Der Sex Pakt

In ihrer aller ersten Regiearbeit DER SEX PAKT lässt „Pitch Perfect“-Autorin Kay Cannon Teenager ihre Unschuld verlieren, was ihre Eltern auf die Palme treibt. Was verbirgt sich hinter dem Film mit dem überraschend positiven US-Feedback? Ich verrate es in meiner Kritik.

Der Plot

Das „erste Mal“ am Tag des Abschlussballs – die drei besten Freundinnen Julie (Kathryn Newton), Kayla (Geraldine Viswanathan) und Sam (Gideon Adlon) schließen einen Pakt, denn sie können „es“ nicht mehr erwarten. Doch leider haben sie die Rechnung ohne ihre überfürsorglichen Eltern (Leslie Mann, John Cena und Ike Barinholtz) gemacht. Die bekommen nämlich zufällig Wind davon und starten umgehend eine unbeholfene, überaus chaotische und absolut bizarre Nacht-und-Nebel-Aktion, um den Plan ihrer Kinder zu vereiteln.

Kritik

Was haben Malcolm D. Lees „Girls Trip“, die Spieleabend-Komödie „Game Night“ und die im Original „Blockers“ betitelte Comedy „Der Sex Pakt“ gemeinsam? Sie alle eint, dass sie direkt kurz vor und nach ihrem Start mit einem nahezu einheitlich-positiven Kritiker- und Zuschauerfeedback gesegnet wurden und ihre Werte bei Metascore und Rotten Tomatoes weit über dem Durchschnitt regulärer Komödien liegen. Im Falle der gleichermaßen feucht-fröhlichen wie unausstehlichen Mädelssause rund um Jada Pinkett Smith und Queen Latifah können wir dieses Lob bis heute nicht verstehen, während wir bei „Game Night“ wiederum enttäuscht sind, dass selbst so positive Stimmen nicht dazu beitragen konnten, aus dem kreativ gefilmten und entsetzlich unterhaltsamen Film einen Kassenschlager zu machen. Wo ordnet sich „Der Sex Pakt“ in diese Liste ein? Die simple Antwort: genau in der Mitte. Das Beeindruckendste an dem Film ist in erster Linie die Tatsache, dass er ein Debüt ist. Kay Cannon schrieb zwar unter anderem die Drehbücher zur „Pitch Perfect“-Reihe, auf dem Regiestuhl salbst nahm sie zuvor jedoch noch nie Platz. Dafür fällt „Der Sex Pakt“ erstaunlich routiniert aus und ist auch sonst ein verlässlicher Garant für eineinhalb ganz nette Kinostunden. Doch mit einigen ungelenken Entscheidungen disqualifiziert sich der Film leider dafür, ganz oben im Komödiensegment mitzumischen.

Mitchell (John Cena) und Lisa (Leslie Mann) machen sich sorgen um ihre Kinder…

Wenn ein Film „Der Sex Pakt“ heißt und davon handelt, dass drei jugendliche Mädels endlich ihre Unschuld verlieren wollen, liegt es in der Natur der Sache, dass sich die Gags mehr als einmal weit unter der Gürtellinie abspielen werden. Kay Cannon und ihre Drehbuchautoren Brian und Jim Kahoe („The Hand Job“) lösen dieses inoffizielle Versprechen mehr als einmal an. In ihrem Film findet eine ausgiebige Kotzorgie in einer Luxuslimousine ihren Platz, genauso wie ein Bier-Einlauf (!). Auf das Niveau solcher Rohrkrepierer wie „Dirty Grandpa“ oder eben auch den eingangs erwähnten „Girls Trip“ begibt sich „Der Sex Pakt“ trotzdem nie. Nicht zuletzt deshalb, weil mit Ausnahme der unangenehmen Kotz-Szene jeder noch so platte Gag irgendwie auch eine inhaltliche Relevanz besitzt und von den Figuren ganz ohne frivole Freizügigkeit vorgetragen wird. Wenn sich John Cena („Dating Queen“) – ohnehin der heimliche Star des Films – ausschließlich für die Ermittlungen (und damit im Umkehrschluss für seine geliebte Tochter) einen Schlauch mit Bier in den Hintern steckt, spielt er das derart verschämt und ohne dass die Kamera völlig drauf hält, dass der Film sich in solchen Momenten mit dem peinlich berührten Publikum identifiziert und nicht mit den Geschehnissen auf der Leinwand.

Dass „Der Sex Pakt“ die Sorgen der Eltern als gleichermaßen übertrieben wie alles andere als spießig (sondern eher als ein Symptom der Überforderung) zeichnet, ist eine der großen Stärken des Films. Genauso wie die alles andere als einfältige Charakterisierung der zwar feierwütigen, im Großen und Ganzen aber doch vernünftigen Kids. Im Laufe der 102 Minuten switcht die Handlung immer wieder zwischen den Eltern und den Teenagern hin und her. Dabei folgen die Eskapaden der Eltern dem erzählerischen Rhythmus eines Roadmovies mit mehreren kleinen Einzelepisoden, während der Abschlussball weitestgehend geradlinig und ohne große Highlights ausfällt. Für die minimalistische Handlung – letztlich wollen die Eltern schließlich nur verhindern, dass ihre Kinder in dieser Nacht Sex haben – passiert auf der Charakterebene immerhin ganz schön viel. Neben einem selbstverständlich inszenierten und dadurch umso effektiveren Coming Out sowie einem ungewöhnlichen Geständnis häuslicher Gewalt (hier ist tatsächlich einmal der Mann das Opfer, was erzählerisch leider so schnell übergangen wird, dass man den Eindruck hat, die Schreiber wüssten mit dieser Beichte nichts anzufangen), ist es vor allem das sukzessive Verständnis der Eltern für ihre Sprösslinge, was „Der Sex Pakt“ nicht in eine biedere „Dann warten wir mit dem Sex eben noch auf unsere große Liebe!“-Botschaft münden lässt, sondern in eine authentische Selbstfindung, an deren Ende sich für jedes der Mädchen eine andere Erkenntnis befindet.

Sam (Gideon Adlon), Julie (Kathryn Newton) und Kayla (Geraldine Viswanathan) haben besondere Pläne für den Abschlussball.

Doch nicht immer wollen die Gags in „Der Sex Pakt“ zünden. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Pointendichte zum einen überraschend niedrig ist, während zu anderen ein Großteil der vorhandenen wiederum so vorhersehbar vorbereitet wird, dass man sie schon weit im Voraus vermutet. Für Zuschauer außerhalb der anvisierten Zielgruppe – von denen es mit den Teens und den Eltern immerhin zwei gibt, während alles dazwischen eher gelangweilt sein dürfte – ist es vor allem die Interaktion der Zuschauer, die überzeugt. Der Mädelsclique rund um Kathryn Newton („Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“), Geraldine Viswanathan („Janet King“) und Gideon Adlon („American Crime“) glaubt man ihre freundschaftliche Verbindung zueinander. Sie alle verkörpern ganz normale Teenager, anstatt den gängigen Hollywood-Prototyp und bekommen außerdem sympathische Love Interests an die Seite gestellt, die ebenso wenig dem Klischee des typischen High-School-Boys entsprechen. Dasselbe gilt für die Eltern. Leslie Mann („How To Be Single“), Ike Barinholtz („The Disaster Artist“) und John Cena funktionieren als besorgtes Eltern-Trio hervorragend und sind immer dann am lustigsten, wenn man ihren übertriebenen Ängsten die weitestgehend harmlosen (!) Ausschweifungen der Kinder gegenüber stellt. Am Ende ist „Der Sex Pakt“ doch warmherziger, als man es vermutet hat. Womöglich steckt das hinter seinem Achtungserfolg.

Fazit: Zwischen derben Gags unterhalb der Gürtellinie und im Nichts verpuffenden Pointen verbirgt sich in „Der Sex Pakt“ eine durchaus charmante Geschichte über sich annähernde Eltern und ihre Kinder. Am meisten überzeugt allerdings die Interaktion der Darsteller, die sichtlich Spaß an der Sache hatten.

„Der Sex Pakt“ ist ab dem 12. April bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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