The Transporter Refueled

Mit ihren drei Teilen war die „Transporter“-Reihe ein aus heutiger Sicht doch recht langlebiges Action-Franchise. Es folgte eine TV-Serie, die bei den Fans von Hauptfigur Frank Martin für überschaubare Begeisterungsstürme sorgte und nun versucht sich „Brick Mansions“-Regisseur mit einem lachhaft geringen Budget von gerade einmal 30 Millionen US-Dollar an der Wiederbelebung der Reihe. THE TRANSPORTER REFUELED kommt mit neuem Hauptdarsteller daher und hat es damit umso schwerer. Doch wie wirkt sich der Protagonistenwechsel auf den fertigen Film aus? Mehr dazu in meiner Kritik.

The Transporter Refueled

Der Plot

Knallhart, zuverlässig und immer pünktlich: in der kriminellen Unterwelt von Frankreich ist Frank Martin (Ed Skrein) nur als der „Transporter“ bekannt – der beste Fahrer, den man für Geld kaufen kann. Wenn der Preis stimmt, bringt Frank alles an seinen Bestimmungsort, lässiger Kommentar inklusive. Dabei arbeitet er streng nach drei ganz einfachen Regeln: keine Namen, keine Fragen und keine Nachverhandlungen. Doch dann begegnet er der so geheimnisvollen wie verführerischen Anna (Loan Chabanol). Die Anführerin einer Söldnertruppe macht auf ihrer persönlichen Mission, eine Bande russischer Menschenhändler auszuschalten, vor nichts halt. Und weil sie weiß, dass Frank der beste Mann für diesen Job ist, versucht sie, ihn mit einer sehr überzeugenden Methode zu einer Zusammenarbeit zu bewegen: Sie nimmt Franks Vater (Ray Stevenson) als Geisel. Wohl oder übel müssen die beiden nun mit Anna kooperieren und den Kampf gegen die brutalen Gangster aufnehmen…

Kritik

Ein Franchise wiederzubeleben und dabei auch noch den markanten Hauptdarsteller auszutauschen, kommt normalerweise einem kinematographischen Todesurteil gleich. So war es also fast abzusehen, dass „Brick Mansions“-Regisseur Camille Delamarre die „Transporter“-Reihe mit seinem Film zu Grabe tragen würde. Schließlich erwies sich schon die serielle Neuausrichtung „Transporter – Die Serie“ nicht gerade als großer Bringer und Chris Vance erst recht nicht als adäquater Ersatz für Jason Statham. Für den vierten Spielfilm drehte sich das Besetzungsrad erneut. Statham kommt dadurch nicht etwa zurück. Stattdessen schlüpft mit „Game of Thrones“-Star Ed Skrein nun schon der dritte Schauspieler in die Rolle des nahkampferprobten Anzugträgers Frank Martin; und in Bezug auf Statham, der jenen Transporter-Fahrer in immerhin drei Filmen verkörperte sogar in äußerst große Fußstapfen. Doch das Ergebnis ist verblüffend: Nicht nur, dass Edelmime Skrein fast noch besser als Gentleman-Fighter funktioniert, denn sein kantiger Kollege, auch der von Luc Besson produzierte Film hat erstaunlich viele Vorzüge und weiß sich in diesem actionthrilerlastigen Blockbustersommer durchaus gegen die namhafte Konkurrenz zu behaupten. „The Transporter Refueled“ ist zwar bei weitem nicht so imposant wie ein „Mission: Impossible – Rogue Nation“, noch lange nicht so gewitzt wie etwa „Kingsman“ oder so elegant wie „Codename U.N.C.L.E.“, doch mit seiner gradlinigen, Besson typisch vor allem an „96 Hours“ erinnernden Action, dem edlen Setting der französischen Riviera und dem wohldosierten Humor erweist sich Delamarres Arbeit als absolut würdiger, vierter Teil der „Transporter“-Reihe.

The Transporter Refueled

Das Genrerad erfindet „The Transporter Refueled“ weder auf der inhaltlichen, noch auf der inszenatorischen Ebene wirklich neu. Mehr noch: Camille Delamarre greift bei seiner Arbeit auf so ziemlich jedes Actionfilmklischee zurück, auf das man überhaupt zurückgreifen kann. Antagonist ist einmal mehr die russische Mafia, die vor Jahren das südfranzösische Rotlichtmilieu in Beschlag nahm und dort seither regiert. In seinem holprig-karikaturesken Prolog etabliert das Skript von Adam Cooper, Bill Collage (schrieben unter anderem das Drehbuch für „Exodus: Götter und Könige“) sowie Luc Besson Frank Martins Widersacher ebenso lieblos wie effektiv und nutzt diese von Zwangsprostitution und Drogenhandel gezeichnete Prämisse direkt, um eine überdrehte Rachegeschichte zu spinnen. Von nun an heißt es: schöne Frauen gegen böse Männer – und dazwischen agiert Ed Skrein respektive Frank Martin. Dieser ist mit seiner zuvorkommend-eleganten Art von ganz anderem Kaliber als es Jason Statham in den ersten drei Filmen war. Wenngleich Statham die Figur formte und besonders in den Actionsequenzen einmal mehr sein handwerkliches Können bewies, so passt die Rollenbeschreibung des ungemein höflichen, stets im Hintergrund auftretenden Transporters besser auf den wendigen Skrein als auf den muskulösen und alles andere als unauffälligen Jason Statham. Skrein gibt dem neuen Frank Martin einen ganz eigenen Touch, kopiert die Attitüde seiner beiden Vorgänger nicht und legt in den stylisch konzipierten Action-Choreographien eine beachtliche Körperbeherrschung an den Tag.

Da sich die Überraschungen innerhalb des Handlungsverlaufs von „The Transporter Refueled“ in einem überschaubaren Rahmen halten, ist nach dem gängigen „Style over Substance“-Prinzip also der Weg das Ziel. Jener definiert sich in diesem kernig-amüsanten Actionabenteuer vor allem durch spektakuläre Stunts, die vom Realitätsgehalt irgendwo zwischen der „Fast & Furious“-Reihe und dem „Mission: Impossible“-Franchise anzusiedeln sind. Kurzum: Die Gesetze der Physik lässt „The Transporter Refueled“ gepflegt außer Acht. Ob Ed Skrein mit seinem stets auf werbespottauglich getrimmten Audi nun direkt unter einem Flugzeug entlang fährt, in einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd nahezu die komplette Polizei Frankreichs schachmatt setzt, oder ob er das Auto sich selbst überlässt und in einer ausgeklügelten Martial-Arts-Choreographie nebenher seine Gegner niederstreckt: Camille Delamarre legt den Schwerpunkt auf den Spaß und hält sich nicht groß an Erklärungen, geschweige denn an der Realität auf. Das Skript unterstreicht diesen Faktor, indem es Ed Skrein in den entscheidenden Momenten fesche One-Liner in den Mund legt.

The Transporter Refueled

„The Transporter Refueled“ zieht seinen Charme aus dem smarten Kontrast zwischen den aberwitzigen Stunts und der bodenständigen Art seiner Hauptfigur. Das macht Spaß, ist kurzweilig und sieht vor der auf Hochglanz polierten Kulisse auch noch verdammt gut aus. Kameramann Christophe Collette fährt seinen ungeordneten Stil Wackelkamerastil aus „Brick Mansions“ zurück und sorgt für die notwendige Übersicht in den Actionszenen. Gleichwohl ist nicht zu leugnen, dass seine Arbeit eine gewisse Werbefilmhandschrift trägt. Wie er das neueste Audi-Modell des Protagonisten aus allen möglichen Perspektiven einfängt, ist von vorn bis hinten durchgestylt und auf „chic“ getrimmt. Gleichzeitig kaschiert er damit die geringen Budgetverhältnisse: Delamarre hatte für den Dreh von „The Transporter Refueled“ lediglich rund 30 Millionen US-Dollar zur Verfügung, wodurch sein Film durchaus reduziert, aber nicht billig daherkommt. Der Regisseur wählte lediglich eine Handvoll Schauplätze für die Drehs aus, steckte das Geld vorzugsweise in das Arrangement der Actionsequenzen und gab darüber hinaus wenig Geld für computergenerierte Tricktechnik aus. Dadurch wirkt sein Film leichtfüßig, spritzig und legt einen unbeschwerten B-Movie-Charme an den Tag. Delamarre holt aus jedem Moment das Optimum an Möglichkeiten, um bloß keine Chance auf eine weitere Entertainmentspitze zu verschenken. Schade, dass sich jener Eifer in der Inszenierung nicht schon bei der Storyfindung ergab.

Fazit: „The Transporter Refueled“ hat zwar schon budgetbedingt nicht die Größe wie aktuelle Blockbuster der Marke „Fast & Furious“, überzeugt aber durch eine handwerkliche Stil- und Zielsicherheit und den Hauptdarsteller Ed Skrein. Schade, dass das einfältige Skript sein Potenzial nicht ausschöpft und weitestgehend uninteressante Figuren etabliert. Mit denen würden die spektakulären Stunts und die berauschenden Settings gleich nochmal soviel Spaß bereiten.

„The Transporter Refueled“ ist ab dem 3. September bundesweit in den Kinos zu sehen.

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