Serienspecial: American Horror Story: Cult

Kaum etwas ist erschreckender als die Realität. Und deshalb spielt AMERICAN HORROR STORY: CULT, die nunmehr siebte Staffel der erfolgreichen Horrorserie, auch im Hier und Jetzt. Worum es genau geht und wie der erste Eindruck ist, das verrate ich im heutigen Serienspecial.

Der Plot

Wir schreiben den 8. November 2016. Die USA sitzen fassungslos vor dem Fernseher und müssen mit ansehen, wie Unternehmer Donald Trump zum 45. Präsidenten ihres Landes gewählt wird. Unter ihnen auch Ally Mayfair-Richards (Sarah Paulson), die gemeinsam mit ihrer Ehefrau Ivy (Alison Pill) und ihrem Sohn Oz (Cooper Dodson) in einem großen Anwesen wohnt und Trumps Kontrahentin Hillary Clinton in den vergangenen Monaten kräftig unterstützt hat. Mit der Gewissheit, wer da nun an der Macht ist, kehren auf einen Schlag all die Ängste zurück, die Ally zuletzt so gut im Griff hatte. Die Besitzerin einer Metzgerei ist Clownphobikerin und hat große Angst vor Löchern, was sie regelmäßig an den Rand des Wahnsinns treibt. In naher Nachbarschaft freut sich indes der unberechenbare Kai Anderson (Evan Peters) über den Ausgang der Wahl: Der homophobe Fremdenfeind sieht in den populistischen Aussagen des neuen US-Präsidenten die Möglichkeit, endlich seine fanatischen Ideen eines neuen Amerika umzusetzen und schleust seine Schwester Winter (Billie Lourd) als Babysitterin bei den Mayfair-Richards ein, die bereits in der ersten Nacht nichts Besseres zu tun hat, als dem kleinen Oz grauenerregende Aufnahmen von Mord und Totschlag zu zeigen…

Kritik

„Ich könnte auf offener Straße Jemanden erschießen und würde trotzdem keine Wählerstimmen verlieren!“ – Nein, dieser Satz entstammt keiner düsteren Kino-Dystopie, nicht dem neuesten Teil der „Purge“-Reihe oder irgendeiner anderen kranken Horrorfantasie über fanatische Landesführer, sondern er fiel während des Wahlkampfs zwischen Donald Trump und Hillary Clinton, bevor der schwerreiche Unternehmer Ende 2016 zum 45. Präsidenten der USA gewählt wurde. Er ist Teil jener Bildmontage, mit der die siebte Staffel der erfolgreichen FOX-Serie „American Horror Story“ beginnt. Es ist die aktuellste des gesamten Formats und spielt zu gleichen Teilen mit der grauenerregenden Realität und den surrealistischen Ideen der Serien-Masterminds Ryan Murphy und Brad Falchuk, denen die unvorstellbare Abnormalität des Wahlausgangs noch nicht schockierend genug war. Stattdessen greifen sie auf einen weiteren Trend (sofern man die Wahl Donald Trumps denn als einen solchen bezeichnen kann) zurück, der in den vergangenen Monaten für Angst und Schrecken in den Vereinigten Staaten und über die Landesgrenzen hinaus sorgte: Horrorclowns. Damit meinen wir nicht das clevere Marketing zum Start des dieses Wochenende sämtliche Rekorde brechenden „Es“-Remakes, sondern die im Sommer 2016 plötzlich an jeder Ecke auftauchenden Maskierten, die in der Verkleidung der einst so harmlosen Zirkusartisten kleine Vergehen bis hin zu handfesten Verbrechen begingen. Der ersten Episode zufolge, spielt darüber hinaus die (tatsächlich existierende!) Angst vor Löchern einer Rolle und laut dem offiziellen Promomaterial dürfen wir uns in den kommenden zehn Folgen außerdem auf jede Menge Bienen gefasst machen. „American Horror Story: Cult“ ist also wieder einmal an Sammelsurium alles Möglichen und Unmöglichen, was uns Angst macht.

Sarah Paulson ist in „American Horror Story: Cult“ ein weiteres Mal mit an Bord.

Schon früh gaben die Serienschöpfer Ryan Murphy und Brad Falchuk nicht bloß bekannt, dass die neueste Season ihres Formats erstmals einen politischen Kern haben, sondern auch, dass „Cult“ eine Verbindung zur vierten Staffel „Freak Show“ aufweisen solle. Dieses Versprechen lösen die Macher direkt nach dem diesmal besonders blutigen Intro ein, denn es gibt ein Wiedersehen mit dem (nach Pennywise) wohl furchterregendsten Horrorclown der Fernsehgeschichte. In einer lupenreinen Referenz an den brutalen Mord eines Pärchens, darf der grausam entstellte Twisty auch diesmal wieder sein Werkzeug auspacken und erst auf den Mann einstechen, um anschließend Jagd auf die Frau zu machen. Doch anders als noch in „Freak Show“ ist Twisty diesmal unverwundbar. Ein Geist? Die Auflösung folgt auf dem Fuß, als sich die blutige Szenerie als Geschichte eines Comics entpuppt, das der zuckersüße Oz heimlich unter der Bettdecke liest. Die Verbindung zwischen Staffel vier und Staffel sieben ist also da – ob diese Szene ein Indiz darauf ist, dass sich „Freak Show“ einzig und allein im Rahmen eines Comicbooks abgespielt haben soll, das beantwortet Regisseur Bradley Buecker an dieser Stelle noch nicht. Und auch nicht, inwiefern die auch in „Cult“ wieder mit an Bord befindliche Sarah Paulson („12 Years a Slave“) im Zusammenhang mit den Ereignissen von einst steht. Die Grundlage für die Thematik der Phobie ist jedoch gegeben – in den USA ist Coulrophobie – also die Angst vor Clowns – weit verbreitet. Hauptfigur Ally kämpft ebenfalls damit. Und mit der Angst vor Löchern, was auf den ersten Blick unwirtlich und albern klingen mag, von den Machern allerdings schon in der ersten aufwändig inszenierten Schocksequenz naheliegend illustriert wird.

Diese spielt sich in einem Supermarkt ab, in dem Ally plötzlich von allerlei grauenerregenden Clowns und lautstarker Rockmusik malträtiert wird. Als auf den Überwachungsbildern später nichts davon zu sehen ist, scheint der Fall klar: Paulsons Figur leidet unter Wahnvorstellungen, was auch ein Rausschmeißer-Jumpscare zum Ende der ersten Episode noch einmal zu unterstreichen scheint. Doch da ist auch der angerissene Nebenhandlungsstrang um einen Mord in Ivys und Allys Nachbarschaft, der ausgerechnet von jener Gruppe monströser Clowns begannen wird, die Ally sich einige Stunden zu vor eigentlich nur eingebildet hat. In „American Horror Story: Cult“ nehmen sich die Macher kaum Zeit, eine dramatischer Fallhöhe ob der Frage entstehen zu lassen, ob der Schrecken nun übernatürlicher Natur ist oder auf einer realistischen Gefahr basiert. Stattdessen bekommt der Zuschauer von Vornherein beide Variationen präsentiert – und zwar auf eine solch glaubwürdige Weise, dass man schon mit dem Ende der ersten Folge kaum noch weiß, was man denn nun glauben soll und was nicht. Die einmal mehr überragende Sarah Paulson, die im Serienauftakt noch das Geschehen nominieren darf, trägt dazu bei, dass sich das von ihr erlebte Martyrium ansteckend auf das Publikum übertragt. Ihre Ängste sind unsere Ängste!

Evan Peters mimt in „American Horror Story: Cult“ den fanatischen Anführer eines unheimlichen Kults…

Parallel zu den Ereignissen rund um Ally zeigen uns die Macher, was in den vier Wänden jener Menschen passiert, in denen die Wahl von Donald Trump eine ganz andere Art der Hysterie auslöst: Evan Peters („X-Men: Apocalypse“), der in der Auftaktfolge noch recht wenig zu tun bekommt, in seinen kurzen Auftritten allerdings gleichermaßen wahnwitzig wie erschreckend realitätsnah auftritt (in einer Szene macht er seinem Unmut über das Homosexuellenpaar Ally und Ivy Luft, indem er ihnen im Vorbeigehen den Kaffeebecher über das Shirt kippt), mimt einen Fanatiker, der voll und ganz auf die von Trump getätigten Äußerungen anspringt und in seiner Freizeit schon mal mexikanische Gastarbeiter mit Urinbomben beschmeißt. Den Machern zufolge soll sich seine Figur später in eine von Sektenführern wie Charles Manson inspirierte Richtung entwickeln, was letztlich auch bereits in gewisser Weise den Untertitel „Cult“ erklären könnte. Der bleibt im Laufe der ersten 45 Minuten nämlich nur vage angedeutet, wenn es sich bei der Gruppe von Killerclowns denn tatsächlich um mehr handelt, als um eine Wahnvorstellung von Ally. Genauso wie viele andere Mysterien zunächst einmal nur angerissen bleiben: Was hat es mit der merkwürdigen Babysitterin zu tun? Was plant Kai Anderson? Wie sicher steht es um die Ehe zwischen Ally und Ivy? Was führt der Tötungsszenen malende Oz im Schilde? Und ist Donald Trump am Ende vielleicht nur ein einziger großer PR-Gag für die siebte Staffel von „American Horror Story“? Von Letzterem ist nicht auszugehen – und genau das macht „Cult“ bereits von Anfang an so unheimlich. Wir freuen uns auf zehn weitere Folgen, in denen – wieder einmal – alles passieren kann.

Fazit: Die erste Folge von „American Horror Story: Cult“ verspricht einmal mehr ein unheimliches Sammelsurium großer und kleiner Dinge, die dem Zuschauer Angst machen. Den Ausgangspunkt bietet die Wahl des 45. US-Präsidenten Donald Trump – das ist vom Gruselfaktor her kaum zu toppen.

Die elf Folgen von „American Horror Story: Cult“ sind ab dem 9. November 2017 wöchentlich um 21:00 Uhr im Fox Channel zu sehen.

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