Tag Archives: Horror

Das startet am 15. September 2016

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 15. September, der mit einer der größten Überraschungen des Kinojahres aufwarten kann. Mit „SMS für Dich“ haucht Karoline Herfurth dem RomCom-Genre nicht bloß neues Leben ein, sie küsst es regelrecht aus einem Tiefschlaf. Ein absolutes Must-See, das sicherlich die Chance hat, der meistgesehene, deutsche Film des Jahres zu werden. Dasselbe gilt auch für „Tschick“, den ich zwar schon gesehen habe, bis Dienstag allerdings noch schweigen muss. Kleiner Wink mit dem Zaunpfahl: Es geht punktemäßig sehr einseitig zu in dieser Startwoche. Der dritte Teil der „Purge“-Reihe ist qualitativ der beste und könnte angesichts der guten Platzierung – auch hierzulande ist die US-Wahl ein großes Thema – die bisher höchsten Zuschauerzahlen holen. Der Rest startet wohl zu klein, um an den Kinokassen nennenswerte Erfolge einzuholen.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

SMS FÜR DICH | Regie: Karoline Herfurth | DE 2016

SMS für Dich

Clara (Karoline Herfurth) kommt einfach nicht über den Verlust ihrer großen Liebe Ben hinweg, der vor zwei Jahren bei einem Autounfall gestorben ist. Selbst ihrer forschen Mitbewohnerin Katja gelingt es nur mühsam, ihre Freundin zurück ins Leben zu manövrieren. Stattdessen schreibt Clara voller Wehmut SMS an Bens alte Handynummer … ohne zu ahnen, dass die Nummer gerade neu vergeben wurde. So landen ihre liebevollen, romantischen Erinnerungen direkt im Display des Sportjournalisten Mark . Verblüfft und zugleich berührt liest dieser die SMS gewordene Sehnsucht … und schlittert in seiner Verwirrung bei seiner Freundin Fiona von einem Fettnapf in den nächsten. Trotzdem: Er muss die mysteriöse Unbekannte unbedingt finden und spannt auch seinen besten Freund David in die Suche ein…4 von 5

Diesen Film mag man nicht einfach, man hat ihn lieb! Karoline Herfurth gelingt mit ihrem Regiedebüt „SMS für Dich“ ein bezaubernder Spagat zwischen liebevoll-zurückhaltender Romanze und vielseitiger Komödie, der man die kleinen Schwächen in der technischen Ausführung nur zu gern verzeiht.


THE PURGE: ELECTION YEAR | Regie: James DeMonaco | USA 2016

The Purge: Election Year

Zwei Jahre sind vergangen, seitdem Leo Barnes (Frank Grillo) sich während der Purge-Nacht im letzten Moment dagegen entschied, an dem Mann Rache zu üben, der Schuld am Tod seiner Tochter hatte. Es ist Wahljahr und mittlerweile arbeitet er als Sicherheitschef der Senatorin Charlie Roan (Elizabeth Mitchell). Mitten in ihrer Präsidentschaftskampagne steht die alljährliche „Purge-Nacht bevor. Jene Nacht, in der für 12 Stunden alle Verbrechen bis hin zu Mord legal sind. Raons politische Gegner wollen die Chance, ihre Konkurrentin auszumerzen, natürlich nicht ungenutzt lassen wollen. Nach einem hinterhältigen Verrat ist die bedingungslose Jagd auf die Senatorin eröffnet und Leo hat alle Hände voll zu tun, die Senatorin aus der Schusslinie zu bringen und die Nacht zu überleben.
4 von 5

So pervers hatten wir uns das Franchise von Anfang an gewünscht: „The Purge: Election Year“ vereint die, mit jedem steigenden Umfrageprozent von Donald Trump realistischer wirkende Prämisse um die Säuberung mit spektakulären Bildern und absolut wahnwitzigen Charakteren, sodass am Ende nur ein Schlusszug übrig bleibt: Die Menschlichkeit ist am Ende.


MY FIRST LADY | Regie: Richard Tamme | USA 2016

My First Lady

Es ist ein sonniger Sonntagmorgen in Chicago im Jahr 1989, als sich der junge, selbstbewusste  Jurist Barack Obama auf den Weg zu der attraktiven Anwältin,  seiner ehrgeizigen Vorgesetzten, Michelle Robinson macht – für ihr erstes Date, wenn es nach ihm geht!  Für Michelle ist es ein Treffen unter Kollegen und so lässt sie sich anfangs widerstrebend aber auch ein wenig amüsiert darauf ein, begleitet Barack nicht nur zu der verabredeten Gemeindeversammlung, sondern auch in eine Ausstellung. Und in den Park. Und zum Mittagessen… Aus einem Termin wird ein ganzer, wunderbarer Sommertag. Michelle ist mehr als auf der Hut und kann doch nicht umhin, sich von dem unwiderstehlich frechen Charme des geistreichen Barack beeindrucken zu lassen.  Als es Abend wird, haben sich die beiden – die noch nicht ahnen, welcher Weg vor ihnen liegt.
4 von 5

„My First Lady“ zeichnet das erste Kennenlernen der Obamas liebevoll und zurückhaltend nach. Das mag den Einen zu geschwätzig sein, für die Anderen ergibt sich so indes ein unverfälschtes Abbild eines die US-amerikanische Politik später umso mehr prägenden Paares, dem Regisseur Richard Tamme hiermit ein jederzeit den richtigen Ton findendes Filmdenkmal gesetzt hat. Die in den nächsten Jahren sicher folgenden Biopics können dann den schweren Politstoff übernehmen.


THE BEATLES: EIGHT DAYS A WEEK – THE TOURING YEARS |  Regie: Ron Howard | UK/USA 2016

The Beatles: Eight Days a Week - The Touring Years

Bis heute sind sie die Könige des Pop: Die vier Pilzköpfe Paul, John, George und Ringo eroberten in den Sechzigern von Liverpool aus die Welt. Der Dokumentarfilm begleitet die Band während ihrer Tour-Jahre, und damit von ihren Anfängen im Hamburger Star Club Anfang der Sechziger bis zu ihrem letzten Konzert im Candlestick Park in San Francisco 1966. Wie wurde aus den vier jungen Männern aus Liverpool, John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr, die erfolgreichste Band der Popgeschichte? Der Film beleuchtet wie diese vier ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten zusammen als Band funktionierten, ihre Entscheidungen trafen, Songs schrieben und dabei die außergewöhnliche Karriere der Beatles starteten und die Welt im Sturm eroberten.
4 von 5

Neue musikalische Erkenntnisse liefert „The Beatles: Eight Days a Week – The Touring Years“ nicht unbedingt. Dafür ist Ron Howard mit seiner Beatles-Dokumentation ein mitreißender Blick hinter die Kulissen der Tourjahre der Kultband geraten, der den Beatles-Mythos auch all jenen ein Stückweit näher bringt, die mit der Musik nicht viel anfangen können.


TSCHICK |  Regie: Fatih Akin |  DE 2016
Tschick

Während die Mutter in der Entzugsklinik und der Vater mit seiner Assistentin auf „Geschäftsreise“ ist, verbringt der 14-jährige Außenseiter Maik Klingenberg /Tristan Göbel) die großen Ferien allein am Pool der elterlichen Villa. Doch dann kreuzt Tschick (Anand Batbileg) auf. Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow, stammt aus dem tiefsten Russland, kommt aus einem der Hochhäuser in Berlin-Marzahn – und hat einen geklauten Lada dabei. Damit beginnt eine Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende ostdeutsche Provinz. Die Geschichte eines Sommers, den wir alle einmal erleben… „Tschick“ erschien am 17. September 2010 und hält sich bis heute in der Spiegel-Bestsellerliste. Der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Roman zählt zu den größten literarischen Erfolgen der vergangenen Jahre. 4 von 5

Der Sommer ihres Lebens – Fatih Akins Verfilmung des Kultromans „Tschick“ ist eine Ode an das Anderssein und strotzt nur so vor verschrobener Energie. Die beiden Hauptdarsteller stoßen sich mit ihren Performances die Tür zu einer großen Schauspielkarriere auf. Ihnen und ihrem Regisseur gelingt es, ein einzigartiges Lebensgefühl von der Leinwand in den Kinosaal zu transportieren.


AUF AUGENHÖHE | Regie: Evi Goldbrunner, Joachim Dollhopf | DE 2016
Auf Augenhöhe

Heimkind Michi (Luis Vorbach) muss sich in seiner Wohngruppe behaupten und den Respekt der anderen Kids erkämpfen. Am liebsten würde er sofort die Kurve kratzen und endlich zu einer richtigen Familie gehören. Als er die Adresse seines bisher unbekannten Vaters findet, erfüllt sich sein größter Traum  – bis er erfährt, dass sein Vater Tom (Jordan Prentice) kleinwüchsig ist. Damit wird Michis Vorstellung von seiner idealen Vaterfigur total auf den Kopf gestellt. Er hatte sich einen großen, starken Mann an seiner Seite gewünscht. Der Weg der beiden zueinander ist schwierig: Michi schämt sich für Tom, und der wiederum ist enttäuscht über die Ablehnung seines Sohnes. Als sich die beiden schließlich doch annähern, sich auf Augenhöhe begegnen, bringt ein unerwartetes Ereignis noch einmal alles durcheinander. Steht das Verhältnis zwischen Vater und Sohn auf dem Spiel?


ENTERTAINMENT | Regie: Rick Alverson | USA 2015
Entertainment

Ein kaputter, alternder Comedian tourt durch die kalifornische Wüste, verloren in einem Teufelskreis aus heruntergekommenen Spielorten, neuartiger Touristenattraktionen und vergeblicher Versuche, seine von ihm entfremdete Tochter zu erreichen. Tagsüber schleppt er sich durch die karge Landschaft und stößt ungewollt jede Bekanntschaft vor den Kopf. Nachts sucht er Trost in der Verkörperung seiner Bühnenfigur. Angestachelt von der Aussicht auf ein lukratives Hollywood-Engagement quält er sich durch eine Reihe zunehmend unwirklicher und flüchtiger Begegnungen. In Alversons halluzinogener Fuge spielt Gregg Turkington Den Comedian, der zwischen den beiden Extremen gefangen ist, einerseits im Mittelpunkt zu stehen, andererseits aber allen vor den Kopf zu stoßen, und der immer wieder auf überraschende Charaktere trifft.


VIVA | Regie: Paddy Breathnach | IR 2015
Viva

Havanna, Kuba. Jesus arbeitet als Friseur in einer Travestie-Bar, würde aber viel lieber selbst auf die Bühne. Als ihm die resolute Barchefin Mama endlich die Chance dazu gibt, wird Jesus von einem Gast auf offener Bühne attackiert. Erst auf den zweiten Blick erkennt er den Mann: Es ist sein Vater Angel, den er seit 15 Jahren nicht mehr gesehen hat.

Ungefragt nistet sich Angel bei seinem Sohn ein und verbietet ihm, weiter als Sängerin aufzutreten. Jesus ist hin und hergerissen: zwischen dem Wunsch, seinen Vater besser kennenzulernen, dessen aggressiven Trinkerlaunen und seinen eigenen Sehnsüchten, wieder Viva zu sein, die hingebungsvolle Diva. Erst als Jesus erfährt, warum sein Vater wirklich zurückgekehrt ist, findet er zu seiner eigenen Stimme zurück…


MULTIPLE SCHICKSALE | Regie: Jann Kessler | CH 2015
Multiple Schicksale

Seit Jahren leidet Janns Mutter an MS – Multipler Sklerose. Als er mehr über ihre Krankheit wissen will, kann sie bereits nicht mehr sprechen. In der Hoffnung mehr zu erfahren, begibt sich der damals 18-jährige Filmemacher auf eine Reise quer durch die Schweiz und trifft andere Menschen, die mit MS leben: Er begegnet Bernadette, die immer noch lacht, obwohl ihr nicht mehr so oft danach zu Mute ist. Luana, die sich ermutigende Worte auf den Arm tätowieren lässt. Er trifft auf Melanie, die einen wortreichen Schutzwall um sich herum aufbaut. Oliver, der seine Kräfte im Alltag gezielt einteilen muss. Graziella, die versucht, die Normalität aufrechtzuerhalten. Und er begegnet Rainer, der aus eigenem Willen aus dem Leben scheidet. Viele der Protagonisten sprechen offen über ihr Leben, das sie trotz Einschränkungen auch immer wieder genießen können.


Heimkinotipp: BAUERNOPFER – SPIEL DER KÖNIGE | Regie: Edward Zwick | USA/CAN 2016

Bauernopfer - Spiel der Könige

1972 – Amerika verfällt dem Schachfieber als sein jüngster Schach-Großmeister der Geschichte, Bobby Fischer (Tobey Maguire), in einem spektakulären Spiel um die Weltmeisterschaft auf seinen russischen Rivalen Boris Spassky (Liev Schreiber) trifft. Die amerikanisch-russische Konfrontation auf dem Schachbrett mitten in den Wogen des Kalten Krieges löst einen wahren Medienzirkus aus und Fischer findet sich plötzlich als Spielball der Interessen zweier Weltmächte wieder, während er gleichzeitig mit seinen ganz eigenen Dämonen zu kämpfen hat. Es geht nicht nur darum, wer das alles entscheidende Schachspiel bei der Weltmeisterschaft in Reykjavik gewinnt. Das Schachspiel übernimmt nach und nach die Kontrolle über Bobby, für den der Sport schon lange nicht mehr nur ein Sport ist. Boris Spassky geht es auf der Seite der Russen ganz genau so…5 von 5

„Bauernopfer – Spiel der Könige“ ist ein herausragendes Biopic über eine der streitbarsten Sportlerpersönlichkeiten der vergangenen Jahrzehnte, deren Faszination in der Akribie von Steven Knight und Edward Zwick das perfekte Team gefunden hat, um jene angemessen auf der Leinwand zu würdigen.

Das startet am 8. September 2016

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht’s um den Startdonnerstag des 8. September, der ganz im Zeichen des Genrekinos steht. In den USA hat der Thriller „Don’t Breathe“  zum Startwochenende alle überrascht. Auch hierzulande läuft die PR-Maschinerie auf Hochtouren. Angesichts der recht mauen Konkurrenz würde es mich nicht wundert, wenn der neue Film von Fede Alvarez am besten aus den Startlöchern kommt. Der einzigen Produktion, der ich Ähnliches zutraue, ist „Nerve“. Ich persönlich glaube angesichts der hochmodernen Thematik und der effektiven Werbung, dass sich hier eine echte Überraschung an den Kinokassen entwickeln könnte. Bis vor Kurzem hätte ich übrigens geglaubt, dass es die deutsche Komödie „Männertag“ recht einfach haben dürfte, am kommenden Donnerstag auf die eins zu marschieren. Doch bislang ist absolut nichts zu dem Film an die Öffentlichkeit gelangt. Es gab weder prominent platzierte Werbespots, noch wurde die Männer-Comedy der Presse vorgeführt. Ich tippe auf ein Desaster. Der Rest wird es wohl kaum auf nennenswerte Zuschauerzahlen bringen.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

DON’T BREATHE | Regie: Fede Alvarez | USA 2016

Don't Breathe

Rocky, Alex und Money leben in einem nicht näher definierten Kaff in einer der ranzigeren Ecken der USA. Hier hält sich die Clique mit kleineren Diebstählen über Wasser. Eine richtige Perspektive hat keiner von ihnen. Als sie eines Tages davon erfahren, dass in ihrer direkten Nachbarschaft ein verwitweter Kriegsveteran wohnt, der erst kürzlich seine Tochter verloren hat und nun – so glauben sie – in Geld schwimmen muss, beschließen sie, die Lage des blinden Mannes auszunutzen und des Nachts in sein Haus einzubrechen. Ein schwerer Fehler, wie sich bald herausstellen wird, denn der Hausbesitzer kennt seine eigenen vier Wände im Schlaf. Als er den Eindringlingen das Licht ausknipst, wird es für die Einbrecher brenzlig, denn irgendwas scheint ihr Opfer zu verbergen, das auf gar keinen Fall ans Licht kommen soll…4 von 5

Mit „Don’t Breathe“ beweist Fede Alvarez, dass eine clevere Inszenierung völlig ausreich, um aus einer einfachen Prämisse einen hochspannenden Film zu kreieren, dessen doppelbödiges Ende dem Publikum den Boden unter den Füßen wegreißen wird. Da wird der Titel zum Programm!


DER LANDARZT VON CHAUSSY | Regie: Thomas Lilti | FR 2016

Der Landarzt von Chaussy

Dr. Jean-Pierre Werner (François Cluzet) ist seit über 30 Jahren Landarzt und in seiner Dorfgemeinschaft sehr beliebt. Für die Nöte und Sorgen seiner Patienten hat er immer ein offenes Ohr. Als er plötzlich selbst erkrankt, ist er gezwungen, eine Vertretung einzustellen. Diese kommt, schneller als ihm lieb ist, in Gestalt der attraktiven und selbstbewussten Dr. Nathalie Delezia (Marianne Denicourt). Aber Jean-Pierre, der sich für ziemlich unersetzbar hält, ist nicht bereit, sie ohne Umschweife als mögliche Nachfolgerin an seiner Seite zu akzeptieren. Und so muss sich Natalie seine Anerkennung und die der Dorfgemeinschaft erst hart erarbeiten. Doch nach und nach kommt unter der anfänglich rauen Oberfläche wahre Herzlichkeit zum Vorschein.4 von 5

Das Biederste an „Der Landarzt von Chaussy“ ist der Titel. Regisseur Thomas Lilti gelingt mit seinem französischen Drama eine subtile Auseinandersetzung mit der Tragik des Medizinberufs, ganz ohne „Wir sind Helden“-Attitüde. Lediglich den romantischen Subplot hätte es nicht gebraucht.


NERVE | Regie: Henry Joost, Ariel Schulman | USA 2016

Nerve

Auf Vees (Emma Roberts) Highschool gibt es so gut wie kein anderes Gesprächsthema mehr als die immer riskanter werdenden Challenges, die das illegale Online-Game „Nerve“ seinen Spielern stellt. Um einmal so wie ihre Freundin Sydney im Mittelpunkt zu stehen meldet sich die eher schüchterne Vee kurzentschlossen selbst bei „Nerve“ an. Angetrieben vom Kick des Verbotenen bricht Vee mit ihrem ebenso attraktiven wie mysteriösen neuen Game-Partner Ian (Dave Franco) schnell alle Tabus: keine Challenge ist ihnen zu riskant. Über Nacht werden Vee und Ian die Sensation des immer gefährlicher werdenden Spiels! Doch als Vee herausfindet, dass ihre gesamten Social Media Accounts gehackt wurden, und versucht, aus dem Spiel wieder auszusteigen, muss sie feststellen, dass es dafür längst zu spät ist…
3 von 5

Trotz Schwächen in Charakterzeichnung und handlungsbasierender Logik kann man „Nerve“ eines nicht absprechen: Er trifft den aktuellen Social-Media-Zeitgeist besser, als jeder Film, der derzeit ebenfalls versucht, die Teens bei ihrer Onlinesucht zu packen. Auch wenn der Thriller gen Ende absolut irrwitzige Wendungen nimmt, die bereits in einem Großteil der Trailer vorweggenommen wurden, besticht der Film mit Kurzweil und seinem modernen Erscheinungsbild.


THE LIGHT BETWEEN OCEANS |  Regie: Derek Cianfrance |  UK/NZL/USA 2016

The Light Between Oceans

Der traumatisierte Kriegsveteran Tom Sherbourne (Michael Fassbender) nimmt eine Stelle als Leuchtturmwärter auf Janus Rock an. Auf der winzigen Insel gibt es nur ihn und das tosende Meer. Tom sehnt sich nach absoluter Ruhe und begrüßt die Einsamkeit, die seine neue Arbeit verspricht. Doch er bleibt nicht allein: Im Hafenstädtchen Partageuse lernt er Isabel Graysmark (Alicia Vikander) kennen, eine lebhafte junge Frau, die selbst zwei Brüder im Krieg verloren hat. Sie heiraten und genießen das Leben in der Isolation von Janus Rock. Das glückliche Paar wünscht sich Kinder, doch das Schicksal will es anders. Eines Nachts wird ein mysteriöses Ruderboot angetrieben. Darin: ein Toter und ein neugeborenes Mädchen. Tom und Isabel treffen eine folgenschwere Entscheidung, die niederschmetternde Konsequenzen haben wird. 3 von 5

Derek Cianfrances Liebesdrama „The Light Between Oceans“ besticht mit starken Schauspielleistungen und einer ambitionierten Erzählweise. Doch sowohl die penetrante Symbolik, als auch die technische Ausstattung verleihen der Romanverfilmung allenfalls Fernsehausmaße.


ABSOLUTELY FABULOUS – DER FILM |  Regie: Mandie Fletcher |  UK/USA 2016
Absolutely Fabulous - Der Film

Edina Monsoon (Jennifer Saunders) und Patsy Stone (Joanna Lumley) sind mittlerweile in die Jahre gekommen, strotzen aber immer noch vor Glanz und Glamour und genießen das gehobene Leben, das sie gewöhnt sind: Sie shoppen, trinken und feiern an Londons angesagtesten Hotspots. Doch als sie Kate Moss versehentlich auf einer wahnsinnig eleganten Eröffnungsparty in die Themse schubsen, sehen sie sich einem Mediensturm ausgesetzt und werden schonungslos von Paparazzi verfolgt. Sie fliehen mittellos auf die glamouröse Spielwiese der Superreichen – an die Französische Riviera. Dort hecken sie einen Plan aus, um ihr gehobenes Leben in alle Ewigkeit weiter leben zu können!

2 von 5

Für Fans der Serie ist „Absolutely Fabulous – Der Film“ ohnehin Pflichtprogramm. Alle anderen müssen ihren Anspruch an Humor indes arg herunterschrauben, um an den Kalauern und Zoten ihren Spaß zu haben. Auch die Figuren bleiben trotz ihres exzentrischen Auftretens eindimensional, da es die Regisseurin davon auszugehen scheint, dass das Publikum ohnehin um die Backgrounds der Figuren wisse.


MÄNNERTAG | Regie: Holger Haase | DE 2015
Männertag

Schluss, aus, vorbei, einfach tot! Die vier Freunde Stevie (Milan Peschel), Chris (Tom Beck), Peter (Oliver Wnuk) und Klaus-Maria (Axel Stein) sind schockiert über den plötzlichen Tod ihres Schulfreundes Dieter. Um seinen letzten Wunsch zu erfüllen, begeben sie sich auf einen chaotischen Abenteuertrip auf dem Bierbike – und entdecken ganz neue Seiten aneinander. Mit von der Partie sind Stevies vom Liebeskummer geplagter Sohn Paul (Chris Tall) sowie Powerfrau Andrea (Lavinia Wilson), die aufpassen soll, dass Schauspieler Chris nicht über die Stränge schlägt. Doch der Alkohol fließt in rauen Mengen und noch dazu legen die Freunde sich mit ihrem früheren Erzfeind Andi Mauz (Hannes Jaenicke) an, der sie zusammen mit seiner Gang verfolgt. Da ist es gar nicht so einfach, das ursprüngliche Ziel der Fahrt nicht aus den Augen zu verlieren….2 von 5

Dass „Männertag“ einfach nicht lustig ist, ist das eine Problem. Dass Holger Haases Komödie darüber hinaus aber auch zweifelhafte Männerbilder propagiert, macht den allenfalls solide gespielten Film zu einem echten Rohrkrepierer.


DRAGONBALL Z: RESURRECTION ‚F‘ | Regie: Tadayoshi Yamamuro | JP 2015
Dragonball Z: Resurrection 'F'

Einst wurde der intergalaktische Tyrann Freezer von Goku besiegt und von Trunks vernichtet. Nun reisen Freezers Untergebene auf die Erde, um ihren Meister mithilfe der Dragonballs wieder zurückzuholen. Dieser schwört auf Rache und fällt mit seinen Truppen auf der Erde ein. Ausgerechnet Goku und Vegeta sind jedoch auf einen entfernten Planeten gereist, um dort ihre Fähigkeiten zu erweitern. Nun liegt es an Gokus Freunden, sich Freezer entgegenzustellen. Ein erbitterter Kampf bricht aus. Schaffen es Goku und Vegeta noch rechtzeitig zurück, um die Erde zu retten?

„Dragonball Z: Resurrection ‚F'“ bringt den wohl berüchtigsten aller Dragonball-Bösewichte zurück auf die große Leinwand. Die Freezer-Saga gilt unter Fans als Highlight in der „Dragonball Z“-TV-Serie.


MOLLY MONSTER | Regie: Michael Ekblad, Matthias Bruhn, Ted Sieger | DE 2015
Molly Monster

Molly ist ein fröhliches, aufgewecktes Monstermädchen, das zusammen mit ihrem besten Freund Edison, einem Aufzieh-Spielzeug mit aufmüpfigem Eigenleben, und ihren Eltern im bunten, verrückten Monsterland lebt. Als sich ein neues Geschwisterchen ankündigt, bricht in der Familie freudiger Trubel aus: das Ei, das Mutter Etna gelegt hat, soll nach alter Monstersitte Vater Popocatepetel ausbrüten. Der traditionelle Ort dafür ist die weit entfernte Eier-Insel, zu der sich die Eltern aufmachen müssen. Molly soll mit ihren Onkel Alfredo und Santiago zuhause zurückbleiben, schließlich ist sie noch zu klein für solch eine lange Reise. Finden die Eltern – findet Molly nicht. Und als die Onkel gerade mal nicht aufpassen, begibt sich die mutige Monsterin auf eigene Faust zusammen mit Edison auf die lange und spannende Reise.


NELLYS ABENTEUER | Regie: Dominik Wessely | DE/ROU 2016
Nellys Abenteuer

Die 13jährige Nelly ist stinksauer! Gegen ihren Willen soll sie die Sommerferien mit ihren Eltern in Rumänien verbringen. Gleich bei der Anreise läuft so einiges schief  – das Flugzeug landet außerplanmäßig mitten in der Walachei und dann verrät der vermeintliche Reiseleiter Holzinger Nelly aus Versehen ein Geheimnis: Familie Klabund soll schon bald ins rumänische Siebenbürgen ziehen, da Nellys Vater hier einen tollen neuen Job annehmen wird. Nelly ist geschockt! Wie konnten ihre Eltern sie nur so hintergehen? Ihr ganzes Leben soll sie aufgeben – ihre Freunde, die Schule, den Skatepark? Niemals! Nelly dreht durch, rennt weg und irrt verloren durch eine fremde Stadt mitten in Rumänien. Dabei läuft sie geradewegs in die Arme von zwei wirklich zwielichtigen Gestalten. Die beiden entpuppen sich als die fiesen Schurken Hokus und Iancu…


Heimkinotipp: EDDIE THE EAGLE – ALLES IST MÖGLICH | Regie: Dexter Fletcher | UK/DE/USA 2016

Schon als Kind träumt Michael „Eddie“ Edwards davon, einmal bei den Olympischen Spielen teilnehmen zu dürfen. Er wird ein erfolgreicher Skiläufer, doch als es ans Eingemachte geht, bleibt ihm die Aufnahme in den Kader verwehrt. Eddie will die Skier schon fast an den Nagel hängen, als er sich in den Kopf setzt, als erster britischer Skispringer seit fast 100 Jahren ins kanadische Calgary zu fahren, wo im Jahr 1988 die Olympischen Winterspiele ausgetragen werden. Mit Hilfe des rebellischen, aber nicht minder charismatischen Trainers Bronson Peary und unter den motivierenden Worten der liebevollen Bar-Inhaberin Petra nimmt er es im Bayerischen Garmisch-Patenkirchen mit dem gesamten (Sport-)Establishment auf. Getrez dem Motto: „Dabei sein ist alles!“4 von 5

„Eddie the Eagle: Alles ist möglich“ ist das Feel-Good-Movie des Jahres, dessen anfänglich anklingende Albernheit später in pure Euphorie kippen lässt. Früher oder später wird man sich dabei erwischen, wie man die Taten des am meisten motivierten Skispringers der Welt einfach nur bejubeln möchte.

Videoabend: Only Lovers Left Alive

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich dem international produzierten Horrordrama „Only Lovers Left Alive“, das seit dem 11. Juli 2014 auf DVD und Blu-ray Disc im Handel erhältlich ist.

Only Lovers Left Alive

Der Undergroundmusiker Adam (Tom Hiddleston) versteckt sich in einer heruntergekommenen Villa in Detroit vor den Zumutungen der modernen Welt, während seine große Liebe Eve (Tilda Swinton) tausende Kilometer entfernt Zuflucht in der romantischen Kasbah von Tanger gefunden hat. Beide vereint ein Dasein als Vampir, sie meiden beide den Kontakt zu normalen Menschen. Doch als Eve spürt, dass ihr lebensmüder Gefährte seiner Unsterblichkeit ein Ende setzen will, macht sie sich sofort auf den Weg zu ihm. Die Liebe von Adam und Eve hat schon Jahrhunderte überdauert, aber ihr Idyll wird jäh zerstört von Eves wilder Schwester Ava (Mia Wasikowska). Können diese klugen und sensiblen Außenseiter überleben, obwohl die moderne Welt, die sie umgibt, gerade zusammenbricht?

Kritik

Im Post-„Twilight“-Zeitalter Vampirfilme zu drehen, ist mit Sicherheit kein leichtes Unterfangen. Zu sehr haben die glitzernden Blutsauger das Image des Bösewichts zum Teenie-Darling verschoben. Düster-Romantiker Jim Jarmusch („Coffee and Cigarettes“) scheint sich daran nicht zu stören und kreiert mit „Only Lovers Left Alive“ den wohl ehrlichsten Blick auf das Vampirdasein im 21. Jahrhundert. Seine Protagonisten sind Rockmusiker und Künstler, leben in einer Welt, in der man alles sein möchte, aber nicht unsterblich und sind trotz ihres Daseins als Blutsauger bei Weitem nicht das Böseste, auf was man in ihrer Umgebung des Nachts treffen könnte. Im Grunde dient die Vampir-Thematik also auch hier bloß der Überhöhung der Realität; wenn einer diesem Thema neue Facetten beimengen kann, dann Jim Jarmusch.

„Only Lovers Left Alive“ entführt den Zuschauer in eine Welt, die vor allem mit einem absolut nichts zu tun hat: Romantik. Zwar sind die sich gegenseitig anschmachtenden Hauptfiguren auch noch Jahrhunderte nach dem Kennenlernen bis über beide Ohren ineinander verknallt, doch der Schwermut in der Inszenierung bewahrt den Film davor, eine klassische Liebesgeschichte zu erzählen. Gespickt mit jeder Menge Gesellschaftskritik über die Verpestung der Welt und die Verrohung der Menschheit entlässt Jim Jarmusch sein Protagonistenpaar in eine poetische Melancholie. Dabei sinniert vor allem Tom „Loki“ Hiddleston so herzergreifend über den Sinn und Unsinn der Liebe, dass Tilda Swinton („Grand Budapest Hotel“) zeitweise nur schwer dagegen an spielen kann. Mia Wasikoswka („Crimson Peak“) erweist sich zunächst auch abseits des Skripts als kleiner Störfaktor, nur um die Story im entscheidenden Moment in eine überraschende Richtung zu lenken. Jozef van Wissems Emo-Soundtrack untermalt die düstere Szenerie gekonnt mit einem Alternative-Score, der sich auch abseits des Films bereits zum Kult entwickelt hat. So intim hat man den modernen Vampir wohl noch nie gesehen!

ONLY LOVERS LEFT ALIVE stammt von Jim Jarmusch, der auch das Skript zum Film schrieb. Der Cast besteht unter anderem aus Tom Hiddleston, Tilda Swinton, Mia Wasikowska, Anton Yelchin und Jeffrey Wright. Bei dem Film handelt es sich um ein Horrordrama, produziert in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Griechenland, Zypern und den USA aus dem Jahr 2013. Der Film ist hierzulande ungekürzt auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich und ab 12 Jahren freigegeben. Die Länge beträgt 123 Minuten.

Fazit

Bye bye, Glitzervampir! Mit „Only Lovers Left Alive“ legt Jim Jarmusch die Zeitlosigkeit des Blutsauger-Themas offen und erzählt eine traurige, inszenatorisch dennoch wunderschöne Geschichte um unser aller Sterblichkeit. Ein moderner Klassiker!

Mein Tipp: unbedingt kaufen!

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