Bibi & Tina: Mädchen gegen Jungs

Martinshof, die Dritte: Für BIBI & TINA: MÄDCHEN GEGEN JUNGS begeben sich die beliebten Freundinnen hinein ins Campinggetümmel, um einmal mehr mit herrlich skurrilem Witz, schrillen Charakteren und schmissigen Ohrwürmern das Publikum um den Finger zu wickeln. Ob das auch diesmal funktioniert, das verrate ich in meiner Kritik.
Bibi & Tina: Mädchen gegen Jungs

Der Plot

Sommerzeit – Campingzeit! Tina (Lisa-Marie Koroll) freut sich schon auf das Zeltlager, das in Falkenstein stattfinden soll. Umso besser, dass sie auch ihre Freundin Bibi (Lina Larissa Strahl) dafür begeistern kann. Zahlreiche Schülerinnen und Schüler der internationalen Partnerschule aus der Hauptstadt nehmen teil. Als Höhepunkt ist eine Geocaching-Challenge geplant – eine moderne Schatzsuche, bei der Jungs und Mädchen gegeneinander antreten. Um zu gewinnen, ist dem ehrgeizigen Urs (Phil Laude) jeder schmutzige Trick recht. Das will sich vor allem Bibi nicht bieten lassen, doch im entscheidenden Moment verliert sie plötzlich ihre Hexkraft…

Kritik

Schon zum dritten Mal lädt der deutsche Regieveteran Detlev Buck („Hände weg von Mississippi“) nach Falkenstein, um sein knalliges Popmusikmärchen von 2014 um einen weiteren Teil zu ergänzen. Kam der Auftaktfilm bei Publikum wie Kritikern bei aller Exzentrik überraschend gut an, gelang es Buck, mit der Fortsetzung an die Qualität des ersten Teils anzuknüpfen. Trotzdem muss bei einer solch hohen Schlagzahl an Franchise-Filmen (drei Teile in nicht einmal zwei Jahren) die Skepsis erlaubt sein, ob bei einem derartigen Arbeitseifer nicht zwangsläufig Kreativität und Innovation auf der Strecke bleiben müssen. Doch schon an dieser Stelle kann Entwarnung gegeben werden, denn „Bibi & Tina: Mädchen gegen Jungs“ reiht sich qualitativ zwischen dem (auch des damaligen Alleinstellungswertes wegen) bislang besten Film, dem ersten Teil und dem ein wenig schwächer daherkommenden zweiten Teil ein. Das erneut knallbunte und einmal mehr äußerst musikalische Teenieabenteuer nimmt sich nach wie vor zu keiner Sekunde ernst, besticht durch exzellent komponierte Ohrwürmer und beweist, dass auch in „Kartoffelsalat“ mitspielende YouTuber eine zweite Chance verdient haben.

Bibi & Tina: Mädchen gegen Jungs

Ein Blick auf die Castliste ließ schon in der Fortsetzung den Schluss zu, dass sich Detlev Bucks „Bibi & Tina“-Projekt innerhalb der deutschen Schauspielszene als launiges Unterfangen herumgesprochen haben muss. In „Voll verhext“ gaben sich neben den bekannten Hauptdarstellern auch große Namen wie Olli Schulz, Milan Peschel, Ina Müller und Matthias Schweighöfer die Ehre kleinerer und größerer Gastauftritte. In „Mädchen gegen Jungs“ stoßen nun Kostja Ullmann („Coming In“) als überengagierter Campleiter, Katharina Thalbach („Ich bin dann mal weg“) als gutbeseelte Köchin und das ehemalige Y-Titty-Mitglied Phil Laude hinzu. Für letzteren ist „Mädchen gegen Jungs“ nicht etwa ein Leinwanddebüt, war er doch bereits Ensemblemitglied in der für Außenstehende nur schwer erträglichen YouTuber-Farce „Kartoffelsalat“. Doch sein positiv hervorstechendes Mitwirken in jener Kalauer-Aneinanderreihung hat sich ausgezahlt: In „Bibi & Tina: Mädchen gegen Jungs“ ist Laudes Spiel nicht als das solche eines nicht gelernten Schauspielers zu erkennen. Kurzum: Der Internetstar findet für die Darstellung von Bibis und Tinas unausstehlichem Kontrahenten Urs das richtige Maß an Arroganz, um bei aller Überheblichkeit kein ausschließlicher Widerling zu sein. Auch in den vielen komischen Momenten hat Laude ein sichtbares Gespür für komödiantisches Timing und ergänzt den Cast um die mittlerweile voll mit ihren Figuren verschmolzenen Lisa-Marie Koroll und Lina Larissa Strahl ideal.

Während sich im ersten Teil das Stelldichein von Charly Hübner („Banklady“) als das nicht ganz so heimliche Filmhighlight erwies, trat seine Figur des Fieslings Kakmann im zweiten Teil – auch storybedingt – nur noch für einen Gastauftritt in Erscheinung. TV-Star Olli Schulz konnte diesen Verlust zwar weitestgehend ausgleichen, doch mit der ausführlichen Wiederkehr von Hübners dankbarer Rolle eines mittlerweile geläuterten und zum Wald-Hippie gewordenen Betrügers dreht Regisseur Buck an den richtigen Schrauben, um „Mädchen gegen Jungs“ um einiges zynischer und auch für Erwachsene wieder interessanter zu gestalten, als den zweiten Teil „Voll verhext“. Hübners Gesangsdarbietung entpuppt sich einmal mehr als Gagspitze in dieser filmischen „Bibi & Tina“-Interpretation, die ebenjenen Realitätssinn der Hörspiele aufgreift, durch die Comedy-Mangel dreht und den Film schlussendlich zu seinem solchen macht, der in seinem Meta-Humor fast noch eher für ein großes denn für ein kleines Publikum geeignet ist. Trotz aller überspitzten Elemente und karikaturesken Figurenzeichnungen ist auch „Bibi & Tina: Mädchen gegen Jungs“ keine reine Nachdichtung. Stattdessen besinnt sich Detlev Buck lediglich auf die wirre Gedanken- und Gefühlswelt von heranwachsenden Teenagern, um anhand dessen ein von Hormonen gesteuertes, mit der Realität wenig gemeinsam habendes Bild unserer Welt zu zeichnen. Schon in der Hörspielvorlage hielt sich Schöpferin Elfie Donnelly wenig an den bodenständigen Gegebenheiten des Lebens auf dem Bauernhof auf. Stattdessen sorgte schon sie für so etwas wie ein Rundum-Sorglos-Ferienpaket für ihre kleinen Hörer. Nun greift Detlev Buck auf, dass man diese Inszenierung mit heranwachsendem Alter durchschaut – und lässt den Kleinen zugleich die Möglichkeit, sich bei allen, ihnen verborgen bleibenden Meta-Kommentaren an der kontrastreich-farbenfrohen Falkenstein-Welt, in welcher schon „die Hauptstadt“ der Inbegriff für die große weite Welt gilt, zu erfreuen.

Bibi & Tina: Mädchen gegen Jungs

Gewisse Aspekte lassen sich bei aller Zielgruppen-Zuträglichkeit und der darüber hinausgehenden, durchaus provokanten Inszenierungsweise jedoch nicht unter den Tisch kehren: Auch in „Bibi & Tina: Mädchen gegen Jungs“ ist die bereits in Teil eins und zwei bemängelte Knappheit sämtlicher Outfits der Teenie-Mädels fragwürdig. Hinzu kommen Dialoge, die einen offenen Umgang mit körperlichen Veränderungen von Kindern, die zu Erwachsenen heranreifen, thematisieren; jene bettet Buck, der auch das Drehbuch schrieb, erstaunlich sensibel in die ansonsten eher grobmotorisch inszenierte Geschichte ein, doch ob es angesichts der Vorlage in eine „Bibi & Tina“-Geschichte passt, Themen wie die erste Menstruation anzusprechen, muss wohl jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden. Genauso muss er sich die Frage beantworten, ob das schon vielfach in diversen RomComs stattfindende Thema der missverständlichen Verständigung zwischen Mann und Frau schon in Kinderfilmen eine Rolle spielen muss. Doch den größten Spaß an „Mädchen gegen Jungs“ hat man am Ende ohnehin wohl dann, wenn man das Gesehene einfach als das akzeptiert, was es ist: ein skurriler Komödienspaß, der voller Überraschungen steckt und der sich wohl vor allem jenen Zuschauern am ehesten erschließt, die schon während ihrer Hörspiel-Hörphase erkannt haben, dass es nicht ganz glaubhaft ist, dass der Polizist in Falkenstein tatsächlich „Kommissar Blaulicht“ heißen soll.

Fazit: Buck legt nach! Mit „Bibi & Tina: Mädchen gegen Jungs“ gelingt dem Regisseur ein weiterer, sehenswerter Beitrag zu einem Filmfranchise, das vielmehr ist als die bloße Übertragung einer Kinderhörspielreihe auf die große Leinwand. Schmissige Popnummern, exzentrische Figuren, mutige Gags, aber auch kleine Schönheitsfehler machen dieses knallbunte Geocaching-Abenteuer zu einem zielgruppenübergreifenden Spaß mit viel, viel Meta-Überbau.

„Bibi & Tina: Mädchen gegen Jungs“ ist ab dem 21. Januar bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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