Videoabend: Gefällt mir

Kino ist teuer, mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden und wer generell nicht gern unter Leute geht, der muss die Stoßzeiten meiden, um einen Film in Ruhe und ohne Störungen genießen zu können. Wenngleich die Videotheken nach und nach vom Online-Streaming verdrängt werden, geht doch nichts über einen gemütlichen Filmeabend auf dem heimischen Sofa. Obwohl die Auswahl riesig ist und Kinofilme immer schneller nach ihrem Start auch auf DVD und Blu-ray Disc erhältlich sind, lohnt sich sich ab und zu, einen Blick auf den Direct-to-Video-Markt zu werfen. Manchmal finden sich hier nämlich echte Perlen, ebenso sehr wie solche, die sich erst im Nachhinein als Rohrkrepierer erweisen. In meiner Rubrik VIDEOABEND möchte ich Euch jede Woche einen Film vorstellen, der es hierzulande nicht oder nur sehr limitiert ins Kino geschafft hat.

Diese Woche widme ich mich dem deutschen Low-Budget-Horrorfilm „Gefällt mir“, der seit dem 2. Dezember 2016 auf DVD im Handel erhältlich ist.

Gefällt mir

In der norddeutschen Kleinstadt Heide treibt ein berüchtigter Serienmörder sein Unwesen. Da er von seinen Opfern stets eine Hand als Trophäe stielt, die er anschließend in den sozialen Netzwerken zur Schau stellt, wurde er vom deutschen Volk „Fleischer“ getauft. Als die beste Freundin der jungen, hitzköpfigen Natascha (Isabella Vinet) ermordet wird, findet er in der durchtrainierten Kampsportlerin die optimale Gegnerin. Sie erklärt dem Fleischer, der seine Taten bei Facebook ankündigt und sich anschließend damit brüstet, den Krieg. Es beginnt ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel, das nicht bloß immer mehr Opfer fordert, sondern schon bald auch die gesamte Gesellschaft mit in die Geschichte einbezieht. Als ein Täter gefasst zu sein scheint, nehmen die Ereignisse eine ebenso dramatische wie unerwartete Wendung, die alle Beteiligten vor den Kopf stößt…

Der Verleih bewirbt ihn wie folgt:

Der erste Social-Media-Thriller endlich auf DVD!

Kritik

Das Horrorprojekt „Gefällt mir“ von den Geschwistern Michael David (Regie, Drehbuch und Produktion) und Miguel Angelo Pate (Produktion) hat eine bewegte Entstehungsgeschichte hinter sich. Inspiriert von der Aktualität der Themen Selbstjustiz, weltweite Vernetzung und den allgegenwertigen Gefahren der modernen Medien sowie dem kurz vor Entstehung des Films stattgefundenen, beeindruckenden Talkshow-Auftritt von Til Schweiger, der klare Worte zum Umgang mit Sexualstraftätern fand, verfasste Pate ein Skript, um es mithilfe seines von der Idee ebenfalls begeisterten Bruders unabhängig von gängigen Filmschmieden selbst zu produzieren. Ähnlich des Trends der Schwarmfinanzierung fanden sich aufgrund erster gedrehter Szenen, einer pfiffigen PR-Strategie und eines sich sukzessive entwickelnden Hypes immer mehr Financiers, sodass «Gefällt mir» von einer Produktion mit Minimalbudget zu stattlicher Größe heranwuchs und gar namhafte, deutsche Schauspielgrößen von seiner Qualität überzeugen konnte. „Gefällt mir“ kann mit einer tollen, gerade aufgrund des noch nicht allzu hohen Bekanntheitsgrades so authentischen Besetzung aufwarten. Neben Newcomerin Isabella Vinet („Die vierte Macht“) in der weiblichen Hauptrolle sowie Tobias Schenke („Harte Jungs“) als männliches Gegenstück sind unter anderem die Synchron-Koryphäe Santiago Ziesmer (die deutsche Stimme von u.a. Steve Buscemi) und Udo Schenk („Kleine Morde“) in kleineren Nebenrollen zu sehen.

Die schnörkellose Story über die Jugendliche Natascha, die einen Serienkiller im Rahmen einer TV-Show zu einem Duell herausfordert, kombiniert geschickt die Grundsätze des klassischen Slasher-Films mit den Mechanismen der modernen Gesellschaftskritik. Der schlichten Kameraarbeit von Florian Geiss wird durch punktgenau platzierte Einblendungen von Statusupdates, Facebook-Nachrichten und Mail-Ankündigungen ein Meta-Touchbeigefügt, der dem Publikum ihr eigenes Online-Verhalten wie einen Spiegel vors Gesicht hält. Das ist in seiner Konsequenz manchmal regelrecht penetrant, erfüllt aber seinen Zweck; die „Generation Facebook“ wird sich in diesem Film besser wiedererkennen, als es ihr lieb sein wird. Und als sich gen Ende hin die Ereignisse auf eine Art und Weise zuspitzen, bei der es nur noch eine Frage der Zeit sein wird, bis Hollywood diesen Plottwist für seine Zwecke nutzt, wird klar: Das deutsche Genrekino lebt!

GEFÄLLT MIR stammt von Michael Pate, der auch das Drehbuch zum Film schrieb. Der Cast besteht unter anderem aus Isabella Vinet, Gedeon Burkhard, David Gant, Sebastian Hülk, Michael Epp, Nasia Jansen, Tobias Schenke, Udo Schenk, Santiago Ziesmer, Charles Rettinghaus und Ronald Nitschke. Bei dem Film handelt es sich um einen Horrorfilm, produziert in Deutschland aus dem Jahr 2014. Der Film ist hierzulande ungekürzt auf DVD erhältlich und ab 16 Jahren freigegeben. Die Länge beträgt 97 Minuten.

Fazit

„Gefällt mir“ ist trotz ihres Status als Low-Budget-Projekt der beste Beweis dafür, dass ein Film eben nicht ausschließlich von hohen Produktionsstandards lebt, sondern eine gute Geschichte eben auch dann überzeugt, wenn man sich als Macher ausschließlich darauf konzentriert. Die einfallsreiche Horrorsatire und die richtig fiese Pointe entfalten sich eben auch dann, wenn man nur wenig Geld für die Inszenierung derselben zur Verfügung hat. Wenn das mal kein Geheimtipp ist!

Mein Tipp: kann man kaufen!

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