The Dark Knight Rises

Der noch aus den ersten beiden Teilen bekannte Commissioner James Gordon wird auch im dritten Teil von Gary Oldman („Hannibal“, „Red Riding Hood“) verkörpert. Zwar wurde ihm nur eine äußerst geringe, wenn auch plottechnisch konsequente Screentime vergönnt. Dennoch ist er auch in dieser gewohnt ausdrucksstark und bewegt sich auf emotional höchst anspruchsvollem Terrain.

Soviel zu den Nebendarstellern. Der alleinige Superstar ist und bleibt natürlich Christian Bale („American Psycho“, „Prestige – Die Meister der Magie“) alias Bruce Wayne / Batman. Seine Rolle präsentiert sich in „The Dark Knight Rises“ äußerst vielschichtig und anspruchsvoll. Vom gebrochenen und psychisch labilen Invaliden zum Superhelden, der wiederum zur Selbstaufgabe getrieben wird, nur um es einige Zeit später erneut zum Helden zu bringen. Diesen Wandel innerhalb von zweieinhalb Stunden glaubwürdig darzustellen, ist höchste Schauspielkunst. Doch leider hakt es in diesem Falle ein wenig bei Bale, wenngleich dieser nicht alleine dafür verantwortlich gemacht werden kann. Ein hoher Anteil daran, dass diese Passagen nur allzu oft unglaubwürdig erscheinen, trägt sicher auch das Drehbuch. Zwar zeigt Bale, dass er alle geforderten Facetten von Superhelden-mutig zu hilflos, über kämpfend, bis hin zu gebrochen spielen kann. Doch dank einer abnormen Geschwindigkeit, irrwitzigen Zeitsprüngen und generell sehr schnellen Szenenwechseln bekommt man davon nur wenig zu sehen. Die wenigen Momente die er hat, sind allerdings äußerst eindrucksvoll und glaubwürdig. Besonders beeindruckend ist dagegen der Wechsel, den das Äußere von Bruce Wayne durchmacht. Während man ihn in den ersten Sequenzen seines Auftretens noch kaum erkennt, scheint er ab dem Zeitpunkt von Batmans Wiederkehr um kein Stück gealtert.

Wenn man bis hierhin ein Fazit zieht, so kommt man zu dem Schluss, dass „The Dark Knight Rises“ in puncto Darstellerriege auf viele Glücksgriffe bauen kann. Gerade Tom Hardy hat das große Glück, nicht gegen Heath Ledger zurückzubleiben. Zwar fehlt ihm der Funken Wahnsinn, um Ledger zu übertrumpfen, doch die beiden begegnen sich durchaus auf Augenhöhe.

Leider kann die eigentliche Handlung und Inszenierung an sich nicht ganz mit dem tollen Eindruck, den die Darsteller hinterlassen, mithalten. Nach der ausgezeichneten (wenn auch Batman-untypischen) Eröffnungsszene folgt leider erst mal eine ganze Weile gähnende Langeweile. Die Rückblicke auf den Vorgänger, die Darstellung von Bruce Waynes aktuellem Zustand und die Klärung einiger offener Fragen nimmt so viel Zeit in Anspruch, dass man fast meinen könnte, Nolan wolle aus seinem Batman-Abschluss eher ein Drama, denn ein Action-Abenteuer machen. Selbst der erste Auftritt von Catwoman ist so vorhersehbar, dass der Film zu Beginn in weite Ferne von all den Überraschungsmomenten rückt, wie sie in den ersten beiden Teilen noch vorhanden waren. Erst ab dem ersten Auftauchen von Batman geht ein Ruck durch Film und Publikum. Vor allem diese Szene sorgt für Gänsehaut und offene Münder. Sie ist der Inbegriff für die Wiederkehr eines Verschollen Geglaubten und ist in ihrer Inszenierung ein Lehrstück für das Arrangieren von Szenen, in denen vom Schnitt, über die Musik bis hin zur Darstellerleistung alles stimmt. Von nun an wird das Tempo angezogen und der Ton um einiges rauer. Es folgen vor allem optisch ansehnliche „Wow!“-Momente im Minutentakt, zu denen aber fast ausschließlich Bane beiträgt. Denn ab etwa der Hälfte des Films avanciert auf einmal der Antagonist zur Hauptfigur, während der Protagonist und sein Schicksal eher beiläufig erzählt werden. Diese Art, mit der Handlung umzugehen, wird sicherlich nicht jedem gefallen. Doch wer sich einen düsteren „Batman“ erhofft hatte, wird von nun an sicher eher auf seine Kosten kommen als solche Fans, die vor allem die Momente mit ihrem Helden so lieben.

Bane macht sich von nun an selbst zur One-Man-Show. Seine Auftritte werden begleitet von einem regelrechten Action-Feuerwerk. Den notwendigen Wahnsinn erhält die jeweilige Szenerie durch Banes bereits erwähnte und ausgefallene Art zu sprechen und mit der Stimme, sowie Worten zu spielen. Damit ist es wie bereits in „The Dark Knight“ der Bösewicht, der für die meisten Highlight-Momente sorgt.

Parallel zur Handlung in Gotham erzählt Teil drei einen Handlungsstrang in einer nicht näher erläuterten Wüste. Hier wird Wayne gefangen genommen und hier spielt sich auch all die körperliche Qual ab, die er erleiden muss. Denn wie bereits in den ersten beiden Teilen, wird auch der dritte von einem Leitmotiv begleitet. War es im ersten noch die Angst und im zweiten das Chaos, wählte Nolan im finalen Teil den Schmerz als solches aus. Doch auch, wenn dieser zwar allgegenwärtig ist, fehlt es der Szenerie in dem Wüstengefängnis an Düsterness, um den Zuschauer wirklich zum Schaudern zu bringen. Mein leidet mit, doch das vermittelte Bild wirkt zu aufgehübscht, um den Dreck und das Leid glaubhaft nach außen zu transportieren.

Auch Gotham fehlt es bisweilen an dunklem Auftreten. Stattdessen zeigen vor allem die Großaufnahmen der Stadt eine zerstörte Fassade, die sehr an „Transformes“ oder zuletzt „The Avengers“ erinnerte. Vor allem die Einführung eines fliegenden Batmobils und einer sehr interessanten Atomenergie-Thematik verstärken den Sci-Fi-Charakter, was die ersten beiden Teile äußerst elegant zu umgehen wussten. Gerade wenn die letzten Filmminuten zur obligatorischen Hollywood-Materialschlacht verkommen, dürfte bei den Fans Wehmut aufkommen. Denn die massentauglichen Actionszenen gingen zum Großteil auf Kosten der Gänsehaut-Momente, von denen es in den beiden Vorgängern noch einige gab.

Was allerdings wieder zu diesen führt, ist ein bombastischer Soundtrack des Musikgenies Hans Zimmer, der sich bereits für „Batman Begins“ und „The Dark Knight“ verantwortlich zeigte. Mit seinen unverwechselbaren und eindringlichen Orchesterstücken untermalt er die Szenerie wie kein zweiter.

Doch welches Fazit lässt sich nun für den Gesamteindruck von Batman ziehen? „The Dark Knight Rises“ ist wie erwartet ein wahnsinnig tolles Kinoerlebnis. Er bietet Gänsehautmomente, Actionszenen, eine perfekte Besetzung und einen bombastischen Soundtrack. Somit erfüllt er all die Erwartungen, die die Fans und Kritiker an ihn gestellt hatten. Doch von einer derart groß angekündigten Inszenierung, den Vorgängerwerken und vor allem dem „Ende einer Ära“ erwartet man, dass die Erwartungen übertroffen werden. Das hat „The Dark Knight Rises“ nicht geschafft und gerade die Zuschauer, die sich ein besonders düsteres und böses Ende erhofft hatten, werden enttäuscht sein. Somit bleibt zum Schluss doch ein kleiner Wehrmutstropfen und der Gedanke: „Irgendwie habe ich gedacht, es würde besser werden.“

„The Dark Knight Rises“ startet am 26. Juli 2012 in den deutschen Kinos.

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