2016 – Die Plätze 30 bis 21

Herzlich willkommen, du – lieber Leser – der vielleicht erst jetzt zu meinem kleinen Jahresrückblick vorbeischaut. Oder aber du, der sich nach den Plätzen 40 bis 31 fragt, wie es in den ganz subjektiven Charts meiner Lieblingsfilme 2016 weitergeht. Zur kurzen Erinnerung: Wie auch schon 2015 habe ich mich aufgrund der schieren Masse an starken Kinofilmen erneut für 40 anstatt für nur 30 Tops entschieden. Wer gerne wissen möchte, was die Frau mit dem skurrilen Filmgeschmack in den vergangenen zwölf Monaten so gar nicht mochte, den verweise ich indes auf meine Filmflops.

Um noch ein paar weitere Filme positiv zu erwähnen, die es aber letztlich doch nicht ganz in meine Jahrescharts geschafft haben, kommt hier eine Handvoll ehrenwerter Nennungen. Der Übersicht halber konzentriere ich mich zunächst auf das deutsche Kino, das auch 2016 wirklich feine Geschichten und Inszenierungen zu bieten hatte. Da wäre zum Beispiel die nur in ausgewählten Kinos veröffentlichte TV-Produktion TERROR nach Ferdinand von Schirach (Platz 41), das niederschmetternde Abtreibungsdrama 24 WOCHEN (Platz 44), der experimentelle Genrefilm WILD (Platz 58), ebenso wie die nicht minder verstörende Romanverfilmung NEBEL IM AUGUST (Platz 59). Positiv überrascht wurde ich zudem von der grundsympathischen Coming-of-Age-Geschichte RADIO HEIMAT (Platz 71) sowie Adolf Winkelmanns Nachkriegsdrama JUNGES LICHT (Platz 76). 

30

Die Mitte der Welt

Den Kandidaten auf meinem 30. Platz kompakt zusammenzufassen, gestaltet sich ganz schön schwer. Die Verfilmung von Andreas Steinhöfels Coming-of-Age-Roman DIE MITTE DER WELT reißt ohne sich darin zu verheddern nämlich derart viele Themen an, dass man auf der einen Seite nichts verraten, aber auf der anderen Seite ja doch auch Lust auf diesen Film machen möchte. In der Geschichte geht es sowohl um das Suchen und Finden der (vollkommen selbstverständlich inszenierten, gleichgeschlechtlichen) Liebe. Es geht um die Bedeutung von Familie, um die Akzeptanz Andersdenkender, aber auch um den langen, steinigen Weg auf der Suche nach sich selbst. Regisseur Jakob M. Erwa verpackt all das auf so zarte und bodenständige Weise, schafft es darüber hinaus aber trotzdem noch, dem Geschehen leicht übernatürliche Facetten beizumengen, dass „Die Mitte der Welt“ zu einer abenteuerlichen Reise wird, bei der man nie weiß, wo sie am Ende hingeht.

29

Vier gegen die Bank

Da hätte ich nun wirklich nicht mit gerechnet! Erst recht nicht, nachdem der Trailer zur Gaunerkomödie VIER GEGEN DIE BANK alles andere als komödiantisch auf der Höhe der Zeit aussah. Aber ich lasse mich ja gern eines Besseren belehren und so ist der neueste Film von Wolfgang Petersen tatsächlich eine der lustigsten Ensemble-Comedies des Jahres. Der Film über eine Vierertruppe aus Männern, die sich aus verschiedenen Gründen an einer Bank rächen wollen, indem sie diese in einer laienhaften Nacht- und Nebelaktion ausrauben, spielt von der ersten bis zur letzten Sekunde sein größtes Ass im Ärmel aus: den Cast. Mit  Feuereifer mit ihrem öffentlichen Image kokettierend, spielen sich Til Schweiger, Matthias Schweighöfer, Michael Herbig und Jan-Josef Liefers die Seele aus dem Leib, während die Geschichte von einer schrägen Situation in die nächste schlittert, bis am Ende alles zu einem runden Abschluss findet. So macht deutsches Kino Spaß!

28

Kubo - Der tapfere Samurai

Hatte ich 2016 bereits als herausragendes Jahr für das Horrorkino gelobt, trifft das auf den Animationsfilm nicht unbedingt zu. Am Box Office überzeugten die in 3D animierten Filme mehr denn je, doch in meiner Gunst schafften es lediglich zwei von ihnen, mich in vollem Umfang abzuholen. Einen davon lieferte die LAIKA-Animationsfilmschmiede, die es mit KUBO – DER TAPFERE SAMURAI dann auch zum aller ersten Mal überhaupt geschafft hat, mich in vollem Umfang zu begeistern. Die Geschichte um einen kleinen Jungen, der sich in einer magischen Welt und mithilfe eines Affen sowie eines in Käfergestalt auflaufenden Kriegers behaupten muss, um sein Leben und das seiner depressiven Mutter zu retten, ist nicht nur wunderschön, sondern strotzt nur so vor magischen Momenten und subtilen Lebensweisheiten. „Kubo“ zeigt, wofür das Segment des Animationsfilms gemacht ist und entführt uns für eineinhalb Stunden in atemberaubende Bildgewalten, die man einfach gesehen haben muss, um ihre Schönheit zu begreifen.

27

Brooklyn

Im Zuge eines nicht zu leugnenden RomCom-Überschusses in den Kinos gelingt es nur noch wenigen Liebesgeschichten, echte Gefühle zu erzeugen. Anhand des Aussteigerdramas BROOKLYN (das tatsächlich zu einer Handvoll Filmen gehört, die ich in diesem Jahr nicht im Kino, sondern erst zuhause gesehen habe) erkennt man allerdings, dass genau das noch möglich ist, ohne dabei ausgetretene Genrepfade zu betreten. Saoirse Ronan spielt Ellis, die es vom Land in die aufregende Großstadt Brooklyn zieht. Zunächst befasst sich Regisseur John Crowley hauptsächlich mit den Ängsten der jungen Frau und dem moralischen Dilemma, der Fernsucht nachzugeben, ohne das Heimweh zu unterdrücken. Als sie ihre große Liebe findet, kommen jedoch neue Herausforderungen auf sie zu, denn auch, wenn die junge Frau ihr Leben fern von der Familie meistert, geht auch das Leben in ihrer Heimatstadt weiter. Zaghaft, liebevoll und behutsam beweist sich „Brooklyn“ als wunderschön authentischer Mix aus Lovestory und einer Hommage daran, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken.

26

Blair Witch

Dem Kandidatem auf Platz 26 wurde von der Presse ja ordentlich einer mitgegeben. Und wieder einmal kann ich es nicht so recht verstehen, denn eigentlich hat Regisseur Adam Wingard mit BLAIR WITCH, der ersten richtigen „Blair Witch Project“-Fortsetzung, schon so ziemlich all das richtig gemacht, was ein weniger fähiger Regisseur gewiss falsch gemacht hätte. Das Sequel, das davon handelt, dass sich der Bruder der im ersten Film verschwundenen Heather auf die Suche nach seiner Schwester begibt, ist gleichermaßen eine Hommage an das Original, als auch eine logische und technisch absolut auf der Höhe der Zeit anzusiedelnde Weiterführung des bewaldeten Schreckens, der in diesem Jahr so grauenvoll über den Zuschauer hereinbrach, wie noch nie zuvor. Ich habe auch nach der zweiten Sichtung immer noch nicht all das gesehen, was der Film zu bieten hat. Einfach, weil ich ab einer gewissen Zeit einfach konseqent zu Augen zugemacht habe. Aber allein die Tonspur lässt einem die Haare zu Berge stehen.

25

Eddie the Eagle: Alles ist möglich

Es ist müßig, zu erwähnen, dass die unglaublichen Ereignisse in EDDIE THE EAGLE: ALLES IST MÖGLICH so tatsächlich passiert sind. Die Geschichte um den schlechtesten Skispringer der Welt ist schließlich rund um den Globus bekannt. Nun hat nahezu der komplette „Kingsman“-Cast diese absolut irre „Vom Außenseiter zum Helden“-Story für die Leinwand aufbereitet und damit ein gewiss recht seichtes, aber doch nur so vor Optimismus strotzendes Feelgood-Movie geschaffen, das mehr denn je zeigt, dass man nur an seine Träume glauben muss, um zumindest einen Teil von ihnen dann auch tatsächlich wahr zu machen. Taron Egerton brilliert als Eddie, Hugh Jackmans gefällt in seiner charmant-ruppigen Rolle als verbitterter Ex-Skispringer und das gewitzte, sich nie zu ernst nehmende Skript macht greifbar, wie es Eddie Edwards damals gelingen konnte, die ganze Welt um die Finger zu wickeln, obwohl seine Flugkünste doch mehr einem kontrollierten Absturz glichen. Die abgegriffene Floskel „Die besten Geschichten schreibt immer noch das Leben“ stimmt eben doch…

24

Doctor Strange

Marvel, die Erste: Und wieder hat es eine Origin-Story in meine Jahrescharts geschafft („Ant-Man“ enterte im vergangenen Jahr sogar die Top 10). Wenn der von mir so geliebte Benedict Cumberbatch in die Rolle eines egomanischen Super-Doktors schlüpft, der in bester Arschloch-Manier lernt, das Leben und das seiner Mitmenschen zu schätzen und zu respektieren, dann kann dabei eigentlich nur ein ziemlich ordentlicher Film herauskommen. Im Falle von DOCTOR STRANGE, der obendrein auch noch mit spektakulären, an Nolans „Inception“ erinnernden Actionszenen aufwartet, viel feinen Humor besitzt und eine tolle Tilda Swinton aufzuweisen hat, fällt es dann doch direkt viel weniger ins Gewicht, dass man einen Mads Mikkelsen viel zu selten sieht und es sich nicht leugnen lässt, dass das Marvel’sche Blockbuster-Konzept mittlerweile nur allzu bekannt ist. Doch wen interessiert’s? Ich steh auf Marvel. Und auf Benedict Cumberbatch. Vor allem aber stehe ich auf diesen Film, der vollkommen zurecht auf Platz 24 meiner Jahrescharts landet.

23

Ungezähmt - Von Mexiko bis Kanada

Ich bin ja schon ein wenig vorhersehbar. 2012 gelang es zum ersten (und letzten) Mal einer Dokumentation, Einzug in meine Jahrescharts zu erhalten. Damals handelte sie – natürlich – von Pferden, respektive einem Pferdeflüsterer. Auch in diesem Jahr durfte man die stolzen Vierbeiner einmal mehr auf der großen Leinwand bewundern. In UNGEZÄHMT – VON MEXIKO BIS KANADA, einer Art dokumentarischem Roadmovie hoch zu Ross, lassen uns die Filmemacher an einer berauschenden Reise teilhaben. Vier Männer nehmen es sich zum Ziel, die weite Reise von Mexiko bis Kanada mit 16 Wildpferden anzutreten. All das, was sie auf ihrem abenteuerlichen Trip erleben, fängt die Kamera schonungslos und ehrlich ein. Von toten Pferden über gefährliche Kletterpartien bis hin zu einem äußerst amüsanten Esel gerät der Ritt so abwechslungsreich und dank der super sympathischen Kerle tierisch amüsant, sodass man irgendwann gar nicht mehr weiß: Ist das noch Doku oder schon Westernabenteuer?

22

The First Avenger: Civil War

Marvel, die Zweite: Dieses Jahr hat es der Comicriese aber auch echt wissen wollen. Und weil Marvel (im Gegensatz zu DC) weiß, dass man für einen ansprechenden Superheldenkampf auch einen nachvollziehbaren Konflikt braucht, konnte THE FIRST AVENGER: CIVIL WAR auf ganzer Linie überzeugen. Darin duellieren sich Captain America und Iron Man in der Frage, wie viel Kontrolle der Staat über den Einsatz der Avengers haben sollte. Schließlich versammeln beide weitere Heroen-Kollegen um sich und lassen es in einer der besten Actionszenen des Jahres drauf ankommen. Die durchweg recht ernsten Töne stehen dem Film hervorragend zu Gesicht und auch, wenn es Daniel Brühl als Schurken nicht unbedingt auch noch gebraucht hätte, gefällt hier vor allem die erzählerische Komplexität einhergehend mit hochwertiger Action, wie sie nur Marvel hinbekommt. Und eine Prise Witz gibt es ganz comicfilmtypisch dann natürlich auch – so geht modernes, kluges, mitreißendes Blockbusterkino im Jahr 2016!

21

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Der Abschluss meiner Top 30 wird dann nochmal ein wenig ruhiger, gleichwohl nicht weniger spannend. DER MOMENT DER WAHRHEIT, eine Art politisches Pendant zum Oscar-Gewinner „Spotlight“, macht etwas sehr Kluges und lässt das eigentlich Spannende erst geschehen, wenn das vermeintliche Happy End bereits über die Leinwand geflimmert ist. Cate Blanchett, die mir in diesem Film so gut gefallen hat, wie in keinem anderen Film zuvor, spielt auf Grundlage einer wahren Geschichte eine TV-Reporterin, die einen den einstigen Präsidenten George W. Bush betreffenden Skandal vor laufender Kamera aufdecken will, jedoch anschließend damit konfrontiert wird, dass sie ihre Quellen möglicherweise besser hätte überprüfen sollen. Was folgt, ist ein hochspannendes Katz-und-Maus-Spiel zwischen ihrer Figur, der Presse, den Kollegen und ihren Vorgesetzten, bis sie sich für ihre Arbeit irgendwann sogar vor einem großen Gremium verantworten muss. Ein absolut sehenswertes Kapitel US-amerikanischer Journalistengeschichte – und leider auch viel zu unbekannt…

 

In den kommenden Tagen findet Ihr an dieser Stelle die Plätze 20 bis 11…

Ein Kommentar

  • Zu Blair Witch: Der Film hat es absolut verdient, dass er von allen Seiten verrissen wird und das hat einen einfachen Grund: Versprecht nicht, was ihr nicht einhalten könnt.
    Der Film wurde ja ohnehin recht kurzfristig überhaupt als das enttarnt, was er dann letztlich ist, denn vorher war das Teil ja unter dem Namen „The Woods“ oder so in der Produktion. Alles kein Problem, wenn sich dann die Macher nicht direkt mal aus dem Fenster gelehnt hätten und versprachen, dass man das Flair des ersten Blair Witch möglichst gut in die Neuzeit retten will.
    Und dann kommt dieser Film und er ist einfach alles, was der originale Blair Witch nicht ist. Laut, hektisch, saudämlich, verwirrend, laut, strunzdoof, jumpscareextravaganza, laut und megadumm.
    Hätte man vorher einfach mal die Fresse gehalten, anstatt (mal wieder) Versprechungen zu machen, die die Macher dann nur als Idioten entlarven, die absolut nicht kapiert haben, warum der originale Film so gut funktioniert hat, wäre das alles halb so schlimm. So ist der Film aber eben nur komplett überflüssiger Müll und in seiner unkreativen, sich dem heutigen innovationslosen Kino komplett anpassenden Machart, noch schlechter als der schon grauenhafte Blair Witch 2.

    Natürlich toll, wenn er dir gefallen hat, aber so schwer zu verstehen finde ich es nun wirklich nicht, warum die Mehrheit den Film einfach nur grottenschlecht findet bzw. einem Blair Witch nicht würdig.

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