Schlagwort-Archiv: Krimi

Das startet am 9. Juni 2016

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 09. Juni, der noch einmal mit einer Unmenge an neuen Filmstarts auftrumpft und seine besonders starken Produktionen einmal mehr im Programmkino versteckt. Das deutsche Coming-of-Age-Drama „Rockabilly Requiem“ schwankt zwischen musikalischer Selbstfindungsgeschichte und hartem Familiendrama, in „Sky“ darf Diane Kruger durch den Westen der USA reisen, für Fans des skandinavischen Thrillerkinos halten die Lichtspielhäuser den neuen Jussi-Adler-Olsen-Film parat und wer auf Starpower setzt, greift zu „In ihren Augen“ mit Julian Roberts, Nicole Kidman und Chiwetel Ejiofor. Doch das ist noch längst nicht alles – dieser Tage muss man höllisch aufpassen, nicht in einer weniger gelungenen Produktion zu landen, daher empfiehlt es sich, die heutige Kinovorschau bis zum Schluss zu lesen.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

ROCKABILLY REQIUEM | Regie: Till Müller-Edenborn | DE 2016

Rockabilly Reqiuem

BRD 1982: Hubertus (Ben Münchow) und Sebastian (Sebastian Tiede) wollen niemals so werden wie ihre Väter. Die Musik und ihre gemeinsame Liebe zu Punkprinzessin Debbie (Ruby O. Fee) sind die einzigen Möglichkeiten, dem Mief von Bohnerwachs und Spießigkeit zu entkommen. Als eine coole Rockabilly-Band nach einer Vorband für ihre Tournee sucht, ist klar: Das ist die Chance, allen Zwängen zu entfliehen! Doch Hubertus’ Vater (Alexander Hauff) versucht alles, um die musikalischen Gehversuche seines Sohnes zu verhindern. Als sie zum Vorspielen eingeladen werden, eskaliert die Situation und die Jugendlichen stehen vor der größten Herausforderung ihres Lebens. Sie müssen feststellen, dass sie sich schon lange nicht mehr auf die Unterstützung der vermeintlich Erwachsenen vertrauen können…  4 von 5

Wer mit „Rockabilly Reqiuem“ einen musikalischen Streifzug durch die Zeit von Elvis und Co. erwartet, wird trotz eines fetzigen Soundtracks enttäuscht. Stattdessen gelingt Till Müller-Edenborn mit seinem Langfilmdebüt ein mit der Zeit immer tragischeres Familiendrama, dessen unberechenbare Entwicklung in ein höchst niederschmetterndes Finale mündet, das noch lange nachhallt.


SKY: DER HIMMEL IN MIR | Regie: Fabienne Berthaud | FR/DE 2015

Sky: Der Himmel in mir

Romy (Diane Kruger) fühlt sich zum ersten Mal seit langer Zeit frei und offen für die Möglichkeiten, die vor ihr liegen. Während eines Urlaubs im Westen der USA hat sie Ihre Ehe nach einem heftigen Streit mit ihrem Mann beendet und beschlossen die Reise allein fortzusetzen. Sie trampt durch die sonnendurchtränkten Wüstenlandschaften Nevadas ins bunte, schrille Las Vegas. In einem Casino lernt sie den rauen, einzelgängerischen Ranger Diego kennen und verbringt eine leidenschaftliche Nacht mit ihm. Als sie eine Nachricht mit seiner Adresse erhält, begibt sie sich spontan auf den Weg zu ihm. In dem entlegenen Ort in der Wüste findet sie einen neuen Teil von sich selbst und etwas nachdem sie sich lange schon gesehnt hat.
4 von 5

Ob aufbrechende Rebellion einer starken Frau oder feige Flucht eines wehleidigen Opfers: Mit „Sky: Der Himmel in mir“ erzählt Fabienne Berthaud die ambivalente Geschichte einer interessanten Persönlichkeit, die mehr kann, als in wunderschönen Wüstenpanoramen zu schwelgen. Zwischen melancholisch und urkomisch balancierend, wird Hauptdarstellerin Diane Kruger dieses fordernden Projekts mühelos Herr.


ERLÖSUNG |  Regie: Hans Petter Moland |  DK/DE/SWE/NOR 2016

Erlösung

Eine Flaschenpost, die auf ihrem Schreibtisch landet, stellt Carl Mørck (Nikolaj Lie Kaas) und Assad (Fares Fares) vor ein Rätsel. Nur mühsam gelingt es ihnen, ihre Botschaft zu entziffern: Ein mit menschlichem Blut geschriebener Hilfeschrei – das letzte Lebenszeichen zweier Jungen, die vor Jahren spurlos verschwunden sind, die aber niemals als vermisst gemeldet wurden. Wer sind die beiden? Und warum haben ihre Eltern ihr Verschwinden nie angezeigt? Als kurze Zeit später die Entführung eines Geschwisterpaars erschreckende Parallelen zum Flaschenpost-Fall erkennen lässt, wird klar, dass derselbe Täter sein teuflisches Spiel schon seit Jahren unerkannt treibt. Für Mørck und Assad beginnt ein Wettlauf mit der Zeit – um das Leben der entführten Kinder, bald aber auch um ihr eigenes.
4 von 5

Jussi Adler-Olsens „Erlösung“ ist einmal mehr ein sehenswerter, verstörender Thriller, der verstärkt den Fokus auf die Figureninteraktion der beiden Hauptcharaktere legt und mit einem Bösewicht auftrumpft, der es in sich hat.


VOR IHREN AUGEN  |  Regie: Billy Ray  |  USA 2015

Vor ihren Augen

Die beiden ehrgeizigen FBI-Ermittler Ray und Jess sind ein eingespieltes Team und arbeiten eng mit der Staatsanwältin Claire zusammen. Doch dann wird eines Tages Jess’ jugendliche Tochter auf brutale Weise und scheinbar ohne jegliches Motiv ermordet. Als sie meinen, den Mörder gefunden zu haben, müssen sie ihn aus Mangel an Beweisen laufen lassen. 13 Jahre später, in denen Ray jeden Tag wie besessen versucht hat, den schwer zu fassenden Täter zu finden, stößt er auf eine neue Spur. Er ist sich sicher, den Fall endlich lösen zu können, den grausamen Mörder zu überführen und mit seinem Team, den lang ersehnten Schlussstrich ziehen zu können. Doch Niemand ist auf das schockierende und entsetzliche Geheimnis vorbereitet, das die Ermittler erwartet und keinen Zweifel daran lässt, welch zerstörerische Wirkung Rache auf die menschliche Seele haben kann.
3 von 5

„Vor ihren Augen“ ist ein über weite Strecken konventionelles Drama im Stile der Neunziger, das jedoch wenige eigene Ansätze besitzt und sich inhaltlich zum Großteil an seiner Vorlage besitzt. Mit seiner bequemen Inszenierung eckt Billy Ray selbst dann nicht an, wenn sich der Inhalt dafür eigentlich anbieten würde. So ist der Film in den Hochphasen zwar spannend, bleibt aber weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.


STOLZ UND VORURTEIL & ZOMBIES | Regie: Burr Steers | USA/UK 2016
Stolz und Vorurteil & Zombies

England, 1811. Das Land ist im Begriff, von einer neuen Zombie-Welle überrannt zu werden. Für Mrs. Bennet besteht jedoch das größere Problem darin, ihre fünf heiratsfähigen Töchter unter die Haube zu bringen. Eine davon ist Liz (Lily James), die wie der Rest ihrer Schwestern die Kampfkunst der Shaolin beherrscht und eine leidenschaftliche Kämpferin ist. Neben den Zombies ist ihre größte Herausforderung wiederum, der seltsamen Anziehung zu dem Kämpfer Mr. Darcy (Sam Riley) und dem Charme des manipulativen Mr. Wickham (Jack Huston) zu widerstehen. Liz und Darcy müssen erst persönliche Vorurteile überwinden, bevor sie im Kampf gegen die Zom-bies die wahre Liebe füreinander entdecken. Doch da brechen auch bereits Horden von Untoten über die friedliche Stadt herein. Nur gemeinsam können sich die ungleichen Liebenden vor ihnen retten. 3 von 5

„Stolz und Vorurteil & Zombies“ besticht durch einen hohen technischen Standard, eine ansehnliche Ausstattung und sympathische Figuren. Als Mash-Up-Film zwischen Romantikdrama und Zombiehorror funktioniert Burr Steers Regiearbeit aufgrund seiner blutleeren Actionszenen allerdings nur bedingt.


PROFESSOR LOVE  |  Regie: Tom Vaughan |  USA/UK 2014

Professor Love

Seelenverwandtschaft und ewige Liebe existieren für Richard (Pierce Brosnan) nur in der Theorie: Der Professor für Romantische Literatur an der renommierten Cambridge-Universität ist privat ein notorischer Single und Womanizer. Doch dann wird sein aktueller Flirt Kate (Jessica Alba) schwanger und plötzlich führt „Professor Love“ mit seiner viel jüngeren Frau und Sohn ein beschauliches Familienleben, an das er sich nur schwer gewöhnt. Nach ein paar Jahren ist es aber ausgerechnet Kate, die sich in einen jüngeren Mann verliebt und auszieht. Doch ihren Sohn will sie nicht in Richards unkundigen Händen wissen und quartiert kurzerhand ihre ältere Stiefschwester Olivia (Salma Hayek) bei Richard ein. Die temperamentvolle Schwägerin übernimmt schon bald das Regiment und versucht nicht nur den Sohn in den Griff zu bekommen.  2 von 5

Ein bisschen Romantik, ein bisschen Komödie, ein bisschen Drama und viel, viel Kitsch: „Professor Love“ ist vieles, aber nichts davon richtig. Trotz eines netten Ensembles und ansprechender Kulisse hätte dieser Film gern noch viele weitere Jahre im Giftschrank des Studios verweilen dürfen.


HIMMELSKIND  |  Regie: Patricia Riggen | USA 2016

Himmelskind

Als Christy (Jennifer Garner) erfährt, dass ihre 10-jährige Tochter Anna (Kylie Rogers) an einer seltenen, unheilbaren Krankheit leidet, sucht sie verzweifelt nach einer Therapie. Sie rennt von Doktor zu Doktor, reist quer durch die USA, verschuldet sich und vernachlässigt den Rest ihrer Familie – alles nur, um dem jungen Mädchen zu helfen. Doch die Möglichkeit einer Therapie besteht nicht. Stattdessen muss sich die Familie damit arrangieren, dass Anna bald sterben wird. Auf ihrer Odyssee lernt Christy viele Menschen kennen, die alle auf ihre ganz eigene Art und Weise versuchen, der Familie beizustehen. Obwohl das Schicksal längst besiegelt scheint, geschieht eines Tages etwas Unglaubliches, was sich bis heute Niemand im Ort erklären kann…
2 von 5

Vollkommen unabhängig davon, ob das, was in „Himmelskind“ erzählt wird, so tatsächlich geschah: Die Regiearbeit von Patricia Riggen überzeugt eineinhalb Stunden lang als äußerst emotionales, dabei aber auch zurückhaltendes Familiendrama, bis ein Twist, der im Trailer als Dreh- und Angelpunkt der Geschichte verkauft wird, den bis dahin so subtilen Eindruck vollends zunichte macht. Eine herbe Enttäuschung!


EINMAL MOND UND ZURÜCK | Regie: Enrique Gato | ESP 2015

Einmal Mond und zurück

Mike ist zwölf Jahre alt, sportlich begabt und der Sohn eines Astronauten. Auch sein Großvater sollte mal für die NASA zum Mond fliegen, doch aus Gründen, die noch heute Vater und Großvater entzweien, musste Opa einst auf der Erde bleiben. Als die NASA eine weitere Mond-Mission startet, sehen Mike und seine Freunde darin nicht nur die Chance seinem Großvater einen Traum zu erfüllen, sondern auch die Familie wieder zu vereinen. Doch natürlich geht bei ihrem Plan etwas mächtig schief, und durch unglückliche Umstände ist es nicht Mikes Vater, sondern Mike selbst, der schon bald gemeinsam mit seiner besten Freundin und einer Eidechse auf dem Weg in Richtung Mond ist. Doch nicht nur Mike begibt sich dort auf eine ganz besondere Mission. Ein mächtiger Gegner hat es darauf abgesehen, die Flagge vom Erdtrabanten zu stehlen…
2 von 5

Außer kleinen Kindern, die noch davon träumen einmal als Astronaut auf den Mond zu reisen, wird die zu jedem Zeitpunkt vorhersehbare, lieblose, humoristisch teilweise fragwürdige Geschichte, einschließlich der – wenn überhaupt – halbwegs soliden Animation wohl Niemanden ins Kino locken.


KEANU | Regie: Peter Artencio | USA 2016

Keanu

Keegan-Michael Key und Jordan Peele, bekannt und beliebt als Comedy-Duo Key & Peele, spielen die Hauptrollen in der abgedrehten, von Peter Artencio inszenierten Action-Komödie „Keanu“ von New Line Cinema: Die Cousins Clarence und Rell sind mit dem Großstadtleben reichlich überfordert. Als Rells geliebtes Kätzchen Keanu entführt wird, muss sich das hoffnungslos altmodisch-sittenstrenge Duo als zwei skrupellose Killer ausgeben, um sich so in eine Straßengang einzuschleusen und den gekidnappten Kater zu befreien. Doch der unglaublich kuschelige Vierbeiner schmust sich bei allen Beteiligten derart ein, dass der Streit um das Sorgerecht einen Bandenkrieg auslöst. Schon bald werden unsere beiden Helden wider Willen gezwungen, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen. Eine wilde Jagd beginnt, die kein Auge trocken lässt.


HANNAS SCHLAFENDE HUNDE  |  Regie: Andreas Gruber  |  DE/AT 2016

Hannas schlafende Hunde

Wels,  Oberösterreich,  1967:  Nur  nicht  aufzufallen  ist  das  oberste  Gebot  in  Hannas (Nike  Seitz) Familie, weder bei den Nachbarn, noch in der Schule. Das ist ihrer Mutter Katharina (Franziska Weisz) ebenso wichtig wie die regelmäßigen Besuche in der katholischen Messe von Pfarrer Angerer (Johannes Silberschneider). Das kluge Mädchen spürt instinktiv, dass an der Lebensweise der Familie etwas nicht stimmt, und entdeckt, unterstützt von ihrer resoluten Großmutter Ruth (Hannelore Elsner), das Geheimnis ihrer jüdischen Identität. Hanna beginnt die Angst ihrer Mutter zu verstehen, will sich aber nicht weiter verstecken. Die schlafenden Hunde der Vergangenheit in dem noch immer naziverseuchten Dorf sind ohnehin bereits geweckt. Doch wie erklärt man seinen nach Freiheit strebenden Töchtern, dass das nicht so einfach möglich ist?


WIE DIE ANDEREN | Regie: Constantin Wulff | AT 2016

Wie die Anderen

Der Dokumentarfilm „Wie die Anderen“ setzt diffusen Psychiatrieängsten einen präzisen Beobachterblick entgegen. Über eineinhalb Jahre hat Regisseur Constantin Wulff den Alltag der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie im Landesklinikum in Tulln verfolgt. Sein einfühlender Film zeigt institutionelle Arbeit als permanenten Balanceakt: zwischen Behutsamkeit und Druck, Routine und emotionaler Involviertheit, Regelwerk und Improvisation. Wie wir kann auch das Abteilungspersonal die Kinder nur ein kurzes Stück begleiten, bevor sie wieder in ihren Alltag zurückkehren. Im Direct Cinema-Modus gedreht, verzichtet der Film auf Interviews und Off-Kommentare, fokussiert stattdessen ganz auf die sozialen Situationen, die sich bei Behandlungsgesprächen und Diagnoseentscheidungen ereignen.


Heimkinotipp: BROOKLYN | Regie: John Crowley | USA 2015

Brooklyn

„Brooklyn“ erzählt die bewegende Geschichte der jungen Eilis Lacey (Saoirse Ronan), einer jungen irischen Immigrantin, die in den 1950er Jahren versucht, in Brooklyn Fuß zu fassen. Von den Versprechungen Amerikas angelockt, verlässt Eilis nicht nur Irland sondern auch das behagliche Heim ihrer Mutter, um in New York ein neues Leben zu beginnen. Anfangs leidet die junge Frau unter großem Heimweh, doch das verfliegt schnell als sie sich von einer Liebesromanze mitreißen lässt. Aber schon bald wird ihr neues Leben auf eine harte Probe gestellt und sie muss sich nicht nur zwischen zwei Ländern sondern auch zwischen zwei ganz unterschiedlichen Lebensentwürfen entscheiden.4 von 5

John Crowley inszeniert den Roman von Colm Tóibín als mitfühlendes, nie aufgesetzt wirkendes Portrait einer Frau, die sich als irische Immigrantin in den USA mit ganz neuen Gegebenheiten auseinandersetzen muss. Saoirse Ronan spielt diesen emotionalen Zwiespalt sehr authentisch. Wenn sie liebt und leidet, ist der Zuschauer ganz nah dran an ihrer Gefühlswelt.

Das startet am 2. Juni 2016

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 02. Juni, der letzten Startwoche vor der Fußball-EM. Dieser Tage fahren die Verleiher nochmal alles auf, was der Fußball-Euphorie in diesem Land nicht in die Quere kommen soll. Da ist es schwer, sich auf den relevantesten Neustart der Woche festzulegen. Den stärksten Film finden wir wieder einmal im Arthouse-Kino: Michel Gondrys neuester Film „Mikro & Sprit“ ist ein umwerfendes Kinder- und Jugendportrait, das vor Fantasie und liebevoller Detailarbeit nur so strotzt. Die breite Masse dürfte dagegen „The Nice Guys“ mit offenen Armen empfangen – Shane Blacks Gangsterkomödie ist trotz kleiner Schwächen ein irre kreativer Crime-Spaß mit namhaften Darstellern. Von den großen Starts nicht sichten konnte ich vorab übrigens „Whiskey. Tango. Foxtrot“. Eine genaue Analyse zu dem Film gibt es zum Heimkinorelease.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

MIKRO & SPRIT | Regie: Michel Gondry | FR 2015

Mikro & Sprit

Mitten im laufenden Schuljahr kommt ein Neuer in die Klasse – Théo. Wie Daniel ist auch er schnell ein Außenseiter in der Klasse: Daniel, introvertiert und immer vertieft in seine Zeichnungen, und Théo, der auf alles eine Antwort weiß und leidenschaftlich gerne tüftelt. Doch eins haben beide gemeinsam: Als die Sommerferien beginnen, will keiner die Zeit mit seiner Familie verbringen und zusammen schmieden sie einen Plan. Mit Hilfe eines Rasenmäher-Motors und einigen Brettern zimmern sie sich ein ebenso skurriles wie liebevoll gestaltetes und vor allem fahrbares Haus. Ein abenteuerlicher Roadtrip – mit maximal 20 km/h – über die französischen Landstraßen beginnt. Sie lernen neue Freunde kennen, liefern sich eine Verfolgungsjagd mit der Polizei und machen das, was sie schon immer tun wollten: die Freiheit genießen, einen wundervollen Sommer lang! 5 von 5

„Mikro & Sprit“ versinnbildlicht auf melancholisch-optimistische Weise den „Das Leben geht weiter“-Gedanken, ohne dabei zu verschweigen, dass man ja ohnehin keine andere Wahl hat. Dabei nimmt er seine jugendlichen Hauptdarsteller trotz frecher Attitüde genau so ernst, wie es sein muss, sodass trotz der absurden Prämisse außer Frage steht, dass die Geschehnisse im Film so tatsächlich möglich wären.


DER MOMENT DER WAHRHEIT | Regie: James Vanderbilt | AUS/USA 2015

Der Moment der Wahrheit

New York, September 2004. Mary Mapes wird als Produzentin von „60 Minutes“, des erfolgreichsten TV-Nachrichtenmagazins des Landes, allseits respektiert und geschätzt. Doch als ihrem Team mitten im Präsidentschaftswahlkampf „Bush vs. Kerry“ brisante Informationen über Dokumente aus den 1970er Jahren zugespielt werden, gerät ihr Leben aus den Fugen. Mapes und der angesehene CBS-Anchorman Dan Ratherenthüllen die Informationen im Rahmen eines investigativen Berichtes in „60 Minutes“. Die Meldung schlägt ein wie eine Bombe. Doch innerhalb kürzester Zeit steht plötzlich nicht mehr Bushs Militärakte im Zentrum des Skandals. Es sind Mapes, Rather und ihr Team, die unter schärfsten Attacken von Medien und Öffentlichkeit ihre Story und deren Recherche verteidigen müssen.
4 von 5

„Der Moment der Wahrheit“ ist als zweiter, auf wahren Ereignissen beruhender Journalistenthriller in diesem Jahr nicht ganz so stark wie „Spotlight“, was vor allem an der mangelnden, emotionalen Distanz liegt. Doch der sehr interessante Erzählschwerpunkt, die punktgenaue Schauspielleistung von Hauptdarstellerin Cate Blanchett und die kurzweilig-spannende Inszenierung machen aus ihm immer noch einen äußerst starken Film.


GREEN ROOM |  Regie: Jeremy Saulnier |  USA 2015

Green Room

Ein absolutes Worst-Case-Szenario: Mit dem letzten Tropfen Benzin und völlig abgebrannt, schafft es die Punkband „Ain’t Rights“ gerade noch zu ihrem Gig in einer entlegenen Kneipe im amerikanischen Nirgendwo. Das Publikum besteht ausschließlich aus Nazi-Skinheads und der Plan, sofort nach dem Auftritt abzuhauen, scheitert, als sie unfreiwillig Zeuge eines brutalen Mordes werden. Der gnadenlose Anführer der Nazi-Gang, Darcy Banker (Patrick Stewart), befiehlt seiner Kampftruppe, alle Zeugen des Verbrechens zu eliminieren. Die Band verbarrikadiert sich gemeinsam mit der Skin-Braut Amber (Imogen Poots) im Backstageraum. Es folgt ein erbarmungsloser Showdown Skins vs. Punks. Als der Bodycount steigt, müssen sich die Überlebenden etwas einfallen lassen, um dem grausamen Katz-und-Maus-Spiel ein Ende zu bereiten… 4 von 5

Jeremy Saulniers punkiger Nazi-Slasher „Green Room“ hätte noch mehr Biss und Blut vertragen können, um so richtig in die Magengrube zu treffen. Doch auch so inszeniert der Regisseur seinen erst dritten Langfilm lange Zeit fernab jedweder Konvention und ohne Rücksicht auf Verluste. Ein Muss für hartgesottene Fans kurzweiliger Psychoschocker!


THE NICE GUYS  |  Regie: Shane Black  |  USA 2016

The Nice Guys

Holland March (Ryan Gosling), ein abgehalfterter Privatdetektiv, und Jackson Healy (Russell Crowe), der als Mann fürs Grobe angeheuert wird, haben nicht viel gemeinsam. Doch dann werden beide in den Fall der vermissten Amelia (Margaret Qualley) verstrickt. Widerwillig zur Zusammenarbeit gezwungen, streifen sie gemeinsam mit Marchs pubertierender Tochter Holly (Angourie Rice) durch Los Angeles, um verworrenen Hinweisen auf den Grund zu gehen. Bis Amelias Spur sie zu einer Multi-Milliarden-Dollar-Verschwörung führt, die bis in die höchsten Kreise reicht und sie zum Ziel skrupelloser Profikiller macht. 4 von 5

Trotz hoher Gagdichte hält „The Nice Guys“ nicht ganz, was die ungemein witzigen Trailer versprechen. Dafür verläuft die Geschichte selbst einen Tick zu schematisch. Trotzdem ist Shane Blacks erst dritte Kino-Regiearbeit ein inszenatorisch herrlich gegen den Strich gebürstetes Buddy-Cop-Movie.


WHISKEY TANGO FOXTROT | Regie: Glenn Ficarra, John Requa | USA 2016

Whiskey Tango Foxtrot

TV-Reporterin Kim sucht nach einer neuen Herausforderung. Als ihr Sender unter den Mitarbeitern kamerataugliches „Kanonenfutter“ für die Berichterstattung von der afghanischen Reporter-Front sucht, meldet sie sich kurzerhand freiwillig. Überfordert von sich und Kabul, erlebt die Journalistin schon bald, dass es keinen Unterschied macht, dass man den Presseausweis um den Hals trägt. Kim lässt sich auf neue Regeln ein. 1. Was Colonel Hollanek befiehlt, ist maximal eine grobe Richtlinie für beschissene Situationen. 2. Wenn Politiker einem unter den Rock kriechen, kann man wenigstens guten Gewissens seine Kontakte nutzen. 3. Bevor man den neuseeländischen Security-Mann zum „Strammstehen“ an die blonde Korrespondenten-Granate Tanya abgibt, sollte man seine eigenen Grundbedürfnisse befriedigen. 4 von 5

Die Regisseure, die uns schon Meisterwerke wie „Crazy, Stupid, Love“ und „I Love You, Philipp Morris“ bescherten, wagen sich in „Whiskey Tango Foxtrot“ auf ganz neues Terrain und kombinieren derbe Späße mit einer einfühlsamen Kriegsdramathematik. Wer sich darauf einstellt, dass „WTF“ ernster ist, als in den Trailern dargestellt, wird hieran viel Freude haben.


EVERYBODY WANTS SOME!! | Regie: Richard Linklater | USA 2016
Everybody Wants Some!!

Mit einer Kiste voller Schalplatten erreicht College-Neuling Jake Bradford das Studentenwohnhaus, das die Stadt den Mitgliedern des örtlichen Baseball-Teams zur Verfügung gestellt hat. Er lernt zunächst die Hierarchien unter den verschiedenen Spielern kennen – so sehen die Schläger traditionell auf die Werfer herab, und machen sich einen Spaß daraus, dies auch bei jeder Gelegenheit zu betonen. Alle gemeinsam jedoch sind vereint, sobald es Abend wird und die nächste Party oder der nächste Disco-Besuch auf dem Programm steht. Denn ans Lernen oder Trainieren denkt von den Jungs niemand, ganz im Gegenteil geht es rund um die Uhr darum, Mädchen kennenzulernen und möglichst viele Abenteuer zu erleben. Schon kurz nach seiner Ankunft lernt Jake die hübsche Schauspielstudentin Beverly kennen… 3 von 5

„Everybody Wants Some!!“ ist ein filmisches Destillat der Achtzigerjahre, das für Kinder der damaligen Dekade ein Kultjahrzehnt wieder aufleben lässt. Abseits dieses nicht zu leugnenden Vorzugs präsentiert sich die Geschichte hingegen überraschend eintönig, setzt fast ausschließlich auf Klischees und macht dem ansonsten so authentischen Feeling einen gehörigen Strich durch die Rechnung.


SEITENWECHSEL  |  Regie: Vivian Naefe |  DE 2016

Seitenwechsel

In der Ehe von Fußballtrainer Alex (Wotan Wilke Möhring) und Psychologin Teresa (Mina Tander) ist schon seit einiger Zeit der Wurm drin. Das registriert nicht bloß die gemeinsame Teenie-Tochter Julia (Ruby O. Fee), sondern auch das gesamte Umfeld der beiden Streithähne. Nun stehen sie nach 15 Jahren Ehe kurz vor der Scheidung, als eines Nachts nach einem heftigen Streit mit allerlei Wünschen und Verwünschungen das Unfassbare geschieht: Während eines Gewitters tauschen die beiden die Körper. Jetzt ist er sie, sie ist er und das Chaos ist perfekt. Irgendwie versuchen sich die beiden mit dieser ungewöhnlichen Situation zu arrangieren. Teresa versucht sich als einfühlsame Fußballtrainerin, die den Verein ihres Mannes vor dem drohenden Abstieg bewahren soll und Alex nimmt es kurzerhand mit den psychisch labilen Patienten seiner Frau auf. 3 von 5

Neue Facetten kann Regisseurin Vivian Naefe dem bekannten Körpertausch-Thema nicht abgewinnen. Dafür ist ihr Projekt „Seitenwechsel“ beileibe nicht so anstrengend wie manch andere Genrevertreter und setzt hier und da auf leise Zwischentöne, die dank der guten Performance von Mina Tander und Wotan Wilke Möhring durchgehend glaubhaft wirken.


THE OTHER SIDE OF THE DOOR  |  Regie: Johannes Roberts|  UK/IND/USA 2016

The Other Side of the Door

Das idyllische Leben von Maria (Sarah Wayne Callies) und ihrer Familie wird jäh unterbrochen als der jüngste Sohn Oliver (Logan Creran) bei einem tragischen Unfall ums Leben kommt. Die untröstliche Mutter erfährt von ihrer Haushälterin Piki (Suchitra Pillai) von einem alten indischen Ritual, das ihren Sohn für ein letztes Lebewohl zurück bringen kann. Sie reist zu einem antiken Tempel, dessen Tür ein mysteriöses Portal zwischen zwei Welten darstellt. Als sie aber das heilige Gebot, die Tür niemals zu öffnen, missachtet, erschüttert sie das Gleichgewicht zwischen Leben und Tod. 2 von 5

Malen nach Zahlen: „The Other Side of the Door“ ist trotz interessanter Kulisse, technisch solider Umsetzung und angenehmer Schauspielleistungen zu vorhersehbar und kalkuliert.


DOKTOR PROKTORS ZEITBADEWANNE | Regie: Arild Fröhlich | NOR/DE 2015

Doktor Proktors Zeitbadewanne

Als Lise (Emily Glaister) und Bulle (Eilif Hellum Noraker) eine außergewöhnliche Postkarte, abgeschickt 1969 in Paris, bekommen, ist schnell klar, dass ihr bester Freund, der verrückte Erfinder Doktor Proktor Gard B. Eidsvold), dort in Schwierigkeiten steckt. Um ins Paris der Vergangenheit zu gelangen, kommt ihnen die jüngste Erfindung des Doktors gerade recht: die Zeitbadewanne. Einfach die Zeitseife ordentlich im Wasser schäumen lassen, untertauchen, an das gewünschte Ziel denken und – wusch! Doch das ist nicht ganz so einfach, wie gedacht und so befinden sich Lise und Bulle bald auf einer unglaublichen Reise durch Raum und Zeit…

Während der Norweger Arild Fröhlich erneut die Regie übernimmt, ist auch Komikerin Anke Engelke wieder Teil des Ensembles.


VOR DER MORGENRÖTE  |  Regie: Maria Schrader  |  AT/DE/FR 2016

Vor der Morgenröte

„Vor der Morgenröte“ erzählt episodisch aus dem Leben des österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig im Exil. Auf dem Höhepunkt seines weltweiten Ruhms wird er in die Emigration getrieben und verzweifelt angesichts des Wissens um den Untergang Europas, den er schon früh voraussieht. Die Geschichte eines Flüchtlings, die Geschichte vom Verlieren der alten und dem Suchen nach einer neuen Heimat. Rio de Janeiro, Buenos Aires, New York, Petrópolis sind vier Stationen im Exil von Stefan Zweig, die ihn trotz sicherer Zuflucht, gastfreundlicher Aufnahme und überwältigender tropischer Natur keinen Frieden finden lassen und ihm die Heimat nicht ersetzen können. Ein bildgewaltiger historischer Film über einen großen Künstler und dabei ein Film über die Zeit, in der Europa auf der Flucht war.


AGNES | Regie: Johannes Schmid | DE 2016

Agnes

Der Sachbuchautor Walter verliebt sich in die Physikstudentin Agnes, die nicht nur in ihrem Studium den großen Fragen des Lebens nachspürt. Ihre radikale Haltung zum Leben fordert ihn, der sich in seinem unverbindlichen, gemäßigten Leben eingerichtet hat, heraus. Eines Tages macht Agnes einen frappierenden Vorschlag: Walter soll eine Geschichte über ihre gemeinsame Liebe schreiben. Anfänglich ist das ein harmloses Spiel, doch bald schon übernimmt die gemeinsame Geschichte das Kommando und die Frage ist, wer ihr Autor ist. Agnes folgt dem Bild, das Walter aufs Papier bringt und spürt doch bald, dass ihm das Erzählen wichtiger ist als die Erfüllung ihrer Liebe. Denn auf Dauer macht Glück keine guten Geschichten. Als Walter das begreift, sieht er den einzig wahren Schluss der Geschichte vor sich, einen Schluss, der sie ihre Liebe und Agnes das Leben kostet.


Heimkinotipp: THE BIG SHORT | Regie: Adam McKay | USA 2015

The Big Short

New York im Jahr 2005: Der Dollar ist stark, die Wirtschaft boomt. An der Wall Street werden jeden Tag aufs Neue Börsen- und Wertpapiergeschäfte in gigantischem Umfang getätigt. Mit immer komplexer werdenden Immobilienprodukten, hervorragenden Renditen und vermeintlich minimalem Risiko werden selbst Arbeitslose zu Villenbesitzern und den Maklern, Versicherern und Bankenbossen winkt das schnelle Geld. Was die Finanzbosse, die Medien und die Regierung nicht erkennen, durchschaut der eigenwillige Hedgefonds-Manager Michael Burry sofort: Er prognostiziert schon in wenigen Jahren das Platzen der amerikanischen Immobilienblase und den daraus resultierenden Zusammenbruch der Weltwirtschaft, der Millionen Menschen heimat- und arbeitslos machen wird. 5 von 5

 Wer dachte, nach den Eskapaden von Jordan Belfort wäre die Sexiness innerhalb der US-amerikanischen Finanzwelt ausgeschöpft, der irrt. Die namhaft besetzte Wall-Street-Komödie „The Big Short“ ist bei aller realitätsbezogener Tragik ein irrwitziges Vergnügen, das beweist, dass Geld die Welt regiert und man sich davon dennoch nicht unterkriegen lassen sollte.

The Nice Guys

In seiner erst dritten Regiearbeit nach „Kiss Kiss Bang Bang“ und „Iron Man 3“ schickt Regisseur Shane Black die Superstars Russell Crowe und Ryan Gosling in THE NICE GUYS als ungleiches Ermittlerduo durchs Los Angeles der Siebzigerjahre. Hält der Film, was die urkomischen Trailer versprechen? Das und mehr verrate ich in meiner Kritik.

The Nice Guys

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