Tag Archives: Komödie

Das startet am 7. Juli 2016

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 7. Juli, an dem der ganz große Start ausbleibt. Wer ein wenig genauer sucht, findet jedoch im Programmkinobereich zwei Perlen vollkommen unterschiedlicher Art. „Ferien“ ist der subtile Gegenentwurf zum Cannes-Hit „Toni Erdmann“ und steckt voller liebevoller Ideen, während mit „Verräter wie wir“ eine weitere Verfilmung eines John-le-Carré-Romans in die Kinos kommt. Der Rest der Starts ist dagegen leider äußerst mau.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

VERRÄTER WIE WIR | Regie: Susanna White | UK/FR 2016

Verräter wie wir

Der Oxford-Dozent Perry (Ewan McGregor) verbringt mit seiner Frau, der Anwältin Gail (Naomie Harris), einen romantischen Urlaub unter Palmen in Marrakesch. Dort lernen die beiden den zwielichtigen Russen Dima (Stellan Skarsgård) kennen. Nach einer wilden Party offenbart Dima seinem neuen Freund Perry ein ernsthaftes Problem: Als Geldwäscher der russischen Mafia trachten ihm Killer nach dem Leben. Dima will nach England überlaufen – und der unauffällige Perry ist dafür die perfekte Tarnung. Als der britische Geheimagent Hector (Damian Lewis) auf den Plan tritt, geraten Gail und Perry zwischen die Fronten – und in eine Hetzjagd über Paris und London bis in die Schweizer Alpen, bei der am Ende niemand mehr dem anderen trauen kann.
4 von 5

Susanna White gelingt mit „Verräter wie wir“ eine weitere solide Verfilmung eines John-le-Carré-Romans, der man ihre Herkunft als eine solche zu jeder Sekunde anmerkt. Für den Zuschauer ergibt das einen vollkommen ohne Effekthascherei auskommenden, dialoglastigen Agententhriller, dessen ruhige Töne die feinen Schauspielerleistungen unterstreichen. Lediglich im Finale tappt der Film schließlich in das eine oder andere Fettnäpfchen.


FERIEN | Regie: Bernadette Knoller | DE 2016

Ferien

Vivian Baumann ist erschöpft. Eigentlich ist sie auf dem besten Weg, Staatsanwältin zu werden und mit ihrem Freund zusammenzuziehen, aber gerade geht es einfach nicht weiter. Sie versucht auf die mütterliche Couch zu flüchten, aber dort ist kein Platz mehr für sie. Ihr Vater denkt, dass sie sich nur mal richtig erholen muss und verschifft sie auf eine Insel. Im Gepäck hat er allerlei gute Ratschläge für positives Denken und Selbstoptimierung. Langsam erkundet Vivi die Insel und schließt Freundschaften mit den eigentümlichen Bewohnern. Sie nimmt einen Job in dem kleinen Laden von Otto an und mietet sich bei der alleinerziehenden Biene ein, die mit ihrem dreizehnjährigen Sohn Eric zusammen wohnt. Vivi findet für eine Weile Gefallen am Unvollkommenen und befreit sich vom Zwang, etwas beweisen zu müssen. 4 von 5

Eine Ode an die Entschleunigung – in „Ferien“ ist der Name Programm. Regisseurin Bernadette Knoller lässt uns mit ihrem Langfilmdebüt alle für einen kurzen Moment Urlaub vom Alltag machen.


LIEBE HALAL  |  Regie: Assad Fouladkar  |  DE/LBN 2015

Liebe Halal

Im libanesischen Beirut vibriert das Leben. Hier leben junge Frauen und Männer, die die Regeln des Islams respektieren und trotzdem Spaß an der Liebe haben wollen. Die schöne Loubna hat sich gerade von ihrem Mann getrennt und hofft auf einen Neuanfang mit ihrer Jugendliebe Abou Ahmad. Awatef hat das Hausfrauenleben gründlich satt. Die Scherereien mit ihren Töchtern sind jedoch nichts gegen die allnächtliche Bürde, mit ihrem liebeshungrigen Mann schlafen zu müssen. Kurzerhand beschließt sie, eine Zweitfrau zu engagieren, doch damit gehen die Probleme erst richtig los. Direkt nebenan wohnt der eifersüchtige Mokhtar mit seiner hübschen Frau Batoul. Leider hat sich Mokthar im Eifer des Gefechts schon drei Mal von Batoul getrennt. Um sie zurückzugewinnen, muss er nach islamischem Gesetz zuerst einen anderen Mann für sie finden. 2 von 5

„Liebe Halal“ verschenkt unzählige gute Ansätze zu Gunsten einer nur halbwegs komischen, dafür durch und durch bequemen Erzählung über Liebe und Leben im Libanon.


SMARAGDGRÜN |  Regie: Felix Fuchssteiner, Katharina Schöde |  DE 2016

Smaragdgrün

Gwendolyn (Maria Ehrich) ist am Boden zerstört. War Gideons (Jannis Niewöhner) Liebesgeständnis nur eine Farce, um ihrem großen Gegenspieler, dem düsteren Grafen von Saint Germain (Peter Simonischek) in die Hände zu spielen? Fast sieht es für die junge Zeitreisende so aus. Doch dann geschieht etwas Unfassbares, das Gwens Weltbild einmal mehr auf den Kopf stellt. Für sie und Gideon beginnt eine atemberaubende Flucht in die Vergangenheit. Rauschende Ballnächte und wilde Verfolgungsjagden erwarten die Heldin wider Willen und über allem steht die Frage, ob man ein gebrochenes Herz wirklich heilen kann. 2 von 5

Hardcore-Fans der Edelstein-Trilogie wird diese Beendigung der Reihe ebensowenig zufriedenstellen,  wie er Franchise-Neulingen keinerlei Anreiz bietet, mit „Smaragdgrün“ in die nun abgeschlossene Reihe einzusteigen. Technisch ist der Film gerade so okay, inhaltlich und darstellerisch nicht.


STADTLANDLIEBE | Regie: Marco Kreuzpaintner | DE 2016
Stadtlandliebe

Vegan, nachhaltig und politically correct, eben total Prenzlauer Berg. So leben Anna (Jessica Schwarz) und Sam (Tom Beck), bevor sie beschließen, ihrem Leben und ihrer Liebe eine echte Chance zu geben: auf dem Land! Und zwar in dem winzigen Örtchen Kloppendorf. Dass sie dort eine eingeschworene Gemeinschaft mit sehr eigenen Vorstellungen vom Landleben erwartet, bringt ihren Plan durcheinander. Irgendwie scheint sich hier plötzlich jeder in ihre neuen Lebensentwürfe einmischen zu wollen – und tut das auch gern einmal ungefragt, dafür mit dreister Selbstverständlichkeit. Als dann auch noch Annas Babypläne ans Licht kommen, ist es mit der Liebe erst einmal vorbei. Doch die Landidylle ist kein leeres Versprechen, wenn man bereit ist, sich auf Land und Leute einzulassen. Da kommen auch Anna und Sam langsam dahinter! 2 von 5

Während man zu Beginn noch denkt, Marco Kreuzpaintner hätte sich mit „Stadtlandliebe“ an einer Heimatfilm-Satire der Marke „Im weißen Rössl“ versucht, ahnt man bald, dass der Regisseur das alles hier erschreckend ernst nimmt. Kitschig, unlustig und voller Klischees – „Stadtlandliebe“ ist Kreuzpaintners schlechtester Film.


TANGERINE L.A.  |  Regie: Sean Baker |  USA 2015

Tangerine L.A.

Weihnachten auf dem Straßenstrich in Los Angeles. Die stürmische Transe Sin-Dee Rella kommt gerade aus dem Knast, da steckt ihr Alexandra, dass ihr Freund und Zuhälter Chester sie mit einer echten Frau betrogen haben soll. Sin-Dee tickt aus und will Chester zur Rede stellen – mit Beweisstück im Schlepptau! Zusammen mit ihrer besten Freundin jagt sie durch die Straßen von Hollywood, um die beiden Missetäter in der abenteuerlichen Transgender-Szene zu finden. Schwindelerregende Wortgefechte unter glutrotem Himmel – „Tangerine L.A.“ ist eine wilde und brutal ehrliche Screwball-Comedy mit Herz. Nur mit einem iPhone & Adaptern schuf Guerilla-Filmemacher Sean Baker große Kinobilder – ein kraftvolles, fiebriges und raues Filmfeuerwerk! In Sundance stürmisch gefeiert – die Indie-Entdeckung des Jahres!


ARGENTINA  |  Regie: Carlos Saura | ARG/FR/ESP 2015

Argentina

Carlos Saura führt uns in seinem neuen Dokumentarfilm „Argentina“ zurück zu den Ursprüngen der traditionsreichen argentinischen Folklore. Anhand einer Reihe visuell berauschend choreographierter Szenen nimmt er uns mit auf eine persönliche Reise durch verschiedene Regionen des Landes Argentinien mit seiner faszinierenden Tradition. Sein Ensemble interpretiert in lose verknüpfter Folge überlieferte Paartänze und Choreographien sowie die mitreißend emotionalen Lieder großartiger argentinischer Bands und Sänger. Poetisch, fesselnd und bewegend zugleich führt uns diese vom Meister selbst inszenierte Live-Performance durch die gesamte Geschichte dieses Landes, das so stark geprägt wurde vom besonderen Klang der Gitarren und des Akkordeons, wie kaum ein anderes auf der Welt.


Heimkinotipp: Z FOR ZACHARIAH | Regie: Craig Zobel | ISL/NZL/USA/CH 2015

Z for Zachariah

Die Menschheit ist am Ende. Eine Katastrophe hat fast die gesamte Zivilisation ausgelöscht, nur das Farmland von Ann (Margot Robbie) ist nicht kontaminiert. Die junge Frau glaubt, der letzte Mensch auf Erden zu sein, bis plötzlich John (Chiwetel Ejiofor) auftaucht. Er hilft ihr bei sämtlichen anfallenden Arbeiten, sie gewährt ihm dafür Unterschlupf bei sich zuhause. Aus dieser Zweckgemeinschaft wird schließlich eine enge Freundschaft und während die beiden um ihr Überleben kämpfen, nähern sie sich immer mehr einander an. Doch die Zweisamkeit endet jäh, als ein weiterer Überlebender erscheint, der attraktive Caleb (Chris Pine), der ebenfalls um Unterschlupf bittet. Ann sieht darin kein Problem, doch in einer Welt, in der es nur noch eine Frau gibt, sind zwei Männer einer zu viel. 4 von 5

„Z for Zachariah“ ist ein ruhiges Science-Fiction-Drama, das auf den Spuren von „Midnight Special“ wandelt. Sein Starcast überzeugt in einer Kammerspiel-Szenerie, die vollkommen ohne Effekthascherei, Twists oder andere spektakuläre Momente auskommt. Viel spannender erweisen sich hier das gesprochene Wort, die Blicke und Gesten, welche die Figuren austauschen.

Stadtlandliebe

Satire, Parodie oder ernst gemeinte RomCom? Bei Marco Kreuzpaintners neuem Film STADTLANDLIEBE waren wir uns gerade aufgrund der vorzeigbaren Vita des Regisseurs lange nicht sicher. Doch genau das ist ja irgendwie auch das Schlimme an diesem über weite Teile unerträglichen Film. Mehr dazu in meiner Kritik.Stadtlandliebe Read more

Liebe Halal

Mit LIEBE HALAL erscheint dieser Tage eine deutsch-libanesische RomCom in den hiesigen Kinos, die trotz aller guten Ansätze nicht verschleiern kann, dass derartiger Stoff auch von Rosamunde Pilcher stammen könnte – und was das bedeutet, dürfte jedem klar sein. Mehr dazu in meiner Kritik.Liebe Halal

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Ferien

Regisseurin Bernadette Knoller verfrachtet Detlev Buck und Britta Hammelstein auf eine Ferieninsel und lässt sie in FERIEN mal richtig ausspannen. Weshalb sich diesen Film in dieser Zeit eigentlich jeder zu Herzen nehmen sollte, verrate ich in meiner Kritik.Ferien Read more

Das startet am 30. Juni 2016

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 30. Juni, an dem mit „Ice Age 5: Kollision voraus!“ ein Film startet, der gute Chancen darauf hat, einer er erfolgreichsten des Jahres zu werden. Zumindest, wenn man sich anschaut, wie die letzten Filme der Reihe hierzulande gelaufen sind. Ansonsten ziehen die anderen Studios vor EM und „Ice Age“ den Schwanz ein und bringen lediglich kleinere Produktionen auf den Markt. Ohne „Ice Age – Kollision voraus“ bisher gesehen zu haben – das wird erst am kommenden Montag der Fall sein – ist davon auszugehen, dass der qualitativ hochwertigste Neustart „High-Rise“ ist, ein dystopischer Thriller über Anarchie in einem Hochhaus. Klingt komisch, hat aber Kultpotenzial. Indes dürften sich Filme wie „Nur wir drei gemeinsam“ oder „Väter & Töchter“ nur einem ausgewählten Publikum erschließen. 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

HIGH-RISE | Regie: Ben Wheatly | UK/BEL 2015

High-Rise

1975. Zwei Meilen westlich von London bezieht Dr. Robert Laing auf der Suche nach Anonymität sein neues Appartement, nur um bald feststellen zu müssen, dass seine Mitbewohner gar nicht daran denken, ihn in Ruhe zu lassen. So ergibt er sich schließlich in sein Schicksal, freundet sich mit den neuen Nachbarn an und wird dadurch zunehmend in das komplexe soziale Gefüge hineingezogen.Während er so seine Probleme damit hat, seinen Platz inmitten dieser Gesellschaft zu finden, bekommen Laings gute Manieren und sein Verstand ebenso deutliche Risse wie das Gebäude selbst.  Die Lichter gehen aus, die Aufzüge bleiben stehen, aber die Party hört nicht auf.  Die Menschen sind das Problem. Der Alkohol die Währung. Sex ist das Allheilmittel.  Erst sehr viel später, als er auf dem Balkon sitzt und den Hund des Architekten verspeist, fühlt Laing sich zuhause.
4 von 5

Mit der Idee, den Bestseller „High Rise“ fürs Kino zu adaptieren, geht Regisseur Ben Wheatly ein großes Wagnis ein. Immerhin droht die Gefahr, unter dem visuellen Rausch den Blick für die Figuren zu verlieren. Diese Problematik vollständig zu umfahren, gelingt ihm tatsächlich nicht. Trotzdem ist „High-Rise“ ein virtuoses Kinovergnügen, das den Rausch von der Leinwand auf den Zuschauer transportiert.


VÄTER & TÖCHTER – EIN GANZES LEBEN | Regie: Gabriele Muccino | USA/IT 2015

Väter & Töchter - Ein Leben lang

Bestsellerautor Jake Davis ist nach dem Unfalltod seiner Frau alleine für seine kleine Tochter Katie verantwortlich. Doch der Verlust setzt ihm psychisch und physisch stark zu. Als er für eine Weile in einer Klinik behandelt wird, kommt Katie zu ihrer Tante Elizabeth und ihrem Onkel William, die sich kaum um das Mädchen kümmern, aber bald mit Jake um das Fürsorgerecht streiten. Dabei wäre Katie viel lieber bei ihrem Vater. Sein größter Liebesbeweis wird der Roman „Väter und Töchter“ – seit Jahren sein erster Bestseller. 25 Jahre später. Katie ist inzwischen ausgebildete Psychologin und Sozialarbeiterin, die sich rührend um ein Waisenmädchen kümmert. Auch Katie hadert noch immer mit ihrer Kindheit. Sie hat Probleme, sich zu binden und ihr Privatleben besteht aus durchfeierten Nächten. Bis sie Nachwuchsautor Cameron kennenlernt…  3 von 5

„Väter & Töchter – Ein ganzes Leben“ bietet starke Schauspielleistungen, eine in Teilen emotionale Geschichte und ein spannendes Thema. Leider aber auch ein plakativ inszeniertes Skript, ein allzu seichtes Finale und einen anstrengenden, da dauerpräsenten Score.


NUR WIR DREI GEMEINSAM  |  Regie: Kheiron  |  ARE/FR/DE 2015

Nur wir drei gemeinsam

Teheran, Anfang der 1970er Jahre. Mit viel Mut, Entschlossenheit und einer ordentlichen Portion Humor kämpft Hibat Tabib (Kheiron) mit seiner Frau Fereshteh (Leïla Bekhti) und anderen Gleichgesinnten erst gegen das brutale Schah-Regime, dann gegen die Schergen des Ayatollah Khomeinis. Als der politische Druck zu groß wird, bleibt ihnen nur die Flucht ins Ausland. Mit ihrem einjährigen Sohn Nouchi machen sich Hibat und Fereshteh auf den Weg über die Türkei nach Frankreich und landen in den sozialen Ghettos der Pariser Banlieue. Was zunächst als vorübergehende Lösung geplant ist, wird für die Familie zu einem Neuanfang. Dabei ist die Formel „nur wir drei gemeinsam“ nicht nur das Credo ihres Familienglücks, sondern auch der beste Beweis, dass alles möglich ist, wenn man zusammenhält. 3 von 5

Mit „Nur wir drei gemeinsam“ gelingt dem französischen Star-Comedian Kheiron das Kunststück, ein Thema komödiantisch zu erzählen, das sich bisher ausschließlich dramatisch aufbereitet sah. Trotz einer bisweilen holprigen Inszenierung liegt uns das Schicksal der Flüchtlingsfamilie Tabib hier so schnell am Herzen, dass wir bei aller Albernheit gern darüber gern hinwegsehen, dass es hier und da dann doch ein wenig an Ernsthaftigkeit mangelt.


ICE AGE – KOLLISION VORAUS! |  Regie: Mike Thurmeier, Galen T. Chu |  USA 2016

Ice Age - Kollision voraus!

Das nimmermüde Nagetier Scrat stößt bei seiner endlosen Jagd nach der unerreichbaren Nuss in neue Dimensionen vor: Er wird mithilfe eines eingefrorenen UFOs ins Universum katapultiert, wo er versehentlich eine kosmische Kettenreaktionen auslöst, in deren Folge die Gefahr besteht, dass sich die „Ice Age“-Welt verändert oder gar zerstört wird. Das Faultier Sid, das Mammut Manni und der Rest der mittlerweile stattlich angewachsenen Herde verlassen notgedrungen ihre liebgewonnene Heimat und begeben sich auf eine Reise voller Spaß und Abenteuer. Dabei durchqueren sie exotische Länder und begegnen einer Vielzahl von neuen schillernden Charakteren. Doch die Zeit drängt: Der Meteorit rast unkontrolliert auf die Erde zu und noch weiß keiner von ihnen, wie sich dieser große Brocken aufhalten lässt.2 von 5

Wenn es reicht, dann reicht’s: Die „Ice Age“-Reihe hat mit dem fünften Teil „Kollision voraus!“ endgültig ihren Zenit überschritten. Inhaltlich greifen die Macher auf eine krude Mischung aus billigem Slapstick und noch billigeren Kalauern zurück, während die animationstechnischen Qualitäten auf einem Niveau zu finden sind, das sogar noch vor dem des ersten Teils liegt.


MA MA – DER URSPRUNG DER LIEBE | Regie: Julio Medem | ESP 2015
Ma Ma - Der Ursprung der Liebe

Magda (Penélope Cruz), die Mutter eines kleinen Sohnes, verliert nach der Krebsdiagnose zwar eine Brust, doch sie findet dafür etwas anderes: Eine neue Liebe. Sie stürzt sich in ein neues Leben und vermag es dabei, allen, die ihr auf ihrem Weg begegnen, Hoffnung und Freude zu schenken. Eine Geschichte über die Schönheit des Lebens und die unermessliche Liebe für die eigenen Kinder, die bis und über den Tod hinaus geht.

Oscar-Gewinnerin Penélope Cruz spielt Magda in dem neuen Film von Julio Medem („Lucía und der Sex“, „Die Liebenden des Polarkreises“). In Deutschland wird die umstrittene ungeschnittene Fassung des Films gezeigt, inklusive der Szenen aus dem „Origen del Mundo“. Seine Festivalpremiere feierte „Ma Ma – Der Ursprung der Liebe“ beim Toronto International Film Festival 2015.


THE ASSASSIN  |  Regie: Hou Hsiao-Hsien |  TWN/CHN/HKG/FR 2015

The Assassin

China, Mitte des 9. Jahrhunderts, die Macht der Tang-Dynastie hat ihren Zenit überschritten. Hier siedelt der taiwanesische Regisseur Hou Hsiao-Hsien seine lyrische Geschichte um die Attentäterin Nie Yin-Niang an. Der Filmemacher drehte einen formvollendeten Wuxia-Film, der in virtuosen Bildern und an entlegenen Schauplätzen Chinas und der inneren Mongolei entstand. Als Kind von zehn Jahren wurde Nie Yin-Niang ins Exil geschickt, um sie aus dem politischen Machtzentrum auszuschließen. Sie wird von einer taoistischen Nonne in Martial Arts zur Attentäterin ausgebildet. Ihre Fähigkeit soll sie nun, dreizehn Jahre später, im Dienst der Machterhaltung der Zentralregierung einsetzen. Die junge Frau wird in ihre einstige Heimat entsandt um Tian Jian, den Gouverneur der größten militärischen Provinz im Norden Chinas zu töten.


90 MINUTEN – BEI ABPFIFF FRIEDEN  |  Regie: Eyal Halfon | ISR/DE/PRT 2016

90 Minuten - Bei Abpfiff Frieden

Es gibt politische Probleme auf dieser Welt, von denen eigentlich jeder denkt, dass sie endlich mal gelöst werden sollten. Das Regime in Nordkorea beispielsweise, all die Diktaturen in Afrika, ja, und auch der Konflikt im Nahen Osten. Zumindest was das Letztgenannte angeht, scheint Bewegung in die Sache zu kommen. Da auch Israelis und Palästinenser nach Jahrzehnten des Kampfes und der Verhandlungen müde sind, immer wieder ergebnislos auseinanderzugehen, kommen die Erzfeinde auf eine brillante Idee: Ein Fußballspiel soll den Nahost-Konflikt endgültig beenden und über das Schicksal der beiden Völker entscheiden. Der Einsatz ist hoch. Wer verliert, muss das gelobte Wüstenland verlassen. Der Sieger bekommt alles, von Jaffa bis Jerusalem, von Galiläa bis Eilat. Kein Streit mehr, keine Kriege, endlich Ruhe. Klingt einfach, ist es aber natürlich nicht.


LOU ANDREAS-SALOMÉ  |  Regie: Cordula Kablitz-Post | DE/AT 2016

Lou Andreas-Salomé

1861 in St. Petersburg geboren, begreift die junge Lou früh, dass sie als Ehefrau und Geliebte in der von Männern bestimmten Welt keine Chance hat, als Ebenbürtige zu bestehen. Der körperlichen Liebe erteilt sie fortan eine entschiedene Absage um als gleichwertig und selbstbestimmt akzeptiert zu werden. Gegen den Willen ihrer Mutter beschäftigt sie sich mit Philosophie, schreibt Gedichte und bewegt sich in den intellektuellen Kreisen. Auf ihrem Weg begegnet sie als wissenshungrige Studentin in Rom den Philosophen Paul Rée und Friedrich Nietzsche, die von dieser klugen und uneinnehmbaren Frau so fasziniert sind, dass sie ihr beide einen Heiratsantrag machen – ohne Erfolg. Doch als der junge, damals noch unbekannte Autor Rainer Maria Rilke auf der Bildfläche erscheint und die erfolgreiche Schriftstellerin mit Gedichten umwirbt, verliebt sie sich.


CARACAS, EINE LIEBE  |  Regie: Lorenzo Vigas | VEN/MEX 2015

Caracas, eine Liebe

Der wohlhabende Armando (Alfredo Castro) holt sich für Geld junge Männer in seine Wohnung, die er betrachtet, aber nie berührt. Einer von ihnen ist der Straßenjunge Elder (Luis Silva), der ihn beim ersten Treffen niederschlägt und ausraubt. Trotzdem sucht Armando weiterhin die Nähe des gut aussehenden Jungen. Dieser lässt sich zunächst nur des Geldes wegen auf ihn ein, doch nach und nach entwickelt sich eine unerwartete Intimität zwischen den beiden. Während Elder sich zunehmend öffnet, bewahrt Armando einen Rest Distanz. Um ihm nahe zu sein, ist Elder bereit, alles zu tun. Das hat fatale Folgen…

Basierend auf einer Geschichte von Guillermo Arriaga inszeniert Regisseur Lorenzo Vigas ein gewaltreiches Liebesdrama über Liebe und Zurückweisung, falsche Vaterfiguren und fatale Begierden.


Heimkinotipp: SPOTLIGHT | Regie: Tom McCarthy | USA/CAN 2015

Spotlight

Im Jahr 2001 erhält Walter „Robby“ Robinson, der Leiter des Investigativteams „Spotlight“ des Boston Globe, einen besonderen Auftrag. Der neue Chefredakteur Marty Baron setzt ihn auf die Fälle von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche an, von denen hinter vorgehaltener Hand schon lange gesprochen wird. Doch als Robby und seine Kollegen Michael Rezendes, Sacha Pfeiffer, Matt Carroll und Ben Bradlee Jr. die ersten Opfer interviewen, decken sie Schicht um Schicht einen viel größeren Skandal auf: Seit Jahrzehnten wurden in der Erzdiözese Boston immer wieder Kinder von Priestern missbraucht – und die Taten von höchsten Würdenträgern gedeckt und vertuscht. Die Spuren führen direkt zum Kardinal, doch die Reporter stoßen auf eine Mauer des Schweigens. Die Opfer schweigen aus Angst, hochbezahlte Anwälte spielen auf Zeit. 5 von 5

„Spotlight“ war zu Recht einer der Oscar-Anwärter der letzten Saison und erzählt vollkommen frei von Effekthascherei von einem Thema, das keinerlei Überstilisierung bedarf, um seinen ganzen Schrecken zu entfalten.

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