Star Trek Beyond

Im Kampf um die Blockbuster-Krone 2016 mischt in diesem Jahr auch ein neuer Film aus dem „Star Trek“-Universum mit. Doch STAR TREK BEYOND von „Fast & Furious“-Regisseur Justin Lin trägt leider zu deutlich die DNA der beliebten Auto-Actionfilme, um Herz, Spaß und Abenteuer unter einen Hut zu bringen. Mehr dazu in meiner Kritik.Star Trek Beyond

Der Plot

Auf ihrer Forschungsmission gerät die Enterprise in einen gnadenlosen Hinterhalt. Unter Dauerbeschuss kann die Crew um Captain Kirk (Chris Pine) nur in letzter Sekunde auf fremdem Terrain notlanden. Doch statt in Sicherheit befindet sie sich plötzlich zwischen den Fronten eines scheinbar ausweglosen Konflikts. Getrennt voneinander und ohne Kontakt zur Außenwelt ziehen Kirk und sein Team in den Kampf gegen einen mysteriösen und übermächtigen Feind.

Kritik

Der Erfolg des mittlerweile sieben Filme umfassenden „Fast & Furious“-Franchises liegt in zwei verschiedenen Elementen begründet. Auf der einen Seite sind da die spektakulären Autostunts, die ab dem neuesten Teil endlich auch weitestgehend handgemacht sind und nicht mehr ausschließlich aus dem Computer stammen, auf der anderen Seite ist da aber auch das permanente Geschwafel um Familienzusammenhalt und die Wertigkeit persönlicher Beziehungen, das in seinem häufigen Aufkommen aber nicht mehr authentisch, sondern einfach nur penetrant und kitschig daherkommt. Doch sei es drum: Der Erfolg spricht für sich. Und wenn sich die Qualitätskurve auch in den nächsten Teilen weiter aufwärts bewegt, dauert es nicht mehr lange, bis wir mit Teil 20 dann auch endlich einen wirklich gelungenen Film der Reihe zu Gesicht bekommen. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, gibt uns dieser Tage Justin Lin (inszenierte Teil drei bis sechs der „Fast & Furious“-Saga) die Gelegenheit dazu, eine abgewandelte Form der obendrein auch von ihm produzierten Autoracing-Reihe zu bestaunen. Sein von J.J. Abrams übernommener Ausflug ins „Star Trek“-Universum hat den dramaturgischen Mehrwert einer „Fast & Furious“-Episode, die sich anders als auf den Straßen einer x-beliebigen US-Metropole diesmal eben im Weltall abspielt. Eine Handvoll Vorzüge gegenüber den von Vin Diesel angeführten Actioneskapaden kann „Star Trek Beyond“ dann aber doch vorweisen. So punktet die 123 Minuten andauernde Blockbuster-Produktion mit deutlich sympathischeren Figuren, feinem Witz sowie einer technisch in allen Belangen überragenden Inszenierung.

Star Trek Beyond

Die Kritik zum letzten „Star Trek“-Film „Into Darkness“ beendeten wir mit dem Fazit, dass die neue Generation der Trekkies fortan mit Terrorismus im All, anstatt mit netten Erkundungstouren zu fremden Galaxien gefüttert werden soll. So düster, melancholisch und humorbefreit präsentierte sich die inoffizielle Neuauflage von „Der Zorn des Khan“ im Jahr 2013, mit einem überragenden Benedict Cumberbatch in der Rolle des Widersachers. Als vor einigen Monaten schließlich ein erster Trailer zu „Star Trek Beyond“ veröffentlicht wurde, erinnerten diese Bewegtbilder dann plötzlich mehr an eine Variation des „Guardians of the Galaxy“-Erfolgskonzepts, dem Hauptdarsteller und Autor Simon Pegg („Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück“) jedoch schon wenig später mit Nachdruck widersprach. „Star Trek Beyond“ würde nicht so leichtfüßig-humoristisch sein, wie es der zum Beastie-Boys-Evergreen „Sabotage“ geschnittene Trailer ankündigte. Entsprechend ernster inszenierte man schließlich die zweite Vorschau, die an den gesetzten Tonfall von „Star Trek into Darkness“ anzuknüpfen schien. So ganz können wir nicht verstehen, weshalb sich Simon Pegg so gezielt gegen die Ausrichtung des ersten Trailers wehrte, denn mit der Melancholie des Vorgängerfilms hat „Star Trek Beyond“ dankenswerterweise nicht mehr viel gemein. Im neuesten Film darf die Crew um Captain Kirk endlich wieder ausgiebigen Spaß haben, sich mit putzigen Wesen von fremden Planeten auseinander setzen und in entscheidenden Momenten ordentlich auf die Kacke hauen. Sehr zum Leidwesen von Atmosphäre und Spannung, denn der Versuch, Spaß und Abenteuer unter einen Hut zu bringen, misslingt Justin Lin über weite Strecken.

Bei einem Popcornfilm dieses Kalibers sind die technische Ausstattung und Optik nicht unwesentlich ausschlaggebend für das gesamte Erscheinungsbild. Zumindest auf dieser Ebene weiß Justin Lin durchgehend zu beeindrucken. Setting, Effekte, Kameraarbeit, Kostüme und Make-Up lassen nie auch nur einen Hauch des Zweifels, dass Captain Kirk und Co. tatsächlich im Weltraum unterwegs sind. Anders als ein direktes Negativbeispiel wie etwa die Marvel-Comicverfilmung „Fantastic Four“ aus dem Jahr 2015, entsteht zu keinem Zeitpunkt der Eindruck von Studiokulissenverwendung. Auch der Einsatz von Greenscreen oder CGI bleibt im Großen und Ganzen unsichtbar. Selbst wenn manche Sequenzen des Aufwandes wegen definitiv mit Computertrickeffekten realisiert werden mussten, leidet weder die Authentizität darunter, noch reißt es den Zuschauer aus der ohnehin sehr haptischen Inszenierung. Dasselbe gilt für die aufwändigen Masken und Kostüme, die sowohl von einem hohen Arbeitsaufwand, als auch von einer immensen Detailverliebtheit zeugen. Eine Figur wie die von Sofia Boutella („Kingsman: The Secret Service“) energetisch verkörperte Außerirdische Jaylah (übrigens eine von den Machern bewusst gewählte Hommage an Hollywoodstar Jennifer Lawrence) hätte man auch am Computer zu ihrem bemerkenswerten Äußeren verhelfen können. Stattdessen machte man sich die Mühe, die Schauspielerin mittels Handarbeit in das Wesen zu verwandeln, als welches sie „Star Trek Beyond“ ihren ganz eigenen Stempel aufdrückt; nicht zuletzt, weil sie als eine von wenigen Figuren mehrere Facetten zugestanden bekommt.

Star Trek Beyond

Leider lässt sich das nicht von allen Charakteren behaupten. Auch wenn „Star Trek Beyond“ aufgrund der intuitiven Interaktion unter den Darstellern als Ensembleleistung überzeugt, lässt sich ein Großteil der Figuren gezielt auf eine bestimmte Funktion beschränken. Simon Pegg ist als Montgomery Scott hauptsächlich für das Von-sich-geben kerniger One-Liner zuständig, die er mit einer charmanten Trottel-Attitüde vorträgt. Chris Pine („The Finest Hours“) sorgt für den emotionalen Kern des Films, der die Neutralität eines Commander Spock (Zachary Quinto) gegenüber gestellt wird. Zoe Saldana („Der Dieb der Worte“) hat als Lieutenant Uhura diesmal so gut wie gar nichts zu tun, während sich John Chu („Get a Job“) alias Sulu als Pilot beweisen darf, abseits dessen aber ebenso wenig die Gelegenheit bekommt, das Geschehen voranzutreiben. Die subtil inszenierte Sequenz ob Sulus Homosexualität inszeniert Justin Lin übrigens tatsächlich so beiläufig, wie es die Situation erfordert. Leider verliert diese Zurückhaltung aufgrund der vorab stattgefundenen Debatte um besagte Szene ihre natürliche Wertigkeit. Einzig die Figur des kurz nach dem Dreh verstorbenen Anton Yelchin („Green Room“) vereint gefühlsbetonte Regungen mit spaßigem Abenteuerstreben und wird uns in den kommenden Fortsetzungen schmerzlich fehlen. Und Idris Elba („Bastille Day“)? Der bringt zwar eine ausreichende physische Präsenz mit, um seinen Bösewicht Krall bedrohlich genug erscheinen zu lassen, die Beweggründe für sein Handeln, einhergehend mit der Art, sich gegen die Feinde aufzulehnen, sind allerdings zu beliebig gewählt, um auch nur im Ansatz mit vorausgegangenen Schurken des „Star Trek“-Universums mitzuhalten.

Dramaturgisch folgt „Star Trek Beyond“ in seinen zwei Stunden einem leicht durchschaubaren Aufbau. Auf eine mit diversen coolen Sprüchen und skurrilen Situationen gespickte Abenteuersequenz folgt das Sinnieren über tiefergehende, emotionale Befindlichkeiten einzelner Figuren, was schließlich in ausladende Actionszenen mündet. Letztere punkten zwar mit einem handgemachten Erscheinungsbild, unruhige Kamerafahrten und hektische Schnittfolgen verwehren dem Zuschauer jedoch mehr als einmal ein angenehmes Seherlebnis („Fast & Furious“ lässt grüßen!). Auch der mit der Zeit immer öfter willkürlich-kalkuliert wirkende Tonfall-Wechsel zwischen nachdenklich und leichtfüßig raubt dem Geschehen Authentizität; wirken die Leinwandgeschehnisse doch irgendwann arg der Dramaturgie geschuldet, die in ihrer dahinplätschernden Art wie eine viel zu auslandende Serien-Episode wirkt und nicht unbedingt die Ausarbeitung innerhalb eines Langspielfilms rechtfertigt. So ist „Star Trek Beyond“ durchgehend arm an Highlights und wenn sich schließlich doch eines herauskristallisiert (Stichwort: Sabotage), dann ist dieses so schnell vorüber, dass auch ein solches nicht den Kauf eines Kinotickets rechtfertigt. Die Fans des Franchises wird das gewiss nicht stören; erst recht nicht, weil bei aller Harmlosigkeit von „Star Trek Beyond“ doch erst recht ein nostalgischer Charme wiederbelebt wird, der den vergangenen beiden Filmen abging.

Macht immerhin auf der technischen Ebene alles richtig: „Star Trek Beyond“

Fazit: „Star Trek Beyond“ liefert genau das, was Justin Lin mit seiner Regiearbeit riskiert: wenig. Der Raumschiff-Blockbuster punktet mit einer Grundsympathie der Figuren und einer spektakulären Optik. Inhaltlich sind Konflikte und Dramaturgie hingegen so austauschbar, dass ein während der Vorstellung stattfindender Gang auf die Örtlichkeiten nicht für das Gefühl sorgt, irgendetwas Relevantes verpasst zu haben. Immerhin dürfen Spock und seine Crew diesmal wieder mehr Spaß haben, als in den bierernsten Vorgängerfilmen.

„Star Trek Beyond“ ist ab dem 21. Juli in den deutschen Kinos zu sehen – auch in ordentlichem 3D!

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