A Bigger Splash

Die kommende Woche meint es das Kino wahrlich nicht gut mit uns Filmfreunden. Den Anfang der kommenden Nervtöter macht das europäische Erotikdrama A BIGGER SPLASH, das zwar auf visueller Ebene besticht, aber diesen Reiz mithilfe unausstehlicher Figuren und lächerlichen Dialogen alsbald zunichte macht. Mehr dazu in meiner Kritik.A Bigger Splash

Der Plot

Das berühmte Künstlerpaar Paul (Matthias Schoenaerts) und Marianne (Tilda Swinton) reist auf die idyllische Insel Pantelleria, um in der malerischen Abgeschiedenheit Süditaliens einen romantischen Urlaub zu verbringen. Es scheint der perfekte Ort. Doch die Harmonie der beiden gerät abrupt ins Wanken, als sie unerwartet Besuch von ihrem alten Freund Harry (Ralph Fiennes) und dessen äußerst attraktiven Tochter Penelope (Dakota Johnson) bekommen. Während Paul bald der lasziven Ausstrahlung der jungen Frau verfällt, erwacht zwischen Marianne und Harry eine „alte“ Leidenschaft. Ein gefährlicher Sog zieht die vier immer tiefer in einen Abgrund aus Eifersucht, Leidenschaft und sexueller Obsession…

Kritik

Tilda Swinton („Dating Queen“), Ralph Fiennes („James Bond 007: Spectre”), Dakota Johnson („How To Be Single“) und Matthias Schoenaerts („Der Geschmack von Rost und Knochen“): Es ist ein echter Starcast, den  Regisseur Luca Guadagnino für sein „Swimming Pool”-Remake „A Bigger Splash“ an die Küste der italienischen Ferieninsel Pantelleria verschifft hat. Hier, direkt um die Ecke, machte vor einer Weile ein enormer Flüchtlingszustrom Schlagzeilen, Stichwort: Lampedusa. Doch auch wenn es sich ihm der Aktualität wegen ja anbieten würde, sich in seinem Filmdrama auf die sozialen Missstände des Landes zu konzentrieren, widmet sich der Macher des für 2017 angekündigten „Suspiria“-Remakes lieber den Reichen und Schönen, dichtet ihnen dafür aber nicht automatisch weniger Probleme an. Nein, wenn man die vier Hauptfiguren in „A Bigger Splash“ so sinnieren hört, dann kommt einem schon ziemlich bald unweigerlich der Gedanke, dass all die Probleme der sonnengebräunten Italienurlauber mindestens genau so schlimm sein müssen, wie jene der vor den ISIS-Kämpfern fliehenden Migranten. „First World Problems!“ möchte man den Figuren entgegen schreien, doch auch das würde diesen Haufen unsympathischer Bonzen vermutlich nicht davon abhalten, sich weiter ihrer sinnlosen, amourösen Verwicklungen hinzugeben, die mit einem einzigen, klärenden Gespräch sofort aus der Welt geschafft wären. Doch da geht es auch schon los: Der einzig halbwegs klug erscheinende Figur – Marianne – wurde der Dramaturgie wegen einfach mal ihre Stimme genommen. Und so passiert in dem philosophisch angehauchten Erotikdrama einfach mal gar nichts – über zwei Stunden lang.

A Bigger Splash

Eine solch große Ansammlung ausschließlich unausstehlicher Charaktere hat man im anspruchsvollen Kino schon lange nicht mehr gesehen. Dabei ist das Weglassen allzu sympathischer Figuren ja erst mal kein Todesurteil. Gerade im intellektuell angehauchten Arthouse-Film wird gern auf allzu simple Charakterzeichnungen verzichtet, sodass sich die Figuren erst nach und nach dem Zuschauer erschließen müssen. In „A Bigger Splash“ ist allerdings etwas ganz Anderes das Problem: Paul, Marianne, Harry und Penelope sind nicht etwa einfach nur anstrengend, sie sind obendrein auch noch vollkommen uninteressant. Die Beziehungsscharmützel zwischen Paul und Marianne könnten in ihrer Simplizität aus einem Kitschroman stammen, wann immer zwischen den Zeilen subtile Empfindungen aufzukeimen drohen, platzt eine andere Figur unangenehm aufdringlich dazwischen und Tilda Swinton aufgrund einer Stimmband-Operation die Stimme zu nehmen, treibt die Schauspielerin zwar zu Höchstformen an, doch man merkt, dass dieser Kniff innerhalb des Drehbuchs nur deshalb existiert, um auf Biegen und Brechen dramaturgische Alleinstellungsmerkmale zu kreieren. Dabei ist es für die Handlung von keinerlei Relevanz, ob Marianne nun spricht oder nicht; trotzdem lässt es sich Luca Guadagnino nicht nehmen, den Wegfall der Sprache mithilfe von bedrohlicher Musik immer wieder zu fokussieren. Ganz so, als hätten wir es hier permanent mit einem Schwindel zu tun, der allerdings keiner ist – höchstens ein Betrug am Zuschauer, der sich die ganze Zeit fragt: Was soll das hier eigentlich?

Nur weil nichts passiert, ist „A Bigger Splash“ noch lange keine Kunst. Während die italienisch-französische Koproduktion auf technischer Ebene berauscht und dank Kameramann Yorick Le Saux („Die Wolken von Sils Maria“) einlullend-elegante Bildkompositionen vorweisen kann, ergötzt sich der Regisseur viel zu sehr an der – im wahrsten Sinne des Wortes – urlaubsreifen Kulisse. Jene ruft beim Zuschauer automatisch den Wunsch nach Sonnenstunden an der italienischen Küste hervor und macht sich selbst damit zum größten Star von „A Bigger Splash“. Dass die Macher gen Ende hin mit der weit auseinander klaffenden, sozialen Schere zu hantieren versuchen, indem sie dem Geschehen innerhalb des Luxusanwesens Bilder von abgemagerten, ziellos umher irrenden Flüchtlingen gegenüberstellen, ist deshalb so fatal, weil hieraus nichts entsteht. Fast scheint es so, als hätte es Luca Guadagnino für ein notwendiges Übel befunden, in Zeiten der Flüchtlingskrise auch in einem Film, der ohnehin schon ohne jeden Fokus und inszenatorisch vollkommen ausgefranst daherkommt, zusätzlich noch so etwas wie einen mahnenden Zeigefinger zu erheben, der sein Publikum daran erinnern soll, dass es neben den Reichen und Schönen eben auch noch die Armen gibt. Wie so vieles in „A Bigger Splash“ ist auch das per se nicht schlimm, aber ohne Sinnhaftigkeit in die Szenerie eingebettet, ergibt auch der lohnenswerteste Ansatz noch lange nicht den erhofften Aha-Effekt, sondern ist einmal mehr pures Blendwerk.

A Bigger Splash

Den Darstellern lässt sich im Anbetracht der schwachen Skriptgrundlage von David Kajganich („True Story – Spiel um Macht“) schwer vorwerfen, hier nicht das Optimum ihrer üblichen Leistung abzurufen. Die mittlerweile eigentlich deutlich gereifte Christian-Gray-Gespielin Dakota Johnson fällt nach ihrer sympathisch-bodenständigen Darbietung in „How To Be Single“ wieder auf „Fifty Shades of Grey“-Niveau zurück. Während sie sich zum Großteil ausschließlich darauf beschränkt, sich lasziv am Beckenrand des Pools zu räkeln und hin und wieder lüsterne Kommentare zu hauchen, gelingt es Matthias Schoenaerts in seiner kantigen Art immerhin, die Handlung im Ansatz voranzutreiben. Besonders tiefsinnig ist all das, was die Figuren hier von sich geben, zu keinem Zeitpunkt. Doch der wuchtige Belgier gefällt darin, eine emotionale Verwundbarkeit mit verführerischen Coolness zu verbinden. Ralph Fiennes genießt sich indes zwar sehr in seiner freizügigen Performance, doch die manisch-visionäre Attitüde des schmierigen Unsympathlings ist nicht in der Lage, darüber hinwegzutäuschen, dass sich dem Zuschauer die Faszination für den von ihm gespielten Schnösel nicht erschließt. Hier agieren Widerlinge mit Widerlingen – da gibt es außer der Frage, wie sich das ganze Szenario schlussendlich wohl auflöst (kurze Auskunft: für einen Moment spektakulär aber ohne jedwede Folgen für irgendeine der Figuren), nichts, was es rechtfertigen würde, dass man sich freiwillig mit solchen Zeitgenossen für zwei Stunden in einen Kinosaal einschließt.

Fazit: Irgendwo im Kern mag in dem wirklich schön gefilmten „A Bigger Splash“ ja eine sozialkritische Charakterstudie stecken, doch Regisseur Luca Guadagnino ist viel lieber daran gelegen, dass sich seine durch und durch ätzenden Figuren durch ein bedeutungsschwangeres Skript overacten, dass am Ende nicht viel bleibt, außer der Wunsch nach dem baldigen Sommerurlaub!

„A Bigger Splash“ ist ab dem 5. Mai in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen!

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