Schlagwort-Archiv: Florian Ross

Das startet am 2. Juli 2020

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, unserer wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um die Startwoche vom 2. Juli, dem Tag, an dem die Kinos deutschlandweit wieder geöffnet haben sollen. Das Programm zum Start fällt gemischt aus: deutsche Arthouse-Dramen, französisches Schmonzettenkino und eine YouTuber-Verwechslungskomödie sollen die Leute wieder in die Lichtspielhäuser locken. Doch ob das Kino so ganz ohne großen Wurf wieder an Attraktivität gewinnen kann, darf man an dieser Stelle gern noch bezweifeln. 

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

UNDINE | Regie: Christian Petzold  | DE/FR 2020

Undine lebt in Berlin. Ein kleines Apartment am Alexanderplatz, ein Honorarvertrag als Stadthistorikerin, ein modernes Großstadtleben wie auf Abruf. Als ihr Freund Johannes sie verlässt, bricht eine Welt für sie zusammen. Der Zauber ist zerstört. Wenn ihre Liebe verraten wird, so heißt es in den alten Märchen, muss sie den treulosen Mann töten und ins Wasser zurückkehren, aus dem sie einst gekommen ist. Undine wehrt sich gegen diesen Fluch der zerstörten Liebe. Sie begegnet dem Industrietaucher Christoph und verliebt sich in ihn. Es ist eine neue, glückliche, ganz andere Liebe, voller Neugier und Vertrauen. Atemlos verfolgt Christoph ihre Vorträge über die auf den Sümpfen gebaute Stadt Berlin, mühelos begleitet Undine ihn bei seinen Tauchgängen in der versunkenen Welt eines Stausees. Doch Christoph spürt, dass sie vor etwas davonläuft. Undine muss sich dem Fluch stellen. Diese Liebe will sie nicht verlieren.

Melancholisches, deutsches Kino aus der Hauptstadt: „Transit“-Regisseur Christian Petzold gelingt mit seinem herausragend inszenierten Liebesdrama „Undine“ eine kontemporäre, bittersüße Großstadtmär mit tiefgehenden Performances, von Paula Beer, Jacob Matschenz und Franz Rogowski. 

JEAN PAUL GAULTIER: FREAK & CHIC | Regie: Yann L’Hénoret | FR 2018

Jean Paul Gaultier gilt bis heute als einer der bemerkenswertesten Modeschöpfer unserer Zeit. Mit seiner prunkvollen „Fashion Freak Show“, einem exzentrischen Mix aus Modenschau, Varieté, Zirkus und Tanzdarbietung, hat er rund um den Erdball für Aufsehen gesorgt. Auch außerhalb des Modebusiness. Die Entstehung dieses glamourösen Events, mit dem Gaultier und sein Team bis heute durch die Welt touren, dauerte über zwei Jahre. Nun lässt der Designer seine Zuschauer regelmäßig in ein provokatives Universum eintauchen, das dem Publikum auch die Persona Jean Paul Gaultier selbst ein Stück weit näherbringen soll. Mit seinen visionären Designs, high-style Choreographien, pulsierender Musik, extravaganten Kostümen und einer aufwändigen Inszenierung lotet der Meister die Grenzen der Modeszene aus – und „Jean Paul Gaultier: Freak & Chic“ ist hautnah mit dabei.

„Jean Paul Gaultier: Freak & Chic“ begleitet den Modeschöpfer und sein Team bei der zweijährigen Vorbereitung der sogenannten „Fashion Freak Show“ und gibt neue Blicke auf das Verständnis für Mode und Schönheit, aber auch auf das Leben Jean Paul Gaultiers selbst frei. Nicht nur für Modeliebhaber ein Must-See!


MEINE FREUNDIN CONNI – GEHEIMNIS UM KATER MAU | Regie: Ansgar Niebuhr  | DE 2020

Conni (Sprecherin: Emma Breitschaft) und ihr kleiner Kater Mau sind unzertrennlich. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die beiden haben bislang keine Minute ohneeinander verbracht. Doch nun steht Connis erste Kita-Reise an. Noch nie ist Conni ohne ihre Eltern weggefahren – ein aufregendes Abenteuer steht bevor, auf das sich all ihre Kita-Kameraden freuen. Allerdings muss Conni in dieser Zeit auf ihren geliebten Kater verzichten. Während das Mädchen dies zähneknirschend hinnimmt, sieht Mau gar nicht ein, allein zuhause zu bleiben. Schwupps: Hat sich das kleine Fellknäuel im Reisebus versteckt und fährt gemeinsam mit Conni und ihren Freunden in Richtung Bergmühle. Dort angekommen fühlen sich die Jungs und Mädchen pudelwohl. Nur einer traut sich nicht so recht aus seinem Versteck: Mau, der bei seinem Versuch, seiner Conni nah zu sein, jede Menge Chaos stiftet.

Die deutsche Produktion „Meine Freundin Conni – Die Abenteuer des Kater Mau“ ist ein zuckersüßes Zeichentrickabenteuer, das nur dann einige Enttäuschungen bereithält, wenn man die Buchvorlagen in- und auswendig kennen und lieben gelernt hat. Ansonsten überzeugt der Film auf ganzer Linie.


SUICIDE TOURIST – ES GIBT KEIN ENTKOMMEN | Regie: Jonas Alexander Arnby | DK/NOR/DE 2019

Versicherungsmakler Max (Nikolaj Coster-Waldau) bekommt von seinem Arzt die schlimme Nachricht unterbreitet, dass er bald sterben muss. Nach zwei misslungenen Selbstmordversuchen erhält er eines Tages plötzlich einen überraschenden Anruf seiner früheren Kundin Alice (Tuva Novotny), die den Tod ihres Mannes Arthur aufdecken möchte, um endlich seine Lebensversicherung in Anspruch nehmen zu können. Bei seiner Recherche stößt Max auf das mysteriöse „Aurora“ Hotel, mit dem Arthur anscheinend Kontakt hatte. Ein Hotel, das sich auf geplante und betreute Suizide spezialisiert hat. Max, der ja ohnehin gerade mitten in einer Existenzkrise steckt, beginnt seine eigene Wahrnehmung der Wirklichkeit in Frage zu stellen. Ist der Tod der einzige Weg raus aus dem Hotel, oder steckt hinter dem mysteriösen Gebäude noch ein anderes Geheimnis?

Regisseur Jonas Alexander Arnby inszeniert mit „Suicide Tourist – Es gibt kein Entkommen“ ein diskussionswürdiges Thema als düsteren, leider zu Anfang sehr zähen Mysterythriller. Ein gewagtes Unterfangen, das teilweise aufgeht. Unter anderem, weil Nikolaj Coster-Waldau der moralische Zwiespalt permanent ins Gesicht geschrieben steht.


DIE SCHÖNSTEN JAHRE EINES LEBENS | Regie: Claude Lelouch | FR 2019

Siege fährt der ehemalige Rennfahrer und Womanizer Jean-Louis nur noch in seiner Erinnerung ein. Doch die geht immer mehr verloren, fürchtet sein Sohn Antoine, auch wenn es scheint, als würden sich die Gedanken des alten Herrn vor allem um eine bestimmte Frau drehen: Anne, die große Liebe seines Lebens. Um seinem Vater ein Stück Lebensqualität zurückzugeben, macht sich Antoine auf die Suche nach jener geheimnisvollen Schönheit, die Jean-Louis nicht halten konnte, die er aber nie vergessen hat. Und tatsächlich macht er Anne in einem idyllischen Dorf in der Normandie ausfindig, wo die frühere Filmproduzentin einen kleinen Laden und ein erfülltes Leben führt. Sie nimmt die Einladung nur zögerlich an. Beim ersten Besuch erkennt er sie zunächst auch nicht wieder. Doch schnell nehmen die beiden die Fäden ihrer gemeinsamen Geschichte wieder auf…

 Nach „Ein Mann und eine Frau“ sowie „Un homme et une femme, 20 ans déjá“ folgt mit „Die schönsten Jahre eines Lebens“ der dritte Teil einer romantisch-dramatischen Filmreihe, die schon immer eher von der Schauspieldynamik und weniger von erzählerischer Substanz lebte.


TAKEOVER – VOLL VERTAUSCHT | Regie: Florian Ross  | DE 2020

Die beiden Achtzehnjährigen Danny und Ludwig (Heiko und Roman Lochmann) kommen aus völlig verschiedenen Welten: Ludwig führt ein Leben in Reichtum, während der musikbegeisterte Danny jeden Cent zwei Mal umdrehen muss. Doch als sich die beiden im Europa-Park das erste Mal begegnen, wird ihnen klar, dass sie eine Gemeinsamkeit haben: ihr Äußeres. Sie sehen exakt gleich aus und werden prompt verwechselt. Die beiden nutzen die Gunst der Stunde und tauchen in ein fremdes Leben ein: Ludwig genießt den Zusammenhalt in Dannys Familie und Danny kann während seiner luxuriösen Auszeit für seinen Auftritt bei einem Song Contest üben. Doch bald schon treten die ersten Probleme auf, und das „Takeover“ droht – vor allem dank Dannys neugieriger Pflegeschwester Lilly – außer Kontrolle zu geraten. Alles steuert auf einen spektakulären Showdown beim großen Song Contest zu…


SIBERIA | Regie: Abel Ferrera | IT/DE/MEX 2020

Clint (Willem Dafoe) ist ein vom Leben gezeichneter Mann. Um endlich seinen inneren Frieden zu finden, hat er sich in eine einsame Hütte in den verschneiten Bergen zurückgezogen. Dort betreibt er ein kleines Café, in das sich nur selten Reisende oder Einheimische verirren. Aber selbst in der Abgeschiedenheit findet Clint keine Ruhe. Eines schicksalhaften Abends bricht er mit seinem Hundeschlitten auf, getrieben von der Hoffnung, sein wahres Ich zu finden. Eine Reise durch seine Träume, Erinnerungen und Fantasien beginnt.

US-Regisseur und Drehbuchautor Abel Ferrara schickt in dem magischen Drama „Siberia“ den großartigen Willem Dafoe („Der Leuchtturm“) auf eine aufregende Odyssee ins Unterbewusstsein. Seine Weltpremiere feierte der Film auf der Berlinale, wo er geteiltes Feedback erhielt.


Heimkinotipp: EIN VERBORGENES LEBEN | Regie: Terrence Malick  | DE/USA 2019

Franz Jägerstätter und seine Frau Fani bewirtschaften einen kleinen Bauernhof im oberösterreichischen Bergdorf St. Radegund. Der Anschluss ihres Landes an das Deutsche Reich (1938) hat zunächst kaum Auswirkungen auf den Alltag des Ehepaares. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs beginnt sich indes auch in dem Provinzstädtchen vieles zu verändern. Wiederholt eckt Franz mit seiner Ablehnung von Hitlers menschenverachtender Politik an. Als Franz und alle anderen, kampffähigen Männer der Gegend zur Wehrmacht einberufen werden, wendet sich der strenggläubige Katholik zunächst an seinen lokalen Pfarrer, danach sogar an den Bischof. Schnell muss er einsehen, dass er bei seinem Plan, aus Gewissensgründen den Dienst an der Waffe zu verweigern keinen kirchlichen Beistand erhält. Dennoch bleibt er standhaft…

Terrence Malick kehrt mit einem ergreifenden Märtyrer-Biopic zum Geschichten erzählen zurück, ohne dabei den von ihm gewohnten Rausch der Bilder hintenanzustellen. Wer bereit ist, sich darauf einzulassen, wird mit einem visuell, vor allem aber emotional atemberaubenden Kino-Erlebnis belohnt.

Das startet am 8. März 2018

Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von WESSELS‘ WEEKLY, meiner wöchentlichen Vorschau auf die anstehenden Filmstarts. Heute geht es um den Starttag des 8. März, an dem der von der breiten Masse wohl am ehesten wahrgenommene Start noch einer Sperrfrist unterliegt: „Vielmachglas“ nämlich, die neue Komödie mit unter Anderem Matthias Schweighöfer. Erst ab Donnerstag darf über den Film berichtet werden. Den stärksten Beitrag liefert in dieser Woche allerdings Aaron Sorkin ab; sein Skript zu „Molly’s Game“ wurde nicht umsonst für den Oscar nominiert. Ebenfalls ein Wörtchen mitzureden haben, könnte Eli Roths Ausflug ins Actionfach. Immerhin bringt er mit „Death Wish“ endlich mal wieder Bruce Willis auf die große Leinwand zurück.

Wenn Ihr mehr zu den einzelnen Filmen wissen wollt, klickt einfach auf’s Plakat und entdeckt dort entweder die Kritik oder den dazugehörigen Trailer. Bei Produktionen, die ich vorab nicht sichten konnte, liefere ich Euch auch diesmal wieder eine Zusammenfassung der Handlung. Und wer lieber daheim bleibt, für den habe ich natürlich auch einen hübschen Heimkinotipp parat. Ich wünsche Euch viel Freude mit dieser neuen Ausgabe und natürlich viel Spaß im Kino!

MOLLY’S GAME  | Regie:  Aaron Sorkin | USA/CAN/CN 2017

Nach einer schweren Verletzung muss die junge, charismatische Skifahrerin und US-Olympiahoffnung Molly Bloom (Jessica Chastain) ihre Karriere aufgeben. Über einen Aushilfsjob kommt sie in Kontakt mit einer Welt, die von reichen und mächtigen Männern dominiert wird: der Underground-Poker-Szene Hollywoods. Als Molly erkennt, dass sie dank ihrer Intelligenz und Disziplin wie geschaffen ist für die Organisation solcher Veranstaltungen, setzt sie alles auf eine Karte: Sie veranstaltet das weltweit exklusivste Pokerturnier für die Reichen und Mächtigen von Los Angeles. Die vollen Konten der VIPs aus Sport, Business und Entertainment bescheren ihr ein Jahrzehnt voller Glamour und Erfolg. Doch eines Tages erregt Mollys Glückssträhne unerwünschte Aufmerksamkeit, als sie sich versehentlich Mitglieder der russischen Mafia an den Spieltisch holt… 

Für „Molly’s Game“ treffen die pointierten Dialoge eines Aaron Sorkin auf das Tempo und die Extravaganz von „The Big Short“.  Das Ergebnis ist ein hochspannendes Thrillerdrama mit einer einnehmenden Jessica Chastain, das einem ganz neue Einblicke in das Glückspiel bietet.


LUCKY | Regie: John Carroll Lynch | USA 2017

Lucky (Harry Dean Stanton) ist ein 90-jähriger Eigenbrötler, Atheist und Freigeist. Er lebt in einem verschlafenen Wüstenstädtchen im amerikanischen Nirgendwo und verbringt seine Tage mit bewährten Ritualen – Yoga und Eiskaffee am Morgen, ausführliche philosophische Gespräche mit seinen treuen Weggefährten (unter anderem David Lynch) bei Bloody Mary am Abend. Bis er sich nach einem kleinen Unfall plötzlich seiner Vergänglichkeit bewusst wird. Und auf einmal ist es an der Zeit, dem Leben noch einmal auf den Zahn zu fühlen. Er überdenkt seine Vergangenheit, sucht den Dialog mit Menschen, die er bis dato fast vergrault hat und gesteht sich ein, dass sein Leben langsam zu Ende geht. Doch bis dahin versorgt er seine Mitmenschen noch mit seinem Wissen über die Gott, die Welt und unser aller Existenz. 

 Am Ende von „Lucky“ glaubt man, das Leben ein klein wenig mehr verstanden zu haben. Harry Dean Stanton brilliert in seiner aller letzten Rolle als Schauspieler in dieser charmant-lakonischen Tragikomödie, begleitet von alten Weggefährten.

OPERATION: 12 STRONG  | Regie: Nicolai Fuglsig | USA 2018

Während die ganze Welt in den ersten Folgetagen der Terroranschläge am 11. September 2001 weiter schockiert den Atem anhält, entsendet die US amerikanische Regierung eine erste Bodenspezialeinheit von nur zwölf Elitesoldaten nach Afghanistan auf eine lebensgefährliche Mission. Keiner von ihnen weiß, was sie dort erwartet oder ob sie ihre Familien zu Hause je wiedersehen werden. Mitch Nelson, der noch recht neue befehlshabende Captain führt seine Männer direkt in das unwegsame Gebiet des Hindukusch-Gebirges, um mit diplomatischem Geschick und großem Mut die dort kontrollierende afghanischen Nordallianz zu einem bislang ungeahnten Bündnis im Kampf gegen die gemeinsamen Gegner aus Taliban- und Al-Kaida-Kämpfern zu überzeugen. Gegenseitiges Misstrauen und scheinbar enorme kulturelle Unterschiede erschweren die Zusammenarbeit nicht weniger als der Mangel an moderner Ausrüstung. 

„Operation: 12 Strong“ ist ein handwerklich sehr solide inszenierter Kriegs-Actionfilm, der sich zwischen den beeindruckenden Kampfsequenzen immer wieder auch mit der inneren Anspannung unter den Kameraden sowie nüchternen Organisationsvorgängen befasst und dadurch einen erstaunlichen Realismus an den Tag legt.


ARTHUR & CLAIRE | Regie: Miguel Alexandre | DE/NED/AT 2017

Ein Mann, eine Frau und eine Nacht, in der es um alles oder nichts geht. In einem Hotel in Amsterdam begegnen sich zwei Menschen, von denen jeder für sich bereits mit dem Leben abgeschlossen hatte. Doch dann vereitelt Arthur, der nur ein letztes stilvolles und vor allem einsames Dinner im Sinn hatte, durch Zufall den Plan der jungen Claire. Aus den beiden Lebensmüden wird eine unerwartete Schicksalsgemeinschaft, die gemeinsam in die Amsterdamer Nacht aufbricht und zwischen Grachten, Coffee Shops, bestem Whiskey und vorsichtiger neuer Freundschaft beginnt, die Pläne des Anderen gehörig zu durchkreuzen. In klugen, witzigen Dialogen kreisen Arthur und Claire um die Dinge, die das Leben wirklich ausmachen und beschließen, sich diesem Leben zu stellen und es bis zum letzten Augenblick auszukosten. 

Woody Allen made in Austria: In „Arthur & Claire“ sinnieren sich Josef Hader und Hannah Hoekstra an ihrem letzten Abend unter Lebenden gemeinsam durch das pulsierende Nachtleben Amsterdams und kommen zu einigen lustigen, vielen traurigen, vor allem aber wahren Erkenntnissen.


VIELMACHGLAS | Regie: Florian Ross | DE 2018

Marleen (Jella Haase) erlebt ihren Alltag als steilen Berg – unerklimmbar! Mit Anfang 20 ist sie nicht einmal in der Lage, sich für ein Studienfach zu entscheiden. Selbst ihr geliebter großer Bruder (Matthias Schweighöfer) schafft es nicht, sie aus ihrem Dauer-Formtief herauszuholen. Erst durch eine persönliche Katastrophe wird die menschenscheue Marleen so aufgerüttelt, dass sie sich Hals über Kopf auf ein Abenteuer einlässt, das etliche Nummern zu groß für sie ist: Im Hamburger Hafen wartet ein Schiff auf sie, mit dem sie in die Antarktis reisen will. Doch wie soll sie quer durchs Land nach Hamburg kommen, wenn sie nur acht Euro in der Tasche hat? Das ist der Beginn einer sowohl verrückten als auch emotionalen Reise, auf der Marleen erfährt, dass es durchaus noch verrücktere Zeitgenossen gibt als sie selbst. Und sie macht die überraschende Erfahrung: Je weiter sie reist, desto näher kommt sie sich selbst. 

Als seichte Roadmovie-Komödie funktioniert „Vielmachglas“ – auch dank der ungemein charismatischen Jella Haase – wirklich gut. Das darum gesponnene Familiendrama dagegen nimmt der per se sympathisch gedachten Geschichte dann aber doch an Glaubwürdigkeit.


DEATH WISH  | Regie: Eli Roth | USA 2018

Der Chirurg Dr. Paul Kersey (Bruce Willis) erlebt die Folgen der Gewalt auf den Straßen Chicagos jeden Tag in der Notaufnahme – bis seine Frau (Elisabeth Shue) und seine Tochter (Camila Morrone) in den eigenen vier Wänden brutal attackiert werden und Pauls Frau den Überfall mit ihrem Leben bezahlen muss, während seine Tochter dauerhaft im Koma liegt. Da die örtliche Polizei die Ermittlungen nicht vorantreibt und generell von der Verbrechensflut in der Stadt überfordert scheint, beschließt Paul das Gesetz kurzerhand selbst in die Hand zu nehmen. Er begibt sich auf nächtliche Streifzüge und bringt gnadenlos einen Kriminellen nach dem anderen zur Strecke – bis er eines Tages in den Fokus der Medien gerät und sich die Öffentlichkeit zu fragen beginnt, wer eigentlich hinter dem unbekannten Racheengel steckt… 

Als ernstgemeinter Kommentar auf die Waffenvernarrtheit der US-Amerikaner scheitert Eli Roths „Ein Mann sieht rot“-Remake erwartungsgemäß grandios. Doch wenn man sich erst einmal durch zähe erste Stunde gekämpft hat, man „Death Wish“ dank absurder Gewalteskapaden, viel schwarzem Humor und einem gut aufgelegten Bruce Willis überraschend viel Spaß.


FÜHLEN SIE SICH MANCHMAL AUSGEBRANNT UND LEER? | Regie: Lola Randl | DE/NED 2017

Luisa (Lina Beckmann) rast durch ihr Leben. Vom Job nach Hause, vom Ehemann zum Liebhaber, von den Erdnussflips zur Rohkost-Diät. Wem wird das nicht irgendwann zu viel? Als die Paartherapeutin eines Morgens aufwacht, gibt es sie plötzlich doppelt. Sie hat sich über Nacht aufgespalten in die alte Luisa und in die neue Ann. Äußerlich sehen die beiden völlig gleich aus, ansonsten aber sind sie grundverschieden. Luisa steht ständig unter Strom und macht sich über alles Gedanken. Ann ist tiefenentspannt und stopft alles in sich hinein, worauf sie gerade Lust hat. Nach dem ersten Schock erkennt Luisa die ungeahnten Möglichkeiten, die ihr das zweite Ich eröffnet: Endlich kann sie mit ihrem Lover Leopold durchbrennen, während Ann sich um ihren Mann Richard kümmert.

Für eine Komödie ist „Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer?“ schlicht nicht lustig genug und für eine ernstzunehmende Analyse einer kriselnden Ehe mangelt es dem Film an erzählerischem Fundament.


Heimkinotipp: ROCK MY HEART  | Regie: Hanno Olderdissen | DE 2018

Wie lebt man, wenn jeder Herzschlag der letzte sein könnte? Diese Frage begleitet die 17-jährige Jana ständig, denn sie lebt mit einem angeborenen Herzfehler. Und weil das nicht fair ist, riskiert sie immer wieder Kopf und Kragen. Sie will jeden Augenblick auskosten. Sehr zum Leidwesen ihrer besorgten Eltern, die sie zu einer rettenden, aber riskanten Operation überreden wollen. Doch Jana weigert sich. Als sie dem Vollbluthengst Rock My Heart begegnet, ändert sich für sie alles. Die beiden scheinen wie füreinander gemacht. Das schwarze Pferd ist wie sie: wild, ungezähmt, rebellisch und lässt niemanden an sich heran – außer Jana. Rocks Trainer Paul Brenner wittert seine Chance: Er überredet Jana mit Rock für ein wichtiges Galopprennen zu trainieren, um mit dem Preisgeld endlich seine Schulden abzubezahlen. Von Janas Krankheit hat er keine Ahnung – und Jana wird ihr Geheimnis bestimmt nicht preisgeben.

„Rock My Heart“ kombiniert auf eine absolut authentische Weise das Drama um eine Todkranke mit einem hoffnungsvoll-optimistischen Pferdefilm, das überrascht, mitreißt und die aufgesetzte Hintergrundmusik gar nicht bräuchte, um zu Tränen zu rühren. Die fantastischen Darstellungen im Ensemble und der realistische Umgang mit dem Metier des Pferderennsports runden den starken Gesamteindruck ab.