Transformers: Ära des Untergangs

In wenigen Tagen erscheint einmal mehr ein Film der „Transformers“-Reihe in den Kinos. Trotz des spektakulären Startwochenendes in den USA gehört die Hasbro-Reihe von Michael Bay nicht zu den größten Kritiker-Lieblingen. Auch TRANSFORMERS: ÄRA DES UNTERGANGS ist mit Sicherheit kein Meilenstein des Charakterkinos. Und doch hat auch dieser Film seine Daseinsberechtigung im Popcornkino. Mehr verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Cade (Mark Wahlberg) ist alleinerziehender Vater seiner 16-jährigen Tochter Tessa (Nicola Peltz) und kommt als erfolgloser Erfinder mehr schlecht als recht über die Runden. Sein Leben soll sich schlagartig ändern, als er zu Bastelzwecken einen alten Truck ersteht, der sich als Optimus Prime entpuppt – jenem Anführer der Autobots, der sich in vielen Schlachten bereits gegen die Angriffe der Decepticons zu Wehr setzte. Nach dem verhängnisvollen Battle in Washington DC hat sich ein Großteil der Menschen gegen sämtliche Transformers verschworen. Ohne zu wissen, worauf er sich einlässt, macht Cade Optimus Prime wieder flott und gerät alsbald ins Visier der Regierung. Diese hat auf die Ergreifung der Alien-Wesen eine hohe Belohnung ausgesetzt. Cade, Tessa und ihrem Freund Shane (Jack Reynor) gelingt es, zu fliehen; nicht wissend, dass eine Schlacht um die Erde einmal mehr unmittelbar bevorsteht…

Kritik

Im Rahmen des US-Starts von Michael Bays viertem Beitrag zum „Transformers“-Franchise nutzte der umstrittene Bombastregisseur die Gunst der Stunde, um einmal mehr gegen die internationale Filmpresse zu wettern. Ihm zufolge würde diese das Konzept seiner Unterhaltungsfilme schlicht nicht verstehen und sich dementsprechend zu Unrecht auf seine Werke einschießen. Ausschlaggebend seien ohnehin nur die Besucherzahlen und diese sprechen schließlich Bände: Mit einem Einspiel von über 300 Millionen Dollar am Startwochenende stellt „Transformers: Ära des Untergangs“ den bislang erfolgreichsten US-Kinostart des Jahres. Betrachtet man diese Aussage, so muss man neidlos anerkennen, dass der Filmemacher und Produzent zumindest in einem Punkt Recht hat: Die Zuschauerzahlen seiner letzten drei Hasbro-Blockbuster beweisen, dass es eine breite Masse an Kinogängern gibt, die gewillt sind, zweieinhalbstündige Materialschlachten auf der großen Leinwand zu verfolgen und dafür immer höher ausfallende Ticketpreise in Kauf zu nehmen. Inwiefern ebenjenes Publikum Bays Filme „liebt“, wie der Regisseur es im Zusammenhang des Kritiker-Rundumschlages behauptete, kann man im Nachhinein kaum rückverfolgen. Doch das Interesse an den Roboter-Blechbüchsen ist auch 2014 mehr denn je vorhanden. Auch muss man Michael Bay zugestehen, dass die Herangehensweise seitens der Journalisten oftmals die Falsche ist: Wer sich ein weitestgehend objektives Bild derartiger Filme machen möchte, kommt zwar unweigerlich zu dem Schluss, dass hinter der „Transformers“-Reihe weder charakterliche Tiefe, noch ein gelungenes Storytelling (geschweige denn eine bemerkenswerte Story) steckt. Konzentriert man sich jedoch darauf, den Film als das zu bewerten, das er ist – ein auf Schauwerte und Spektakel getrimmtes Effektfeuerwerk – muss man auch an dieser Stelle zugeben, dass es der Macher von Filmen wie „Armageddon“ und „Pearl Harbor“ wie keiner Zweiter versteht, massentaugliche Action zu konzipieren. „Transformers: Ära des Untergangs“ ist so präzise auf den Status „Bay-Blockbuster“ geeicht, dass der Streifen in seiner Dreistigkeit und Konsequenz ein Meisterwerk geworden ist; zumindest solange man nicht auf die Idee kommt, den Film mit dem zu vergleichen, was man in der Filmbranche als „echte Kunst“ bezeichnet.

Mark Wahlberg beerbt Shia LeBeouf in der „Transformers“-Hauptrolle.

Nehmen wir dieser Rezension das Unumgängliche einmal vorweg: „Transformers: Ära des Untergangs“ ist in seiner plotbedingten Banalität, aber auch in der inszenatorisch vorhersagbaren Erzählweise ein Paradebeispiel für belangloses Popcornkino. Als hätte sich Michael Bay an einer Strichliste entlang gehangelt, serviert der Filmemacher seine obligatorischen Sonnenuntergangsschwelgereien, 360-Grad-Kammeraschwenks, grimmig dreinblickende Bösewichte in schwarzen Anzügen und Sonnenbrillen, sexy in Szene gesetzte Blondinen und Explosionen im Minutentakt. Das mag billig und berechenbar sein; ungeachtet dessen hat es jedoch gerade deshalb einen enormen Unterhaltungswert, weil der klassische Michael-Bay-Blockbuster des neuen Jahrtausends nach diesen Versatzstücken funktioniert und die Fangemeinde der Actionfigur-Verfilmung ihr Franchise genau deshalb schätzt. Doch sogar der Gelegenheitskinogänger vermag sich vor allem dem visuellen Reiz derlei Produktionen nicht lange zu entziehen: Michael Bay gibt dem Begriff „Hochglanz-Look“ ein neues Gesicht. Vor allem die Aufnahmen in den durchgestylten Bürogebäuden werden selbst die Designer moderner Apple-Stores gelb – pardon – lackweiß vor Neid werden lassen!

Nach Shia laBeouf, der sich neuerdings lieber dem Skandalkino eines Lars von Triers widmet, steht in „Ära des Untergangs“ ab sofort Mark Wahlberg („Pain & Gain“) im Mittelpunkt der Erzählung. Ganz gleich, ob das haltlose Skript (Ehren Kruger, „Ring“) dem Hollywoodmimen überhaupt die Gelegenheit gibt, Schauspielkönnen abzurufen: Als One-Man-Weltenretter funktioniert der ehemalige Ted-Buddy ganz ausgezeichnet. Nicht zuletzt, weil Wahlberg lange nicht mehr so gut in shape war wie zur Zeit und auch deshalb, da Michael Bay als Inszenator der Victorias-Secret-Werbespots genau weiß, wie er (halb-)nackte Körper vor der Kamera am besten zur Geltung bringt. Dass er auch vor der im Film sechzehnjährigen Teenagerin Tessa nicht Halt macht, ist grenzwertig, doch immerhin darf Nicola Peltz („Die Legende von Aang“) ihre Klamotten im Gegensatz zu ihren beiden Vorgängerinnen Megan Fox und Rosie Huntington-Whiteley anbehalten. Dass ein Film des „Transformers“-Franchises nicht mit tiefgehenden, oder überhaupt interessanten Dialogen aufwartet, erklärt sich von selbst. Auch das Skript des vierten Teils ist voll von Pathos und Belanglosigkeiten. Doch die trotz dessen in die Lichtspielhäuser strömende Zielgruppe wird wohl andere Gründe haben, zweistellige Summen für ein Kinoticket auszugeben.

Auch in „Transformers: Ära des Untergangs“ geht es wieder einmal um familiären Zusammenhalt – und um Riesenroboter natürlich.

Bays 210 Millionen US-Dollar teure Materialschlacht hat selbstredend andere Stärken, die bei „Transformers: Ära des Untergangs“ für die Daseinsberechtigung sorgen. Der auf Blockbuster spezialisierte Kameramann Amir Mokri („Man of Steel“) fängt gigantische Bilder ein und inszeniert vor allem die Actionszenen wesentlich übersichtlicher als es in den drei Vorgängern der Fall war. Wie die Effektspezialisten ihre CGI-Orgien mit den Bombastsets verschiedener Großstädte verschmelzen lassen, ist gerade in 3D ein echtes Erlebnis und übertrumpft die ohnehin überbordenden Actionsequenzen aus „Transformers 1-3“ um Längen. Auch die Kurzweiligkeit ebenjener Krawumm-Orgien hat einen enormen Vorteil auf das Sehvergnügen: Trotz seiner geschlagenen 165 Minuten Laufzeit schaut sich „Ära des Untergangs“ kurzweilig und ist trotz der vielen, unterschiedlichen Erzählstränge nicht langweilig oder gar verwirrend – zugegebenermaßen möchte man einem Michael-Bay-Film Letzteres ohnehin nicht zutrauen. Des Weiteren kristallisiert sich alsbald Stanley Tucci als weiterer Pluspunkt des Actionstreifens heraus. Nachdem sich der Mime zuletzt durch seine Moderatoren-Rolle in „Die Tribute von Panem“ viele Fans machte, schlüpft er auch in „Transformers: Ära des Untergangs“ einmal mehr in die Rolle eines Exzentrikers. Dadurch werden ihm nicht nur die besten One-Liner zuteil, er sorgt auch für die Prise Witz, die im Vergleich zu den ersten drei „Transformers“-Filmen äußerst gering ausfällt; geschuldet vermutlich den kritischen Stimmen, die sich angesichts der humorvollen, ersten Stunde des dritten Teils unzufrieden zeigten.

Optimus Prime hat in „Transformers: Age of Extinction“ natürlich einmal mehr das Sagen.

Fazit: „Transformers: Ära des Untergangs“ ist definitiv kein guter Film – solange man ihn an den gängigen Kritiker-Maßstäben misst. Für Fans des modernen (Bay-)Blockbusters, vornehmlich der ersten drei „Transformers“-Teile, bietet Part vier jedoch ein herausragendes CGI-Spektakel vor tollen Kulissen, auf technisch einwandfreiem Niveau und in brillantem 3D. Und nach wie vor haben auch solche Produktionen eine definitive Daseinsberechtigung!

„Transformers: Ära des Untergangs“ ist ab dem 17. Juli bundesweit in den Kinos zu sehen – auch in 3D!