Money Monster

Hollywoodstar Jodie Foster versammelt George Clooney und Julia Roberts für ihren Echtzeitthriller MONEY MONSTER vor der Kamera und sorgt mit ihnen für eines der kurzweiligsten Kinoerlebnisse des Jahres. Wie gut ihr Mix aus Geiselkrimi und Finanzsatire geworden ist, verrate ich in meiner Kritik.MM_Hauptplakat_LA2_Proof_ICv2_A3+300+dpi_700

Der Plot

Der TV-Moderator Lee Gates (George Clooney) hat es durch seine erfolgreiche Finanzshow im Fernsehen zu einiger Berühmtheit gebracht. Er genießt den Ruf, das Geldgenie der Wall Street zu sein. Doch nachdem er seinen Zuschauern eine High-Tech-Aktie der Firma Ibis empfohlen hat, deren Kurs anschließend auf mysteriöse Weise abstürzt, nimmt ein wütender Investor (Jack O’Connell) Gates, seine Crew und seine Star-Produzentin Patty Fenn (Julia Roberts) Live on Air als Geisel. Verzweifelt versuchen Gates und Fenn, am Leben zu bleiben und gleichzeitig die Wahrheit hinter einem Netz aus Lügen rund um das „große Geld“ aufzudecken. Doch mit jeder Minute wird der bewaffnete Verbrecher ungeduldiger, der die Sprengstoffweste um Gates Körper mit einem Knopfdruck zum Explodieren bringen könnte. Rund um den Globus verfolgen die Zuschauer an den Fernsehgeräten das Geschehen live im Studio.

Kritik

Filme wie Jodie Fosters vierte Regiearbeit „Money Monster“ gibt es heutzutage eigentlich kaum noch. Oder können Sie sich daran erinnern, wann Sie das letzte Mal in der Kinovorstellung eines hochwertigen Blockbusters gesessen haben, dessen Lauflänge weniger als 100 Minuten betrug? Mittlerweile geht ein auf die breiten Massen abzielender Hollywood-Kassenschlager nicht selten über zwei Stunden. Und das, obwohl das längst nicht bei allen Geschichten gerechtfertigt ist. In Fosters stargespicktem Echtzeitthriller um einen Mann, der sich von der Börse, vor allem aber von einem weltberühmten Finanzgenie übers Ohr gehauen fühlt und sich live vor den Fernsehkameras an ihm und dem System rächen will, zeigt die zweifache Oscar-Preisträgerin (1989 für „Angeklagt“ und 1992 für „Das Schweigen der Lämmer“), dass sie ihr Handwerk verstanden hat, ohne dass sich die Zeitlosigkeit ihrer Arbeit mit den modernen Sehgewohnheiten des Zuschauers beißen würde. „Money Monster“ ist ein brandaktueller Film, inszeniert auf der Höhe der Zeit. Gleichzeitig gerät Fosters Werk so angenehm schnörkellos, erzählerisch dicht und ohne die Absicht, das Publikum hinters dramaturgische Licht zu führen, dass man sich zeitweise an Thriller der frühen Zweitausenderjahre (Stichwort: „Nicht auflegen!“) erinnert fühlt, als das Kino noch nicht so sehr vom visuellen Bombast, von Sequels und Superhelden dominiert wurde. Vielleicht mag „Money Monster“ auf Einige daher ein wenig überraschungsarm, sogar altbacken wirken. Trotzdem machen Foster und ihr Ensemble aus diesem Mix aus Geiselthriller und Finanzsatire ein kurzweilig-spannendes Filmvergnügen, das die Ansichten des Publikums geschickt auf Manipulierbarkeit überprüft.

Money Monster

Hätte der Verleih „Money Monster“ näher an der Awardsaison platziert und hätten die Organisatoren des Golden Globes nicht erst kürzlich Regeländerungen bezüglich der Genreeinteilung in „Komödie“ und „Drama“ bekannt gegeben, so wäre Jodie Fosters Film vermutlich in die Fußstapfen der umstrittenen „Der Marsianer“-Nominierung getreten. Der Crime-Thriller, der gewitzt Anleihen an eine Finanzsatire durchscheinen lässt, ist nämlich in erster Linie eines: überraschend komisch. Das liegt allen voran an der Figurenzeichnung von Protagonist Lee Gates. Das Skript etabliert den TV-Star als exzentrischen Lebemann und vordergründigen Philanthropen, der auch in der bedrohlichsten Situation – etwa, wenn er zur Geisel eines bewaffneten Irren wird – immer einen kessen Spruch auf den Lippen hat. Trotzdem lässt das Skript (Jamie Linden, Alan DiFiore und Jim Kouf) Gates nie zur Karikatur werden. Und auch, wenn die vollständige Läuterung des passionierten Entertainers gen Ende ein wenig zu zügig vonstatten geht, so fängt Foster Gates‘ emotionale Stimmungswechsel zwischen optimistisch, realistisch und hysterisch stimmig ein. Dies ist schlussendlich auch George Clooneys („Hail, Caesar!“) glaubhafter Performance zu verdanken. Bei aller unausstehlichen, durchaus in einer nicht zu übersehenden Arroganz begründeten Attitüde ist Clooney auch in den ruhigen Momenten darauf bedacht, seiner Figur eine emotionale Verwundbarkeit zuzugestehen, die den eingangs als äußerst extrovertiert eingeführten Charakter um weitere glaubhafte Facetten ergänzt. Damit verhilft er „Money Monster“ zu einer emotionalen Bandbreite, die allein Clooney auf seinen Schultern zu tragen vermögen könnte. Doch nicht nur der Hollywood-Megastar macht hier eine mehr als souveräne Figur.

An Clooneys Seite glänzt zum Einen die nicht altern zu wollen scheinende Julia Roberts (demnächst im Thrillerdrama „Vor ihren Augen“ zu sehen) in einer unauffälligen, dabei trotzdem sehr angenehmen Rolle, auf der anderen Seite ist es ganz besonders Jack O’Connell („Unbroken“), der „Money Monster“ mit seiner Performance nachhaltig prägt und beeinflusst. Besonders subtil, und damit weit an etwaigen Award-Chancen vorbei, setzt Jodie Foster den zunächst als Antagonist etablierten Geiselnehmer zwar nicht in Szene; dass der Zuschauer relativ schnell mit dem Mann, der durch den falschen Börsentipp von Lee Gates sein gesamtes Hab und Gut verloren hat, sympathisiert, ist also nicht dem etwaigen Fingerspitzengefühl der Regisseurin geschuldet, sondern der Natur der Sache. Trotzdem chargiert O’Connell so fein zwischen manisch-aufbrausend und tragischer Verzweiflung, dass „Money Monster“ in sich eine realistische Bodenhaftung wahrt. Des Weiteren sorgt Emily Meade („Für immer Single?“) in einer kleinen, nicht minder spektakulär anzusehenden Nebenrolle für den Überraschungsmoment des Films, den wir den Zuschauern an dieser Stelle natürlich nicht vorwegnehmen wollen.

Money Monster

Dass „Money Monster“ die meiste Zeit über ausschließlich im TV-Studio spielt, tut der Dynamik ebenso gut, wie die Tatsache, dass sich der Film nicht lange an einer Einleitung, Charakteretablierung und anderen, das Geschehen in die Länge ziehenden Erzählmitteln aufhält. Das Problem: Wann immer die Entführungshandlung von außen betrachtet wird, büßt der Film für den Moment an Tempo ein. Das liegt in erster Linie daran, dass die Zusammenhänge der Einzelszenen aus Asien, Island und Südafrika erst spät im Film aufgelöst werden. Vor allem aber schraubt Jodie Foster die Spannungsschraube immer wieder bis zum Anschlag an, nur um das Geschehen für einen Moment auszubremsen. Die Szenen abseits des Studios sind definitiv von inhaltlicher Relevanz. Trotzdem erweckt „Money Monster“ hier und da einen zweigeteilten Eindruck; auch deshalb, weil es Filme wie „The Big Short“ schon besser verstanden haben, auch dem Laien das Fachjargon der Finanzwelt auf simple Art und Weise näher zu bringen. So ergeben sich für den fachunkundigen Zuschauer immer mal wieder Fragen, die der Film erst kurz vor Schluss auflöst. Das kann das Seherlebnis trüben. Allerdings lohnt es sich, zu warten, bis das Finale mit sämtlichen Missverständnissen aufräumt.

Fazit: Trotz kleiner erzählerischer Schwächen ist „Money Monster“ ein äußerst kurzweiliges Vergnügen, dass adrenalingeladene Thrillerspannung mit dem bissigen Charme einer Finanzsatire zu verbinden weiß. Abgerundet wird dieses Filmerlebnis von den äußerst sehenswerten Darstellerleistungen von George Clooney, Julia Roberts und Jack O’Connell.

„Money Monster“ ist ab dem 26. Mai bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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