Seventh Son

Ein russischer Regisseur dreht auf Basis eines Jugend-Fantasyromans einen Film, der ebensogut direkt aus Hollywood stammen könnte. Durch diverse Schwierigkeiten im Postproduktionsprozess hatten viele Insider das Projekt SEVENTH SON schon längst abgeschrieben. Jetzt kommt die vermeintliche Blamage ins Kino – und ist gar keine! Meine Kritik zum Film lest Ihr hier.

Seventh Son

Der Plot

Er steht im Mittelpunkt einer uralten Prophezeiung, auch wenn er zunächst noch nichts davon ahnt: Der Junge Tom (Ben Barnes), der auf dem Hof seiner Mutter arbeitet, ist erwählt, zum Helden zu werden. Als siebter Sohn eines siebten Sohnes gehört er zum Orden der Geisterjäger, der gegen Hexen und andere magische Wesen kämpft. Tom geht bei John Gregory (Jeff Bridges), dem letzten Meister in der Kunst, schwarze Magie abzuwehren, in die Lehre. Und bald bekommt er es mit einer übermächtigen Gegnerin zu tun: der Hexe, Mutter Malkin (Julianne Moore), die nichts weniger will, als die Geisterjäger ein für alle Mal auszulöschen – und die dazu eine ganze Armee übernatürlicher Gestalten befehligt…

Kritik

Die Arbeit an der Verfilmung einer weltweiten Fantasybestsellerreihe stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Nachdem während der Postproduktionsphase die zuständige Effektschmiede pleite ging, verlor zunächst der ursprüngliche Kooperationspartner Warner Bros. das Vertrauen in das Projekt und gab es an Universal Pictures ab. Infolgedessen wurde der anvisierte Starttermin so oft nach hinten korrigiert, dass man sich bisweilen fragte, ob „Seventh Son“ überhaupt noch das Licht der Kinoleinwände erblicken würde. Doch nach einer finalen Startterminverschiebung im Februar kommt „Seventh Son“ Anfang März nun doch endlich in die Kinos und offenbart dabei nur in Ansätzen die Kernproblematik während des Entstehungsprozesses. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussehen mag, so ist „Seventh Son“ kein weiterer Erguss der US-amerikanischen Blockbusterschmiede. Zumindest kein typischer, denn der russische Regisseur Sergey Bodrov („Der Mongole“) war bis vor kurzem kein Teil der schillernden Traumfabrik, sondern inszenierte stattdessen lieber anspruchsvollen Filmstoff – nicht für die Masse, sondern für seine das Weltgeschehen hinterfragenden Landsleute. Nun wagt er sich mit dem bildgewaltigen Fantasy-Actioner erstmals an einen Film, der aus seinen üblichen Genre-Schemata ausbricht. Dabei überrascht der CGI-geprägte Streifen im Großen und Ganzen mit einer angenehmen Kurzweil, einem sympathischen Protagonistenduo und durchaus coolen Effekten.

Seventh Son

Braucht es im blockbustergetränken Hollywoodkino wirklich noch eine weitere Fantasyaction-Reihe? Zumindest auf inhaltlicher wie auch visueller Ebene erinnert „Seventh Son“ weniger an eine von aktuellen Trends losgelöste Erzählung, denn vielmehr an eine Mischung aus dem ebenfalls von einem Nordlicht inszenierten Horrorspaß „Hänsel & Gretel: Hexenjäger“ sowie den mythischen Bildgewalten der „Herr der Ringe“-Reihe. Im Kern funktioniert „Seventh Son“ auch ganz ähnlich seiner Genre-Kollegen: Der Regisseur erschafft basierend auf der Kinderbuchreihe „Spook“ eine Fantasywelt, die Momente der Übersinnlichkeit mit den bodenständigen Settings des Mittelalters kombiniert. Unter Zuhilfenahme diverser Kreaturen, die mal an existierende Mythen angelehnt, dann wiederum vollkommen frei erfunden sind, formt Bodrov ein interessantes Filmuniversum, in dem hinter jeder Ecke eine neue Idee steckt und die mit guten, wenn auch nicht überragenden Computereffekten aufgepeppt wird. Die Story ist darüber hinaus zwar kaum innovativ, jedoch in jeder Hinsicht flott erzählt und spannend. Wirklich neu ist das alles jedoch nicht. Rasch läuft „Seventh Son“ Gefahr mit seiner Ideenarmut Langeweile zu erzeugen und damit beim breiten Publikum auf Ablehnung zu stoßen. Für einen Kassenschlager ist der Streifen nämlich allenfalls nett, verfügt außer einer namhaften Besetzung jedoch über zu wenig Wiedererkennungswert und kommt über den Charme einer „Supernatural“-Folge nicht hinaus. Bedenkt man die stetig wachsenden Preise für Kinotickets muss man schon hinterfragen, ob es sich lohnt, für einen Film des guten Durchschnitts sogar den 3D-Aufschlag in Kauf zu nehmen.

Da überrascht ein Blick auf die Besetzungsliste umso mehr. Mit der kürzlich mit einem Oscar für ihre Rolle in dem Alzheimerdrama „Still Alice – Mein Leben ohne Gestern“ ausgezeichneten Charakterdarstellerin Juliane Moore und dem nicht weniger namhaften Jeff Bridges („True Grit“) in den Hauptrollen fährt Regisseur Bodrov wahrhafte Großkaliber des internationalen Hollywoodkinos auf. Ben Barnes („Das Bildnis des Dorian Gray“) gibt sich derweil hinaus die Ehre des Protagonisten, hat an dieser auch merklich den meisten Spaß. Denn auch wenn Moore als passionierte Antagonistin zu überzeugen weiß und Bridges vor allem im Zusammenspiel mit Barnes gefällt, steht und fällt die Story eben doch mit letzterem, der den neugierigen, jedoch gleichermaßen respektvollen Schüler von Geisterjäger John Gregory mit viel Sympathie ausstattet und damit hervorragend als Identifikationsfigur für ein jüngeres Publikum geeignet ist. So schafft es der Cast über weite Teile, die spannungs- und überraschungsarme Story auszugleichen, denn obwohl die Drehbuchautoren Charles Leavitt („K-Pax – Alles ist möglich“) und Steven Knight („No Turning Back“) nur die Oberfläche der sehr komplex aufgebauten „Spooks“-Reihe in ihrem ersten Film unterzubringen wissen, erweist sich das Gezeigte immerhin als frei von Längen dargebotenes Effektspektakel.

Julianne Moore

Die Probleme im Postproduktionsprozess finden sich dagegen im nachträglich konvertierten 3D, das bei der dieser Kritik zugrundeliegenden Pressevorführung unangenehm flackerte und das Leinwandgeschehen in der ersten Viertelstunde bis zur Unkenntlichkeit versteckte. Erst später kristallisiert sich ein unaufdringlicher, jedoch wenig spektakulärer Tiefeneffekt heraus. Überhaupt kommt „Seventh Son“ in einem für moderne Fantasyfilme typischen Gewand daher,  das wenig Raum für Variationen lässt. Wie auch die Story kleidet Kameramann Newton Thomas Sigel („Jack and the Giants“) den Film in äußerst genrekonforme Bilder, die aus jedem anderen beliebigen Genrefilm stammen könnten und durch allerhand interessante CGI-Monster aufgemotzt werden. Mal sind diese tatsächlich recht einschüchternd geraten, ein anderes Mal wiederum integrieren sich die Computereffekte nicht vollständig in die nordisch-herbe Kulisse und lassen „Seventh Son“ somit bisweilen recht unfertig wirken, was nicht zuletzt auch der Problematik mit der Effektschmiede geschuldet sein könnte.

Fazit: Überraschenderweise erweist sich „Seventh Son“ nicht als die von vielen Seiten erwartete Blockbusterkatastrophe. Stattdessen machen die Verantwortlichen immer dann alles richtig, wenn sie sich stur am Lehrbuch für den modernen Fantasyfilmer orientieren und gängige Erfolgsmechanismen auf die Leinwand bannen. Dadurch mangelt es dem Film jedoch an Einfallsreichtum – etwas Besonderes ist „Seventh Son“ also wahrlich nicht. Doch immerhin verpufft der positive, erste Eindruck nie so ganz. Insgesamt beraubt sich der Streifen jedoch vor allem deshalb seines Franchise-Potenzials, weil das Projekt zwar ein kurzweiliges, nicht jedoch denkwürdiges Vergnügen ist. Business as usual eben.

„Seventh Son“ ist ab dem 05. März in den deutschen Kinos zu sehen.

Erschienen bei Quotenmeter.de

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