Black Panther

Nach seinem ersten Auftritt in „The First Avenger: Civil War“ erhält Marvels Superheld BLACK PANTHER mit dem gleichnamigen Film nun sein erstes Solo-Abenteuer – und enttäuscht. Warum, das verrate ich in meiner Kritik zu einem der bislang schwächsten Filme des MCU.

Der Plot

Im Anschluss an den dramatischen Konflikt zwischen den Mitgliedern der Avengers kehrt T’Challa (Chadwick Boseman) alias Black Panther in seine Heimat Wakanda zurück. Nach dem Tod seines Vaters muss der Thronfolger seinen rechtmäßigen Platz als König des isolierten, doch technisch weit fortgeschrittenen afrikanischen Staates einnehmen. Doch als sich ein alter Feind des Landes aufs Neue erhebt, werden nicht nur die Kräfte des legendären Helden Black Panther die Probe gestellt, sondern auch die Fähigkeiten T’Challas sein Volk durch diese Krise hindurch zu führen. Sollte er dem Kampf nicht gewachsen sein, steht nicht nur das Schicksal Wakandas, sondern das der ganzen Welt auf dem Spiel.

Kritik

Es dauert noch rund ein Vierteljahr, bis sich in „The Avengers: Infinity War“ ein drittes Mal sämtliche Superhelden des Marvel Cinematic Universe vereinen, um gegen einen gemeinsamen Feind zu kämpfen. Damit das Ende April dieses Jahres auch möglichst effektvoll gelingen kann, hat Marvel mittlerweile schon knapp 50 mehr oder weniger bekannte Charaktere der bisherigen drei Phasen des MCU angekündigt. Im Anbetracht dieser schieren Masse an Figuren ist es schlicht unmöglich, jeder von ihnen ihren eigenen Solo-Film zuzugestehen, zumal ein Großteil ohnehin nur am Rande respektive in wichtigen Nebenpositionen vorkommt. Eine ganze Gruppe an Charakteren blieb dabei bislang allerdings wirklich nahezu unbeleuchtet: die Menschen aus Wakanda, von denen in den Filmen zum aller ersten Mal in „The First Avenger: Civil War“ die Rede war – und mit ihnen von Black Panther, dem ersten schwarzen Superhelden in der mittlerweile zehnjährigen Geschichte des MCU. Diese Rede vom „ersten…“ kommt uns aus dem vergangenen Jahr noch recht gut bekannt vor: Damals war es Wonder Woman, die sich – mehr schlecht als recht – als erster weiblicher Superheld jüngerer Superhero-Blockbuster ihren Platz in der Geschichte des Comicgiganten DC erkämpfte. So viel kann verraten werden: Die Schwachpunkte eines „Wonder Woman“ lassen sich bei „Black Panther“ nicht ausmachen; dafür ganz andere – und so ist Marvels vorgetäuschte Pionierarbeit (schließlich gab es mit „Blade“ bereits vor exakt zwanzig Jahren einen schwarzen Superhelden) überraschenderweise einer der schwächsten Beiträge des DC-Konkurrenten.

Michael B. Jordan und Daniel Kaluuya gehören ebenfalls zum Cast von „Black Panther“.

Man kann von Marvel halten was man will: Selbst, wer mit der Zeit begonnen hat, sich an der ewig gleichen Unterhaltungsformel des von Disney geschluckten Konzerns zu stören, erlebt im Laufe der zwei Stunden, die so ein Film im Durchschnitt dauert, eher selten gähnende Langeweile. Im schlimmsten Fall hatte man zwar während des Spektakels seinen Spaß, hat das Erlebnis aber direkt nach dem Verlassen des Kinosaals wieder vergessen (Siehe: „Thor: Tag der Entscheidung“ oder „Guardians of the Galaxy: Vol. 2“), doch in den Marvel-Sternstunden spielen sich auf der Leinwand tiefgreifende Konflikte ab, die noch dazu mörderisch unterhaltsam sind (siehe: „The First Avenger: Civil War“). Ryan Cooglers „Black Panther“ markiert in der Geschichte des MCU nun nicht bloß aufgrund der Hautfarbe seines Protagonisten einen kleinen – wenn auch undankbaren – Meilenstein: Sein Film ist weder besonders unterhaltsam, noch ließe sich ihm eine bemerkenswerte Erzähltiefe andichten. Von der Einführung des Protagonisten Black Panther, die sich streng genommen auch im Rahmen eines Kurzfilmes erzählen ließe, bis hin zur lieblosen Post-Credit-Scene, die nichts zeigt, wovon wir nicht schon vorher wussten, ist „Black Panther“ nichtig. Das muss – gerade im Marvel Cinematic Universe – erst einmal noch keinen Totalausfall bedeuten; schließlich wären da auch noch einige andere Franchise-Teile zu nennen, die es nicht zwingend benötigt hätte, um das MCU-Geflecht zu verstehen. Doch damit wären wir wieder beim Thema: ebenjene andere Teile haben dem Zuschauer wenigstens ein kurzweilig-amüsantes Kinovergnügen beschert.

Dass Marvel respektive Regisseur Ryan Coogler („Creed – Rocky’s Legacy“) für „Black Panther“ bewusst von der bisherigen Erfolgsformel abweicht, hat zwar, wie bereits erörtert, seine Schattenseiten, per se ist das Wagnis, einmal einen anderen Weg zu bestreiten, aber eine durchaus mutige Angelegenheit. In vielen Details lässt sich erkennen, wie sehr sich dieses von den vielen anderen Marvel-Abenteuern abhebt. Das beginnt bei T’Challa, der kein gewöhnlicher Superheld mit weißer Weste ist, sondern genau wie seine Community eine äußerst ambivalente Gesinnung gegenüber Gut und Böse hegt, geht über in die Auswahl der Schurken, die diesmal keine überbordenden Weltherrschaftspläne verfolgen, sondern kleine persönliche Fehden auszutragen haben, und endet schließlich in der endgültigen Verschmelzung von Realität und Fantasiewelt, wie man es in Ansätzen schon bei „Doctor Strange“ zu sehen bekam. All das sind Facetten, die „Black Panther“ bisweilen aufregend anders machen, doch aus diesem „anders“ resultiert nicht automatisch ein Mehrwert für den Zuschauer. T’Challa ist zwar ein auf dem Papier spannender Charakter mit mehr Ecken und Kanten als die meisten anderen Marvel-Superhelden, doch die Drehbuchautoren Joe Robert Cole („American Crime Story“) und Ryan Coogler können das Potenzial ihrer Figur nicht ausschöpfen. Anstatt Hauptdarsteller Chadwick Boseman („Gods of Egypt“) sämtliche Facetten seines Black Panther auf einmal zuzutrauen, machen sie ihn mal zum starken Kämpfer, ein anderes Mal zum verantwortungsbewussten Herrscher und im nächsten Moment zum sorgenvoll-unsicheren Halbwaisen. Ein Gespür für die Diversität seines Charakters ergibt sich somit nicht; die Folge: Black Panther wird vom potenziell spannendsten zum austauschbarsten aller Marvel-Helden – nicht zuletzt, da Chadwick Boseman den Panther noch viel zu hölzern darbietet, um tatsächlich eins mit ihm zu werden.

Das Design von „Black Panther“ kann zu weiten Teilen überzeugen, die Effekte weniger.

Dieses Gefühl der Unbeholfenheit im Hinblick auf die Figur des Black Panther spiegelt sich auch in der Inszenierung selbst wieder. Abgesehen von der gleichermaßen wunderschönen wie visuell konsequent umgesetzten Verschmelzung von futuristischer Technologie und afrikanischer Kultur, fühlt sich vieles an „Black Panther“ nicht so an, als käme es aus einem Guss. Dramaturgisch lässt Ryan Coogler auf jede Actionsequenz, von denen einige spektakulär (Stichwort: Casino), andere austauschbar und langweilig (Stichwort: Finalschlacht) geraten sind, diverse dröge Dialogsequenzen folgen. Dröge deshalb, weil sie das Geschehen kaum vorantreiben. Trotz des gewaltigen Casts, für den Ryan Coogler diverse afroamerikanische Hochklassedarsteller gewinnen konnte, hinterlässt nur ein Bruchteil der Figuren überhaupt einen Eindruck; es sind nicht bloß viel zu viele, dafür, sich ihrer Motivation und Gesinnung ausgiebig zu widmen, ist in „Black Panther“ trotz der mehr als üppigen Laufzeit von 129 Minuten schlichtweg kein Platz. Einzig Leticia Wright („Black Mirror“) als T’Challas umwerfend smarte Schwester – eine Art weiblicher Q (James Bond lässt grüßen!) – sowie Michael B. Jordan („Fantastic Four“) als Ex-Geheimagent Erik Killmonger, ein Schurke mit ehrenwerter Gesinnung – können einprägsame Akzente in „Black Panther“ setzen. Das tut dem Film gut, der optisch dagegen mal mehr, mal weniger zu bieten hat. Das Design von Welt und Figuren gestaltet sich mitunter spektakulär, doch solch altbackene Effekte wie die riesigen Nashörner in der finalen Schlacht haben in einem Big-Budget-Blockbuster aus dem Jahr 2018 einfach nichts mehr zu suchen.

Fazit: An Ryan Cooglers „Black Panther“ passt nichts so richtig zusammen. Beim Versuch, sich gänzlich vom Marvel-Erfolgskonzept loszusagen, bleiben so elementare Dinge wie Spaß, Kurzweil sowie die Zeichnung spannender Charaktere auf der Strecke. Und nicht zuletzt wird man den Eindruck nicht los, anstatt eines 130-minütigen Spielfilms hätte es hierfür auch ein Short Movie getan.

„Black Panther“ ist ab dem 15. Februar bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

6 Kommentare

  • Wow, Antje. Einer der momentan wenigen Kritiker mit einem Verriss von Black Panther. Ich war anfangs nicht angetan, weil der Trailer mich anödete. Aber das überwiegend positive Feedback über den Film überzeugte mich, mir das neueste MCU-Abenteuer doch im Kino anzusehen. Bin nun etwas überrascht. Aber gut, jedem seine Meinung. Disney/Marvel ist gut darin, den Zuschauer zu blenden. Das Marketing ist groß und stimmig, die Filme aufwändig. Viele sind leider zu generisch, um nachhaltig zu begeistern. Nun ja, ich bin gespannt, wie mir Black Panther gefallen wird.

  • Nach dieser Kritik habe ich Black Panther als rassistisch eingestuft: https://ze.tt/black-panther-ist-womoeglich-der-bedeutendste-superheldinnenfilm-ueberhaupt/ (Der Film feiert Blackness und stellt Frauen ungewohnt kraftvoll dar. )

    Ich möchte mal erleben was passieren würde, wenn ein Film Whiteness zelebriert.

  • „Für jemanden wie dich“? Uh… ich nehme mal an du hast weder dunkelhäutige Freunde oder wenn doch, dann zumindest mit diesen nicht tiefergehend über ihre Erfahrungen gesprochen? Was bitte ist daran „rassistisch“ Afrikanische Kultur mal positiv(er) darzustellen (Stichwort Afrofuturism z.B.) … rassistisch wäre es, diese über alle anderen Kulturen zu stellen und nicht-dunkelhäutige nur als negative Stereotype bzw minderwertig darzustellen – genau DAS tut der Film eben NICHT!
    *lol* Du willst wissen was passiert wenn ein Film „Whiteness“ zelebriert… so wie min 90% aller Filme?

    Vor was hast du Angst? Das sich der Status Quo ändert? So ein Gefühl der Minderwertigkeit zieht sich für mich immer durch solche Kommentare, die man gerade zu „Black Panther“ jetzt wieder viel liest… echt schade… eher traurig

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