Schlagwort-Archiv: Haifaa Al-Mansour

Das startet am 12. März 2020

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 12. März, der ohne nennenswert große Kinostarts verlaufen wird. Trotzdem lohnt sich der Blick auf „Narziss und Goldmund“, eine sehr gelungene Neu-Verfilmung des Hermann-Hesse-Klassikers. Auch das kinderaffine Drama „Zu weit weg“ ist einen Kinobesuch wert, ganz im Gegensatz zu highlightarmen Action-Komödie „Der Spion von nebenan“, an dem man vermutlich nur bis zu einem gewissen Alter Spaß haben kann – und wenn man noch nie einen Film dieser Art gesehen hat.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

NARZISS UND GOLDMUND | Regie: Stefan Ruzowitzky  | DE 2020

Nachdem er von seinem gewalttätigen Vater in ein Kloster abgeschoben wird, gibt sich der junge Goldmund (Jannis Niewöhner) ganz dem Glauben hin. Der gleichaltrige Narziss (Sabin Tambrea) nimmt sich hinter den Mauern von Mariabronn dem jungen Schüler an. Die harten Lehrjahre und die regelmäßigen Schläge der Lehrer schweißen die beiden Jungen eng zusammen. Diese Freundschaft wird auch dann noch bestehen, als sich Goldmund dazu entschließt, die Klostermauern zu verlassen und die Welt zu entdecken. Während Narziss weiter dem Glauben an Gott frönt, begibt sich Goldmund auf die Suche nach seiner Mutter und lernt in der großen weiten Welt Frauen, die Liebe und seine Leidenschaft für bildende Künste kennen. Doch das Schicksal treibt die beiden Männer einander immer wieder gegenseitig in die Arme, bis ihnen ausgerechnet ihre innige Freundschaft zum Verhängnis wird…

In dieser modernen Spielfilm-Interpretation von Hermann Hesses „Narziss und Goldmund“ prallt eine warmherzige Männerfreundschaft auf ein dreckig-ungeschöntes Umfeld. Genau dieser inszenatorische Kontrast macht die Arbeit des Genrefilmers Stefan Ruzowitzky so reizvoll.


ZU WEIT WEG | Regie: Sarah Winkestette | DE 2019

Da sein Heimatdorf einem Braunkohletagebau weichen soll, müssen Ben (Yoran Leicher) und seine Familie in eine andere Stadt ziehen. Während sich seine Schwester schnell einfügt, bleibt Ben in seiner neuen Schule für längere Zeit ein Außenseiter. Und auch im neuen Fußballverein laufen die Dinge für den im alten Club als so talentiert betrachteten Stürmer nicht wie gewohnt. Zu allem Überfluss gibt es dann auch noch einen weiteren Neuling an der Schule. Der syrische Flüchtling Tariq (Sobhi Awad) wird (ungewollt) zum neuen Mittelpunkt der Klasse und beweist dann auch noch auf dem Bolzplatz großes Talent. Nun muss sich zeigen, ob Ben fähig ist, das Konkurrenzdenken abzuschütteln und die Gemeinsamkeiten mit seinem „Kontrahenten“ zu entdecken. Denn eigentlich steht den beiden eine Freundschaft bevor…

Sarah Winkestettes „Zu weit weg“ ist ein zeitgemäßer, dramatischer Kinderfilm über das Können, sich in andere hineinzuversetzen. Die beiden jungen Hauptdarsteller spielen hervorragend auf. Lediglich die Tonabmischung erfordert – gerade für junge Zuschauer – ganz genaues Hinhören.


KEINE HALBEN SACHEN | Regie: Peter Segal  | USA 2020

Nach einer völlig missglückten Undercover-Mission bekommt der raubeinige CIA-Agent JJ (Dave Bautista) von seinem Boss (Ken Jeong) noch eine letzte Chance: Gemeinsam mit der verschrobenen Bobbi (Kristen Schaal) soll der hünenhafte JJ in Chicago die Wohnung einer jungen Witwe (Parisa Fitz-Henley) überwachen – der wohl langweiligste Job der Welt. Wäre da nicht deren blitzgescheite neunjährige Tochter Sophie (Chloe Coleman), die dem ungeschickten Muskelpaket schnell auf die Schliche kommt und ihn als Spion enttarnt. Doch statt ihn auffliegen zu lassen, bietet sie einen Deal an: ihr Schweigen gegen sein Spionage-Knowhow! Widerwillig lässt sich JJ auf den Handel ein und stellt bald fest, dass er Sophies entwaffnendem Charme nicht gewachsen ist – und von der vorlauten Göre noch eine Menge lernen kann. Die beiden ungleichen Zeitgenossen werden nach und nach Freunde, doch das ruft auch Bösewichte auf den Plan…

Peter Segal erweist sich einmal mehr als Auftragsregisseur ohne allzu viel Leidenschaft. Seine Action-Buddy-Comedy „Der Spion von nebenan“ bietet mit Ausnahme von zwei, drei gelungenen zwischenmenschlichen Momenten lediglich gelangweilt heruntergekurbelte Genreware vom Fließband. Daran ändert auch Charmebolzen Dave Bautista nichts.


LADY BUSINESS | Regie: Miguel Arteta | USA 2020

Mia und Mel (Tiffany Haddish und Rose Byrne) sind schon lange beste Freundinnen und leiten ihre eigene kleine Kosmetikfirma, die sie gemeinsam gegründet und aufgebaut haben. Eigentlich könnte alles bestens sein, doch finanziell steht den beiden Unternehmerinnen das Wasser bis zum Hals. Da erweist sich das lukrative Übernahmeangebot der berüchtigten Kosmetikmagnatin Claire Luna (Salma Hayek) als zu verlockend, um es auszuschlagen. Doch obwohl ihr Geschäft auf dem Verkauf von wohlriechenden Produkten basiert, müssen Mia und Mel bald feststellen, dass da etwas ganz gewaltig zum Himmel stinkt …

Glitzer. Glamour. Abgezockt! Miguel Arteta schickt Tiffany Haddish („Girls Trip“) und Rose Byrne („Plötzlich Familie“) in die Höhle der Löwin. Dort lauert die Oscar®-nominierte Salma Hayek („Killer’s Bodyguard“) als mit allen Wassern gewaschene Großunternehmerin der Kosmetikbranche.


DIE PERFEKTE KANDIDATIN | Regie: Haifaa Al Mansour  | SAU/DE 2019

Maryam ist Ärztin in einer kleinen Stadt in Saudi-Arabien. Trotz ihrer exzellenten Fähigkeiten muss sie sich jeden Tag aufs Neue den Respekt der Mitarbeiter und der Patienten erkämpfen. Wütend macht Maryam vor allem der Zustand der Straße vor der Klinik. Weil die Stadt die Zufahrt nicht asphaltiert, bleiben die Patienten regelmäßig im Schlamm stecken. Maryam will Veränderung und bewirbt sich um eine bessere Stelle in Dubai. Doch wegen einer Formalität und weil sie keine männliche Begleitung hat, lässt man sie nicht reisen. Maryam sucht Hilfe bei einem entfernten Cousin. Doch der Zufall will es, dass der als Beamter nur Kandidaten für die anberaumte Wahl des Stadtrats empfängt. Vor allem aus Trotz erklärt sich Maryam kurzerhand zur Kandidatin. Maryam und ihre beiden Schwestern treten eine Kampagne los, die nicht zu übersehen ist. Maryams Stimme wird lauter und lauter, ihre Auftritte mutiger, ihre Forderungen radikaler…


Heimkinotipp: GUT GEGEN NORDWIND | Regie: Vanessa Jopp | DE 2019

Ein verdrehter Buchstabe lässt eine E-Mail von Emma versehentlich bei Leo landen. Der Linguist antwortet prompt. Sie beginnen einen schnellen, lustigen und immer intimer werdenden E-Mail-Dialog, wie man ihn nur mit einem Unbekannten führen kann. Einige Wochen und viele gesendete und empfangene Nachrichten später wird daraus eine virtuelle Freundschaft. Leo und Emma beschließen zunächst, ihre Verbindung rein digital zu belassen als eine kleine Flucht vor dem Alltag. Dennoch: Die beiden vertrauen sich ihr Innerstes an und kommen sich auf dem schmalen Grat zwischen totaler Fremdheit und unverbindlicher Intimität immer näher. Und da stellt sich die Frage, ob sie sich nicht doch mal Angesicht zu Angesicht treffen sollten, denn ihre Schmetterlinge sind nicht nur digital.

Auch ohne große Konkurrenz im Genre möchten wir uns dieses Prädikat nicht nehmen lassen: Die exzellent gespielte und bebilderte Romanverfilmung „Gut gegen Nordwind“ ist eine der schönsten Liebesgeschichten des Jahres.

Das startet am 27. Dezember 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den letzten Starttag des Jahres 2018, an dem ein Film aus der Reihe tanzt. Das Hape-Kerkeling-Biopic „Der Junge muss an die frische Luft“ erscheint nämlich bereits zwar Tage vor dem regulären Startdonnerstag am 25.12. und ist gleichzeitig der Anwärter auf den stärksten Neustart. Die anderen Verleiher zeigen stattdessen ein Nischenprogramm, darunter der japanische Oscar-Kandidat „Shoplifters“ und das Drama „Sibel“.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

SIBEL | Regie: Guillaume Giovanetti, Çagla Zencirci  | TUR/FR/DE/LUX 2018

Die 25-jährige Sibel lebt zusammen mit ihrem verwitweten Vater und ihrer jüngeren Schwester in einem abgeschotteten türkischen Dorf in den Bergen nahe des Schwarzen Meeres. Da Sibel seit ihrer Geburt stumm ist und sich nur mittels der in ihrer Heimatregion traditionellen Pfeifsprache verständigen kann, wird sie von den anderen Dorfbewohnern weitestgehend gemieden. Wenn sie nicht gerade auf dem Feld arbeitet oder ihrem Vater hilft, verbringt sie ihre Zeit daher zumeist allein im benachbarten Wald, wo sie einer Einsiedlerin Gesellschaft leistet und mit großem Eifer auf Jagd geht. Sie hat sich in den Kopf gesetzt, einen Wolf zu fangen, der dort herumstreunen soll und den Frauen des Dorfes Angst einjagt. Eines Tages begegnet sie im Wald einem Deserteur namens Ali, der verwundet ist und Angst hat, entdeckt zu werden. 

Das europäisch koproduzierte Drama „Sibel“ ist ein stark gespieltes, nuanciert erzähltes Drama über Emanzipation, Gegenwehr und die vielen komplexen, doppelschneidigen Eigenheiten, die einem das Leben entgegenwerfen kann. Großartig.


Sonderstart am 25.12.: DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT | Regie: Caroline Link | DE 2018

Der Ruhrpott im Jahr 1972. Der pummelige neunjährige Hans-Peter (Julius Weckauf) wächst auf in der Geborgenheit seiner fröhlichen und feierwütigen Verwandtschaft. Sein großes Talent, andere zum Lachen zu bringen, trainiert er täglich im Krämerladen seiner „Omma“ Änne (Hedi Kriegeskotte) und perfektioniert es außerdem bei den vielen Festivitäten in seinem Bekanntenkreis. Aber leider ist nicht alles rosig. Dunkle Schatten legen sich auf den Alltag des Jungen, als seine Mutter Margret (Luise Heyer) nach einer Operation immer bedrückter wird. Für Hans-Peter ein Ansporn, seine komödiantische Begabung immer weiter zu perfektionieren, denn „das Leben muss ja auch irgendwie weitergehen!“ Es ist die berührende Kindheitsgeschichte eines der größten Entertainer Deutschlands, Hape Kerkeling. 

Ein starkes Skript, ein noch stärkerer Hauptdarsteller aber eine betont deutsche Inszenierung – „Der Junge muss an die frische Luft“ wirkt durch die theaterhafte Art, wie hier Dialoge vorgetragen werden, leider deutlich gediegener, als er eigentlich ist.


SHOPLIFTERS – FAMILIENBANDE | Regie:  Hirokazu Koreeda | JPN 2018

Nach einer Diebestour in einer kalten Winternacht treffen Osamu Shibata und sein Sohn Shota auf das kleine, verwahrloste Mädchen Yuri. Kurzerhand tut Osamu das, was der Gelegenheitsarbeiter am besten kann – er “stibitzt” Yuri und nimmt sie für eine warme Mahlzeit mit nach Hause. Die anfänglichen Bedenken seiner Frau Nobuyo über das neue Familienmitglied sind schnell verflogen. Auch Großmutter Hatsue und Halbschwester Aki, die hinter einem Einwegspiegel in einem Stripclub arbeitet, heißen Yuri in der Enge ihrer alten Behausung willkommen. Umgeben von anonymen Wohnblöcken lebt die bunte Truppe mithilfe von kleinen Betrügereien, Ladendiebstählen und trotz widriger Umstände glücklich zusammen. Bis zu dem Tag, an dem ein unvorhergesehener Vorfall bisher gut geschützte Familiengeheimnisse enthüllt. Jetzt muss sich beweisen, ob diese Menschen mehr verbindet, als ihr Dasein als Lebenskünstler…

„Shoplifters – Familienbande“ definiert den Begriff „Familie“ neu, indem sich Regisseur Hirokazu Koreeda üppige zwei Stunden Zeit nimmt, zu ergründen, was Menschen zusammenhält. Trotz der örtlichen Fixierung auf den Handlungsort Japan, sind – auch dank der fantastischen Darsteller – viele Beobachtung weder zeit-, noch raumgebunden, sondern einfach nur das Ergebnis inniger, aufopferungsvoller Liebe, die das Drama mit jeder Sekunde zelebriert.


DER KLEINE DRACHE KOKOSNUSS: AUF IN DEN DSCHUNGEL! | Regie: Anthony Power | DE 2018

Der kleine Drache Kokosnuss ist in Aufbruchsstimmung: Die Abfahrt ins Ferienlager steht kurz bevor! Junge Feuerdrachen und Fressdrachen treten gemeinsam eine Schiffsfahrt zu den Dschungelinseln an, um so den Teamgeist unter den beiden Drachenspezies zu stärken. Begleitet werden sie dabei von Feuerdrachenlehrerin Proselinde, dem Fressdrachen-Chefkoch und Kokosnuss‘ Vater Magnus. Feuerdrache Kokosnuss und sein bester Freund Oskar, der einzige vegetarische Fressdrache, finden es aber unfair, dass nur Drachen im Camp erlaubt sind. Sollen sie die Sommerferien ohne ihre beste Freundin, das Stachelschwein Matilda, verbringen? Kurzerhand schmuggeln sie Matilda als blinde Passagierin an Bord. Doch die Reise wird nicht nur zur Bewährungsprobe für unsere drei Helden, sondern für alle Teilnehmer, als das Schiff plötzlich einen Felsen rammt…

„Der kleine Drache Kokosnuss – Auf in den Dschungel!“ ist ein der jungen Zielgruppe ansprechend erzähltes Feuerdrachenabenteuer mit einigen aufregenden Spannungsspitzen und einer hübsch ambivalenten Geschichte über Freundschaft und Zusammenhalt. Der Fernsehlook dagegen darf beim dritten Teil allerdings gern verschwinden.