Meine Filmflops 2020 – Die Plätze 10 bis 1

Das Jahr 2020 wird für die meisten von uns kaum als besonders tolles Jahr in die Wahrnehmung eingehen. Zu sehr haben uns die Corona-Pandemie, die Entwicklung gewisser politischer Tendenzen, die US-Wahl und andere unschöne Ereignisse geprägt. Aus diesem Grund möchte ich einen Blick auf meine ganz persönlichen Filmflops in diesem Jahr nicht etwa aussparen (denn nur, wenn man sich zwischenzeitig auch mit den Schattenseiten des Kinos befasst, kann man die guten Filme so richtig schätzen), aber ich möchte mich auf meine FLOP 10 – also die meinem Empfinden nach zehn schlechtesten Filme des Jahres – beschränken. Die Wahl ist dabei wie üblich rein subjektiv. Es geht hier nicht um die aus Kritikersicht miesesten Filme 2020, sondern um die, die ich ganz persönlich als ganz besonders ätzend, nervig und langweilig empfunden habe. Und es würde mich wahnsinnig interessieren, was ihr darüber denkt und was eure ganz persönlichen Flops sind – schreibt mir das gern in die Kommentare unterhalb dieses Beitrags. Und nun: Viel Spaß mit meinen Flop 10!

An dieser Stelle ist noch kurz einmal Platz für einige wenig ehrenwerte Nennungen von Filmen, die es nur ganz knapp nicht in meine Flop 10 des Jahres geschafft haben. Der Netflix-Film CUTIES war zwar seinen Aufschrei nicht wert, ätzend fand ich ihn dennoch. Die fragwürdige Schmonzette THE SECRET hat mir beim Schauen alles abverlangt, um nicht immer wieder fragend gen Himmel zu blicken, warum ich mir das eigentlich gerade antue. Der russische Horrorfilm BABA YAGA hatte mit Ausnahme eines chicen Posters absolut nichts Interessantes zu bieten. Der 3D-Animationsfilm SCOOBY! sollte eine Neuinterpretation der „Scooby-Doo“-Geschichte sein, ist stattdessen eine lieblose Aneinanderreihung von Slapstick und Popkulturanspielungen geworden, bei der man das Gefühl hatte, der Macher hätte eigentlich lieber einen Superheldenfilm inszeniert. Und zu guter Letzt sei noch darauf hingewiesen, wie absolut enttäuschend das „Train to Busan“-Sequel PENINSULA geworden ist. Schade, schade…

10

Drei Jahre dauerte es von der ersten öffentlichen Vorführung von EDISON – EIN LEBEN VOLLER LICHT bis hin zur finalen Veröffentlichung. Der Grund: Die Premiere des im Original deutlich passender „A Current War“ (zu deutsch: „Ein Stromkrieg“) betitelten Biopics über den Glühbirnenerfinder Thomas Edison rief fast ausschließlich negative Reaktionen hervor. Also wurden Nachdrehs einberufen und der Film im Nachhinein reichlich umkonzeptioniert. Angeblich soll das Endergebnis immer doch deutlich besser sein als die Ursprungsfassung, was bei mir aber eigentlich nur den Wunsch auslöst, diese irgendwann auch noch zu Gesicht zu bekommen, denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie man dieses Desaster von Film, das unfokussiert vor sich hin mäandert und die Faszination für seinen Protagonisten zu keinem Zeitpunkt greifbar machen kann, noch unterbieten will. Schade ist es um die verschenkten Darsteller auf jeden Fall. Doch selbst bei solchen Namen wie Benedict Cumberbatch gewinnt man den Eindruck, dass die zum Zeitpunkt der Dreharbeiten genau wussten, wie das Endergebnis mal aussehen wird.

9

Ursprünglich sollte die Jugendromanverfilmung ARTEMIS FOWL ganz regulär in die Kinos kommen, fiel dann aber als einer der ersten Kinobeiträge des Jahres der Corona-Pandemie und der darauf folgenden Umdisponierung der Filmstudios zum Opfer. Doch seien wir einmal ehrlich: Auf dem Streamingdienst Disney+ war dieses Paradebeispiel dafür, wie man eine beliebte Vorlage nicht für das Medium Film adaptiert, ohnehin besser aufgehoben. Denn dort konnte die Regiearbeit von Kenneth Branagh (!!) zumindest keinen größeren Schaden mehr anrichten. Kinosäle blockieren zum Beispiel, oder sein zahlendes Publikum verärgern. Bei Disney+ konnte man ganz einfach auf den Aus-Knopf seiner Fernbedienung drücken, um das Leid zu beenden. „Artemis Fowl“ wurde seiner spannenden Vorlage nicht zu einer Sekunde gerecht, sondern erwies sich als eine erzählerisch lückenhafte Aneinanderreihung bekannter Genremotive, durch die ein unsympathischer Hauptcharakter spaziert. Einziger Lichtblick: Grande Dame Judi Dench, die offenbar irgendwann gemerkt hat, in was für einem Mumpitz sie da gerade mitwirkt und entsprechend freidreht. Zumindest das hat mich kurzzeitig amüsiert.

8

Vor 53 Jahren revolutionierte der französische Regisseur Claude Lelouch mit seinem zweifach Oscar-gekrönten Liebesdrama „Ein Mann und eine Frau“ das Genre der Kino-Liebesgeschichten. Zwanzig Jahre später, 1986, blickte er in „Un homme et une femme, 20 ans déjà“ darauf, was aus seinen beiden unglücklich verliebten Hauptfiguren Anne Gauthier und Jean-Louis Duroc geworden war. In diesem Jahr, noch einmal 34 Jahre später, ließ er das einstige Paar zum aller Voraussicht nach letzten Mal aufeinandertreffen und in Erinnerungen schwelgen. Das Ergebnis: die melancholische Schmonzette DIE SCHÖNSTEN JAHRE EINES LEBENS, die eigentlich nur daraus besteht, den beiden Hauptfiguren dabei zuzuschauen, wie diese jede für sich in Selbstmitleid baden. Angereichert mit plumpen Plattitüden hat man nie das Gefühl, hier zwei (noch dazu über die Jahre gereiften) Figuren aus Fleisch und Blut zuzuschauen, sondern Karikaturen. Das nimmt jedwede Spannung aus der Geschichte und verrät auch ein Stückweit die Figuren selbst. Schade.

7

Im Januar kam die deutsche Produktion CRESCENDO – MAKE MUSIC, NOT WAR in vereinzelte Kinos. Darin geht es um Eduard Sporck, einen weltberühmten Dirigenten, der an einer Frankfurter Musikhochschule unterrichtet. Nun soll er ein Konzert vorbereiten, das Jugendliche sowohl aus Palästina als auch aus Israel bestreiten. Es soll aktuelle Friedensverhandlungen zwischen beiden Ländern begleiten und ein Zeichen gegen den Hass setzen, der schon so lange vorherrscht. Die Intention des Films ist löblich, die Umsetzung dagegen eher weniger. Die hölzerne Inszenierung wird der Thematik nicht gerecht, denn die Bilder besitzen keine Leinwandausmaße und das Spiel aller Beteiligter wirkt seltsam unrund und die Dialoge abgelesen. Hinzu kommt ein erzählerischer Flickenteppich: „Crescendo“ will neben seines Hauptplots so viele kleine Themen zusätzlich abdecken, dass er diverse Nebenhandlungsstränge aufmacht, diese aber nicht alle zur Genüge auserzählt. Obwohl die Geschichte gar nicht so komplex ist, verlässt man das Kino mit überraschend vielen Fragezeichen. Im Anbetracht des Potenzials ist das ärgerlich.

6

So ätzend die aktuelle Situation auch für die Kinos und Produktionsfirmen ist: Einige Filme haben von der Corona-Pandemie sogar profitiert. Als immer mehr große Studios die Starts für ihre Blockbuster zurückzogen, schlug die Stunde für das Nischen- und Arthousekino, das plötzlich mit deutlich mehr Kopien ausgestattet wurde als üblich. Darunter auch das Milieudrama NATIONALSTRASSE, das die Geschichte von Vandam in den Fokus rückt. Anhand seiner streitbaren, Gewalt und Hass nicht abgeneigten Figur zieht Regisseur und Autor Štěpán Altrichter eine Milieustudie der tschechischen Arbeiterschicht auf, die in ihrer zelebrierten Tristesse eigentlich eine ganze Menge richtig macht. Allerdings ist es verdammt schwer, mit einer Figur wie Vandam warmzuwerden, die hier eigentlich auch mehr dem Klischee des Straßenrowdys entspricht, anstatt wirklich ein Charakter mit Ecken und Kanten zu sein. Das macht Vandam uninteressant – das Todesurteil für einen Film, der fast vollständig aus seiner Perspektive erzählt wird. Auch wenn man eines zugeben muss: Die Performance von Hauptdarsteller Hynek Cermák ist preisverdächtig.

5

Wo die Kinos dicht sind, muss man halt auf die Streamingdienste ausweichen. Insbesondere Netflix hat 2020 mit allerlei Eigenproduktionen um sich geworfen – man hätte so gut wie jeden Tag ein neues Netflix-Original schauen können und einige davon waren sogar richtig gut (mehr dazu später in meinen Tops des Jahres). Aber es war eben auch genug Crap dabei. Darunter: THE LAST DAYS OF AMERICAN CRIME, ein Gangsterthriller, der von seiner Prämisse her ein wenig an „The Purge“ erinnert: In einem letzten Gegenschlag gegen Terrorismus und Verbrechen in ihrem Land plant die US-Regierung, ein Signal auszustrahlen, das es den Menschen unmöglich macht, rechtswidrige Handlungen durchzuführen. Das klingt nicht nur echt spannend, sondern verspricht auch gewisse moralische Ambivalenzen. Doch das Endergebnis ist mit zweieinhalb Stunden (!) nicht nur entsetzlich zu lang, sondern darüber hinaus auch noch verdammt belanglos. Hinzu kommt eine bisweilen unerträgliche Macho-Attitüde sämtlicher Figuren, die es mir sehr schwer gemacht hat, mit der Hauptfigur mitzufiebern. Zumal die eigentliche Grundidee nach 15 Minuten so gut wie keine Rolle mehr spielt.

4

Apropos Netflix: Auch der erfolgreichste (= meistgesehene) Netflix-Film der vergangenen zwölf Monate befindet sich unter meinen Flops – und ist nur deshalb „nur“ auf Platz vier gelandet, weil die drei Kandidaten auf den Treppchenpositionen noch weitaus schlimmer abgeliefert haben. Denn man kann dem Erotikdrama 365 DAYS nicht absprechen, dass es mit seinen sonnendurchfluteten Landschaftspanoramen Urlaubsgefühle weckt und auch die üppigen Sexszenen erfüllen beim entsprechenden Publikum mit Sicherheit ihren Zweck. Aber neben den haarsträubend dämlichen Dialogen und den miesen Schauspielleistungen des Protagonistenpärchens ist da ja eben auch noch die Geschichte selbst. Und es ist mir absolut schleierhaft, wie man einen Film darüber, dass ein Mann mit groben Methoden eine Frau entführt und sie dazu zwingt, sich in ihn zu verlieben, irgendwie als erotisch durchgehen kann. An „365 Days“ hat alles, aber auch wirklich alles einen negativen Beigeschmack. Trotzdem: Irgendein morbider Teil von mir will wissen, wie es in Teil zwei weitergeht…

3

Ich habe BERLIN, BERLIN – DER KINOFILM noch auf der großen Leinwand gesehen. Denn dafür war die Filmadaption der beliebten Vorabendserie ursprünglich gemacht, bevor auch sie kurzfristig zu Netflix abwanderte. Corona und so… Doch genauso wie schon bei „Artemis Fowl“ stelle ich auch hier die Überlegung an, ob man mit dieser Idee nicht ohnehin besser gefahren ist. Denn mit Ausnahme der Fanbase, für die dieser Film zweifelsohne gemacht ist, hätte sich wohl kaum ein/e Zuschauer:in in eine Vorstellung der Komödie verirrt – und es ist auch Niemandem zu verübeln. Genauso wenig möchte ich den Liebhabern, die an diesem für sie konzipierten Film womöglich richtig viel Spaß hatten, ebendiesen rauben. Doch müsste ich vom Film auf die Serie schließen, so könnte ich mir nicht erklären, wo die eigentlich ihren Kultstaus herhat. An den platten Kalauern und den peinlich-spleenigen Charakteren kann es ja wohl nicht liegen…!?

2

Meine Flop 3 des Jahres machen die deutsch(sprachig)en Filme unter sich aus. Nach einer misslungenen Komödie auf dem Bronzerang kommt auf Platz 2 nun ein Film, der auch irgendwie ein Stückweit witzig sein sollte, dann allerdings an seinen eigenen Ambitionen, gleichzeitig auch noch ein Ratgeber sein zu wollen, zugrunde geht. Die Rede ist von der Schweizer Produktion WIR ELTERN, die einen Blick auf ein ganz normales Familienleben wirft. So suggeriert es uns der Film zumindest. Gleichwohl bedeutet dieses „ganz normal“ in diesem Fall einen von Streits, Hass, Missgunst und Überforderung geprägten Alltag, dem es aufgrund der unangenehmen Figuren an Reiz fehlt. Weshalb soll ich eineinhalb Stunden eine unsympathische Familie beim sich gegenseitig auf die Nerven gehen verfolgen, wenn ich stattdessen so viel Besseres mit meiner Zeit anfangen könnte? Eine gewisse Authentizität kann man „Wir Eltern“ zwar nicht absprechen, wohl aber jedwedes cineastisches Gespür. Ein Film über ganz und unausstehliche Figuren.

1

In den deutschen, durch Corona sicher auch ein Stückweit verfälschten Kinocharts des vergangenen Jahres findet sich meine Flop 1 auf Rang 9 wieder. Die Verfilmung der beliebten KÄNGURU-CHRONIKEN hat ein verhältnismäßig großes Publikum angezogen, was im Anbetracht der populären Vorlage auch erwartbar war. Fraglich ist nur, ob die Zuschauer:innen gleichzeitig das erwartet haben, was ihnen Regisseur Dani Levy hiermit vorgesetzt hat – nämlich einen allenfalls gut gemeinten, aber keineswegs guten Film. Denn abgesehen davon, dass sich die Struktur der Vorlage(n) nur bedingt eignet, um einen Spielfilm mit durchgehender Handlung zu bestücken, ist die Filmversion der Känguru-Chroniken nicht annähernd so pointiert und politisch klug beobachtend wie es die Bücher sind. Mehr noch: Durch mitunter fehlendes Augenzwinkern und die Akzenteverschiebung in diversen Pointen läuft der Film darüber hinaus Gefahr, Applaus von der falschen Seite zu ernten. Für mich ist „Die Känguru-Chroniken“ daher der mit Abstand mieseste Film des Jahres 2020. Over and Out.

 

In den nächsten Tagen folgen an dieser Stelle endlich meine Lieblingsfilme aus dem Jahr 2020!

2 Kommentare

  • Hallo Antje,

    von Deinen Flop 10 habe ich nur die Känguru-Chroniken gesehen und fand’s ganz witzig.
    Das lag vielleicht auch an meiner charmanten Begleitung, die sich köstlich amüsiert hatte.

    Schöne Feiertage! Ich hoffe dich in diesem Jahr noch ein-, zweimal auf rbtv zu sehen.

  • Schon der erste Film „Ein Mann und eine Frau“ von Lelouch war öde.

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