Song to Song

Kinopoet Terrence Malick liefert mit seinem romantischen Drama SONG TO SONG seinen nunmehr achten Spielfilm ab. Ob es ihm damit gelingt, sein aufgrund der inhaltlichen Redundanz seiner Werke zuletzt vergraultes Publikum wieder zurück zu gewinnen, das verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Musikproduzent Cook (Michael Fassbender) ist eine ebenso erfolgreiche wie exzentrische Lichtgestalt der berüchtigten Musikszene von Austin, Texas. In der Hoffnung auf ihren großen Durchbruch lässt sich die ambitionierte Musikerin Faye (Rooney Mara) auf eine Affäre mit ihm ein, die ihr schnell zum Verhängnis wird, als sie den aufstrebenden Songwriter BV (Ryan Gosling) kennenlernt und sich in ihn verliebt. Abseits des Rampenlichts entwickelt sich ein explosives Dreiergespann, deren Protagonisten sich zwischen Liebe, Betrug und Sinnlichkeit treiben lassen…

Kritik

Regisseur Terrence Malick ist einer von der ganz scheuen Sorte. Interviews gibt er kaum, seine Auftritte bei Pressekonferenzen lassen sich an einer Hand abzählen. Zyniker würden sagen, dass er sich den Fragen der Journalisten aber ohnehin nicht mehr stellen braucht. Inszeniert er doch seit Jahren immer den gleichen Film und tauscht dabei lediglich Teile des Ensembles und das Umfeld aus, in dem gedreht wird. Mit dem undursichtigen Bilderreigen „Tree of Life“ fing alles an; anschließend ließ er mit „To the Wonder“ und „Knight of Cups“ zwei weitere Filme folgen, in denen er ausgewählte Bildkompositionen fragmentarisch aneinander reihte und mit einem Voice-Over zu einer zweistündigen Montage verband. Jetzt führt Malick seine Vision derart sperrigen Erzählens fort. In „Song to Song“ folgt er in 129 Minuten einem Dreiecksgespann aus Michael Fassbender („Alien: Covenant“), Rooney Mara („Una und Ray“) und Ryan Gosling („La La Land“), das sich unter dem Oberthema Musik mehrfach ver- und entliebt. Kommentiert wird das Ganze einmal mehr sehr vage aus dem Off und so merkt man schon: Malick wiederholt sich. Diesmal allerdings nicht nur innerhalb seiner Vita, sondern auch innerhalb eines Films. Wer bislang kein einziges Werk des Kinopoeten gesehen hat, erlebt mit „Song to Song“ dennoch eine einzigartige Erfahrung, doch mit den Kenntnissen seiner letzten Filme wirkt die von Malick an den Tag gelegte Redundanz alsbald ermüdend.

Faye (Rooney Mara), Cook (Michael Fassbender) und BV (Ryan Gosling) auf einer Party

Obwohl sich Terrence Malick für jeden seiner Filme eine Art Thema aussucht, ist das solche in „Song to Song“ endlich mal nicht bloß symbolischer Natur. Die Hauptfiguren stammen alle aus der Musikbranche, sodass sich zunächst ein Großteil der Handlung vor der Kulisse großer Konzerte oder auf von der Musikindustrie organisierten Partys abspielt. Die Charaktere dürfen bei Gelegenheit sogar selbst Musik machen; etwa wenn Ryan Gosling am Piano in die Tasten haut (hat er das ja ohnehin gerade erst für seine Performance in „La La Land“ gelernt). Doch auch, wenn Gastauftritte von Iggy Pop, den Red Hot Chili Peppers oder Patti Smith punktuell für ausgelassene Stimmung im Kinosaal sorgen und der Filmtitel „Song to Song“ direkt aufgegriffen wird, verläuft die Erzählung nach einer Weile in, für Malick’sche Verhältnisse gesprochen, schematischen Bahnen. Schon bald rückt das Musikthema in den Hintergrund und spielt irgendwann sogar gar keine Rolle mehr. Das hat zur Folge, dass es fast gleichgültig scheint, ob das Geschehen auf der Leinwand nun aus „Song to Song“, „Knight of Cups“ oder „To the Wonder“ stammt – Terrence Malick greift für seine Filme zum nunmehr vierten Mal auf die gleichen Zutaten zurück. Hob sich „Tree of Life“ aufgrund seiner sich voll und ganz auf die freie Interpretation seines Publikums verlassenen Inszenierung von Malicks bisherigem Schaffen ab, sind seine Filme spätestens seit „To the Wonder“ tragische Liebesgeschichten im Gewand poetischer Bilderreigen. Insofern bleibt sich der Filmemacher zwar treu, dürfte diejenigen zufrieden stellen, für die sein Name ohnehin zum Synonym derartigen Inszenierens geworden ist, doch so langsam vermisst man neue Impulse.

Dem Ensemble scheint das nichts auszumachen. Einmal mehr ist es Terrence Malick gelungen, für seinen Film das Who-is-Who Hollywoods vor der Kamera zu versammeln. Die Leichtigkeit, mit welcher Ryan Gosling, Michael Fassbender, Rooney Mara und später auch noch Natalie Portman („Jackie“) und Cate Blanchett („Der Moment der Wahrheit“) auf der Leinwand agieren, ist berauschend. Der Eindruck, die Darsteller würden zu irgendeinem Zeitpunkt nach Drehbuch spielen, kommt während des ganzen Films nicht einmal auf (kein Wunder – es gab ja auch keines). Verspielt und losgelöst auf der einen, melancholisch und nachdenklich auf der anderen Seite, ist die emotionale Spannbreite sämtlicher Akteure enorm. Das ist wichtig, denn wie Malicks vorherige Werke vermittelt auch „Song to Song“ erzählerischen Fortschritt in erster Linie durch Gestik und Mimik. Mit Ausnahme des wechselnden Voice-Overs wird in diesem Film kaum gesprochen. Einmal mehr entlässt der Regisseur seine Schauspieler in symbolträchtige Szenen, nutzt die endlosen Weiten ausgetrockneter Flussbetten, um die innere Leere seiner Figuren zu veranschaulichen oder betont die vorherrschende Leidenschaft zwischen ihnen durch die Inszenierung ausgiebiger Sexszenen. „Song to Song“ funktioniert vornehmlich über das Wirken. Eine geradlinige Geschichte lässt der Film dagegen vermissen. Das muss man mögen, denn wenn nicht, können sich die 129 Minuten schon mal doppelt so lang anfühlen.

Cook (Michael Fassbender) und Rhonda (Natalie Portman)

Kameramann Emmanuel Lubezki arbeitet bereits seit 1983 in der Branche, doch seit einigen Jahren erlebt der gebürtige Mexikaner einen echten Höhenflug. Zu seinen zum Teil preisgekrönten Projekten gehört die Arbeit an Filmen wie „Gravity“, „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ sowie „The Revenant – Der Rückkehrer“. Terrence Malick arbeitete bereits vielfach mit Lubezki; die schwelgerisch-poetischen Aufnahmen des Bilderkünstlers sind wie geschaffen für die aussagekräftigen Aufnahmen des Regisseurs, wenngleich sich einzelne Motive auch in der visuellen Aufmachung wiederholen. Landschaftspanoramen, extreme Close-Ups auf die Gesichter der Darsteller, Kameraschwenks gen Himmel – „Song to Songs“ ist fast schon ein Best-Of sämtlicher Bilder, die Terrence Malick zuletzt in seinen Filmen untergebracht hat. Auf der einen Seite betont das das sich wiederholende Muster im ewig gleichen Ablauf der Liebe, auf der anderen Seite nimmt es der Faszination Malick aber auch an Glaubwürdigkeit. So fühlt man sich mitunter dabei ertappt, während des Films darüber nachzudenken, ob dem Regisseur (und Drehbuchautor) langsam nichts Neues mehr einfällt. Und das ist ganz schön schade, denn die Schönheit seiner Werke kann man ihnen gewiss nicht absprechen.

Fazit: Bei Malick nichts Neues – „Song to Song“ führt sehr konsequent das weiter, was Terrence Malick bereits mit seinen bisherigen Filmen zu erzählen hatte. Dem Ensemble scheint das zu gefallen, auch die Bildkompositionen von Emmanuel Lubezki sind exzellent. Doch so langsam ermüdet das ewig gleiche Konzept des träumenden Kinopoeten.

„Song to Song“ ist ab dem 25. Mai in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

Und was sagt Ihr dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s