Allied – Vertraute Fremde

Star-Regisseur Robert Zemeckis wagt sich mit seinem romantischen Kriegsdrama ALLIED – VETRAUTE FREMDE an die fordernde Aufgabe, viele verschiedene Genreeinflüsse miteinander zu kombinieren. Nicht nur dank des Castes gelingt ihm das spielerisch. Das Drehbuch von Steven Knight besitzt Oscar-Qualitäten. Mehr dazu in meiner Kritik zum Film. Allied - Vertraute Fremde

Der Plot

Der englische Geheimdienstoffiziers Max Vatan (Brad Pitt) und die französische Résistance-Kämpferin Marianne Beausejour (Marion Cotillard) lernen sich in einem geheimen Auftrag der Alliierten in Casablanca kennen und lieben. In London wiedervereint, wird ihre Liebe auf eine harte Probe gestellt, als Marianne verdächtigt wird, für den Feind zu spionieren. Für Max bricht eine Welt zusammen. Gefangen in einem undurchsichtigen Netz aus Verdächtigungen und Lügen, versucht er verzweifelt herauszufinden, ob Mariannes Liebe und ihr gemeinsames Leben auf wahren Gefühlen basieren.

Kritik

Im Zuge der im Spätsommer dieses Jahres kommunizierten, überraschenden Trennung von Hollywood-Traumpaar Angelina Jolie und Brad Pitt, sorgte Robert Zemeckis‘ Kriegsdrama „Allied – Vertraute Fremde“ schon lange vor Kinostart für Furore. Der Grund: Dem beliebten Schauspieler wurde eine Affäre mit seiner Filmpartnerin Marion Cottilard (demnächst auch in der Spieleverfilmung „Assassin‘s Creed“ an der Seite von Michael Fassbender zu sehen) nachgesagt, die nur wenige Wochen nach Drehende ihre Schwangerschaft öffentlich machte. Wenngleich beide Seiten ein Techtelmechtel konsequent dementierten und sich Cottilard obendrein dauerverliebt mit Ehemann Guillaume Canet in der Öffentlichkeit präsentierte, war die ganze Geschichte ein gefundenes Fressen für die Boulevard-Presse. Jetzt, da die ganze Diskussion einigermaßen abgeflaut scheint, können wir uns wieder ganz entspannt dem widmen, was eigentlich zählt: dem Film. Zemeckis, der zuletzt für das Artisten-Biopic „The Walk“ sowie das Pilotendrama „Flight“ verantwortlich zeichnete, wagt sich mit „Allied – Vertraute Fremde“ an gehaltvollen, prestigeträchtigen Stoff, den Drehbuchautor Steven Knight („Bauernopfer – Spiel der Könige“) trotz thematischer Schwere einmal mehr erstaunlich leichtfüßig aufbereitet. Zum Leben erweckt von einem der schönsten Leinwandpaare jüngerer Filmgeschichte wandelt „Allied“ nicht nur inhaltlich auf den Spuren von „Casablanca“ und Co.

ZText

Max (Brad Pitt) und Marianne (Marion Cottilard) lernen sich während eines Undercover-Auftrages kennen und lieben.

„Allied – Vertraute Fremde“ ist in erster Linie eine ganz große und nicht minder tragische Liebesgeschichte. Sie funktioniert von der ersten Sekunde, da Robert Zemeckis bei seiner Inszenierug intim nah an die Figuren herangeht. Als Zuschauer begibt man sich an die Seite von Max und ist entsprechend immer auf dem Wissensstand seiner Figur. Umso schockierender ist es da, als der grundsympathische, gewissenhafte Veteran mit den etwaigen Spionage-Verwicklungen seiner Frau konfrontiert wird. Als Zuschauer erlebt man die sukzessive immer stärker werdende Anziehung des zunächst nur zu Tarnzwecken gemeinsam auftretenden Paares ebenso mit, wie die darauf folgenden Phasen der Liebe und den Beginn der Familiengründung. Und da Brad Pitt („The Big Short“) und Marion Cottilard ihre Figuren zu jedem Zeitpunkt mit Leben füllen, schaffen es nicht einmal die tragischen Umstände ihres Kennenlernens, die Geschichte schwermütiger zu machen, als sie es ist. Zemeckis scheut zwar nicht davor zurück, in entscheidenden Momenten zu betonen, wie risikoreich es sich zu damaligen Zeiten lebte (lediglich in der Geburtsszene, die der Regisseur während eines nächtlichen Angriffs der Feinde inszeniert, trägt Zemeckis ein wenig zu dick auf), doch wie schon bei diversen anderen Projekten Steven Knights zuvor, gelingt es dem Drehbuchautor auch diesmal, Tempo, Spannung und Menschlichkeit so zu betonen, dass „Allied“ bis zuletzt nicht in eine depressive Stimmung kippt. Das von einigen Insidern bereits als Oscar-Film gehandelte Drama deckt eine Vielzahl menschlicher Emotionen ab, erlaubt sich in ausgewählten Szenen sogar den Gebrauch zurückhaltender Situationskomik und konzentriert sich ganz auf die Befindlichkeiten seiner zwischen Leidenschaft und Misstrauen chargierenden Hauptfiguren.

Das Skript zeichnet Cottilards Marianne so zurückhaltend verführerisch, aber auch tough und offensiv mit ihrem Partner agierend, dass es absolut nachvollziehbar ist, weshalb Max ihr irgendwann verfällt (das entscheidende Schäferstündchen inmitten eines Sandsturmes inszeniert Zemeckis mit fulminanter Passion und von berauschender Natürlichkeit, sodass es nicht wundern würde, ginge diese Szene direkt nach Kinostart in die Filmgeschichte ein). Die Umstände ihres Kennenlernens legen indes nahe, dass man es hier auch mit einer Abwandlung des Stockholm-Syndroms zu tun haben könnte; ist die Liebe der beiden doch auf der einen Seite absolut plakativ, auf der anderen Seite aber umso verständlicher, wenn man bedenkt, wie stark außergewöhnliche Vorkommnisse Menschen zusammenschweißen können. Als sich „Allied“ in der zweiten Hälfte schließlich mit den schweren Spionage-Vorwürfen an Marianne befasst, bewegt sich der Film weg vom romantischen Drama, hin zur abenteuerlichen Belastungsprobe für alle Beteiligten. Pitts Max geht alle möglichen Wege, um hinter die wahre Identität seiner Frau zu gelangen und versucht, sich zwischen aufopferungsvollem Rückhalt und gesunder Skepsis zu entscheiden. Als ihn die Vorgesetzten damit konfrontieren, dass er seine Ehefrau mit eigenen Händen exekutieren müsse, würden sich die Anschuldigungen als wahr herausstellen, reißt Zemeckis ganz nebenbei auch die Unmenschlichkeit des dato vorherrschenden Systems an. Hatte sich die in der ersten Filmhälfte sehr aufwändig und hart inszenierte Actionszene, eine Schießerei zwischen Max und Marianne sowie den Nationalsozialisten, doch eher als energiegeladene Gewaltspitze erwiesen, um zu betonen, mit welcher Akribie das Offiziers-Pärchen bei seiner Arbeit vorgeht.

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Max (Brad Pitt) begibt sich auf eigene Faust auf die Spuren seiner Frau Marianne…

Zemeckis geht mit seinen permanenten Stimmungs- und Richtungswechseln sehr fordernd an sein Publikum heran, sodass man sich als Zuschauer selbst irgendwann nicht mehr sicher ist, wem man in diesem emotionalen Verwirrspiel noch trauen kann und wem nicht. Nur selten spielen neben Brad Pitt und Marion Cottilard noch andere Darsteller eine Rolle, wenngleich Zemeckis mit Jared Harris („Codename U.N.C.L.E.“), Lizzy Caplan („Die Unfassbaren 2“) oder Matthew Goode („Self/Less – Der Fremde in mir“) weitere große Namen in den Nebenrollen besetzt hat. Sie alle komplettieren den von Cottilard und Pitt angeführten Cast auf subtile Weise, prägen den Film aber nicht so sehr wie die beiden Hauptdarsteller. Dafür kann die Inszenierung an sich der graziösen Präsenz des Protagonisten-Paares das Wasser reichen. Ausstattung und Kostüme entsprechen nicht einfach bloß dem Bild der damaligen Dekade, sondern kleiden Szenerie und Darsteller in jenen authentischen Pomp, den es braucht, um einmal mehr die Tragweite der Geschichte zu unterstreichen. Denn einerseits erzählt Robert Zemeckis mit „Allied – Vertraute Fremde“ ein lose von wahren Ereignissen inspiriertes Einzelschicksal. Auf der anderen Seite gelingt es ihm, stellvertretend daran ein allumfassendes, zutiefst menschliches Bild aus einer Zeit zu zeichnen, in dem gerade Menschlichkeit und Liebe viel zu oft auf der Strecke bleiben mussten. Warum das so ist, zeigt sich dann schließlich in einem bitterbösen, aber leider nur allzu konsequenten Finale…

Fazit: Robert Zemeckis gelingt mit seinem mächtigen Liebesdrama „Allied – Vertraute Fremde“ eine Hollywoodromanze alter Schule, in der lediglich einige zu abgehoben inszenierte Einzelszenen vom phänomenalen Spiel der beiden Hauptdarsteller ablenken. Lange hat man mit der Liebe eines Filmpaares nicht mehr so mitgelitten, wie hier. „Allied“ ist bis zum bitteren Ende ein durch und durch intensives Filmerlebnis.

„Allied – Vertraute Fremde“ ist ab dem 22. Dezember in den deutschen Kinos zu sehen. 

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