2012 – Die Plätze 20 bis 11

Das Jahr 2012 ist in wenigen Tagen Geschichte. Höchste Zeit also, sich einem kleinen, cineastischen  Jahresrückblick anzunehmen. Da ich das Jahr gern versöhnlich beende, verzichte ich darauf, die weniger gelungenen Werke der letzten zwölf Monate zu betrachten. Stattdessen präsentiere ich Euch meine 2012er Top 20 – vollkommen subjektiv versteht sich! Euch allen einen guten Rutsch! 

20

Zu den richtungsweisenden Film-Bösewichten wie Dr. Hannibal Lecter oder Norman Bates darf sich seit diesem Jahr auch César aus SLEEP TIGHT zählen. Der gemeine Hausmeister, der mit einer bitterbösen Perfidität versucht, der schönen Clara das Lächeln zu rauben, könnte es in Sachen Boshaftigkeit durchaus mit den Großen seines Fachs aufnehmen. Der Psychothriller ist gespickt mit fiesen Ideen und überzeugt durch eine beklemmende Atmosphäre. Wer Geschichten liebt, in denen der Antagonist im Vordergrund steht und es zulässt, dass der Zuschauer in seine böse Seele blickt, der ist mit dem Platz Nummer 20 in dieser Liste bestens bedient und erhält ein wahres Charakterstück „von der falschen Seite“. Ein spanischer Geheimtipp, der in Deutschland zu Unrecht keine Aufmerksamkeit erhielt.

19

Vor allem optisch ist  das moderne Märchen LIFE OF PI – SCHIFFBRUCH MIT TIGER eine Augenweide, die (vor allem in 3D) dieses Jahr ihresgleichen suchen dürfte. Nirgendwo sonst bekam man 2012 eine derartige Bildgewalt zu sehen, wie in dieser von Ang Lee verfassten Geschichte über eine Freundschaft zwischen einem indischen Jungen und Richard Parker – einem Tiger. Eine noch höhere Platzierung wäre ohne Zweifel drin gewesen, würde das Drehbuch in Sachen „Religion“ und „Gottesglaube“ nicht so dick aufgetragen. Leider entsteht allzu oft der Eindruck, die Macher würden dem Publikum den Glaube an eine höhere Macht unbedingt eintrichtern wollen, was vor allem in der Anfangs- sowie der Schlusssequenz stört. Alles dazwischen ist jedoch atemberaubend, spannend erzählt und schlichtweg ein Augenschmaus.

18

Das Spielberg-Drama GEFÄHRTEN wurde von vielen als Kitsch abgestempelt. Immerhin ist die Geschichte über das Kriegspferd Joey auf den ersten Blick eine zuckersüße Hommage an ein Streitross, das durch seinen Kampfgeist jedes noch so schwierige Hindernis überwinden kann. Durch diesen Kontext dürften viele vor dem „Pferdefilm“ Reißaus nehmen, verpassen dabei jedoch einen unter der kitschigen Oberfläche wesentlich ernster zu verstehenden Kriegsfilm verpasst, der die Story um Joey und seinen Menschen zum Anlass nimmt, um all den im Krieg verschlissenen Pferden ihren Tribut zu zollen. Dabei verzichtet Spielberg auf drastische Gewaltdarstellungen, schafft es jedoch, mit Hilfe der Pferde-Grundlage fast noch ehrlicher in die Kriegsthematik einzutauchen.

17

Zwar ist RED LIGHTS nicht ganz das „Sixth Sense der neuen Generation“, wie es im deutschen PR-Sprech hieß, dennoch kann der Mystery-Thriller fast so atemstockend unterhalten wie der Klassiker mit Bruce Willis. Die Ausgangslage – Wissenschaftler entlarven Scharlatane und stoßen dabei an ihre Grenzen – ist nicht nur ebenso spannend wie realistisch konstruiert, sondern gewinnt dank herausragender Darstellerleistungen an Tiefe und Menschlichkeit. Im Laufe der Handlung wird aus dem Thriller immer mehr ein mysteriöses Psychodrama, das mit einem Ende aufwarten kann, dass sich Vergleichen mit „The Sixth Sense“ stellen kann. Ob der Streifen diesen standhält, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich jedenfalls war baff über Verlauf und Auflösung. Ein Geheimtipp – denn irgendwie hat RED LIGHTS in Deutschland kaum wen interessiert.

16

Wenn bereits vor Kinostart gemunkelt wird, der kommende Streifen könnte große Chancen auf einen der begehrten Oscars, vielleicht sogar in einer der Hauptkategorien haben, sind diese Äußerungen entweder Vorschusslorbeeren, kluge PR-Schachzüge oder schlichtweg die Wahrheit. Ben Afflecks dritte Regiearbeit ARGO ist ohne Zweifel in die letzte Kategorie einzuordnen, verbindet sie doch gekonnt den Ernst einer politischen Rettungsaktion mit Situationskomik der Realität. Eingebettet in einen realistischen Schauplatz und gespickt mit einem hochkarätigen und bestens aufgelegten Cast ist der Streifen das beste Beispiel dafür, dass eine Thematik, die andere Regisseure in zentnerschwere Kost umwandeln würden, von einem Regie-Genie wie Ben Affleck zu einem für jedermann leicht zugänglichen Meisterwerk gemacht werden kann.

15

Zugegeben, ABRAHAM LINCOLN – VAMPIRJÄGER ist bei weitem keine schauspielerische Offenbarung. Dennoch: So schlecht wie die Presse den noch jungen Benjamin Walker alias Abraham Lincoln darstellte, war er nun wirklich nicht. Ein wenig unbeholfen, ein klein bisschen blass, doch trotzdem passte er sich perfekt in seine Rolle als vampirjagender US-Präsident ein. Die Actionszenen sind exzellent choreographiert, teilweise sogar im Takt des düsteren Soundtracks (Anspieltipp: „The Rampant Hunter“) und das 3D war den Zuschlag endlich mal wieder wert. Hätte die Story noch ein klein wenig mehr Tiefgang und Konsequenz besessen, wäre hier durchaus eine noch höhere Platzierung drin gewesen. So bleibt vor allem die großartige Optik, allen voran die der Actionszenen im Gedächtnis.

14

Ich gehörte während der diesjährigen Oscar-Zeit wohl zu den größten Skeptikern des „Bester Film“-Preisträgers. Ein Stummfilm in schwarz-weiß. Das schreit doch nahezu nach dem Betteln um Preise und Anerkennung. Doch, oh Wunder: Hinter THE ARTIST steckt eine der rührigsten Lovestorys des Kinojahres 2012 und diese zieht den Zuschauer früher oder später in ihren Bann – ob man will oder nicht. Der Regisseur mit dem unaussprechlichen Namen nahm seinem Streifen den Staub der Vergangenheit und kokettierte nebenbei gekonnt mit dem heute augenscheinlich überholten Image des Stummfilmes. Dazu große Piano- und Orchesterklänge und grundsympathische Schauspieler. Diesem Film, ohne Ton und Farbe, mangelt es an Nichts!

13

Mit einem Kinostart am 12. Januar dieses Jahres schaffte es VERBLENDUNG gerade noch, die Aufnahmebedingungen für diese Liste zu erfüllen. Wäre der Film auch nur zwei Wochen früher erschienen, hätten meine Jahrescharts ohne dieses Meisterwerk auskommen müssen. Im reinen Thriller-Bereich vermochte es kein Genrekollege in diesem Jahr, VERBLENDUNG das Wasser zu reichen. Dafür ist der erste Teil der Stieg Larsson-Trilogie zu beeindruckend. Neben Daniel Craig brilliert vor allem Rooney Mara, die die unkonventionelle Hackerin Lisbeth spielt und den Auftrag erhält, einem Journalisten (Daniel Craig) bei der Aufklärung eines Mordfalls zu helfen. Sah das Original noch sehr nach Schwedenkrimi aus, ist die Fincher’sche Version Nervenkitzel pur. Sie geht an die Nieren und legt den Grundstein für eine tolle Trilogie!

12

Mit DIE FRAU IN SCHWARZ gelang dem „Eden Lake“-Macher James Watkins ein klassischer Gruselfilm der alten Schule. Nicht umsonst nahmen sich die legendären Hammer-Studios dieses Films an, die den Streifen im Februar 2012 in die Kinos brachten. „Harry Potter“-Star Daniel Radcliffe geht in seiner Rolle als verwitweter Anwalt erstaunlich gut auf. Nach anfänglicher Umgewöhnungsphase sieht man in dem talentierten Schauspieler schließlich keinen kleinen Zauberlehrling mehr. Die Story ist oldschool, die Schockeffekte überraschen und dank einer beeindruckenden Kulisse schafft es der Streifen schnell, das horroraffine Publikum in seinen Bann zu ziehen. Lediglich das Ende dürfte findige Zuschauer ein wenig enttäuscht haben – schien es doch fast ein bisschen zu vorhersehbar.

11

Die originelle Mischung aus Wirtschaftssatire, Komödie und Drama schafft es dank toller Darsteller wie Emily Blunt und Ewan McGregor sowie einer wunderbar sanften Erzählweise, den Zuschauer ohne Hau-Ruck-Happy End oder große Liebesschwüre direkt ins Herz zu treffen. LACHSFISCHEN IM JEMEN, der bis zum Schluss ohne einen einzigen Kuss auskommt, lässt mich Dank seiner realistischen Lovestory weitestgehend darüber hinwegsehen, dass die wirtschaftssatirische Handlungsebene nur angerissen wird. Dann wäre hier ohne weiteres eine noch höhere Platzierung drin gewesen! So aber darf die Komödie Platz 11 ihr Eigen nennen und ganz überraschend auf gleich drei Golden Globes hoffen. Es wäre ihr zu gönnen!

 

Schon in wenigen Tagen gibt es an dieser Stelle die Top 10 meiner ganz persönlich!en Lieblingsfilme 2012. Welcher Film könnte es auf die Nummer 1 geschafft haben? Das erfahrt Ihr schon bald – gleiche Zeit, selber Ort!