Bumblebee

Aus der „Transformers“-Reihe ist längst die Luft raus. Trotzdem erhält mit BUMBLEBEE einer der bekanntesten Autoroboter sein eigenes Spin-Off. Weshalb das so ganz anders ist als die Michael-Bay-Eskapaden und der Film dadurch zu den unterhaltsamsten des Jahres zählt, das verraten wir in unserer Kritik.

Der Plot

Im Jahr 1987 versteckt sich das mysteriöse Maschinenwesen Bumblebee (im Original gesprochen von Dylan O’Brien) in der Gestalt eines alten VW Käfers auf dem Schrottplatz einer kleinen kalifornischen Küstenstadt vor den bösen Decepticons des nahezu vollständig zerstörten Planeten Cybertron. Kurz vor ihrem 18. Geburtstag und auf der Suche nach ihrem Platz im Leben, findet die rebellische Charlie (Hailee Steinfeld) den kaputten und kampfgeschwächten Roboter, ohne zu wissen, was sich wirklich hinter dem knallgelben Auto verbirgt. Mit mechanischem Geschick und viel Geduld beginnt sie, ihn zu reparieren und lernt schnell, dass es sich hierbei keineswegs nur um eine alte Schrottmühle handelt. Als Bumblebee wieder zu neuem Leben erwacht, entwickelt sich zwischen ihm und Charlie eine ungewöhnliche Freundschaft, von der auch der Nachbarsjunge Memo (Jorge Lendeborg Jr.) schnell Wind bekommt. Als seine Feinde auf ihn aufmerksam werden, beschließen die beiden Teenies, ihrem motorisierten Freund zu helfen…

Kritik

Die „Transformers“-Reihe gehört vermutlich zu den umstrittensten Blockbuster-Franchises überhaupt, da es bei den dröhnenden Roboter-Actionschlachten lediglich zwei Meinungen gibt: Für die einen ist es das Non-plus-Ultra moderner (Hirn-Aus-)Popcornunterhaltung, für die anderen einfach nur plumpes CGI-Getöse, mit dem der vor allem auf Krawall, Stunts und Explosionen spezialisierte Materialschlächter Michael Bay („13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi“) niederste Instinkte befriedigt; plumpes Product Placement und die permanente Sexualisierung der weiblichen Figuren inklusive. Nun scheinen die Fans der Reihe aber langsam zu schwinden. Schon seit dem vierten Teil „Ära des Untergangs“ gingen die Zuschauerzahlen zurück, Teil fünf „The Last Knight“ beendete das Franchise auf einem historischen Tief. Und obwohl wir zu den ganz wenigen gehören, die gerade den letzten beiden Filmen besonders viel abgewinnen konnten, da Michael Bay hier endgültig nach seinen eigenen Regeln des Inszenierens und Geschichtenerzählens spielte, ergab Bays Entscheidung, seinen Autorobotern den Rücken zu kehren, durchaus Sinn. Trotzdem geht es weiter! „Kubo“-Regisseur Travis Knight hat sich mit „Bumblebee“ der Idee eines Spin-Offs angenommen, das knapp dreißig Jahre vor den Ereignissen aus „Transformers“ spielt und wie es der Titel schon ankündigt vorwiegend die Geschichte des gleichnamigen gelben Blechmonsters erzählt. Und das tut er auf so intime Weise, dass man die Bay-DNA (der Filmemacher tritt hier nur noch als Produzent in Erscheinung) nur noch ganz vereinzelt spür. In erster Linie ist „Bumblebee“ nämlich ein die Luft von Achtzigerjahre-Abenteuerfilmen atmender Nostalgietrip, in dem es einfach nur darum geht, wie eine junge Frau und ein Roboter Freunde werden.

Die Interaktion zwischen Hailee Steinfeld und Bumblebee wirkt zu jeder Sekunde echt.

Die „Transformers“-Saga entstand ursprünglich mal auf Basis der gleichnamigen Actionfiguren des Spielwaren-Giganten Hasbro. Dieser dürfte nach dem weltweiten Kinostart von „Bumblebee“ mehr denn je davon profitieren, dass es zu den Leinwand-Blechbüchsen auch immer gleich das passende Sammelstück zu kaufen gibt, denn nie zuvor hatte man nach einem „Transformers“-Film mehr das Bedürfnis, sich selbst einen solchen Spielgefährten ins Haus zu holen. Zwar waren schon die haushohen Protagonisten der ersten fünf Filme immer auch ein Stück weit „menschlich“, doch in „Bumblebee“ zeigt sich nun, was es ausmacht, wenn der tricktechnische Schwerpunkt mal nicht darauf liegt, möglichst viele Transformers in einer einzelnen Szene unterzubringen. Stattdessen lassen die Effektspezialisten hier Qualität vor Quantität walten und konzentrieren sich voll und ganz auf Bumblebee, dessen Mienenspiel nie echter wirkte als jetzt in seinem eigenen Spin-Off. Auch dem Design des Torsos, der Gliedmaßen und solch simpler Details wie abblätternder Farbe wurde hier merklich mehr Aufmerksamkeit geschenkt, als noch in den Filmen zuvor. Kein Wunder: Bumblebee wird von einem Transformers von vielen zu dem Protagonisten, auf dem dadurch, neben Hailee Steinfeld („Pitch Perfect 2“), auch das größte Augenmerk liegt. Und wenn die junge Schauspielerin dann auch noch absolut authentisch mit diesem riesigen, zunächst scheuen und später immer mehr aus sich heraus kommenden Wesen interagiert, besteht für knapp zwei Stunden überhaupt kein Zweifel mehr daran, dass es diesen Bumblebee da gerade wirklich gibt.

Um aufzuzeigen, wie sehr sich „Bumblebee“ von jenem Eskapismus unterscheiden, mit denen sich die „Transformers“-Filme gleichsam Freunde wie Feinde gemacht haben, genügt im Grunde ein Blick auf das Finale. Wer hier gegen wen kämpft und wie der Fight ausgeht, sei an dieser Stelle natürlich nicht verraten, wichtig ist auch nur, wie viele Figuren daran beteiligt sind: Wo sich früher ganze Horden von Roboterwesen in einer finalen Schlacht tummelten, sind am krachenden Schlusskampf in „Bumblebee“ gerade einmal zwei Transformers beteiligt. Und den fängt Kameramann Enrique Chediak („Deepwater Horizon“) dann auch noch derart übersichtlich und unter Zuhilfenahme möglichst weniger Schnitte ein, dass man das erste Mal seit Langem die Gelegenheit bekommt, so einen Roboterkampf richtig zu genießen. Gleichzeitig gehört die Tatsache, dass es hier am Ende überhaupt nochmal so heftig rummsen muss, aber auch zu den wenigen Schwachpunkten von „Bumblebee“ – wenn man einmal ehrlich ist, dann hätte der Film ohne den konventionellen Gebrauch von Widersachern nochmal um Einiges besser funktioniert. Wann immer das Skript (Christina Hodson, „Shut In“) die Story um die Bumblebee jagenden Decepticons Dropkick und Shatter vorantreibt, gerät der Film ins Stocken. Es ist ganz einfach viel spannender, amüsanter und emotionaler, mitanzuschauen, wie aus der sich seit dem Tod ihres Vaters einsam und verlassen fühlenden Charlie nach und nach eine echte Draufgängerin wird.

John Cena nimmt es als Agent Burns mit den Decepticons Dropkick und Shatter auf.

Hailee Steinfeld erweist sich mit ihrer ungekünstelten Ausstrahlung als Idealbesetzung für die Rolle der Charlie. Sie meistert nicht bloß die wenigen und dadurch wohldosierten Actionszenen mit Bravour (auch wenn „Bumblebee“ in Sachen Foreshadowing nicht gerade einen Subtilitätspreis gewinnt, Stichwort: Wasserspringen). Steinfeld beweist obendrein ein bemerkenswertes komödiantisches Timing und reißt auch in den emotionalen Momenten zwischen ihr und dem tapsigen Bumblebee ordentlich mit. Anders als in den „Transformers“-Filmen geht es dem Duo aus Drehbuchautorin und Regisseur nämlich nicht einfach nur darum, halbwegs chronologisch spektakuläre Actionsetpieces aneinanderzureihen. „Bumblebee“ punktet vor allem mit einem klassischen „zwei ungleiche Wesen schließen Freundschaft“-Plot, der nur so vor Querverweisen an „E.T.“ (Steven Spielbergs Produzenten-Einfluss ist hier mehrmals deutlich zu spüren), „Herbie“ oder weiteren Geschichten der Marke „Elliot, der Drache“ um sich wirft. Originell im Sinne von „noch nie dagewesen“ ist das alles natürlich nicht. „Bumblebee“ ist in erster Linie ein berechenbarer Film, bei dem sich die Gefahr in Grenzen hält, sodass dem Familienausflug auch mit ganz jungen Zuschauern nichts im Wege steht. Doch gleichzeitig machen die Verantwortlichen nie einen Hehl aus ihrer Liebe für Achtzigerjahre-Nostalgie, was der mit jeder Menge Eighties-Evergreens gespickte Soundtrack auch auf akustischer Ebene unterstreicht. Doch die Macher werfen nicht einfach nur damit um sich; so lernt beispielsweise Bumblebee, wie er mit gezielt gewählten Lyrics mit seiner Fahrerin kommunizieren kann. Das ist eine von unendlich vielen, grundsympathischen Ideen, durch die aus „Bumblebee“ ein kurzweilig-harmloses, liebevolles und aufrichtiges Vergnügen mit Herz und Seele wird – und da haben wir mit Comedy-Granate John Cena („Der Sex Pakt“) noch nicht mal angefangen, bei dem – auch im wahrsten Sinne des Wortes – jeder Schuss ein Treffer ist.

Fazit: „Bumblebee“ hat mit den seelenlosen Materialschlachten der „Transformers“-Reihe so gut wie nichts mehr zu tun und ist stattdessen ein hinreißendes Abenteuer voller Witz und Emotion, das zwar merklich an „E.T.“ und andere vergleichbare Filme erinnert, jedoch niemals lieblos zitiert, sondern den Charme derartiger Familienfilme leidenschaftlich zelebriert.

„Bumblebee“ ist ab dem 20. Dezember bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen – auch in starkem 3D!

Ein Kommentar

  • Ich selber bin mit dem Film nicht wirklich warm geworden im Kino und empfand ihn eher als ganz nett.

    Die Handlung, dich ich diverse Male in anderer und für mich persönlich in besserer Form gesehen hab (Stichwort: Iron Giant), ließ mich, doch eher ernüchtert im Saal zurück, da ich aufgrund der positive Kritiken, doch mit gewisser Vorfreude und Erwartungen ins Kino ging.
    Zusätzlich haben mich die Charaktere nie wirklich mitgenommen, was aber nicht an der generell guten schauspielerische Leistung lag, sondern daran, dass den Charakteren Tiefe fehlt, weswegen Sätze wie, „Du hat mir geholfen zu mir selber zu finden“, mich im Kino eher zum schmunzeln als zum mitfühlen brachten.

    Dennoch muss dir in vielen Punkten deiner Kritik zustimmen. Angefangen bei dem tollen Soundtrack, der fantastischen Inszenierung, bis hin zu den doch vielen guten Gags, war es ein durchaus unterhaltsamer Kinoabend.

    Letztendlich hoffe ich, dass man dich öfters bei den Bohnen sieht, da du bei Kino+ eine tolle Ergänzung des Teams bist. ^^

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