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Videoabend Serienspecial: Weinberg

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich der ersten Staffel der deutschen Mystery-Serie „Weinberg“, die seit dem 3. November 2016 auf DVD und Blu-ray Disc im Handel erhältlich ist.

Weinberg

Als Johannes Fuchs eines Morgens auf einem vernebelten Weinberg erwacht, traut er seinen Augen nicht: Über ihm hängt die Leiche einer blutjungen Blondine; wie sich später herausstellt, ist sie die Weinkönigin des kleinen Ortes Kaltenzell, wohin es den verwirrten Mann kurz darauf verschlägt. Doch als er gemeinsam mit einigen Anwohnern den Fundort der Toten aufsucht, ist diese verschwunden – und steht wenig später quicklebendig vor ihm. Eigentlich müsste nun alles in Ordnung sein, doch Johannes Fuchs begreift schnell, dass in Kaltenzell etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Nicht nur, dass hier jeder irgendein Geheimnis zu bergen scheint, des Nachts schleicht sich eine schöne Frau in sein Schlafgemach und will am Morgen darauf nichts davon gewusst haben. Der Pfarrer der Gemeinde soll andächtige Predigten halten, spricht aber kaum ein Wort Deutsch. Und als dann tatsächlich eine Tote auftaucht, hat Fuchs keine Wahl mehr: Er muss hinter das Geheimnis des Dorfes kommen.

Kritik

Nennen wir das Kind einfach beim Namen: Ja, die TNT-Serie „Weinberg“ ist tatsächlich die deutsche Antwort auf „Twin Peaks. Nun muss man deshalb aber nicht reflexartig aufschreien. Die Schöpfer des sechsteiligen Mini-Formats lassen David Lynchs Kultserie zwar überdeutlich als Reminiszenz durchklingen (und machen auch zu keinem Zeitpunkt einen Hehl daraus, dass dem nicht so wäre), dennoch steht „Weinberg“ ganz klar für sich allein. Nun gut, auch in dem kleinen Ort Kaltenzell – dem deutschen Pendant zu Twin Peaks – gibt es eine Tote und innerhalb der sechs Episoden umfassenden Staffel geht es hauptsächlich darum, herauszufinden, wer der Mörder ist. Wirklich? Eigentlich fungiert dieser tragische Todesfall lediglich als dramaturgische Triebfeder, die dem Ganzen eine Chronologie verleiht. Bei näherer Betrachtung geht es nämlich eigentlich um etwas ganz Anderes – und auch da kommt wieder „Twin Peaks“ ins Spiel…

Wie es sich schon bei David Lynchs Serie verhielt, lässt sich auch „Weinberg“ am besten genießen, wenn man so wenig wie möglich darüber weiß. Daher möchten wir zu Handlung, Dramaturgie und Überraschungseffekt an dieser Stelle auch kein Wort mehr verlieren. Nur so viel: „Weinberg“ ist nicht nur aufgrund der Darsteller ein echtes Erlebnis. Der wahre Protagonist ist das Setting. Das undurchsichtige Flair dieses vom Weinanbau lebenden Dorfes ist mit seinen vernebelten Anhöhen, den verwinkelten Gassen und seiner Ansammlung skurriler Gestalten der lebendig gewordene Albtraum eines jeden Ruhe suchenden Bergdorf-Urlaubers. Denn es wird bevölkert von eine Gruppe an Menschen, von der wir zu keinem Zeitpunkt wissen, was es damit überhaupt auf sich hat. Jeder trägt in seinen eigenen vier Wänden ein Geheimnis mit sich herum. Jeder scheint in irgendeiner Form ein Verhältnis zu Johannes Fuchs zu haben, der aufbricht, was viel zu lange verschlossen war. Es geht um die essentiellen Dinge im Leben. Es geht um Liebe, Tod, Verrat, Eifersucht, Vertrauen, Neid, Missgunst und dem Streben nach Glück, angereichert mit Ausflügen ins Übernatürliche. Jede Episode gibt dem Geschehen nicht bloß eine eigene Note, sondern treibt es darüber hinaus in eine ganz neue Richtung. Am Ende wähnt man sich in einem Film von Shyamalan – vielleicht hat man’s kommen sehen…

WEINBERG stammt von Arne Nolting, Jan Martin Scharf und Philipp Steffens, Regie führten Till Franzen und Jan Martin Scharf. Der Cast besteht unter anderem aus Friedrich Mücke, Antje Traue, Gudrun Landgrebe, Jonah Rausch, Arved Birnbaum, Anna Böttcher, Arnd Klawitter, Yung Ngo, David Schütter und Victoria Trauttmannsdorff. Bei dem Format handelt es sich um eine Mischung aus Thriller- und Mysteryserie, produziert in Deutschland aus dem Jahr 2015. Die Serie ist hierzulande ungekürzt auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich und ab 16 Jahren freigegeben. Die Länge beträgt insgesamt 324 Minuten.

Fazit

Wäre „Weinberg“ von Anfang an auf einem Free-TV-Sender gelaufen und hätte das entsprechende Marketing erhalten, wäre die Serie Kult geworden. So verschafft sie sich hoffentlich übers Heimkino (oder über die Zweitauswertung bei VOX) den Status, den sie verdient.

Mein Tipp: muss man kaufen!

Videoabend Serienspecial: American Horror Story – Roanoke

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich der US-amerikanischen Horror-Serie „American Horror Story“, deren sechste Staffel seit dem 5. Oktober 2016 auf FX und ab dem 9. November im FOX-Channel zu sehen ist.

American Horror Story - Roanoke

Nach einem rassistisch motivierten Angriff auf den Afro-Amerikaner Matt (Cuba Gooding Jr.), beschließen er und seine liebende Frau Shelby (Sarah Paulson), sich zurückzuziehen und ein halb verfallenes, aber ehrwürdiges Anwesen im US-amerikanischen Hinterland auf Vordermann zu bringen. Doch die Idylle währt nur kurz, als Sarah eines Tages vom Geräusch aufs Hausdach fallender, menschlicher Zähne verschreckt wird. Fortan wird aus dem Traum vom ruhigen Einsiedlerleben ein Albtraum ungeheuren Ausmaßes. Auch seine von Matt zurate gezogene Schwester Lee (Angela Bassett) ist nur kurz skeptisch, bis eines Tages auf unerklärliche Weise ihre Tochter verschwindet. Matt, Shelby und Lee blicken mit Entsetzen auf die Ereignisse zurück, die das Team der Fernsehsendung „My Roanoke Nightmare“ nachstellt, um dem Zuschauer ebenjene Ereignisse so ungeschönt wie möglich zu präsentieren. Was ist auf dem Gebiet der ehemaligen Roanoke-Kolonie wirklich passiert?

Kritik

J.J. Abrams hätte es nicht besser machen können. Ließ er die Zuschauer noch lange nach dem Dreh seiner streng geheimen Projekte „Cloverfield“ sowie der von ihm produzierten Fortsetzung „10 Cloverfield Lane“ darüber im Unklaren, worum es sich hierbei überhaupt handelt, hielten auch die Macher von „American Horror Story“ Thema und Titel von Staffel sechs bis zuletzt unter Verschluss. Ganze 25 verschiedene Teaser wurden produziert, von denen lediglich einer tatsächlich auf die Geschehnisse der anstehenden Season hindeuten sollte. Von „Rosemaries Baby“-Interpretationen über an „Texas Chainsaw Massacre“ erinnernde Terror-Bilder bis hin zu einem über Eisenbahnschienen kriechende Nebel-Aliens klapperten die Serienschöpfer Brad Falchuk und Ryan Murphy einmal das gesamte Potpourri diverser Horror-Subgenres ab, um den Zuschauer bei völliger Ahnungslosigkeit in die neueste Season der aktuell meistdiskutierten Horrorserie der Welt zu entlassen. Kurz vor Beginn drang schließlich auch noch die vermeintlich sichere Information an die Öffentlichkeit, „American Horror Story“, Staffel sechs trüge den Titel „The Mist“ (zu Deutsch: der Nebel); alles falsch. Entsprechend formidabel kam die letztendlich „Roanoke“ betitelte Season  in den USA aus den Startlöchern. Die erste Episode „Chapter 1“ startete auf seinem Heimsender The FX stärker als sämtliche Auftaktfolgen der bisherigen „AHS“-Staffeln und schon kurz nach der Ausstrahlung veröffentlichten die offiziellen Social-Media-Kanäle des Formats vielsagende Grafiken eines von Nägeln durchbohrten Smartphones als Hinweis darauf, sämtliche sozialen Netzwerke zu meiden, sollte man den Serienauftakt nicht im linearen Fernsehen gesehen haben.

Zunächst einmal ist der Titel „Roanoke“ nicht wesentlich aussagekräftiger als die vollkommene Weigerung vor der Weitergabe näherer Informationen. Wusste man im Falle der vorherigen Staffeln „Murder House“, „Asylum“, „Coven“, „Freak Show“ und „Hotel“ wenigstens im Ansatz, wo man das Geschehen der kommenden Folgen einordnen musste, wird „Roanoke“ auf den ersten Blick wohl nur all jenen ein Begriff sein, die im weitesten Sinne aus der Gegend dieser verlorenen Kolonie vor der Ostküste des Bundesstaats North Carolina stammen. Schon eher ein Begriff mag da der Begriff CROATOAN sein; nicht zuletzt deshalb, weil er mehrmals in der beliebten Fantasyhorror-Serie „Supernatural“ aufgegriffen wurde. Doch die Roanoke-Kolonie fand auch anderorts popkulturelle Verwendung; zu unheimlich sind die Legenden, die sich um sie ranken. „Andromeda“, „Sleepy Hollow“, „Haven“, aber auch Filme wie „Mindhunters“ oder „Die Herrschaft der Schatten“ griffen auf, was hier Ende des 16. Jahrhunderts geschah. Das frühere Wohngebiet der Roanoke-Indianer wurde mehrmals zu besiedeln versucht. Beim ersten Mal folgte auf den falschen Zeitpunkt das Ausbleiben der Ernte, beim zweiten Versuch jedoch verschwanden die rund 120 Sieder spurlos und hinterließen lediglich das in einen Holzpfahl eingeschnitzte Wort CROATOAN, das später wahlweise einem Fluch, einer Krankheit oder einem Indianerhäuptling zugeordnet wurde, in Wirklichkeit aber den Namen einer nahegelegenen Insel beschrieb. Für die sechste Staffel von „American Horror Story“ verschlägt es ein Pärchen namens Matt (Cuba Gooding Jr.) und Shelby (Sarah Paulson) in ein verlassenes Herrenhaus in dieses Gebiet; „Roanoke“ erzählt unter Berufung auf wahre Ereignisse vom Terror und Spuk, die das junge Paar über sich ergehen lassen musste und lässt die echten Matt und Shelby dieses Geschehen parallel dazu kommentieren.

American Horror Story - Roanoke

Zugegeben: Es sind nicht wirklich die echten Matt und Shelby, die in der sechsten Staffel von „American Horror Story“ immer wieder aus dem Off oder vor einer Kamera sitzend davon erzählen dürfen, was ihnen einst in dem Anwesen passierte. Die beiden werden von Lily Rabe und André Holland verkörpert. Ein interessanter, inszenatorischer Kniff ist es dennoch, wenn sich die ohnehin schockierenden Schilderungen des Paares mit den noch weitaus drastischeren (nachgestellten) Geschehnissen in der Fiktion abwechseln. Inwiefern sich die Ereignisse abseits dieser True-Events-Behauptung tatsächlich so oder ähnlich zugetragen haben, darüber schweigen sich die Macher des Formats bisher aus. Trotzdem kam es in der Vergangenheit immer wieder zu unheimlichen Vorkommnissen in der Roanoke-Region, sodass es vielleicht gar nicht unbedingt eines konkreten Ereignisses bedürfte, um „Roanoke“ mit zusätzlicher Spannung zu unterfüttern, indem man sich auf wahre Ereignisse beruft.

AMERICAN HORROR STORY – ROANOKE stammt von Ryan Murphy und Brad Falchuck. Das Skript zu den ersten Serienepisoden schrieb Tim Minear. Unter den Darstellern finden sich Sarah Paulson, Lily Rabe, Kathy Bates, Cuba Gooding Jr., André Holland, Denis O’Hare, Wes Bentley, Angela Bassett, Adina Porter und Colby French. Bei der Serie handelt es sich um eine US-amerikanische Horror-Produktion aus dem Jahr 2016. Die Serie ist hierzulande ab dem 9. November im FOX Channel zu sehen und ab 18 Jahren freigegeben. Die Länge beträgt pro Folge rund 40 Minuten.

Mit diesem halbdokumentarischen Erzählstil (bei dem, und das dürfte viele Zuschauer sicherlich freuen, nicht auf den hier gern gewählten Ansatz der Found-Footage-Inszenierung zurückgegriffen wird) gelingt es den Machern, eine besondere Form der Authentizität zu wahren. Immer und immer wieder machen uns die „echten“ Matt und Shelby deutlich, wie unglaubwürdig das Geschehen klingt, nur damit sich die das Geschehen nachstellenden Matt und Shelby anschließend zeigen, dass es doch sehr wohl so war, wie man es uns erzählt. Denn das, was in „Roanoke]“passiert, präsentiert sich in einer Suspense-Dichte, von der sich das moderne Horrorkino eine Scheibe abschneiden kann. Ohne auf allzu vorhersehbare Jump-Scares zu setzen, reihen die Macher einen symbolhaften Schock an den nächsten (vor allem das eigentlich als Liebessymbol und Glücksbote verstandene Schwein scheint hier noch eine große Rolle zu spielen), ohne dabei zu vergessen, dass auch der gruseligste Spuk mit einer Story untermauert werden sollte, damit er noch besser funktioniert. Entsprechend konzentriert sich „American Horror Story – Roanoke“ anders als die letzten Staffeln deutlich gezielter nur noch auf wenige Figuren. Neben Matt und Shelby erhält wenig später auch die als Skeptikerin angelegte Lee (Angela Bassett/Adina Porter), Matts Schwester,  Einzug in das Anwesen, deren Background als Alkoholikerin und allein erziehende Mutter das Geschehen noch stark beeinflussen wird. Von Kathy Bates gibt es in den ersten beiden Episoden noch wenig zu sehen, doch soviel sei verraten: Die Gute scheint die Seiten gewechselt zu haben.

Fazit

Obwohl wir in den ersten beiden Folgen (die übrigens ohne die kultige Vorspannsequenz auskommen mussten – ein wenig hoffen wir aber schon noch, dass sich das in den kommenden Episoden ändern wird) bereits einen Einblick darin erhielten, auf welche erzählerischen Pfade uns „Roanoke“ mitnehmen wird, waren „Chapter 1“ und „Chapter 2“ so voller verschiedener Nebenschauplätze, dass sich noch überhaupt nicht absehen lässt, wovon die sechste Staffel nun überhaupt handelt. Mit Matt und Shelby sind die Protagonisten als Opfer eines furchtbaren Spuks festgelegt, doch eine unheimliche Legende um zwei mordende Krankenschwestern, grauenhafte Rituale im Wald, Visionen von abgetrennten Schweineschwänzen und eine verschwundene Tochter, die mit einer unsichtbaren Freundin spricht, deuten so viele, mitunter auch überhaupt nicht zusammenhängende Konfliktherde an, dass es uns gar nicht wundern würde, wenn sich letztlich doch herausstellt, dass alle 25 Teaser zu „Roanoke“ gehören. Mit der Konzentration auf nur wenige Figuren gehen die Schöpfer und Regisseure hier einen guten Weg, denn im Kern steckte in der Serie schon immer auch ein tiefgreifendes, menschliches Drama. Nie war das Suchtpotenzial von „American Horror Story“ höher, als in diesem.

Mein Tipp: unbedingt ansehen!

Videoabend Serienspecial: Preacher

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich der US-amerikanischen AMC-Serie „Preacher“, deren erste Staffel seit dem 22. Juni 2016 bei Amazon Prime zu sehen ist.

Preacher

Der gut aussehende Texaner Jesse Custer (Dominic Cooper) hat es nicht leicht. Nach der schmerzhaften Trennung von seiner Freundin Tulip (Ruth Negga) sucht er sein Glück an einer kleinen Kirche in der Provinz, wo er sich mehr schlecht als recht jeden Sonntag an tiefschürfenden Predigten versucht. Zur selben Zeit werden Prediger quer durch die USA von einer mysteriösen Kreatur heimgesucht, die ihnen zunächst übernatürliche Kräfte verleiht und anschließend auf qualvolle Art und Weise den Tod bringt. Eines Tages wird auch Jesse zum Opfer ebenjenes Wesens, das ihn dazu bringt, einen gefährlichen Einfluss auf seine Mitmenschen zu auszuüben. Alles, was Jesse ihnen befiehlt, führen diese sogleich aus – und das nicht immer nur im übertragenden, sondern manchmal auch im schrecklich wörtlichen Sinne. Gemeinsam mit dem irischen Vampir Cassidy (Joe Gilgun) und seiner Ex Tulip macht sich Jesse auf die Suche nach Gott und versucht herauszufinden, was hinter diesen merkwürdigen Vorkommnissen steckt.

Amazon Prime bewirbt die Serie wie folgt:  

Jeden Montag eine neue Folge – Preacher handelt vom texanischen Prediger Jesse Custer, der seit Jahren von einer mysteriösen Entität besessen ist. Zusammen mit einigen Gefährten macht er sich sich auf die Suche nach Gott.

Kritik

Vom Duo Goldberg-Rogen ist man zwar immer eine gewisse Derbheit gewohnt, doch besonders blutig ging es bei den Verantwortlichen von „Das ist das Ende“, „Bad Neighbors 1 und 2“, „Die highligen drei Könige“ und „The Interview“ noch nie zu. Was die beiden trotzdem zur idealen Besetzung des Produzentenpostens bei „Preacher“ macht, ist der unbedingte Wille zum Exzess, die fehlende Scheu, moralische Grenzen zu überschreiten und – natürlich – auch ihr von tiefschwarz bis kindisch-albern reichender Sinn für Humor. Insofern fällt einem auf den ersten Blick auch Niemand so wirklich ein, von dem man sich vorstellen könnte, dass er sich direkt in der Pilotepisode eines neuen TV-Formats trauen würde, Hollywoodstar Tom Cruise in die Luft zu sprengen. Doch spätestens, wenn die Eilmeldung zu ebenjenem Super-GAU über die Fernsehbildschirme in „Preacher“ flimmert, ist klar: Hier wird es ohne Rücksicht auf Verluste ordentlich zur Sache gehen. Da explodieren Köpfe, ein alter Mann schneidet sich für seine senile Mutter das Herz auf, um es ihr – buchstäblich – „zu öffnen“ und ein Blutsauger verspeist vor laufender Kamera eine (natürlich noch lebende) Kuh.

Das ist nicht etwa der Inhalt einer ganzen Staffel. Nein, all das passiert in „Preacher“ innerhalb der Pilotepisode. „Preacher“ basiert auf der gleichnamigen Comicreihe und gehört Liebhabern zufolge zu den verrücktesten Franchises überhaupt innerhalb des DC-Universums. Und tatsächlich: Schaut man sich die Entwicklung an, die der direkte Marvel-Konkurrent in den vergangenen Jahren sowohl auf der Kino-Leinwand, als auch im Fernsehen durchlief, dann lässt sich „Preacher“ da nur schwer einordnen. Im Vergleich zu Christopher Nolans „The Dark Knight“-Trilogie, den Eskapaden, die Zack Snyder mit seinem „Man of Steel“ bisher angestellt hat, oder den Serienabenteuern von „Arrow“ oder „Gotham“ ist die Weltsicht in „Preacher“ zwar nicht sonderlich optimistischer. Doch anders als die zurate gezogenen Beispiele geht dem neuesten Schrei aus dem Hause DC die depressiv-melancholische Atmosphäre seiner indirekten Vorgänger ab. Dies mag zum einen daran liegen, dass Seth Rogen und Evan Goldberg das Format nicht bloß produzieren, sondern bei der ersten Folge sogar direkt die Regie übernommen haben. Es ist vor allem der Schreibstil Sam Catlins, dessen Gespür dafür, auch in den düstersten Facetten des Lebens im Detail so etwas wie Komik zu erkennen, hier immer wieder durchscheint; nicht umsonst zeichnete er für einen Großteil der Folgen des Sensationserfolges „Breaking Bad“ verantwortlich. Darüber hinaus wurde mit Michael Slovis ein weiteres Mitglied der „Breaking Bad“-Family verpflichtet. Der Inszenator mehrerer Episoden führte auch bei „Preacher“ Regie.

Preacher

„Preacher“ und „Breaking Bad“ ähneln sich allerdings nicht nur in ihrem Verständnis für Galgenhumor. Auch bei der Zeichnung der Hauptfigur sind Parallelen erkennbar. Wie schon der krebskranke Drogenkoch Walter White ist auch Jesse Custer eine vom Schicksal gebeutelte Person, dessen Handeln von Anfang an sowohl kritisch, als auch bewundernd verfolgt werden kann. Wenn Jesse in seinen Predigten mit sichtbar fehlendem Enthusiasmus zu Werke tritt und er die wenigen verbliebenden Gläubigen ein weiteres Mal herb enttäuscht, ergänzt sich diese Attitüde mit dem generellen Desinteresse, das er seinem Umfeld entgegen bringt. Nein, Jesse ist kein Typ, den man gern um sich hat; als Gläubiger erst recht nicht. Doch mit der Zeit offenbaren sich nicht bloß Teile seiner Vergangenheit, die ihn bisweilen in einem äußerst tragischen Licht erscheinen lassen. Gerade wenn durchscheint, dass Jesse doch im Kern einer von den Guten ist, moralisch vertretbare Ansichten hat und im Glauben so etwas wie Erlösung findet, erschließt sich dem Zuschauer auch rasch die Faszination für die Figur. Dominic Cooper („Abraham Lincoln: Vampirjäger“) meistert diesen Spagat hervorragend, hat stets einen coolen Spruch auf den Lippen und vereint die unnahbare, bisweilen schwer zu durchschauende Seite seines Charakters mühelos mit dem charmant-süffisanten Gegenpart.

PREACHER stammt von Seth Rogen und Evan Goldberg , die auch die Skripts zu den Serienepisoden geschrieben haben. Unter den Darstellern finden sich Dominic Cooper, Joseph Gilgun, Ruth Negga, Lucy Griffith, W. Earl Brown, Tom Brooke, Ian Colletti und Derek Wilson. Bei der Serie handelt es sich um eine US-amerikanische Fantasyhorror-Produktion aus dem Jahr 2016. Die Serie ist hierzulande ungekürzt bei Amazon Prime verfügbar und ab 16 Jahren freigegeben. Die Länge beträgt pro Folge zwischen 49 und 64 Minuten.

Schon in den von uns bislang gesichteten zwei Auftaktfolgen schlägt „Preacher“ nicht nur ein hohes Tempo an. Auch der Gewalt- und Goregehalt pendelt sich recht schnell auf einem beachtlichen Level ein. Anders als etwa die Serienvariante von „From Dusk Till Dawn“ wird das jedoch nicht sogleich zum Selbstläufer; wann immer in „Preacher“ Blut spritzt, wird dieser Umstand regelrecht zelebriert. Mit Voyeurismus hat das nichts zu tun, wohl aber mit Kreativität. Seth Rogen und Evan Goldberg machen keine Gefangenen, wenn es darum geht, dem Publikum ein möglichst vielfältiges Maß an Verletzungen, Todesarten et cetera darzubieten. Vielmehr gehen die beiden mit einer fast schon kindlichen Naivität ans Werk, wenn es darum geht, Charakter um Charakter nieder zu meucheln. Hartgesottene werden damit sicherlich keinerlei Probleme haben, im Gegenteil. Durch die handgemachten Effekte behält „Preacher“ durchgehend einen herrlich altmodischen Retro-Charme bei. Wer hingegen zarter besaitet ist, könnte sich an den hier und da empor steigenden Blutfontänen stören. Vor allem deshalb, weil diese zumeist unvorbereitet eintreten und es nahezu unmöglich ist, vorherzusehen, wann es zur nächsten kommen wird.

Fazit

All diese gelungenen Aspekte sind in der Lage, kleinere Schwachpunkte im Rahmen des Auftaktes auszugleichen. Wo der einen Figur zur Einführung eine spektakuläre Actionsequenz über den Wolken vergönnt ist, müssen andere sich mit wenigen Sätzen begnügen, die uns den Charakter zu Beginn nur wenig nahe bringen, was sich in den kommenden Episoden sicherlich ändern kann und wird. Auch die Anzahl der Figuren sowie diverse Wechsel der Settings sorgen zu Beginn für Verwirrung und hemmen ein wenig den Genuss, der dem Versuch weichen muss, bei all den vielen Geschehnissen überhaupt erst einmal einen Überblick über die Prämisse zu bekommen. Trotz ihrer stolzen Lauflänge von über einer Stunde scheint der Pilotfilm immer noch viel zu kurz geraten zu sein. Die zweite Folge „See“ wirkt hingegen übersichtlicher und geordneter, was dem Feeling für kecke Anarchie jedoch nicht im Wege steht. „Preacher“ ist – salopp formuliert – der brandheiße Scheiß des aktuellen Serienfernsehens. Konsequent, blutig, wahnsinnig komisch und unberechenbar. Hallelujah – wir wollen mehr!

Mein Tipp: unbedingt ansehen!

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