Die Oscar-Verleihung 2013 – Prognose

Nicht mehr lang, dann ist’s wieder so weit: In der Nacht vom 24. auf den 25. Februar werden im Dolby Theatre in Los Angeles zum 85. Mal die Academy-Awards verliehen. Höchste Zeit für eine kleine Prognose und was bereits bei den Golden Globes funktioniert hat, führe ich hier einfach munter weiter.    Auf den folgenden Seiten findet ihr eine kurze Einschätzung der wichtigsten Kandidaten sowie im Anschluss die Prognosen zu allen 24 Kategorien. Für Eilige gibt’s das Ganze auch nochmal in Kurzform und noch dazu in bewegten Bilder. Klickt einfach hier

ARGO

Whätte das gedacht? Anfangs nur mit soliden Chancen ins Rennen gegangen, mauserte sich Ben Afflecks Regiearbeit „Argo“ zum haushohen Favoriten in der Kategorie „Bester Film“. Kein Wunder: Verbaselte die Academy es doch, Affleck in der Kategorie „Beste Regie“ zu nominieren. Es bleibt abzuwarten, ob die Damen und Herren der Jury diesen Faux Pas mit der Prämierung als „Bester Film“ wieder gut machen werden. Meiner Ansicht nach ist „Argo“ der absolut beste Film der Konkurrenz und dank seiner ausgewogenen Mischung aus politischem Thriller, leisem Humor und mithilfe eines brillanten Casts dürfte ein Sieg nicht in allzu weite Ferne rücken. Wie es mit den anderen sieben Kategorien ausschaut, ist dank eines sehr starken Teilnehmerfeldes schwer abzusehen.

LINCOLN

Wenn ein Ausnahmeschauspieler einen Ausnahmepolitiker nahe an der Perfektion verkörpert, dann muss eine Auszeichnung her. Und tatsächlich: Daniel Day Lewis spielt Abraham Lincoln mit einer solchen Inbrust und Authentizität, dass ich mit dem Gedanken spiele, die Rechte an dieser Seite darauf zu verwetten, dass er in der Ketegorie „Bester Hauptdarsteller“ den Goldjungen einheimsen darf. Auch in der Regie-Kategorie dürfte Spielberg (ohne Affleck wohlgemerkt!) leichtes Spiel haben. Sein Biopic „Lincoln“ ist handwerklich ein Meisterstück, das seine Preise in den Kategorien „Beste Regie“ und „Bester Hauptdarsteller“ sicher haben dürfte, wenngleich man Haneke nicht unterschätzen sollte.

 

LIFE OF PI: SCHIFFBRUCH MIT TIGER

Ang Lees Abenteuergeschichte „Life of Pi“ hat ein Problem: Hinter den (ungeheuer sehenswerten!) Bildern bleiben die Handlung und Darstellerleistungen automatisch zurück. Nicht, dass diese besonders schlecht werden – im Gegenteil. Gegen die geballte Ladung CGI kommen sie einfach nicht an. Dass die Romanverfilmung dennoch für 11 Oscars nominiert ist, verwundert – zumindest mich. Trotz allem könnten das komplexe Drehbuch, die perfektionistische Regiearbeit und auch die Musik Chancen auf einen Preis in der jeweiligen Kategorie haben. Und auch wenn es bedeuten würde, dass „The Avengers“ ohne Preis auskommen müsste, gehe ich fest von einer Auszeichung in derKategorie „Beste visuelle Effekte“ aus.

 

SILVER LININGS

Was hat die Academy wohl dazu bewogen hat, „Silver Linings“ derart ins Herz zu schließen, dass sie auf gleich acht (!!!) Preise hoffen darf? Sicher hat der Streifen seine Momente und ist ganz klar eine der besseren Hollywood-Komödien der letzten Jahre. Vor allem dank der Darstellerleistungen von Bradley Cooper und Robert de Niro macht das Zuschauen ungeheuren Spaß. Leider dachte man sich wohl, dass es zusätzlich zur Comedy auch noch ein wenig Drama braucht. Das geht jedoch recht schief, zumal das Finale vom vorausgehenden Indie-Flair nahezu nichts mehr übrig lässt und in Hollywood-Klischees ersäuft. Ein schwacher Beitrag, der meiner Ansicht nach gnadenlos überschätzt wird.

 

LES MISÉRABLES

Das, was Tom Hooper mit der Musicalinterpretation zu „Les Misérables“ abliefert, ist an Opulenz kaum zu überbieten. Hollywoods A-Prominenz gibt die Stücke live ebenso intim wie treibend und kraftvoll wieder und macht aus dem Streifen ein Kino-Erlebnis der ganz besonderen Art. Höhepunkt des Spektakels ist die herzzerreißende Ballade von Fantine, gespielt von einer ebenso rührseligen Anne Hathaway, in der Kategorie „Beste Nebendarstellerin“ nominiert. Sollte ihr dieser Oscar verwehrt bleiben, lief bei der Academy irgendetwas schief. Auch in der Kategorie „Bester Tonschnitt“ könnte das Musical Chancen haben.

 

LIEBE

Das rigorose Drama des polarisierenden Regisseurs Michael Haneke könnte der Überraschungserfolg des Abends werden. Bereits die Nominierung in der Kategorie „Bester Film“ überraschte. Ob „Liebe“ hier gewinnt, ist womöglich noch am unwahrscheinlichsten in einem Teilnehmerfeld, in das sich „Argo“ einreiht. Ansonsten könnte der Film jedoch auf voller Linie abräumen. Emmanuelle Riva gibt unter den Nominierten in der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin“ die glaubwürdigste, faszinierendste und ehrlichste Leistung ab, Haneke präsentiert sich in der Kategorie „Beste Regie“ auf Augenhöhe mit Spielberg und Lee und der Oscar als „Bester fremdsprachiger Film“ dürfte ohnehin sicher sein.

 

DJANGO UNCHAINED

Haken wir eine Tatsache zu „Django Unchained“ gleich zu Beginn ab: Da ich (trotz der acht Nominierungen für „Silver Linings“) an die Zurechnungsfähigkeit der Academy glaube, wird Christoph Waltz als „Bester Nebendarsteller“ ausgezeichnet. Durch seine hundsgemeine und gleichzeitig selbstironische wie einnehmende Art spielte er selbst Jamie Foxx als Hauptdarsteller gnadenlos an die Wand. Der Waltz, der kann’s!  Doch wie schaut es in den anderen Kategorien aus? Insgesamt fürchte ich, der Rachewestern könnte durch seine polarisierende und insgesamt doch fast trashige Art wenig Freunde innerhalb der Jury gefunden haben. Qualitativ sind dennoch Auszeichnungen in den Sparten „Bestes Originaldrehbuch“ und „Bester Ton“ drin.

 

ZERO DARK THIRTY

Einerseits hat die anspruchsvolle Produktion das Glück, nicht über das auf der Leinwand gezeigte zu urteilen. Andererseits lässt der Streifen den Zuschaer dadurch entweder kalt, oder er regt ihn ganz besonders zum Nachdenken an. Letzteres war bei mir der Fall. Gleichzeitig liefert Jessica Chastain zwar eine sehenswerte, aufgrund der distanzierten Zeichnung ihres Charakters aber auch eine fast unnahbare Figur ab. In den wenigen intensiven Momenten ist Chastain überragend, doch ob es für einen Oscar in der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin“ reicht? Ich ziehe ihr in dieser Sparte eindeutig die faszinierenden Performances einer Naomi Watts und Emmanuelle Riva vor.

SKYFALL

Gleich fünf Chancen für Sam Mendes‘ „Skyfall“ und mindestens einen Oscar dürfte der Streifen sicher haben. Adeles gleichnamiger Titelsong gewann bereits den Golden Globe als „Bester Filmsong“ und auch unter den Oscar-Nominierten kann kaum ein Konkurrent das Wasser reichen. In sämtlichen anderen Sparten geht „Skyfall“ zwar nicht chancenlos ins Rennen (vor allem die hypnotischen und beeindruckenden Kamerafahrten eines Roger Deakins könnten in der Kategorie „Beste Kamera“ siegen), doch hier von einem Favoriten zu sprechen, ist angesichts der Konkurrenz kaum möglich. Alleine die fünf Nominierungen sind ein phänomenaler Triumph. Ob schlussendlich ebenso viele Siege herausspringen, ist da fast nebensächlich. 

 

Alle Kategorien samt Prognose im Überblick auf den nächsten Seiten…