es auch, denn ansonsten ist die Geschichte von „Gallows“ in seiner Vorhersehbarkeit kaum interessant. Den Eskapaden der Teenies zu folgen, gestaltet sich aufgrund der anstrengenden Kameraarbeit als schwierig. Zum (gewollt) amateurhaften Look, der wenig auf Übersicht und Ordnung gibt (aber immerhin in den entscheidenden Mord-Szenen bemüht ist, sich für einen Moment zurückzuhalten), kommt zusätzlich der Faktor der Dunkelheit. Ein Großteil der Aufnahmen spielt sich durch die Nachtsichtfunktion der Kamera ab, was die Authentizität des Gezeigten zwar erhöhen soll, es den Augen allerdings noch schwerer macht, sich an Charlies Menschenjagd zu erfreuen. Mit der Zeit wird es immer mühseliger, den Opfern auf ihrem Streifzug durch die Aula zu folgen. Die Schauspielleistungen der Akteure machen diesen Umstand nicht besser. Die allesamt unbekannten Mimen funktionieren ebenso zweckmäßig wie der Film selbst und haben mit der Zeit ohnehin nur noch die Aufgabe, hysterisch durch die Gänge zu laufen. Das ist ermüdend, wenn man sich nicht vollends auf die bedrohliche Szenerie einlässt, dank derer „Gallows“ bis zum Schluss spannend bleibt, um in einen Schlussakt zu münden, dessen Twist einen ebenso verärgern wie positiv überraschen kann.

Fazit: Den Regisseuren ist mit „Gallows“ ein typischer Grusler der aktuellen Dekade gelungen. Die standardisierte Machart und die auf Dauer anstrengende, visuelle Aufmachung gehen auf Kosten der Atmosphäre, dank derer der Film zwar durchgehend gruselig ist, es aber nicht schafft, ebenjene Horrorikone hervorzubringen, mit der man in den USA schon so vollmundig warb.

„Gallows“ ist ab dem 27. August in den deutschen Kinos zu sehen.

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