Triple 9

Wenn namhafte Darsteller in einer Genreproduktion auftreten, ist das oftmals eine riesige Sensation. Auch in TRIPLE 9 reicht eine Hand zum Zählen der Stars nicht aus. Ob das etwas Gutes oder Schlechtes bedeutet, lest Ihr in meiner Kritik.Triple 9

Der Plot

Mit öffentlichen Hinrichtungen, Straßenschlachten und brutaler Folter halten rivalisierende Gangs und die übermächtige Russenmafia Atlanta in ihrem tödlichen Griff. Frischling Chris (Casey Affleck) bekommt durch seinen Onkel, Sergeant Detective Jeffrey Allen (Woody Harrelson), einen Job im gefährlichsten Viertel. Sein blauäugiger Idealismus bringt ihn nicht nur bei den gesetzlosen Gangstern in Gefahr, sondern auch in die Schusslinie seines neuen Partners Marcus Belmont (Anthony Mackie). Belmont gehört zu einer Gruppe von korrupten Bullen, die für die mächtige Russenmafia-Chefin Irina Vlaslov (Kate Winslet) Banken ausrauben. Als Irina den Druck auf die Cops erhöht und einen unmöglich erscheinenden Raubzug verlangt, fassen die abgebrühten Männer einen wahnwitzigen Plan: sie wollen den Polizeicode „999“ auslösen, um im anschließenden Chaos unbehelligt von den Kollegen, ihr Ding durchziehen zu können: einzig dafür muss ein Polizist im Dienst sterben. Chris scheint das perfekte Opfer zu sein.

Kritik

Wann immer in einem Genrefilm namhafte Hollywoodstars auftauchen, wird dieser Umstand ziemlich schnell zu einer Sensation erklärt. Fast scheint es so, als müsse Charakterdarstellern das Dramakino vorbehalten bleiben, dabei ist das natürlich völliger Blödsinn. Im Fall von John Hillcoats knallhartem Thriller „Triple 9“ haben sich einmal mehr ganze Heerscharen bekannter A-Prominenz zusammengefunden, um das noch vor wenigen Jahren auf der Blacklist befindliche Skript von Langfilmdebütant Matt Cook zum Leben zu erwecken. Dabei bleibt der Regisseur von „Willkommen in der Hölle“, „The Road“ und „Lawless – Die Gesetzlosen“ seiner ruppigen Linie treu und inszeniert einen Copthriller härterer Gangart, wie man ihn zuletzt in Form von „Sicario“ formvollendet auf der Leinwand genießen durfte. Doch ausgerechnet die vorab als großer Pluspunkt angekündigte Starbesetzung macht Hillcoat schnell einen Strich durch die Rechnung. Beim Versuch, so viele Figuren wie möglich in seinem Film unterzubringen, um sie anschließend mit ebenso vielen Promis zu besetzen, verliert „Triple 9“ schnell seinen Fokus und büßt über seine zwei Stunden Laufzeit einen Großteil der zu Beginn aufgebauten Spannung ein. Damit ist die 20 Millionen US-Dollar teure Produktion gewiss kein Totalausfall, mehr als solide Krimiunterhaltung aber leider auch nicht.

Triple 9

In den USA spielte „Triple 9“ gerade einmal 20,4 Millionen Dollar wieder ein und deckte die Produktionskosten damit nur gerade so. Im Anbetracht der hier schon mehrfach erwähnten Starbesetzung, mit der sich angesichts solcher Namen wie Kate Winslet („Steve Jobs“), Casey Affleck („The Finest Hours“), Woody Harrelson („Die Tribute von Panem“), Anthony Mackie („The First Avenger: Civil War“), Chiwetel Ejiofor („Der Marsianer – Rettet Mark Watney“) und nicht zuletzt Aaron Paul („Exodus – Götter und Könige“) eigentlich ganz hervorragend werben lässt, ist das schon verwunderlich. Was hingegen gar nicht überrascht, ist die Tatsache, dass ein Film wie „Triple 9“ zwar keine miserable, wohl aber auch keine überschwängliche Mundpropaganda zutage fördert. So macht es zwar wirklich Spaß, der normalerweise auf Dramarollen spezialisierten Kate Winslet bei ihrer Darbietung einer versiert unterkühlten Mafiabaronin zuzuschauen, doch ist man einmal ehrlich, so rechtfertigt eine gute Performance noch lange nicht den Kauf einer Kinokarte. Alle anderen Darsteller meistern ihre Aufgaben zwar ebenfalls solide (und im Falle von Woody Harrelson als starrköpfiger Cop sogar noch besser als das), aber einen richtigen Wiedererkennungswert können die Akteure ihren einfältigen Charakteren nicht mit auf den Weg geben. Dies ist nicht zuletzt auch der Tatsache geschuldet, dass wir es in „Triple 9“ mit so vielen Figuren zu tun bekommen, dass es bisweilen schwer fällt, ihre einzelnen Aufgaben, Belange und Backgrounds auseinander zu halten. Besonders die Cops werden im Laufe der Zeit immer mehr von Individuen zu einer einzelnen, großen Einheit. Das ist förderlich für die Interaktion innerhalb der Gruppe, für sich alleine vermag es aber Niemand, den Film auf seinen Schultern zu tragen. Und da „Triple 9“ nun mal kein Ensemblestück ist, sondern sich viele Handlungsfäden auf die Figuren im Einzelnen konzentrieren, fällt es als Zuschauer schwer, mit ihnen mit zu fiebern.

Regisseur John Hillcoat konfrontiert uns in „Triple 9“ mit einem Atlanta, das als von Bandenkriegen gezeichnetes Moloch unweigerlich Erinnerung an die Grenze zwischen den USA und Mexiko wach werden lässt, wie es Denis Villeneuve im vergangenen Jahr in „Sicario“ auf die Leinwand brachte. Der Kanadier legte den Fokus weniger auf einen Einzelfall. Stattdessen fungierte dieser nur am Rande als einer Chronologie untergeordneter, roter Faden. Hauptsächlich ging es Villeneuve jedoch darum, eine Atmosphäre des Grauens zu schaffen, um anhand eines fiktiven Falles die menschlichen Abgründe, entstanden aus Drogenhandel, Gewalt und Mord, aufzuzeigen, die hier an der Tagesordnung sind. In „Triple 9“ ist der Grundgedanke ein ähnlicher. Leider scheint Hillcoat der Tragkraft von Atmosphäre, Setting und Design (Kamera: Nicolas Karakatsanis) nicht zu trauen. Er folgt einer klassischen Dramaturgie, etabliert Charaktere, Kernproblem und (vermeintliche) Lösung ganz so, wie man es von einem Standardthriller gewöhnt ist – nur eben eine ganze Spur härter. Dass sich „Triple 9“ dennoch nicht entspannt schauen lässt, liegt an der bereits erläuterten Vielzahl an Figuren, und viel zu vielen Nebenhandlungssträngen, durch die der Thriller trotz sukzessivem Anziehen der Suspenseschraube immer mehr an Spannung verliert.

Triple 9

Eines muss man „Triple 9“ zugestehen: Die Geschichte selbst offenbart durchaus einige Ideen, die einen unweigerlich an Filme wie „Oceans Eleven“ denken lassen. Wer hier welche Gesinnung hat, ist schon nach kurzer Zeit kaum mehr zu erkennen; für einen Thriller, der sich verstärkt mit den Themen Korruption und Unterwanderung der Polizei befasst, funktioniert dieser Part auf sehr solidem Niveau. Leicht zu durchschauen ist John Hillcoats Regiearbeit ganz gewiss nicht. Womit „Triple 9“, dessen Titel übrigens an den Polizeicode „9-9-9“ angelehnt ist, der im Falle eines getöteten Officers abgesetzt wird, ebenfalls punkten kann, ist die Inszenierung der Actionszenen. Der Film funktioniert im Wesentlichen über seine bedrückende Atmosphäre. Geht es dann jedoch mal rasanter zu, weiß Nicolas Karakatsanis („The Drop – Bargeld“) ganz genau, wie er das Geschehen übersichtlich im Blick behält, ohne an Dynamik einzubüßen. „Triple 9“ sieht in seinem düsteren Look elegant und beklemmend zugleich aus. Ein Film, der zumindest visuell ganz klar auf die Leinwand gehört

Fazit: „Triple 9“ ist ein solider Thriller, inhaltlich allerdings ohne Wiedererkennungswert. Im Gedächtnis bleiben nur die Namen der Darsteller, ihre Performances dafür weniger. Immerhin optisch kann sich John Willcoats sechste Regiearbeit wirklich sehen lassen.

„Triple 9“ ist ab dem 5. Mai in den deutschen Kinos zu sehen.

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