Schlagwort-Archiv: Peter Spierig

Das startet am 15. März 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 15. März, an dem der von der breiten Masse wohl am ehesten wahrgenommene Start „Tomb Raider“ sein dürfte, der der deutschen Presse bislang allerdings nicht gezeigt wurde. Am Dienstag erfahrt ihr an dieser Stelle mehr zum Film. Mit „Der Hauptmann“ meldet sich „R.I.P.D.“-Regisseur Robert Schwentke zurück im deutschen Kino und setzt dort eine Benchmark für das Jahr 2018. Besonders spannend dürfte es sein, wie sich die Fortsetzung des Dokumentarfilmhits „Unsere Erde“ schlägt. Zieht solches Kino heutzutage immer noch Massen in die Kinos, was von dem neuen „Fünf Freunde“-Film wiederum durchaus zu erarten ist?

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

DER HAUPTMANN  | Regie:  Robert Schwentke | DE/POL/PRT/FR 2017

In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs findet der junge, für einen Fahnenflüchtigen gehaltene Gefreite Willi Herold (Max Hubacher) auf der Flucht vor den Nazis eine Hauptmannsuniform. Ohne zu überlegen – und auf gut Glück – streift er die ranghohe Verkleidung und die damit verbundene Rolle über. Schnell sammeln sich versprengte Soldaten um ihn, die nicht weiter nach seinem Status fragen. Darunter auch der zurückhaltende Gefreite Freytag (Milan Peschel), der ebenfalls froh ist, endlich wieder einen Befehlsgeber gefunden zu haben. Aus Angst enttarnt zu werden, steigert sich Herold nach und nach in die Rolle des skrupellosen Hauptmanns hinein und verfällt dem Rausch der Macht. Ein Spiel mit Leben und Tod, das nicht lange gut gehen kann… 

Robert Schwentke gelingt mit „Der Hauptmann“ das Kunststück, das vielen anderen seiner Kollegen verwehrt bleibt: Er inszeniert einen in seiner ungewöhnlichen Machart herausragenden Film über den Zweiten Weltkrieg, der über alle Maßen unangenehm ist. Punkt.


UNSERE ERDE 2 | Regie: Richard Dale, Lixin Fan, Peter Webber | UK/CN 2017

„Unsere Erde 2“ nimmt uns mit auf eine unvergessliche Reise um die Welt und enthüllt unglaubliche Wunder der Natur und Tierwelt. Im Laufe eines einzigen magischen Tages folgen wir der Sonne von den höchsten Bergen bis hinunter zu den entlegensten Inseln, von exotischen Regenwäldern bis hinein in den Großstadtdschungel. „Unsere Erde 2“ lässt uns tief in die unterschiedlichsten Lebensformen auf unserem Planeten eintauchen und ihren Alltag hautnah und intensiver als jemals zuvor miterleben. In den Hauptrollen: Ein Zebrafohlen, das gemeinsam mit seiner Mutter einen reißenden Fluss überquert. Ein Pinguin, der jeden Tag heldenhaft einen lebensgefährlichen Weg zurücklegt, um seine Familie mit Nahrung zu versorgen. Eine Familie von Pottwalen, die es liebt, vertikal treibend zu dösen und ein Faultier, das der Liebe hinterherjagt… 

„Unsere Erde 2“ steht ihrem Vorgänger visuell in Nichts nach und biete erneut spannende Einblicke in die Welt der Tiere und Pflanzen unsere Planeten. Lediglich der Informationsgehalt ist hier weniger ausgeprägt. Gleichzeitig lädt die Dokumentation dadurch erst recht zum Staunen ein.

LOVELESS  | Regie: Andrey Zvyagintsev | RU/FR/DE/BEL 2017

Zhenya (Maryana Spyvak) und Boris (Alexey Rozin), ein Paar aus der gehobenen russischen Mittelschicht, stehen vor den Trümmern ihrer Ehe. Längst ist die frühere Zuneigung bitteren Anschuldigungen gewichen, die gemeinsame Wohnung steht zum Verkauf, beide sind bereits in neuen Beziehungen. Im Zentrum des Debakels und gleichzeitig völlig abseits steht ihr 12jähriger Sohn Alyosha (Matvey Novikov), dessen Schmerz und Einsamkeit niemand wahrnimmt. Keiner der Eltern will ihn in ein neues Leben mitnehmen, ein Internat steht zur Debatte. Als die Vorwürfe zwischen Zhenya und Boris erneut eskalieren, verschwindet Alyosha plötzlich, was die Polizei tatenlos hinnimmt. Im Rahmen einer groß angelegten Suchaktion von Freiwilligen müssen sich die Ex-Partner wider Willen zusammentun, um das letzte, was sie noch verbindet, aufzuspüren….

„Loveless“ ist eine spannende Mischung aus Krimi und Drama, das als wenig subtile Politallegorie auf den aktuellen Status Quo innerhalb der russischen Gesellschaft weniger gut funktioniert denn als moralisch forderndes Porträt über zwei Menschen, bei denen man sich fragt, wie dringend sie ihren verschwundenen Sohn wirklich wiederhaben wollen – und ob man das Kind tatsächlich in deren Obhut zurückwünscht.


THE FLORIDA PROJECT | Regie: Sean Baker | USA 2017

Orlando, Florida, in der Nähe des Freizeitparks Disney World: Moonee (Brooklynn Prince) ist erst sechs Jahre alt und hat bereits ein höllisches Temperament. Nur wenige Meilen entfernt vom Eingang zu Disneyworld wächst sie in „The Magic Castle Motel“ an einem vielbefahrenen Highway auf. Ihre frühreifen Streiche scheinen Halley (Bria Vinaite), ihre sehr junge Mutter, kaum zu beunruhigen. Da, wie bei allen Bewohnern des Motels “Magic Castle“, ihre finanzielle Lage nicht gerade rosig ist, ist sie gezwungen, auf mehr oder weniger anständige Weise ihre wilde Tochter und sich selbst durchs Leben zu hieven. Moonee und ihre gleichaltrigen Freunde erklären derweil unter den wachsamen Augen des Motelmanagers Bobby (Willem Dafoe) die Welt um sich herum zu einem großen Abenteuerspielplatz… 

„The Florida Project“ ist nach „Tangerine LA“ die zweite authentische Milieustudie von Sean Baker über eine vergessene Community am Rande der Gesellschaft, die vor allem durch die eingenommene Erzählperspektive der jungen Hauptdarstellerin an Brisanz und Emotionalität gewinnt.


WINCHESTER – DAS HAUS DER VERDAMMTEN | Regie: Michael Spierig, Peter Spierig | AUS/USA 2018

In einer verlassenen Gegend lebt die Witwe Sarah Winchester in ihrer monströsen Villa. Die Erbin des Waffen-Imperiums von William Winchester lässt in jahrzehntelanger, ununterbrochener Bautätigkeit ein gigantisches und unübersichtliches Anwesen mit über 500 Zimmern errichten – voller Irrwege, falscher Türen und im Nirgendwo endender Treppen. Auf die Außenwelt wirkt das Gebäude wie das exzentrische Denkmal einer wahnsinnigen Frau. Psychologe Dr. Eric Price wird damit beauftragt, den Geisteszustand der Millionenerbin zu untersuchen. Denn Sarah Winchester ist davon überzeugt, ein Gefängnis für Hunderte rachsüchtige Geister und gequälte Seelen zu errichten, die durch Winchester-Waffen zu Tode kamen und nun Vergeltung suchen. Der Arzt stellt bald fest, dass es in der Villa nicht mit rechten Dingen zugeht… 

Mit „Winchester – Das Haus der verdammten“ gelingt den Spierig-Brüdern eine altmodische Gruselstory vor interessanter Kulisse, der spannenden Hintergrundgeschichte, die auf gleichermaßen wahren wie schockierenden Ereignissen beruht, werden sie allerdings zu keinem Zeitpunkt gerecht.


FÜNF FREUNDE UND DAS TAL DER DINOSAURIER  | Regie: Mike Marzuk | DE 2018

Diesmal scheinen George (Allegra Tinnefeld), Julian (Marinus Hohmann), Dick (Ron Antony Renzenbrink), Anne (Amelie Lammers) und Timmy, der Hund, in den Ferien keine Abenteuer zu erwarten: Sie müssen mit Tante Fanny (Bernadette Heerwagen) zu einer Familienfeier! Doch eine Autopanne zwingt sie zum Zwischenstopp in einer Kleinstadt. Im örtlichen Naturkundemuseum wird tags drauf eine echte Sensation enthüllt: Der Knochen einer bis dato unbekannten Dinosaurierart! Im Museum lernen die Freunde Marty Bach (Jacob Matschenz) kennen, einen kauzig wirkenden jungen Mann, der behauptet, sein verstorbener Vater habe ein vollständig erhaltenes Dinosaurierskelett entdeckt. Dann wird Marty ein Foto mit einem versteckten Zahlencode gestohlen. Führt dieser zum legendären „Tal der Dinosaurier“?

Der fünfte Teil der „Fünf Freunde“-Filmreihe besticht durch einen zielgruppengerechten Kriminalfall und eine angenehm spannende Atmosphäre. Leider können die neuen Hauptdarsteller noch nicht so richtig überzeugen und auch auf Albernheiten wie anstrengende Pups-Witze sollte Mike Marzuk endlich verzichten.


MARIA MAGDALENA | Regie: Garth Davis | UK/AUS 2018

Als erste, einzige weibliche Jüngerin in der Gefolgschaft von Jesus (Joaquin Phoenix) und als Zeugin seiner brutalen Kreuzigung, Grablegung und anschließender Auferstehung ist Maria Magdalena (Rooney Mara) eine der zentralen Figuren der Bibelgeschichte.  Doch schon zum damaligen Zeitpunkt ist sie auch eine moderne, junge Frau, die selbstbewusst und mutig gegen die Geschlechterrollen und Hierarchien ihrer Zeit rebelliert und damit für Unmut in ihrer Familie sorgt. Auf der Suche nach ihrem ganz persönlichen Lebensweg sagt sie sich von ihrer Familie los, um sich dem charismatischen Jesus von Nazareth und seinen Jüngern anzuschließen. Gemeinsam machen sie sich auf eine spirituelle Reise nach Jerusalem. 

„Maria Magdalena“ beginnt als unkonventionell erzählte, assoziative Bindungen zur Gegenwart schlagende Erzählung über eine interessante Frau, verliert sich dann allerdings in einer weitestgehend spannungsarmen Inszenierung, die zu viel Bekanntes zeigt, um neues zu erzählen.


TOMB RAIDER | Regie: Roar Uthaug | UK/USA 2018

Lara Croft ist die leidenschaftlich emanzipierte Tochter eines exzentrischen Abenteurers, der spurlos verschwand, als sie noch ein kleines Mädchen war. Inzwischen ist Lara erwachsen, aber ihr fehlt ein klares Lebensziel. Eher unmotiviert brettert sie als Fahrradkurierin durch die Straßen der Trendviertel von East London. Sie will sich ihren eigenen Weg suchen und lehnt daher auch die Leitung des globalen Konzerns ihres Vaters ebenso strikt ab, wie sie sich weigert, an seinen Tod zu glauben. Mittlerweile sind allerdings sieben Jahre vergangen, und man legt Lara nahe, sich allmählich mit der Realität abzufinden. Doch irgendetwas treibt sie dazu, endlich herauszufinden, was ihrem Vater eigentlich passiert ist. Als Lara alle Brücken hinter sich abbricht, handelt sie bewusst auch gegen den letzten Willen ihres Vaters. Ihre Suche beginnt dort, wo er zuletzt gesehen wurde: in dem legendären Grabmal auf einer mythischen Insel…


Heimkinotipp: DIE BESTE ALLER WELTEN  | Regie: Adrian Goiginger | DE/AT 2017

Lagerfeuer, Feuerwerkskracher, Abenteuergeschichten: Der siebenjährige Adrian (Jeremy Miliker) erlebt eine auf den ersten Blick harmonische Kindheit im außergewöhnlichen Milieu einer Drogenszene am Rand einer österreichischen Stadt, und mit seiner liebenswerten Mutter Helga (Verena Altenberger) zwischen Fürsorglichkeit und Drogenrausch. Wenn er groß ist, möchte er unbedingt Abenteurer werden. Trotz aller Schwierigkeiten ist es für ihn eine behütete Kindheit, die beste aller Welten. Er ist kein unglückliches Kind, Helga ist eine liebevolle Mutter, spielt mit ihm Fußball, erzählt ihm Zaubermärchen, bestärkt ihn. Bis sich die Außenwelt nicht mehr länger aussperren lässt. Helga weiß, sie muss clean werden, um ihren Sohn nicht für immer zu verlieren. Doch dazu muss sie ihre eigenen Dämonen besiegen…

An dem autobiographischen Filmdrama „Die beste aller Welten“ hat man schwer zu knabbern. So authentisch und lebensecht inszeniert Regie-Newcomer Adrian Goiginer seine eigene Kindheit, die dem Zuschauer einen emotionalen, fast traumatisch-intensiven Einblick hinter die Kulissen der österrichischen Drogenszene liefert. Jungdarsteller Jeremy Miliker spielt Weltklasse – genauso wie der Rest.

Verlosung: Jigsaw

Sieben Jahre, nachdem das „Saw“-Franchise mit „Saw: Vollendung“ eigentlich für abgeschlossen erklärt wurde, wagten sich die beiden Brüder Michael und Peter Spierig mit JIGSAW im vergangenen Jahr an das nächste Kapitel und versprechen einen emotionalen Einblick in die Seele des Puzzlemörders. Seit dem 8. März ist genau dieser auch im Heimkino erhältlich. Zu diesem Anlass verlosen wir in Kooperation mit STUDIOCANAL Home Entertainment zweimal die Blu-ray zum Film. Was Ihr tun müsst, um einen dieser Preise abzustauben, erfahrt Ihr weiter unten in diesem Posting.

Die Stadt ist übersät von grausam entstellten Leichen, die allesamt Opfer grausamer Folterspiele wurden. Die Ermittlungen führen schnell zu einem alten Bekannten: John Kramer (Tobin Bell). Doch der Mann, der sich als sogenannter Puzzlemörder einen Namen gemacht hat und in den Medien daher nur Jigsaw genannt wird, soll seit mehr als einem Jahrzehnt tot sein. Aber wer steckt dann hinter den Morden? Ist einer seiner Schüler zum Lehrer geworden und führt Jigsaws Erbe fort? Steckt womöglich einer der Ermittler hinter den Morden? Die Spiele haben ein weiteres Mal begonnen…

„Jigsaw“ fährt gen Ende mit einem netten Twist auf, doch unter dem Versuch, die Ereignisse dieses Teils mit den ersten sieben Filmen zu verbinden leiden Glaubwürdigkeit und Atmosphäre. Die berühmten Folterfallen sind so harmlos, dass auch die Gore-Fans der Reihe nicht auf ihre Kosten kommen. Und das Wiedersehen mit John Kramer fällt so kurz und lieblos aus, dass man sich fragt, weshalb Tobin Bell für diesen Teil überhaupt noch zugesagt hat.

Für Fans ist „Jigsaw“ natürlich trotzdem ein Muss! Ihr wollt ihn Euch auf keinen Fall entgehen lassen? Dann müsst Ihr nichts weiter tun, als den zu dieser Verlosung gehörenden Facebook-Beitrag zu kommentieren. Da sich Wessels-Filmkritik.com immer über neue Follower freut, ist diese Verlosung ausschließlich für meine Facebook-Freunde und Twitter-Follower bestimmt. Einfach Fan werden – schon habt Ihr die Chance auf einen Gewinn! Nach Teilnahmeschluss am 18. März 2018 um 23:59 Uhr wähle ich via Zufallsverfahren den Gewinner oder die Gewinnerin aus und schreibe ihn oder sie über eine Privatnachricht an. Checkt nach Ablauf der Verlosung bitte unbedingt Eure Postfächer, da der Gewinn nach einer Woche ohne Rückmeldung verfällt. Nach Abschluss werden selbstverständlich alle personenbezogenen Daten gelöscht und ihr habt bei der nächsten Verlosung wieder eine neue Chance, zu gewinnen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Der Gewinn kann nicht ausgezahlt werden. Viel Glück!

Jigsaw

Sieben Jahre, nachdem das „Saw“-Franchise mit „Saw: Vollendung“ eigentlich für abgeschlossen erklärt wurde, wagen sich die beiden Brüder Michael und Peter Spierig mit JIGSAW an das nächste Kapitel und versprechen einen emotionalen Einblick in die Seele des Puzzlemörders. Ob sie damit Recht behalten, das verrate ich in meiner Kritik.

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Das startet am 26. Oktober 2017

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 26. Oktober, der im Grunde nur einen relevanten Start beinhaltet: „Fack ju Göhte 3“. An diesem wird kein Weg dran vorbei führen, entsprechend zurück hält sich die Konkurrenz mit der Veröffentlichung massentauglicher Filme. In Außenseiterposition geht allerdings „Jigsaw“ an den Start. Die Zielgruppe beider Filme überschneidet sich kaum, sodass hier mit einem amtlichen Ergebnis gerechnet werden dürfte. Leider wurden ausgerechnet diese beiden Filme bislang nicht der Presse vorgeführt. Ansonsten hält das Programmkino mit „Die Unsichtbaren“ eine zurecht viel gelobte Mischung aus Drama und Doku bereit, während auch das surrealistische Familienporträt „Sommerhäuser“ unbedingt einen Blick wert ist.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

DIE UNSICHTBAREN – WIR WOLLEN LEBEN  | Regie: Claus Räfle | DE 2017

Berlin, 1943. Die nationalsozialistische Regierung hat die Reichshauptstadt offiziell für „judenrein“ erklärt. Doch einigen Juden gelingt tatsächlich das Undenkbare. Sie werden unsichtbar für die Behörden. Oft ist es pures Glück und ihre jugendliche Unbekümmertheit, die sie vor dem gefürchteten Zugriff der Gestapo bewahrt. Nur wenige Vertraute wissen von ihrer wahren Identität. Da ist Cioma Schönhaus, der heimlich Pässe fälscht und so das Leben dutzender anderer Verfolgter zu retten versucht. Die junge Hanny Lévy blondiert sich die Haare, um als scheinbare Arierin unerkannt über den Ku’damm spazieren zu können. Eugen Friede verteilt nachts im Widerstand Flugblätter. Tagsüber versteckt er sich in der Uniform der Hitlerjugend und im Schoße einer deutschen Familie. Und schließlich ist da noch Ruth Gumpel, die als Kriegswitwe getarnt, NS-Offizieren Delikatessen serviert. 

Ohne falsche Sentimentalität bringt „Die Unsichtbaren – Wir wollen leben“ dem Zuschauer ein bislang weitgehend unterbelichtetes Kapitel der Nazizeit näher. Eine hochelegant inszenierte Symbiose aus Dokumentation und Spielfilmdrama, die gleichermaßen beeindruckt wie erschüttert.


SOMMERHÄUSER  | Regie: Sonja Kröner | DE 2017

Im heiß-schwülen Jahrhundertsommer des Jahres 1976 kommen drei Generationen einer Münchener Großfamilie anlässlich der Beerdigung von Oma Sophie zusammen, um die freie Zeit im idyllischen Gemeinschaftsgarten zu verbringen. Die Erwachsenen diskutieren über den Verbleib des Grundstücks – während die Einen verkaufen wollen, wollen die Anderen, dass es im familiären Besitz bleibt. Tante Ilse (Ursula Werner) freundet sich mit ihrer sympathischen Nachbarin Frau Fischer (Grischa Huber) an, während die Kinder Jana (Emilia Pieske), Lorenz (Elliot Schulte) und Inga (Anne-Marie Weisz) sich auf Wespenjagd begeben oder im selbstgebauten Baumhaus abhängen. Als das Radio Nachrichten über ein vermisstes Mädchen überträgt, legt sich die Ungewissheit über das sommerliche Idyll. Ob der Mann vom Nachbargrundstück etwas damit zu tun hat? 

Ein Paradies mit Widerhaken: Mit ihrem fabelhaften Regiedebüt „Sommerhäuser“ gelingt Sonja Kröner ein flirrend-romantisches Nostalgiedrama mit diffusen bedrohlichen Untertönen, das sich in den letzten zehn Minuten all seiner aufgebauten Spannung entlädt wie ein schwüler Sommertag, der in ein krachendes Sommergewitter mündet.


FACK JU GÖHTE 3  | Regie: Bora Dagtekin | DE 2017

Homo Faber, Kurvendiskussion, Asbest in den Toiletten. An der Goethe- Gesamtschule herrscht Stress: Zeki Müller will Chantal, Danger, Zeynep und die anderen Schüler zum Abitur peitschen, doch die Chaosklasse ist wenig kooperativ. Denn die nette Dame vom Berufsinformationszentrum hat ihnen die Zukunftsaussichten ordentlich vermiest. Nun erreicht das Frustrationslevel ganz neue Höhen, was sich in maximaler Leistungsverweigerung und Schülereskalation äußert. Kann Herr Müller auch Motivation? Direktorin Gudrun Gerster jedenfalls ist keine große Hilfe, seit sie mit dem Bildungsministerium im Clinch liegt und als letzte Gesamtschule des Bundeslandes mit Imageproblemen zu kämpfen hat, an denen die Problemschüler nicht ganz unschuldig sind. Wenigstens bekommt Zeki Müller Unterstützung von Neuzugang Biggi Enzberger, die ihm bei einem Anti-Mobbing-Seminar aushilft. 

„Fack ju Göhte 3“ funktioniert einmal mehr über die lauten, derben Gags, verliert sich allerdings erstmals im Verlauf der Reihe in bemerkbarer Redundanz und nimmt sich nicht die Zeit, die er bräuchte, um Interesse am Verbleib der Figuren zu wecken. Einiges funktioniert, einiges nicht. Doch während das Feuilleton verzweifelt, werden die Zuschauer frohlocken. Es sei ihnen gegönnt – es ist immerhin der Final Fack!


MAUDIE  | Regie: Aisling Walsh | IE/CAN 2016

Kanada, 1930er Jahre. Everett Lewis lebt als Hausierer zurückgezogen an der Ostküste. Gegen die Einsamkeit und für etwas Ordnung in seiner kleinen Kate entscheidet er sich, eine Haushälterin zu engagieren. Aber auf seine Annonce meldet sich einzig Maud Dowley. Als Kind an rheumatischer Arthritis erkrankt, ist sie sehr zierlich, humpelt und ihre Hände sind verkrüppelt. Maud hat nur einen Wunsch, weg von der Familie, die ihr nichts zutraut, und, sie will malen. Die ersten Ölfarben bekommt sie von Everett geschenkt. Da hat er längst erkannt, dass Maud als Haushälterin nichts taugt. Statt zu putzen bemalt sie lieber Stück für Stück das ganze Haus mit farbenfrohen Bildern. Doch trotz alledem oder gerade deswegen empfindet Everett mehr und mehr für Maud, auch wenn Liebe und zarte Gefühle bisher in seinem Leben nicht vorkamen.

Das irisch-kanadische Drama „Maudie“ punktet zwar mit zwei starken Hauptdarstellern, doch die Geschichte über zwei sich allmählich annähernde Außenseiter mit ihren bewährten Skeptiker-Stereotypen verläuft in allzu formelhaften Bahnen und verpasst es außerdem, seine Hauptfigur aus ihrer festgefahrenen Opferrolle herauszuholen. Am Ende glaubt man zu keiner Sekunde, dass zwischen dem vermeintlichen Liebespaar tatsächlich Sympathien existieren.


JIGSAW  | Regie: Michael Spierig, Peter Spierig | USA/CAN 2016

Die Stadt ist übersät von grausam entstellten Leichen, die allesamt Opfer grausamer Folterspiele wurden. Die Ermittlungen führen schnell zu einem alten Bekannten: John Kramer (Tobin Bell). Doch der Mann, der sich als sogenannter Puzzlemörder einen Namen gemacht hat und in den Medien daher nur Jigsaw genannt wird, soll seit mehr als einem Jahrzehnt tot sein. Aber wer steckt dann hinter den Morden? Ist einer seiner Schüler zum Lehrer geworden und führt Jigsaws Erbe fort? Steckt womöglich einer der Ermittler hinter den Morden? Die Spiele haben ein weiteres Mal begonnen und die Uhr läuft gnadenlos gegen die Kommissare, doch der neue Jigsaw scheint seinen Jägern wieder einmal immer einen Schritt voraus zu sein…

„Jigsaw“ fährt gen Ende mit einem netten Twist auf, doch unter dem Versuch, die Ereignisse dieses Teils mit den ersten sieben Filmen zu verbinden leiden Glaubwürdigkeit und Atmosphäre. Die berühmten Folterfallen sind so harmlos, dass auch die Gore-Fans der Reihe nicht auf ihre Kosten kommen. Und das Wiedersehen mit John Kramer fällt so kurz und lieblos aus, dass man sich fragt, weshalb Tobin Bell für diesen Teil überhaupt noch zugesagt hat.


DER KLEINE VAMPIR  | Regie: Richard ClausKarsten Kiilerich | NED/DE/UK/DK 2017

Alterslos sein – was für Unsereins verlockend klingt, ist für Rüdiger von Schlotterstein kein Grund zur Freude. Als Vampir wird er einfach nicht älter und feiert seinen 13. Geburtstag nun schon zum 300. Mal! Auch wenn er selbst nicht in Stimmung ist, planen seine Eltern in der heimischen Gruft in Transsilvanien ein Fest mit der gesamten Verwandtschaft. Kurz bevor die Geburtstagsfeier steigen kann, begeht Rüdigers älterer Bruder Lumpi eine Dummheit, die Vampirjäger Geiermeier und dessen Assistenten Manni auf die Spur der Familie führt. Als die beiden Schurken die gesamte Gruft abriegeln, können sich nur Rüdiger, seine kleine Schwester Anna und die Eltern in Sicherheit bringen und zu Verwandten in den Schwarzwald fliehen. Hier verbringt gerade der 13-jährige Anton Bohnsack die Ferien mit seinen Eltern. Als Fan von Gruselgeschichten freut er sich riesig, endlich mal einen waschechten Vampir kennenzulernen! 

„Der kleine Vampir“ von 2017 ist ein weitgehend lieblos animiertes Abenteuer für die ganz Kleinen, die sich immerhin an den ausufernden Slapstick- und Actioneskapaden erfreuen können. Das Herz und die Seele der Bücher greifen die Macher nicht auf. Ihr Rüdiger von Schlotterstein ist einfach nur eine x-beliebige Figur in einem x-beliebigen Animationsfilm.


DJANGO – EIN LEBEN FÜR DIE MUSIK  | Regie: Étienne Comar | FR 2017

Wir befinden uns in Frankreich im Jahr 1943. Der begnadete Jazzgitarrist Django Reinhardt ist gerade auf dem Gipfel seines Erfolges. Abend für Abend spielt er in ausverkauften Sälen und begeistert das Publikum mit seinem bahnbrechenden Gypsy-Swing, einer Musik voller Lebenslust und Witz, der sich auch die deutschen Besatzer nicht entziehen können. Während andere Sinti in ganz Europa verfolgt werden, kann sich Django aufgrund seiner Popularität in Sicherheit wiegen – bis ihn die Nationalsozialisten auf Tournee nach Deutschland schicken wollen. Django weigert sich. Seine Pariser Geliebte hilft ihm, mit seiner schwangeren Frau und seiner Mutter an der Schweizer Grenze unterzutauchen. Hier trifft er auf Mitglieder seiner weitverzweigten Familie, die ebenfalls auf der Flucht sind. Über den Genfer See will er in die Schweiz gelangen, doch die Nazis sind ihm dicht auf den Fersen.


Heimkinotipp: EINSAMKEIT UND SEX UND MITLEID  | Regie: Lars Montag | DE 2017

Irgendwo in Deutschland leben Menschen wie Du und ich. Sie alle sind Gefangene in einem Netz aus Neurosen, Ängsten, aber auch aus Sehnsüchten und Träumen. Da ist zum Beispiel Ecki. Ecki, 55, war mal Lehrer. Und zwar ein guter. Bis dieses Mädchen behauptet hat, er habe sie angegrapscht. Eine dreiste Lüge! Dann wäre da noch Thomas, 43. Thomas ist ein echter Mann. Angst? Fehlanzeige. Er passt auf Carla auf. Mit Leuten mit Migrationshintergrund hat er es nicht so. Carla, 27, will stark sein. Trotz der Sache mit dem Ausländer. Thomas hilft ihr dabei. Aber eigentlich kann das Carla auch ganz alleine. Auch Robert hadert mit sich. Robert, 53, hat keine Struktur mehr (sagt seine Frau), aber Familie: Maschjonka, Swentja und Sonja. Aber die brauchen ihn eigentlich nicht. Deshalb hätte er er gern einen Freund…

Mit seiner unverblümten Romanverfilmung „Einsamkeit und Sex und Mitleid“ riskiert Regisseur Lars Montag viel – und gewinnt auf ganzer Linie. In mehreren Episoden entblößt die Hardcore-Komödie den Menschen an sich und gibt dabei nicht bloß unsere eigene Erwartung, sondern auch die Mechanismen des deutschen Anspruchskinos der Lächerlichkeit preis. Grandios!

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