Das ist erst der Anfang

Morgan Freeman und Tommy Lee Jones liefern sich in der Komödie DAS IST ERST DER ANFANG einen erbitterten Kampf um die Herrschaft einer Seniorenwohnanlage. So beginnt das ganze Desaster. Mehr dazu verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Duke Diver (Morgan Freeman) liebt seinen Job als Manager des luxuriösen Resorts Villa Capri im kalifornischen Palm Springs. Seine Vergangenheit mag zwar nicht astrein sein. Aber wenn es darum geht, das Leben der gutgelaunten Bewohner der Villa zu einer einzigen großen Party zu machen, ist er unschlagbar. Seine Schützlinge fühlen sich im wahrsten Sinne des Wortes als „Best Ager“: Er flirtet mit den Damen, pokert mit den Herren, und auf dem Golfplatz ist er sowieso der Größte. Dieses sonnige Gleichgewicht des dolce-far-niente gerät aus den Fugen, als Leo (Tommy Lee Jones) in die Villa einzieht. Der Ex-Militär und erfolgreiche Geschäftsmann entpuppt sich nicht nur als Charmebolzen, sondern obendrein als exzellenter Golfer! Plötzlich ist Dukes Position gefährdet, und der Machtkampf zwischen den männlichen Alphatieren eröffnet. Wer ist in Zukunft die Nummer Eins? Und wer kann bei der unerwartet auftauchenden, mysteriösen und äußerst reizvollen Suzie (Rene Russo) punkten? Doch als Duke von seiner dunklen Vergangenheit eingeholt wird, ist Schluss mit den Hahnenkämpfen im Rentner-Stall. Die beiden Kontrahenten legen ihre Rivalitäten bei und machen gemeinsame Sache, um die zu stoppen, die Duke ans Leder wollen.

Kritik

Als Regisseur („Hollywood Cops“) Ron Shelton Mitte 2017 mit den Dreharbeiten zu seiner Komödie „Das ist erst der Anfang“ begann, war zwar die #MeToo-Debatte zwar schon voll im Gange, der Name Morgan Freeman („Die Unfassbaren“) war in diesem Zusammenhang allerdings noch nicht gefallen. Nun startet der Rentner-Reigen ein gutes Jahr später in den deutschen Kinos, ohne dass zuvor viel dafür unternommen wurde, um überhaupt darauf aufmerksam zu machen, dass dieser durchaus starbesetzte Film in die Lichtspielhäuser kommt. Pressescreenings gab es keine (übrigens weder in Deutschland, noch in den USA), ein Werbebudget scheint nicht existent und auch vom Veröffentlichungszeitpunkt her hätte man sich zwischen „Jurassic World: Das gefallene Königreich“ und dem Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können, um möglichst ohne viel Aufsehen an den Start zu gehen. Spekulation ist natürlich, ob das alles etwas damit zu tun hat, dass Morgan Freeman in „Das ist erst der Anfang“ eine der beiden Hauptrollen spielt. Keine Spekulation ist die Qualität – die mit einigen Actionfilmanleihen versehene Comedy ist ein derart lieb- und lustloses Unterfangen mitsamt zwei völlig desinteressierten Hauptdarstellern, dass es einer Frechheit gleichkommt, hierfür auch noch Eintrittsgeld zu verlangen. Und dass Freeman in der ersten halben Stunde auch noch permanent frivole Wortspiele vom Stapel lässt, während er sich mit einer Frau nach der anderen vergnügt, sorgt zusätzlich für einen mehr als faden Beigeschmack.

Selbst mit Waffe in der Hand macht Tommy Lee Jones in „Das ist erst der Anfang“ eine miserable Figur.

Gerade erst hatte sich Morgan Freeman in der Komödie „Abgang mit Stil“ als rüstiger Senior gezeigt, der sich trotz seines hohen Alters noch lange nicht zur Ruhe setzen wollte. Das ist ohnehin ein gängiges Erzählmotiv in Filmen, deren Protagonisten das Alter der Sechzig oder Siebzig längst überschritten haben. In „Das ist erst der Anfang“ kippt diese Prämisse allerdings allzu oft ins unfreiwillig Komische, denn während Freeman und sein Co-Star Tommy Lee Jones („The Homesman“) normalerweise wie selbstverständlich über ihr hohes Alter hinwegspielen, scheint ihnen ihr Mitwirken in dieser Komödie schlichtweg egal zu sein. Von Elan, Engagement oder so etwas simplem wie Freude am Spiel ist hier einfach überhaupt nichts zu spüren. Lustlos und im Anbetracht des lächerlichen Skripts fast schon unangenehm berührt, rattern die beiden Hollywood-Altmeister ihre Dialoge herunter, bis nicht einmal mehr Verfolgungsjagden und Schießereien sie aus ihrer Lethargie herausreißen können. Und wenn Morgan Freeman in einer Limbo-Challenge wenigstens ein einziges Mal einen Funken echter Lebensfreude versprüht, geht das im ganzen Drumherum so sang- und klanglos unter, dass man nicht umher kommt, auch in diesem kurzen Anflug von Spieleifer immer noch Freemans gequälte Attitüde der viel zu langen Minuten zuvor wiederzuerkennen. Doch im Anbetracht der Geschichte (das Drehbuch stammt ebenfalls von Ron Shelton) ist es auch gar nicht so verwunderlich, dass die einst so glanzvollen Stars durch die unechten Settings laufen, wie geprügelte Hunde.

Eigentlich fängt „Das ist erst der Anfang“ recht vielversprechend an: Auf den Lebemann Duke Diver wird ein Auftragskiller angesetzt, was die meiste Zeit des Films allerdings überhaupt keine Rolle spielt. Stattdessen liefern sich Morgan Freeman und Tommy Lee Jones einen absurden Wettkampf um die Gunst einer Lady (blass: Rene Russo) und damit irgendwie auch um die Herrschaft des sonnigen Resorts Villa Capri, in der die reifen Damen ja nun mal nicht beiden Charmeuren gleichzeitig den Hof machen können. Und wenn man dieses fragwürdige Geschlechterbild einmal vollkommen beiseitelässt, besteht alles nun Folgende ausschließlich aus Banalitäten. Das sieht dann so aus: Die beiden liefern sich ein Schachturnier, spielen gegeneinander Golf oder tanzen Limbo – was fehlt, ist allerdings die Erkenntnis von irgendeinem in diesem Debakel (vorwiegend von dem Regisseur und Drehbuchautor selbst), dass sich ohne Augenzwinkern oder absurde Überhöhung nicht mehr aus diesem Grundgedanken herausholen lässt, als die pure Langeweile. Da muss es als Spektakel dann schon ausreichen, wenn plötzlich eine Giftschlange an einem Ort auftaucht, wo sie eigentlich nicht hingehört (und auf so unspektakuläre Weise wieder verschwindet, dass man sie auch direkt hätte weglassen können).

Duke (Martin Freeman), Suzie (Rene Russo) und Leo blicken auf ein paar spannende Tage zurück.

Als wollten die Macher wenigstens im Nachhinein ausgleichen, was sie zuvor an Inhalt und Inszenierung versäumt haben, klatschen sie die Auflösung des oberflächlich eingebauten Auftragskiller-Plots schließlich in Form mehrerer Actioneinlagen ans Ende des Films – und dann wird es nur noch peinlich. Die Auto-Verfolgungsjagd selbst ist zwar durchaus ansprechend gefilmt – nicht zuletzt, weil man „Das ist erst der Anfang“ bei all dem Übel immer noch zugutehalten muss, dass die paar wenigen Effekte immerhin ganz ordentlich aussehen. Aber wer bislang dachte, Tommy Lee Jones sähe mit Knarre in der Hand automatisch cool aus, der wird hier eines Besseren belehrt. Vollkommen hanebüchen gerät auf der Zielgeraden schließlich ein Ablenkungsmanöver, in dem auch noch Morgan Freeman angehalten wird, sich kurz als Aushilfsactionheld zu verdingen und dabei so kläglich scheitert, dass es schmerzt. Die beiden scheinen die Hoffnung auf einen guten Film mit dem aller ersten Take selbst aufgegeben zu haben. Dabei könnte die Chemie zwischen den beiden eigentlich stimmen, immerhin einige ganz nette Dialoge hat Ron Shelton für seine beiden Hauptdarsteller in petto, die dem ganzen Drama immerhin dann ein klein wenig Leben einhauchen, wenn es ohnehin gerade weit und breit keine Pointe gibt, die grandios scheitern könnte. In den ruhigen Momenten ist schlicht nicht so viel Potenzial zur Zerstörung vorhanden – dann ist „Das ist erst der Anfang“ einfach nur langweilig und belanglos. Doch fürs Abschlussfazit wäre das noch zu viel. Dafür ist dieser grandios scheiternde Film über weite Teile einfach viel zu anstrengend und nervig.

Fazit: Die eineinhalb Stunden von „Das ist erst der Anfang“ fühlen sich so an, als sähe man Morgan Freeman und Tommy Lee Jones beim Untergang zu. Die beiden Darsteller schlafwandeln sich durch ein totlangweiliges Skript, was dazu führt, dass diese Komödie zu keinem Zeitpunkt lustig ist.

„Das ist erst der Anfang“ ist ab dem 17. Juni in den deutschen Kinos zu sehen.

2 Kommentare

  • Der Story, Inszenierung und Witze sind völlig lahm. Da stimme ich Dir zu. Allerdings wirkte es auf mich, als würden zumindest Freeman, Jones und Russo ihre Zusammenarbeit genießen. So können sich Eindrücke unterscheiden.

  • Oha, gerade Freeman und Jones sehe ich sehr gerne. Aber dieses Mal könnte es ein Kraftakt werden.

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