Knight of Cups

Terrence Malicks Filme erschließen sich meist nur einem Bruchteil der Kinozuschauer. Zu verkopft sind die Fantasien des kamerascheuen Regisseurs, zu wenig geht es ihm um die Geschichte, als um das Einfangen von Emotionen und Gedanken. Malicks neuester Film KNIGHT OF CUPS nimmt sich da nicht aus, lässt allerdings erstmals eine Nähe zum Publikum zu, der sich Malicks Werke vorab in Gänze verschlossen. Mehr zum Film in meiner Kritik.Knight of Cups

Der Plot

Hollywood – die Stadt der Träume: Mittendrin der erfolgreiche Autor Rick (Christian Bale), auf der Suche nach dem tieferen Sinn des Lebens und der wahren Liebe. Rick hat sich verloren in einer Welt des Scheins, stürzt sich in ausschweifende Partys und lässt sich mit diversen Frauen ein – immer in der Hoffnung, diese mögen ihm einen Zugang zum Kern der Dinge verschaffen, der ihm selbst verschlossen bleibt. Wie die Ärztin Nancy (Cate Blanchett), mit der er einst verheiratet war, das Model Helen (Freida Pinto), dessen Schönheit ihn gefangen nimmt, die verheiratete Elizabeth (Natalie Portman), die von ihm schwanger wird, die Stripperin Karen (Teresa Palmer), die erfolglos versucht, ihn aufzuhalten, und schließlich Isabel (Isabel Lucas), die ihn der Wahrheit vielleicht ein Stück näher bringen könnte.

Kritik

Mit den Filmen von Terrence Malick ist das immer so eine Sache. Entweder, sie sind für den Zuschauer nicht weniger als eine cineastische Offenbarung, oder nicht mehr als prätentiöses Geschwafel. Verwundern tut beides nicht, denn der öffentlichkeitsscheue Filmemacher sagt sich mit seinen Projekten vollends vom narrativen Geschichtenerzählen los. Seine Werke sind Symphonien,  die sich aus Gedankensplittern, Erinnerungsfetzen und visuellen Impressionen zusammensetzen. Dennoch folgen sie einem Oberthema: In „The Tree of Life“, mit dem Malicks kinematographische Neuerfindung begann, ging es um den Menschen an sich, um das Geheimnis der Schöpfung und nicht weniger als den tieferen Sinn des Lebens. Weniger als ein Jahr später folgte mit „To the Wonder“ das Liebesfilm-Pendant dazu und heute, noch einmal drei Jahre danach, rundet der Regisseur sein sich sukzessive steigerndes Mammutprojekt mit „Knight of Cups“ ab. In dieser für den Filmphilosophen typisch verschachtelten Erzählung verbindet Malick sämtliche Attribute seiner vorherigen Werke und kombiniert die Suche nach dem Sinn des Lebens mit der Frage nach dem Wert wahrer Liebe und ummantelt jene mit einem Blick hinter die Kulissen der scheinbaren Traumfabrik Hollywood. Dass er für ein derart ambitioniertes Wert einen regelrechten All-Star-Cast gewinnen konnte, ist da nur noch Formsache.

Knight of Cups

In der Hauptrolle agiert Christian Bale („American Hustle“) als sinnsuchender Drehbuchautor Rick, der von einer amourösen Beziehung in die nächste rutscht und sowohl nach Liebe, als auch nach Erfolg strebt. Er ist der titelgebende „Ritter der Kelche“ (in Englisch: „Knight of Cups“), jene Hauptfigur der Tarotkarte, die einen Traumtänzer symbolisiert. Doch nicht nur der Filmtitel trägt den Namen einer solchen Karte. Das Drama ist in einzelne Kapitel aufgeteilt, die alle nach einer bestimmten Tarotkarte benannt sind. Dabei präsentiert sich Malicks Film bei weitem nicht so spirituell wie seine bisherigen Werke. Stattdessen macht sich der Filmemacher die Eigenschaften all dieser Karten zunutze, um seinem Film mit ihrer Hilfe unterschiedliche Dynamiken einzuverleiben. „Knight of Cups“ reicht von melancholisch-depressiv über aufbegehrend-hoffnungsvoll bis hin zu akzeptierend, resignierend und dem Stillstand gleich. Nur mit der Unterteilung in einzelne Abschnitte kann Malick dieser emotionale Tanz auf der Rasierklinge gelingen, ohne dass sich die einzelnen Stationen seines Filmes widersprechen. Es bedarf viel Fingerspitzengefühl, um die Wirren der einzelnen Fragmente zu einem einheitlichen Ganzen zusammenzufügen. Denn auch, wenn „Knight of Cups“ einmal mehr von einem kommentierenden Voice-Over begleitet wird, geht es dem Regisseur diesmal nicht zwingend darum, mit seinem Film überhaupt etwas auszusagen. Stattdessen lässt er sein Publikum viel lieber an seiner für Außenstehende allenfalls schematisch erkennbarer Gedankenwelt teilhaben, aus der sich jeder Betrachter jene Aussagen herausziehen kann, die für ihn von Relevanz sind. Das bedeutet aber zwangsläufig auch, dass „Knight of Cups“ für jene Zuschauer ein schieres Martyrium darstellen kann, denen die Visionen des Filmemachers in Gänze fernbleiben.

„Knight of Cups“ ist nicht bloß weniger spirituell da im Hier und Jetzt verwurzelt als „Tree of Life“ oder „To the Wonder“, er ist auf der anderen Seite auch symbolträchtiger als Terrence Malicks bisherige Filme. Doch während seine Vorwerke vor diversen bedeutungsschwangeren Momenten nur so überquollen, erlaubt der Regisseur seinem Publikum in „Knight of Cups“ auch mal das Durchatmen. Dies ist enorm wichtig, um die vielen Sinneseindrücke überhaupt erst zu verarbeiten. Gleichwohl bieten jene Momente der Ruhe auch die Möglichkeit, in diesem Sammelsurium an Regiegedanken tatsächlich so etwas wie einen roten Faden zu erkennen. „Knight of Cups“ unterliegt tatsächlich einer gewissen Ordnung, die zwar immer noch weit von dem entfernt ist, womit sich der Mainstream-Zuschauer beim Kauf einer Kinokarte auseinander setzen möchte. Aber Malick erweckt erstmals den Eindruck, mit seinem Film nach Höherem zu streben. Dies mag vermutlich auch an der Komplexität liegen; schließlich trifft man mit dem Kommentar auf die Hollywood-Maschinerie zwangsläufig eine Aussage, die man bei der Interpretation des Schöpfungsgedanken oder der Liebe nicht unbedingt treffen muss. Eine Wertung geht jedoch auch „Knight of Cups“ ab.

Terrence Malicks Cast stellt sich voll und ganz in den Dienst seines Films, was bedeutet, dass sich niemand in den Vordergrund spielt und die Hauptbühne der Inszenierung selbst überlässt. Christian Bale gebührt zwar die Hauptrolle, spricht jedoch nur selten, trifft keinerlei Entscheidungen, agiert oder handelt nicht als Reaktion auf eine Tat. Stattdessen verfolg ihn die Kamere auf schier endlosen Streifzügen durch Hollywood und dichtet ihm mittels Voice-Over komplexe Gedankengänge an. Dabei ist Bale dennoch weit davon entfernt, schlafzuwandeln. Er verleiht seiner Figur Präsenz und Charakter, ohne auf das herkömmliche Schauspielerrepertoire zurückgreifen zu können. Eine beachtliche Leistung. Auch Cate Blanchett („Blue Jasmine“), Natalie Portman („Black Swan“) oder Teresa Palmer („Warm Bodies“) sind als Figuren nebensächlich; füllen sie doch vielmehr lediglich die Schablonen ihnen vorgegebener Rollenmuster aus. All das ist jedoch hinfällig. „Knight of Cups“ erzählt nicht von Menschen, geschweige denn von explizit ausgewählten Charakteren. Malick versteht seinen Film als Auswahl einzelner Gedankengänge und kombiniert die fast schon traumartig dahertänzelnden Szenenfragmente zu einer kinematographischen Schwelgerei, die alles erlaubt, sich keinen Regeln unterwirft und darüber hinaus von einer technischen Ausstattung in Musik (Hanan Townsend) und Kamera (Emmanuel Lubezki) begleitet wird, dass man sich wünscht, Terrence Malicks Traumtanz würde so schnell nie vorbei gehen.

Fazit: Mit „Knight of Cups“ liefert Terrence Malicks zugleich sein zugänglichstes wie inhaltlich komplexestes Werk ab. Ein vor melancholischer Schönheit nur so strotzendes Kinoerlebnis.

„Knight of Cups“ ist ab dem 10. September in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

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