Suicide Squad

Auch eine von Fans ins Leben gerufene Petition wird nichts daran ändern, dass DCs langerwartetes Superschurkenstelldichein SUICIDE SQUAD bei den weltweiten Kritikern auf wenig Gegenliebe stößt. Mit einem vermuteten Marvel-Komplott hat das weniger zu tun, als vielmehr mit schlechten Effekten und einem x-beliebigen Drehbuch. Mehr dazu in meiner Kritik.Suicide Squad

Der Plot

It feels good to be bad… Man stellt ein Team aus den gefährlichsten derzeit einsitzenden Superschurken zusammen, rüstet sie mit dem schlagkräftigsten staatlich geprüften Waffenarsenal aus und schickt sie auf ein Himmelfahrtskommando, um einem rätselhaften, unüberwindlichen Wesen den Garaus zu machen: Die amerikanische Geheimagentin Amanda Waller (Viola Davis) ist überzeugt, dass nur eine heimlich instruierte Gruppe aus bunt zusammengewürfelten, zwielichtigen Gestalten vom Bodensatz der Gesellschaft diese Mission meistern kann – weil sie nichts zu verlieren hat. Doch schon bald merken die Mitglieder der Suicide Squad, dass sie nicht rekrutiert worden sind, weil sie eine Chance auf Erfolg haben. Vielmehr sollen sie praktische Sündenböcke abgeben, wenn das Unternehmen unweigerlich scheitert. Wie aber reagieren sie auf diese Erkenntnis? Stellen sie sich der Aufgabe, um beim Versuch draufzugehen? Oder beschließen sie, dass jeder seine eigene Haut retten muss?

Kritik

Der Comicgigant DC hat ein Problem. Dieses Problem hat die Geburtstätte von „Superman“, „Batman“ und Co. aber nicht erst seit dem grandios gescheiterten Clash dieser beiden Überheroen vor einigen Monaten, in Wirklichkeit reicht es viel weiter, nämlich ganze acht Jahre zurück. Im Jahr 2008, als Christopher Nolans Batman-Trilogie dank „The Dark Knight“ gerade zum Non plus Ultra moderner Comicverfilmungen emporstieg, veröffentlichte der Konkurrent Marvel den ersten Teil der „Iron Man“-Reihe. Für Robert Downey Jr. in der Rolle des Eisenmannes wurde dieses Engagement zu einem der größten Comebacks der Hollywoodgeschichte. Dass Jon Favreau mit seiner Interpretation der gleichnamigen Comics ganz nebenbei auch eine neue Ära des modernen Actionentertainments ins Rollen brachte, dürfte damals nur Eingeweihten des Konzerns bekannt gewesen sein. Qualitativ konnte „Iron Man“ dem dunklen Ritter der Konkurrenz zwar nicht das Wasser reichen, im zeitgenössischen Blockbuster hat der eiserne Philanthrop indes einen weitaus bedeutungsvolleren Stellenwert. „Iron Man“ legte den Grundstein für das Marvel Cinematic Universe, zu dem bis heute 13 Langfilme, fünf One-Shots und diverse Serien gehören; und Jahr für Jahr werden es mehr. Die Idee zum Aufbau dieses mächtigen Filmuniversums hätte auch schief gehen können. Da sie das aber nicht ist, folgen aktuell immer mehr Verleiher dem Prinzip des filmübergreifenden Universums.

Suicide Squad

Der Leidtragende unter Marvels Erfolgsgeschichte: DC. Nach dem spektakulären Ende der „Dark Knight“-Trilogie hätte man die Gelegenheit gehabt, direkt auf diesen erfolgversprechenden Zug aufzuspringen, um den mittlerweile beachtlichen Abstand zwischen den prestigeträchtigen Marvelfilmen und den kaum mir Wiedererkennungswert versehenen Werken DCs nicht noch größer werden zu lassen. Immerhin kann auch DC eine mehrköpfige Superhelden-Combo namens Justice League vorweisen, die ähnlich der Avengers gemeinsam gegen den Feind agiert. Doch erst lieferte man mit „Man of Steel“ eine nur mäßige Neuinterpretation Supermans ab, die sich vor allem aufgrund der fast vollkommenen Humorreduktion von den eher leichtfüßigen Marvel-Eskapaden abheben sollte. Anschließend versuchte man sich daran, Marvel in Sachen „Superhelden-Clash“ Konkurrenz zu machen, indem man zwei der mächtigsten Heroen des Comicuniversums aufeinander losließ (zuvor gab es in „The First Avenger: Civil War“ bereits einen Kampf in den eigenen Reihen). Schließlich wurde bei der diesjährigen Comic Con ganz Marvel-like nicht bloß einen Film angekündigt, in welchem sich ein väterlicher Organisator darum kümmert, eine Handvoll unbedarfter Helden zu einem Team zu formen, ganz nebenbei gab es auch erste Eindrücke zu diversen Einzelfilmen bekannter Comicfiguren zu sehen. Natürlich ist es immer ein wenig unfair, DC einfach vorzuwerfen, jedes Mal den Disney-Konkurrenten kopieren zu wollen, bloß weil dieser mit seiner Idee eines Filmuniversums ein paar Monate schneller war, als man selbst. Die zu verfilmenden Geschichten existieren schließlich schon weitaus länger innerhalb der jahrzehntealten Comics. Gleichwohl lässt DC aufgrund von Vermarktung und Veröffentlichung gar nichts anderes zu, als den ewigen Vergleich. Nicht zuletzt aufgrund der Qualität erweckt der Comicriese aktuell den Eindruck, die eigenen Ansprüche zu Gunsten der filmischen Aufholjagd soweit zurückzuschrauben, dass am Ende zwangsweise so etwas Liebloses wie „Batman v Superman“ in die Kinos kommen muss. Dass ein David Ayer („Herz aus Stahl“) – vielleicht auch unter Druck gesetzt von Studio und Produzenten – aus dieser Misere aber nicht gelernt zu haben scheint, sieht man nun seinem „Suicide Squad“ an. Sowohl technisch als auch erzählerisch ist das Superschurkenstelldichein nämlich nur minimal gelungener als das Aufeinandertreffen von Batman und Superman und schaut man ins Detail, so lassen viele der Angriffspunkte einmal mehr auf einen Mangel an inszenatorischer Genauigkeit, Detailverliebtheit und Mut zu Neuem schließen. Und ärgerlicherweise steckt in „Suicide Squad“ auch noch so viel Potenzial, dass die Fallhöhe zum Endergebnis weitaus schwerwiegender ausfällt, als der schon auf dem Papier nur leidlich spannende „BvS“.

David Ayer für den Regieposten von „Suicide Squad“ zu verpflichten, ist eine absolut nachvollziehbare Entscheidung. Hat er mit seinen ultrabrutalen Actionkrachern „End of Watch“ und „Sabotage“, sowie dem beinharten Kriegsdrama „Herz aus Stahl“ doch schon längst bewiesen, auch im massentauglichen Blockbusterkino keinerlei Kompromisse eingehen zu wollen. Seine Filme werden von blutigen Headshots, bissiger Polemik und kantigen Typen dominiert; also von all jenen Faktoren, die sich für die Geschichte um eine Gruppe böser Buben, die im Auftrag des Gesetzes einer von Zynismus und Gewalt durchzogenen Stadt handelt, anbieten würden. Bei der Charakterzeichnung scheinen all diese Attribute noch am ehesten durch. Die exzentrische Harley Quinn (Margot Robbie) ist eine manische Psychopathin, der abgeklärte Auftragskiller Deadshot (Will Smith) gibt sich durch und durch kompromisslos, in der von einer Hexe dominierten June Moon (Cara Delevingne) steckt ein Hauch Melancholie, der sie umso willkürlicher agieren lässt, der von  Adewale Akinnuoye-Agbaje („Erschütternde Wahrheit“) mit einer einschüchternden Physis verkörperte Killer Croc fordert von seiner Umwelt schon allein aufgrund des markanten Äußeren eine ordentliche Portion Respekt ein und der von Jared Leto („Dallas Buyers Club“) vollkommen wahnwitzig verkörperte Joker hebt sich so deutlich von der zurückgenommenen Attitüde des Ledger-Jokers ab, dass diese Neuinterpretation die Geister ins Positive wie Negative spalten wird. Doch obwohl an dieser Stelle erst ein Teil der Suicide-Squad-Charaktere vorgestellt ist, ist die für sie vorgesehene Relevanz bereits erschöpft. Figuren wie Captain Boomerang (Jai Courtney), Diablo (Jay Hernandez) oder auch der zwar nicht zur Squad selbst, wohl aber zur Mission gehörende Rick Flag (Joel Kinnaman) haben nicht nur kaum Nennenswertes zur Handlung beizusteuern, auch ihr Mehrwert geht gegen Null. Bis zum Schluss bleibt gar die Frage auf, weshalb die von Viola Davis („Das Verschwinden der Eleanor Rigby“) stark verkörperte Geheimagentin Waller genau dieses Team zusammenstellt. Das Skript von David Ayer liefert dafür fetzenweise Erklärungen wie etwa eine nicht zu leugnende Entbehrlichkeit all dieser finsteren Gestalten. Die Mission, die den Bad Guys aufgedrückt wird, macht die Entbehrlichen jedoch alsbald selbst entbehrlich.

Jared Leto

Nach einer schmissig inszenierten und visuell spektakulären Einführung sämtlicher Charaktere, die dem Zuschauer mithilfe von Off-Kommentaren und geschriebenen Erklärungen sämtliche Denkleistung vorweg nimmt, formiert sich die Suicide Squad zu jenem Team, als welches sie fortan die Stadt beschützen soll. Der erste Auftrag folgt dann auch direkt auf den Fuß, als sich die eigentlich unter Kontrolle geglaubte Hexe Enchantress selbstständig macht und mithilfe einer Maschine die Menschheit unterjochen will. Was folgt, sind eineinhalb Stunden standardisiertes Blockbuster-Gewäsch, in dessen Zuge die Eigenheiten der Charaktere vollständig in den Hintergrund rücken. Die Suicide Squad jagt von einer Ballerei in die nächste, lediglich die auf Biegen und Brechen in die Handlung hinein geschriebenen One-Liner von der an der Grenze zur Lächerlichkeit von Margot Robbie („The Big Short“) verkörperten Harley Quinn erinnern den Zuschauer in regelmäßigen Abständen daran, dass er es hier mit einem Film zu tun hat, dessen Eigenständigkeit eigentlich darin bestehen sollte, dass die vermeintlichen Helden überhaupt keine sind. So belässt es David Ayer dabei, mittels nur allzu kalkulierter Szenen wie etwa einem Schaufenster-Raub hier und da einen Funken Anarchie walten zu lassen. Damit diese so richtig zum Tragen kommt, bedürfte „Suicide Squad“ neben einer mutigeren Inszenierung (dass der Film sichtbar auf ein PG-13-Ranking ausgelegt ist, obwohl er hierzulande ab 16 freigegeben ist, kann auch der hektische Schnitt nicht überdecken, der hier und da den Mangel an physischer Gewalt ausgleichen soll) aber vor allem den Willen, tatsächlich prägnante Charaktere zu schreiben, die auch auf der Zielgeraden ihrem Bad-Guy-Image treu bleiben. In „Suicide Squad“ hält Ayer für jede seiner Figuren eine Art Alibi bereit: Deadshot bleibt im Kern immer ein liebender Familienvater (was die absolut lächerlichste Finalsequenz eines Blockbusters im Jahre 2016 zur Folge hat), Harley Quinns Wahnsinn versucht Ayer zum Großteil mit einer unglücklichen Liebelei zu rechtfertigen, Killer Croc und Captain Boomerang inszeniert er als missverstandene Außenseiter, June Moon kann ohnehin nichts für ihre Lage und um Diablo spinnt der Regisseur und Autor gar ein regelrechtes Familiendrama.

Das Versprechen, „Suicide Squad“ sei der erste Blockbuster, in dem keine Helden, sondern Schurken die Hauptrollen übernehmen, stimmt damit also nur in Teilen. Der Publikumszuträglichkeit ist das wohl nur positiv anzurechnen. Schließlich würde ein Film mit echten Verbrechern in den Hauptrollen wohl kaum als harmlose PG-13-Bespaßung taugen. Genau das ist aber auch der Grund, weshalb sich DC mit seiner Politik, alle teuren Blockbuster müssen zwangsläufig auf eine solche Altersbeschränkung zugeschnitten sein, in diesem Fall keinen Gefallen getan hat. Im Heimkinobereich, wo diese Vorgabe nicht ganz so streng gehandhabt wird, konnte „Batman: The Killing Joke“ erst kürzlich vor allem deshalb überzeugen, weil die Anbiederung an die breite Masse zugunsten einer äußerst pessimistischen Weltsicht einfach außen vor gelassen wurde. So verheizt David Ayer seine per se spannenden Figuren, indem er für sie im letzten Drittel nur noch ein austauschbares Effektgewitter nach dem anderen bereithält, dessen Herkunft aus dem Computer nicht nur nicht zu leugnen ist, sondern die es bei den heutigen Möglichkeiten in der Tricktechnik so einfach nicht mehr auf die Leinwand schaffen darf. Haptisches Szenenbild und Greenscreen, sowie die aus dem PC stammenden Effekte grenzen sich so klar voneinander ab, dass nur die im Finale einen merkwürdigen Ausdruckstanz praktizierende Cara Delivingne („Margos Spuren“) dazu in der Lage ist, die negative Aufmerksamkeit für die Momente ihres Auftritts auf sich zu lenken. Es reicht eben nicht, Skript, Figuren und Soundtrack (einer Anhäufung zumeist recht willkürlich zusammengetragener Evergreens mit einem immerhin sehr eingängigen Titelsong von twenty one pilots) auf Biegen und Brechen den „KULT“-Stempel aufdrücken zu wollen. Man muss am Ende auch abliefern. Und genau das tut David Ayer hier nicht.

Das Make Up stimmt: Killer Croc gehört zu den visuellen Highlights von "Suicide Squad"

Das Make Up stimmt: Killer Croc gehört zu den visuellen Highlights von „Suicide Squad“

Fazit: Schon aus den Figuren hätte man so viel mehr machen können, doch David Ayer scheint mit dem Potenzial seiner exzentrischen Schurkentruppe so überfordert, dass er sie der Einfachheit halber mit einem absoluten Durchschnitts-Konflikt konfrontiert. Wenn sich dieser dann auch noch auf technisch hanebüchenem Niveau präsentiert und die Figuren durch skurrile Skriptideen immer wieder in ihrem Handeln ausgebremst werden, wird aus „Suicide Squad“ vielleicht nicht die Vollkatastrophe, wie sie Anfang des Jahres „BvS“ eine war, wohl aber ein Film, der aufgrund seiner vertanen Chancen fast noch mehr verärgert.

„Suicide Squad“ ist ab dem 18. August bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen – auch in 3D!

2 Kommentare

  • Ich habe ja schon nach den Trailern die Hoffnung aufgegeben, dass das hier mehr wird, als eine weichgespülte Version einer eigentlich wirklich interessanten Idee. Wenn aber schon im Trailer das „Böseste“ ist, wenn Harley ein Schaufenster einschlägt, um eine Handtasche zu klauen. Ich gebe dir also absolut recht (ohne den Film gesehen zu haben), dass gerade dieses zwanghafte Zuschneiden auf ein junges Publikum hier das Problem ist. Zumal gerade DC doch durch die eher düstere, humorlose Herangehensweise sich hervorragend von den Marvel-Filmen absetzen könnte. Es ist wirklich schade, denn ich halte das DC-Universum für eindeutig interessanter. Aber das wird wohl nix mehr werden.

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  • Pingback: Kritik: Suicide Squad – filmexe

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