Schlagwort-Archiv: Krimi

Das startet am 2. Juni 2016

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 02. Juni, der letzten Startwoche vor der Fußball-EM. Dieser Tage fahren die Verleiher nochmal alles auf, was der Fußball-Euphorie in diesem Land nicht in die Quere kommen soll. Da ist es schwer, sich auf den relevantesten Neustart der Woche festzulegen. Den stärksten Film finden wir wieder einmal im Arthouse-Kino: Michel Gondrys neuester Film „Mikro & Sprit“ ist ein umwerfendes Kinder- und Jugendportrait, das vor Fantasie und liebevoller Detailarbeit nur so strotzt. Die breite Masse dürfte dagegen „The Nice Guys“ mit offenen Armen empfangen – Shane Blacks Gangsterkomödie ist trotz kleiner Schwächen ein irre kreativer Crime-Spaß mit namhaften Darstellern. Von den großen Starts nicht sichten konnte ich vorab übrigens „Whiskey. Tango. Foxtrot“. Eine genaue Analyse zu dem Film gibt es zum Heimkinorelease.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

MIKRO & SPRIT | Regie: Michel Gondry | FR 2015

Mikro & Sprit

Mitten im laufenden Schuljahr kommt ein Neuer in die Klasse – Théo. Wie Daniel ist auch er schnell ein Außenseiter in der Klasse: Daniel, introvertiert und immer vertieft in seine Zeichnungen, und Théo, der auf alles eine Antwort weiß und leidenschaftlich gerne tüftelt. Doch eins haben beide gemeinsam: Als die Sommerferien beginnen, will keiner die Zeit mit seiner Familie verbringen und zusammen schmieden sie einen Plan. Mit Hilfe eines Rasenmäher-Motors und einigen Brettern zimmern sie sich ein ebenso skurriles wie liebevoll gestaltetes und vor allem fahrbares Haus. Ein abenteuerlicher Roadtrip – mit maximal 20 km/h – über die französischen Landstraßen beginnt. Sie lernen neue Freunde kennen, liefern sich eine Verfolgungsjagd mit der Polizei und machen das, was sie schon immer tun wollten: die Freiheit genießen, einen wundervollen Sommer lang! 5 von 5

„Mikro & Sprit“ versinnbildlicht auf melancholisch-optimistische Weise den „Das Leben geht weiter“-Gedanken, ohne dabei zu verschweigen, dass man ja ohnehin keine andere Wahl hat. Dabei nimmt er seine jugendlichen Hauptdarsteller trotz frecher Attitüde genau so ernst, wie es sein muss, sodass trotz der absurden Prämisse außer Frage steht, dass die Geschehnisse im Film so tatsächlich möglich wären.


DER MOMENT DER WAHRHEIT | Regie: James Vanderbilt | AUS/USA 2015

Der Moment der Wahrheit

New York, September 2004. Mary Mapes wird als Produzentin von „60 Minutes“, des erfolgreichsten TV-Nachrichtenmagazins des Landes, allseits respektiert und geschätzt. Doch als ihrem Team mitten im Präsidentschaftswahlkampf „Bush vs. Kerry“ brisante Informationen über Dokumente aus den 1970er Jahren zugespielt werden, gerät ihr Leben aus den Fugen. Mapes und der angesehene CBS-Anchorman Dan Ratherenthüllen die Informationen im Rahmen eines investigativen Berichtes in „60 Minutes“. Die Meldung schlägt ein wie eine Bombe. Doch innerhalb kürzester Zeit steht plötzlich nicht mehr Bushs Militärakte im Zentrum des Skandals. Es sind Mapes, Rather und ihr Team, die unter schärfsten Attacken von Medien und Öffentlichkeit ihre Story und deren Recherche verteidigen müssen.
4 von 5

„Der Moment der Wahrheit“ ist als zweiter, auf wahren Ereignissen beruhender Journalistenthriller in diesem Jahr nicht ganz so stark wie „Spotlight“, was vor allem an der mangelnden, emotionalen Distanz liegt. Doch der sehr interessante Erzählschwerpunkt, die punktgenaue Schauspielleistung von Hauptdarstellerin Cate Blanchett und die kurzweilig-spannende Inszenierung machen aus ihm immer noch einen äußerst starken Film.


GREEN ROOM |  Regie: Jeremy Saulnier |  USA 2015

Green Room

Ein absolutes Worst-Case-Szenario: Mit dem letzten Tropfen Benzin und völlig abgebrannt, schafft es die Punkband „Ain’t Rights“ gerade noch zu ihrem Gig in einer entlegenen Kneipe im amerikanischen Nirgendwo. Das Publikum besteht ausschließlich aus Nazi-Skinheads und der Plan, sofort nach dem Auftritt abzuhauen, scheitert, als sie unfreiwillig Zeuge eines brutalen Mordes werden. Der gnadenlose Anführer der Nazi-Gang, Darcy Banker (Patrick Stewart), befiehlt seiner Kampftruppe, alle Zeugen des Verbrechens zu eliminieren. Die Band verbarrikadiert sich gemeinsam mit der Skin-Braut Amber (Imogen Poots) im Backstageraum. Es folgt ein erbarmungsloser Showdown Skins vs. Punks. Als der Bodycount steigt, müssen sich die Überlebenden etwas einfallen lassen, um dem grausamen Katz-und-Maus-Spiel ein Ende zu bereiten… 4 von 5

Jeremy Saulniers punkiger Nazi-Slasher „Green Room“ hätte noch mehr Biss und Blut vertragen können, um so richtig in die Magengrube zu treffen. Doch auch so inszeniert der Regisseur seinen erst dritten Langfilm lange Zeit fernab jedweder Konvention und ohne Rücksicht auf Verluste. Ein Muss für hartgesottene Fans kurzweiliger Psychoschocker!


THE NICE GUYS  |  Regie: Shane Black  |  USA 2016

The Nice Guys

Holland March (Ryan Gosling), ein abgehalfterter Privatdetektiv, und Jackson Healy (Russell Crowe), der als Mann fürs Grobe angeheuert wird, haben nicht viel gemeinsam. Doch dann werden beide in den Fall der vermissten Amelia (Margaret Qualley) verstrickt. Widerwillig zur Zusammenarbeit gezwungen, streifen sie gemeinsam mit Marchs pubertierender Tochter Holly (Angourie Rice) durch Los Angeles, um verworrenen Hinweisen auf den Grund zu gehen. Bis Amelias Spur sie zu einer Multi-Milliarden-Dollar-Verschwörung führt, die bis in die höchsten Kreise reicht und sie zum Ziel skrupelloser Profikiller macht. 4 von 5

Trotz hoher Gagdichte hält „The Nice Guys“ nicht ganz, was die ungemein witzigen Trailer versprechen. Dafür verläuft die Geschichte selbst einen Tick zu schematisch. Trotzdem ist Shane Blacks erst dritte Kino-Regiearbeit ein inszenatorisch herrlich gegen den Strich gebürstetes Buddy-Cop-Movie.


WHISKEY TANGO FOXTROT | Regie: Glenn Ficarra, John Requa | USA 2016

Whiskey Tango Foxtrot

TV-Reporterin Kim sucht nach einer neuen Herausforderung. Als ihr Sender unter den Mitarbeitern kamerataugliches „Kanonenfutter“ für die Berichterstattung von der afghanischen Reporter-Front sucht, meldet sie sich kurzerhand freiwillig. Überfordert von sich und Kabul, erlebt die Journalistin schon bald, dass es keinen Unterschied macht, dass man den Presseausweis um den Hals trägt. Kim lässt sich auf neue Regeln ein. 1. Was Colonel Hollanek befiehlt, ist maximal eine grobe Richtlinie für beschissene Situationen. 2. Wenn Politiker einem unter den Rock kriechen, kann man wenigstens guten Gewissens seine Kontakte nutzen. 3. Bevor man den neuseeländischen Security-Mann zum „Strammstehen“ an die blonde Korrespondenten-Granate Tanya abgibt, sollte man seine eigenen Grundbedürfnisse befriedigen. 4 von 5

Die Regisseure, die uns schon Meisterwerke wie „Crazy, Stupid, Love“ und „I Love You, Philipp Morris“ bescherten, wagen sich in „Whiskey Tango Foxtrot“ auf ganz neues Terrain und kombinieren derbe Späße mit einer einfühlsamen Kriegsdramathematik. Wer sich darauf einstellt, dass „WTF“ ernster ist, als in den Trailern dargestellt, wird hieran viel Freude haben.


EVERYBODY WANTS SOME!! | Regie: Richard Linklater | USA 2016
Everybody Wants Some!!

Mit einer Kiste voller Schalplatten erreicht College-Neuling Jake Bradford das Studentenwohnhaus, das die Stadt den Mitgliedern des örtlichen Baseball-Teams zur Verfügung gestellt hat. Er lernt zunächst die Hierarchien unter den verschiedenen Spielern kennen – so sehen die Schläger traditionell auf die Werfer herab, und machen sich einen Spaß daraus, dies auch bei jeder Gelegenheit zu betonen. Alle gemeinsam jedoch sind vereint, sobald es Abend wird und die nächste Party oder der nächste Disco-Besuch auf dem Programm steht. Denn ans Lernen oder Trainieren denkt von den Jungs niemand, ganz im Gegenteil geht es rund um die Uhr darum, Mädchen kennenzulernen und möglichst viele Abenteuer zu erleben. Schon kurz nach seiner Ankunft lernt Jake die hübsche Schauspielstudentin Beverly kennen… 3 von 5

„Everybody Wants Some!!“ ist ein filmisches Destillat der Achtzigerjahre, das für Kinder der damaligen Dekade ein Kultjahrzehnt wieder aufleben lässt. Abseits dieses nicht zu leugnenden Vorzugs präsentiert sich die Geschichte hingegen überraschend eintönig, setzt fast ausschließlich auf Klischees und macht dem ansonsten so authentischen Feeling einen gehörigen Strich durch die Rechnung.


SEITENWECHSEL  |  Regie: Vivian Naefe |  DE 2016

Seitenwechsel

In der Ehe von Fußballtrainer Alex (Wotan Wilke Möhring) und Psychologin Teresa (Mina Tander) ist schon seit einiger Zeit der Wurm drin. Das registriert nicht bloß die gemeinsame Teenie-Tochter Julia (Ruby O. Fee), sondern auch das gesamte Umfeld der beiden Streithähne. Nun stehen sie nach 15 Jahren Ehe kurz vor der Scheidung, als eines Nachts nach einem heftigen Streit mit allerlei Wünschen und Verwünschungen das Unfassbare geschieht: Während eines Gewitters tauschen die beiden die Körper. Jetzt ist er sie, sie ist er und das Chaos ist perfekt. Irgendwie versuchen sich die beiden mit dieser ungewöhnlichen Situation zu arrangieren. Teresa versucht sich als einfühlsame Fußballtrainerin, die den Verein ihres Mannes vor dem drohenden Abstieg bewahren soll und Alex nimmt es kurzerhand mit den psychisch labilen Patienten seiner Frau auf. 3 von 5

Neue Facetten kann Regisseurin Vivian Naefe dem bekannten Körpertausch-Thema nicht abgewinnen. Dafür ist ihr Projekt „Seitenwechsel“ beileibe nicht so anstrengend wie manch andere Genrevertreter und setzt hier und da auf leise Zwischentöne, die dank der guten Performance von Mina Tander und Wotan Wilke Möhring durchgehend glaubhaft wirken.


THE OTHER SIDE OF THE DOOR  |  Regie: Johannes Roberts|  UK/IND/USA 2016

The Other Side of the Door

Das idyllische Leben von Maria (Sarah Wayne Callies) und ihrer Familie wird jäh unterbrochen als der jüngste Sohn Oliver (Logan Creran) bei einem tragischen Unfall ums Leben kommt. Die untröstliche Mutter erfährt von ihrer Haushälterin Piki (Suchitra Pillai) von einem alten indischen Ritual, das ihren Sohn für ein letztes Lebewohl zurück bringen kann. Sie reist zu einem antiken Tempel, dessen Tür ein mysteriöses Portal zwischen zwei Welten darstellt. Als sie aber das heilige Gebot, die Tür niemals zu öffnen, missachtet, erschüttert sie das Gleichgewicht zwischen Leben und Tod. 2 von 5

Malen nach Zahlen: „The Other Side of the Door“ ist trotz interessanter Kulisse, technisch solider Umsetzung und angenehmer Schauspielleistungen zu vorhersehbar und kalkuliert.


DOKTOR PROKTORS ZEITBADEWANNE | Regie: Arild Fröhlich | NOR/DE 2015

Doktor Proktors Zeitbadewanne

Als Lise (Emily Glaister) und Bulle (Eilif Hellum Noraker) eine außergewöhnliche Postkarte, abgeschickt 1969 in Paris, bekommen, ist schnell klar, dass ihr bester Freund, der verrückte Erfinder Doktor Proktor Gard B. Eidsvold), dort in Schwierigkeiten steckt. Um ins Paris der Vergangenheit zu gelangen, kommt ihnen die jüngste Erfindung des Doktors gerade recht: die Zeitbadewanne. Einfach die Zeitseife ordentlich im Wasser schäumen lassen, untertauchen, an das gewünschte Ziel denken und – wusch! Doch das ist nicht ganz so einfach, wie gedacht und so befinden sich Lise und Bulle bald auf einer unglaublichen Reise durch Raum und Zeit…

Während der Norweger Arild Fröhlich erneut die Regie übernimmt, ist auch Komikerin Anke Engelke wieder Teil des Ensembles.


VOR DER MORGENRÖTE  |  Regie: Maria Schrader  |  AT/DE/FR 2016

Vor der Morgenröte

„Vor der Morgenröte“ erzählt episodisch aus dem Leben des österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig im Exil. Auf dem Höhepunkt seines weltweiten Ruhms wird er in die Emigration getrieben und verzweifelt angesichts des Wissens um den Untergang Europas, den er schon früh voraussieht. Die Geschichte eines Flüchtlings, die Geschichte vom Verlieren der alten und dem Suchen nach einer neuen Heimat. Rio de Janeiro, Buenos Aires, New York, Petrópolis sind vier Stationen im Exil von Stefan Zweig, die ihn trotz sicherer Zuflucht, gastfreundlicher Aufnahme und überwältigender tropischer Natur keinen Frieden finden lassen und ihm die Heimat nicht ersetzen können. Ein bildgewaltiger historischer Film über einen großen Künstler und dabei ein Film über die Zeit, in der Europa auf der Flucht war.


AGNES | Regie: Johannes Schmid | DE 2016

Agnes

Der Sachbuchautor Walter verliebt sich in die Physikstudentin Agnes, die nicht nur in ihrem Studium den großen Fragen des Lebens nachspürt. Ihre radikale Haltung zum Leben fordert ihn, der sich in seinem unverbindlichen, gemäßigten Leben eingerichtet hat, heraus. Eines Tages macht Agnes einen frappierenden Vorschlag: Walter soll eine Geschichte über ihre gemeinsame Liebe schreiben. Anfänglich ist das ein harmloses Spiel, doch bald schon übernimmt die gemeinsame Geschichte das Kommando und die Frage ist, wer ihr Autor ist. Agnes folgt dem Bild, das Walter aufs Papier bringt und spürt doch bald, dass ihm das Erzählen wichtiger ist als die Erfüllung ihrer Liebe. Denn auf Dauer macht Glück keine guten Geschichten. Als Walter das begreift, sieht er den einzig wahren Schluss der Geschichte vor sich, einen Schluss, der sie ihre Liebe und Agnes das Leben kostet.


Heimkinotipp: THE BIG SHORT | Regie: Adam McKay | USA 2015

The Big Short

New York im Jahr 2005: Der Dollar ist stark, die Wirtschaft boomt. An der Wall Street werden jeden Tag aufs Neue Börsen- und Wertpapiergeschäfte in gigantischem Umfang getätigt. Mit immer komplexer werdenden Immobilienprodukten, hervorragenden Renditen und vermeintlich minimalem Risiko werden selbst Arbeitslose zu Villenbesitzern und den Maklern, Versicherern und Bankenbossen winkt das schnelle Geld. Was die Finanzbosse, die Medien und die Regierung nicht erkennen, durchschaut der eigenwillige Hedgefonds-Manager Michael Burry sofort: Er prognostiziert schon in wenigen Jahren das Platzen der amerikanischen Immobilienblase und den daraus resultierenden Zusammenbruch der Weltwirtschaft, der Millionen Menschen heimat- und arbeitslos machen wird. 5 von 5

 Wer dachte, nach den Eskapaden von Jordan Belfort wäre die Sexiness innerhalb der US-amerikanischen Finanzwelt ausgeschöpft, der irrt. Die namhaft besetzte Wall-Street-Komödie „The Big Short“ ist bei aller realitätsbezogener Tragik ein irrwitziges Vergnügen, das beweist, dass Geld die Welt regiert und man sich davon dennoch nicht unterkriegen lassen sollte.

The Nice Guys

In seiner erst dritten Regiearbeit nach „Kiss Kiss Bang Bang“ und „Iron Man 3“ schickt Regisseur Shane Black die Superstars Russell Crowe und Ryan Gosling in THE NICE GUYS als ungleiches Ermittlerduo durchs Los Angeles der Siebzigerjahre. Hält der Film, was die urkomischen Trailer versprechen? Das und mehr verrate ich in meiner Kritik.

The Nice Guys

Weiterlesen

Das startet am 31. März 2016

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 31. März, der nach dem Megablockbuster-Start von letzter Woche diesmal wieder ein paar mehr interessante Filme zu bieten hat. Dabei geht die Qualitätsspanne einmal mehr weit auseinander. Als Tipp der Woche geht wohl J.J. Abrams‘ Geheimprojekt „10 Cloverfield Lane“ durch, knapp gefolgt von „Eddie the Eagle: Alles ist möglich“. Doch auch „Im Himmel trägt man hohe Schuhe“ stellt eine echte Überraschung dar. 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

10 CLOVERFIELD LANE | Regie: Dan Trachtenberg | USA 2016

10 Cloverfield Lane

Die junge Frau Michelle (Mary Elizabeth Winstead) erwacht nach einem schweren Unfall in einem unterirdischen Bunker. Alles deutet darauf hin, dass sie entführt wurde. Doch Howard, der Mann, der sie hier unten festhält (John Goodman), behauptet, die Frau vor etwas „da draußen“ beschützen zu wollen. Auch Michelles Mitgefangener Emmett (John Gallagher Jr.) erzählt ihr von so etwas wie einem Blackout, doch nach und nach entwickeln die beiden Zweifel daran, dass an Howards Geschichte tatsächlich etwas dran ist. Schon bald befinden sie sich vor der entscheidenden Frage, auf welcher Seite der Tür sich das wahre Monster befindet. Gelingt es ihnen, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden? „10 Cloverfield Lan“ ist sowas wie die inoffizielle Fortsetzung des Überraschungshits „Cloverfield“ von 2008. Erneut ist J.J. Abrams als Produzent mit an Bord. 4 von 5

„10 Cloverfield Lane“ hat nichts mit seinem Vorgänger zu tun und ist doch so viel besser. Regisseur Dan Trachtenberg gelingt ein mit pfiffigen Wendungen und interessanten Figuren gespickter Thriller, der über die leisen Töne funktioniert und aufgrund der unberechenbaren Ausgangslage nie langweilig wird. Lediglich am Finale werden sich die Geister scheiden.


EDDIE THE EAGLE: ALLES IST MÖGLICH  |  Regie: Dexter Fletcher |  UK/USA/DE 2016

Eddie the Eagle

Schon als Kind träumt Michael „Eddie“ Edwards davon, einmal bei den Olympischen Spielen teilnehmen zu dürfen. Er wird ein erfolgreicher Skiläufer, doch als es ans Eingemachte geht, bleibt ihm die Aufnahme in den Kader verwehrt. Eddie will die Skier schon fast an den Nagel hängen, als er sich in den Kopf setzt, als erster britischer Skispringer seit fast 100 Jahren ins kanadische Calgary zu fahren, wo im Jahr 1988 die Olympischen Winterspiele ausgetragen werden. Mit Hilfe des rebellischen, aber nicht minder charismatischen Trainers Bronson Peary und unter den motivierenden Worten der liebevollen Bar-Inhaberin Petra nimmt er es im Bayerischen Garmisch-Patenkirchen mit dem gesamten (Sport-)Establishment auf, die das olympische Credo „Dabeisein ist alles!“ nicht so sehr verinnerlich zu haben scheinen, wie der über alle Maße motivierte Eddie.  4 von 5

„Eddie the Eagle: Alles ist möglich“ ist das Feel-Good-Movie des Jahres, dessen anfänglich anklingende Albernheit später in pure Euphorie kippen lässt. Früher oder später wird man sich dabei erwischen, wie man die Taten des am meisten motivierten Skispringers der Welt einfach nur bejubeln möchte.


IM HIMMEL TRÄGT MAN HOHE SCHUHE | Regie: Catherine Hardwicke | UK 2015

Im Himmel trägt man hohe Schuhe

Zwischen Jess (Drew Barrymore) und Milly (Toni Collette) passt kein Blatt Papier, so nahe stehen sich die beiden Freundinnen seit Kindesbeinen. Es gibt kaum ein Foto, auf dem sie nicht zusammen zu sehen sind. Die beiden haben Klamotten, Männer und Geheimnisse geteilt und halten zusammen wie Pech und Schwefel. Milly spaziert auf ihren spektakulären High Heels erfolgreich durchs Leben und hat eigentlich alles erreicht, wovon man träumt: eine steile Karriere, einen wunderbaren Mann und großartige Kinder. Jess ist eher der bodenständigere Typ. Ihr sehnlichster Wunsch ist ein gemeinsames Baby mit ihrem Freund, doch das will irgendwie nicht klappen. Als Milly erfährt, dass sie an Brustkrebs erkrankt ist, braucht sie vor allem eines: Jess. 4 von 5

Catherine Hardwicke ist mit „Im Himmel trägt man hohe Schuhe“ eine über weite Strecken erstaunlich unsentimentale Erzählung über die Themen Leben und Tod entstanden, die schwierige Themen nicht scheut und gleichsam darauf verzichtet, einen allzu niederschmetternden Tonfall zu wählen.


CRIMINAL ACTIVITIES | Regie: Jackie Earle Haley | USA 2015

Criminal Activities

Ausgerechnet die Beerdigung eines gemeinsamen Freundes bietet vier ehemaligen Klassenkameraden die Aussicht auf das Geschäft ihres Lebens: Dank eines Insidertipps wollen Zach, Warren, Bryce und Noah aus 200.000 Dollar an der Börse das große Geld machen. Eine glatte Fehlinvestition, an deren Ende sie tief beim berüchtigten örtlichen Gangster Eddie in der Kreide stehen. Jetzt muss das ungleiche Quartett einen Weg finden, binnen kürzester Zeit die immensen Schulden aufzubringen. Derart unter Druck gesetzt, lassen sich Zach, Warren, Bryce und Noah auf einen möglicherweise lebensgefährlichen Deal mit Eddie ein: Sie sollen zu dessen Handlangern in einem mit allen Mitteln geführten Bandenkrieg werden und den Neffen eines gefürchteten konkurrierenden Mafiabosses kidnappen.  2 von 5

„Criminal Activities“ mangelt es per se nicht an kreativen Ideen. Blöd nur, dass man sich dafür fast ausschließlich an Zitaten bereits existierender Filme bedient, sodass Jackie Earle Haley allenfalls eine nette Hommage, aber zu keinem Zeitpunkt ein eigenständiger (oder gar kultverdächtiger) Crime-Thriller gelungen ist.


THE FINEST HOURS  |  Regie: Craig Gillespie |  USA 2016

The Finest Hours

Am 18. Februar 1952 trifft ein gewaltiger Sturm mit voller Wucht auf New England und lässt die Menschen an der Ostküste um ihr Leben bangen. Noch hilfloser sind die Schiffe auf See, darunter der Öltanker SS Pendleton, der vom Sturm buchstäblich auseinandergerissen wird. Über 30 Seeleute werden im Heck der schnell sinkenden SS Pendleton eingeschlossen. Als ranghöchster Offizier an Bord übernimmt Ray Sybert (Casey Affleck) die Führung der verängstigten Mannschaft. Zur gleichen Zeit gibt der auf dem Festland wachhabende Offizier Daniel Cluff (Eric Bana), kürzlich erst zum Stationschef der Küstenwache ernannt, den Befehl zu einer waghalsigen Rettungsmission. 2 von 5

„The Finest Hours“ ist ein nichtssagender Neunzigerjahre-Gedächtnis-Katastrophenfilm ohne eine eigene Seele. Lediglich die technische Aufmachung und hübsch anzusehende CGI-Effekte erinnern einen daran, dass man es mit einer Produktion im Hier und Jetzt zu tun hat. Mit seiner vorhersagbaren Story ist „The Finest Hours“ obendrein zum Gähnen langweilig.


FAMILIE ZU VERMIETEN  |  Regie: Jean-Pierre Améris |  FR/BEL 2015

Familie zu vermieten

Paul-André (Benoît Poelvoorde) ist ein wohlhabender, schüchterner Single Mitte Vierzig. Und er will endlich eine Familie. Die gleichalte Violette (Virginie Efira) ist voller Leben, hat aber als alleinerziehende Mutter zweier Kinder Geldprobleme. Also bietet ihr Paul-André einen Deal an: Er bezahlt ihre Schulden und mietet dafür ihre Familie – als Test, ob er dem Trubel gewachsen ist…

Jean-Pierre Améris, Mastermind der bezaubernden Liebeskomödie „Die Anonymen Romantiker“, beweist erneut mit leichter Hand sein Faible für die Neurosen der Liebe. Die beiden belgischen Kinostars Benoît Poelvoorde („Das brandneue Testament“, „Mann beißt Hund“) und Virginie Efira („It Boy – Liebe auf französisch“) begeistern als gegensätzliches Paar in dieser charmant-turbulenten Familienkomödie.


ALLE KATZEN SIND GRAU  |  Regie: Savina Dellicour |  BEL 2013
Alle Katzen sind grau

Paul (Bouli Lanners) ist Ende 40 und schlägt sich als Privatdetektiv durchs Leben. Aus der Ferne beobachtet er das Heranwachsen von Dorothy (Manon Capelle). Paul weiß, dass sie seine Tochter ist, mit ihrer Mutter hatte er eine kurze Affäre. Die 15-Jährige durchlebt gerade eine Identitätskrise. Dorothy glaubt, dass der Mann ihrer Mutter nicht ihr Vater ist, aber ihre Mutter ignoriert die Fragen ihrer Tochter. Durch einen Zufall lernt sie Paul kennen. Sie ist von seinem Beruf fasziniert und beauftragt den Detektiv, ihren leiblichen Vater zu suchen. Paul freut sich, auf diese Weise seiner Tochter näher zu kommen. Aber wie soll er ihren Auftrag lösen?

Savina Dellicours Abschlussfilm an der National Film and Television School in London „Ready“ von 2002 wurde als bester fremdsprachiger Film bei den Student Oscars nominiert.


CAFÉ WALDLUFT  |  Regie: Matthias Kossmehl |  DE 2015

Café Waldluft

Mitten in der bayerischen Bergidylle treffen Einheimische, Touristen und Flüchtlinge an einem einzigartigen Ort zusammen, dem „Café Waldluft”, einem ausgemustertem Ausflugshotel in Berchtesgaden. Wo früher überfüllte Busse Touristen aus aller Welt absetzten, leben heute Flüchtlinge aus aller Herren Länder unter einem Dach. Inmitten des Postkartenpanoramas versuchen sie sich an einem Leben fernab von Krieg und Konflikt.

„Café Waldluft“ gewann bei dem Internationalen Leipziger Dokumentar- und Animationsfilmfestival im vergangenen Jahr den DEFA Förderpreis. Regie führte Matthias Kossmehl. Der Film wird hierzulande vom 31. März bis zum 17. Mai in ausgewählten Städten zu sehen sein.


IM SPINNWEBHAUS  | Regie: Mara Eibl-Eibesfeldt |  DE 2013

Im Spinnwebhaus

Jonas ist 12 Jahre alt und übernimmt zuversichtlich die Verantwortung für seine beiden jüngeren Geschwister, als seine Mutter sie allein zurücklässt. Doch ihre Abwesenheit zu verheimlichen überfordert Jonas. Er isoliert sich und die Geschwister zunehmend und sie gleiten in eine eigene Phantasiewelt ab. Was als Abenteuer beginnt, wird zum Kampf um Leben und Tod. Allein die Freundschaft mit dem geheimnisvollen Felix gibt Jonas Hoffnung und Mut.

Der 2013 für den SWR produzierte Film „Im Spinnwebhaus“ von Regiedebütantin Mara Eibl-Eibesfeldt kommt in dieser Woche in einigen ausgewählten deutschen Städten ins Kino. Um das Dasein des Films als „dunkles Märchen“ zu unterstreichen, wurde die Produktion ausschließlich in Schwarz/Weiß gedreht. Die Kritiken fielen hauptsächlich positiv aus.


Heimkinotipp: ARLO & SPOT | Regie: Peter Sohn | USA 2015

Arlo ist elf Jahre alt und ein ängstlicher Apatosaurus. Anders als seine gleichaltrigen Geschwister Buck und Libby fürchtet er sich vor allem und jedem. Deshalb ist er auch auf der Farm seiner Eltern keine große Hilfe. Als sein Vater ihm eine kleine, aber wichtige Aufgabe stellt, versagt Arlo. Eines Tages fällt er durch ein Missgeschick in einen Fluss, der ihn davontreibt und viele hundert Kilometer von seiner Familie trennt. Nun steht er vor der großen Aufgabe, den weiten Weg nach Hause zu meistern. Zum Glück ist der wilde Menschenjunge Spot an seiner Seite. Die ungleichen Freunde treffen auf ihrer großen Reise verschiedene Zeitgenossen, darunter eine T-Rex-Familie, die Langhorn-Rinder züchtet, eine Gruppe von hinterlistigen Flugsauriern und einen geheimnisvollen Tierchensammler.  3 von 5

„Arlo & Spot“ ist seine holprige Produktionsgeschichte anzumerken. Der Film besticht durch eine phänomenale Optik und überrascht mit einer allgegenwertigen Düsterness. Die Stimmungssequenzen werden gerade den erwachsenen Zuschauern gefallen, doch die Geschichte selbst besitzt kaum Wiedererkennungswert.

« Ältere Einträge Letzte Einträge »