A Star Is Born

Bradley Cooper liefert mit A STAR IS BORN ein Regiedebüt im ganz großen Hollywoodstil ab, das vor allem Lady Gaga in der weiblichen Hauptrolle strahlen lässt. Wie sich Cooper als Schauspieler an ihrer Seite schlägt und ob die bekannte Geschichte auch im fünften Aufguss zündet, das verraten wir in unserer Kritik.

Der Plot

Der erfolgreiche Countrystar Jackson Maine (Bradley Cooper) hat seine besten Zeiten hinter sich, als er eines Abends die zurückhaltende Singer-Songwriterin Ally (Lady Gaga) in einer Bar kennenlernt und sich Hals über Kopf in sie verliebt. Auch das Star-Potenzial bleibt ihm nicht verborgen und so überredet er die optisch nicht ganz dem Schönheitsideal entsprechende Frau, ihn bei einem seiner Auftritte zu besuchen. Gemeinsam performen sie ein Duett, das sich anschließend viral über das Internet verbreitet. Ally zieht fortan alle Blicke auf sich und damit auch die Aufmerksamkeit des erfolgreichen Musikproduzenten Rez (Rafi Gavron), der ihr das Angebot macht, eine Platte zu produzieren. Schon wenige Wochen später kennt jeder ihren Namen und Ally wird zum Megastar, deren Erfolg mit einem Grammy als beste Newcomerin gekrönt wird. Doch während Ally unaufhaltsam gen Star-Himmel schwebt, erlebt ihr alkoholabhängiger Ehemann Jackson einen Tiefschlag nach dem anderen…

Kritik

Es ist das fünfte Mal, dass Jemand die Geschichte vom aufstrebenden Newcomer und alternder Star-Seele verfilmt; und trotzdem hat Bradley Coopers Variante von „A Star Is Born“, die zugleich auch sein Debüt als Regisseur darstellt, nichts an Faszination für diesen klassischen Hollywoodstoff eingebüßt. Dafür ist der Stoff aber auch einfach zu spannend, denn wie schon einige seiner Kollegen, von George Cukor über William Wellman und Jack Conway bis hin zu Frank Pierson, erzählt auch Cooper in seinem Musikdrama zwei Geschichten in einer: Auf der einen Seite spricht es schon der vielsagende Filmtitel aus: In „A Star Is Born“ geht ein neuer Stern, verkörpert von Lady Gaga („American Horror Story: Hotel“) am US-amerikanischen Musikhimmel auf, während auf der anderen Seite ein seinen Zenit längst überschrittener Stern langsam zu erlöschen droht. Um die größtmögliche Emotionalität zu erreichen, spielt sich Cooper in seinem Debüt dann auch direkt selbst – und wer ein wenig Ahnung von der Materie hat, der weiß, dass er es sich damit gleich doppelt schwer gemacht hat. Doch wenn man den fertigen Film sieht, dann ergibt diese Entscheidung durchaus Sinn: Wenn „A Star Is Born“ nämlich eines kann, dann die ganz große Liebe zwischen zwei Menschen glaubhaft an den Zuschauer vor der Leinwand heranzutragen. Und es ist ganz schön lange her, dass wir im Kino an einer derart groß gedachte, nahezu epischen Liebesgeschichte teilhaben durften.

Bradley Cooper und Lady Gaga spielen Jackson und Ally im Musikdrama „A Star Is Born“.

Wenn Schauspieler ins Regiefach wechseln, dann merkt man an ihren ersten Werken häufig, von wem sie in ihrer Arbeit beeinflusst wurden. Das beste Beispiel dafür bildet noch immer Ryan Goslings Debüt „Lost River“, das sich aller Qualitäten zum Trotz vorwiegend als Verneigung vor dem von ihm verehrten Regisseur Nicholas Winding Refn lesen ließ. Cooper, der schon weit vor seinem Erfolg als Akteur eine Karriere als Regisseur anstrebte, folgt mit „A Star Is Born“ keinem offensichtlichen Vorbild; und wenn man doch eines wählen müsste, dann käme einem am ehesten das große Dramakino der Fünfziger- und Sechzigerjahre in den Sinn, aus dem ja auch eine der vielen „A Star Is Born“-Vorläufer stammt. Trotzdem ist diese Neuauflage alles andere als veraltet; im Gegenteil. Die drei Drehbuchautoren Bradley Cooper (sitzt aktuell bereits an seinem nächsten Skript „Bernstein“), Eric Roth („Extrem laut & unglaublich nah“) und Will Fetters („The Best of Me – Mein Weg zu Dir“) nehmen die bekannte Geschichte und transportieren sie stimmig in die Jetztzeit, etwa indem der plötzliche Ruhm durch ein viral gehendes Internetvideo beginnt, Ally einen Auftritt bei Saturday Night Live hinlegt oder sich eine der dramaturgisch einprägsamsten Szenen bei der Grammy-Verleihung abspielt. Trotzdem hat man nie den Eindruck, „A Star Is Born“ sei ein Produkt seiner Zeit, denn die in ihm behandelten Themen bleiben zeitlos: Ruhm, dessen Vergänglichkeit und natürlich die innige Liebe zwischen Ally und ihrem Entdecker und späteren Ehemann Jackson.

Die hinreißend gespielte Beziehung zwischen der vor Natürlichkeit nur so sprühenden Lady Gaga und dem sich ganz in den Dienst seiner mehr und mehr am Boden liegenden Rolle des alkoholkranken Jackson stellenden Bradley Cooper („Serena“) ist von der ersten bis zur letzten Sekunde das Herzstück von „A Star Is Born“, was gleichermaßen als Lob wie Kritik zu verstehen ist: Die beiden begegnen sich sowohl musikalisch (auf Wunsch von Lady Gaga selbst sangen beide ihre Songs live am Set ein), als auch darstellerisch auf Augenhöhe und performen sich nah an die Grenze zur Nominierungsselbstverständlichkeit bei sämtlichen internationalen Filmpreisen. Damit können sie locker darüber hinwegtäuschen, dass das Drehbuch beim eigentlichen Thema Starruhm einige Holprigkeiten aufweist, die deutlich machen, dass Bradley Cooper hier und da das inszenatorische Know-How fehlt, eine derart epische Geschichte allumfassend auf die Leinwand zu bringen. Denn auch, wenn sich alle Beteiligten sichtlich bemühen, dass sich Allys Aufstieg und Jacksons Absturz erzählerisch die Waage halten, stiehlt Cooper seinem Co-Star immer wieder die Show, obwohl es eigentlich gerade um sie ging. Da sich zudem erst spät abzeichnet, wie ernst es um Jacksons körperlichen und geistigen Zustand tatsächlich bestellt ist, erwecken derartige Szenen immer ein wenig den Eindruck des „In den Vordergrund Drängens“, auch wenn am Ende von „A Star Is Born“ alles wieder zu seiner von Anfang an anvisierten Form findet. Das ist schade, denn so können sich die ganz großen Emotionen nie richtig entfalten, da direkt wieder zur anderen Figur geschnitten wird, wenn es bei der einen gerade so richtig dramatisch wird.

Bradley Cooper und Lady Gaga sangen ihre Nummern am Set live ein.

Auch sonst gehört die Geschichte an sich nicht gerade zu den Highlights des Films, denn letztlich spult Cooper – wenn auch sehr routiniert und stets um Wahrhaftigkeit bemüht – einfach nur eine hinlänglich bekannte „Vom Tellerwäscher zum Millionär“-Geschichte ab, die obendrein an einigen Stellen sehr vage bleibt. Weshalb es Ally beispielsweise so leicht fällt, sich in das Mainstreamtaugliche Kostüm des Popsternchens pressen zu lassen, liegt in erster Linie daran, dass davor eigentlich gar nicht so richtig klar wird, welchen musikalischen Stil die mit einer begnadeten Stimme gesegnete Musikerin nun eigentlich fährt. Immerhin: Den Fehler, auch das aufsteigende Starlet direkt mit den Abgründen des Showgeschäfts zu konfrontieren, haben die Verantwortlichen noch vor der Veröffentlichung wieder verworfen: Eine Szene, in der Ally selbst Drogen nehmen soll, wurde herausgeschnitten, sodass die Rollen der Aufsteigerin und des Absteigers bis zuletzt klar verteilt bleiben. Bleibt zuletzt noch der Blick auf die audiovisuelle Gestaltung. Kameramann Matthew Libatique („mother!“) bleibt immer ganz nah an seinen Protagonisten und erzeugt dadurch eine ungeheure Intimität, die er selbst in den Konzertszenen nicht ablegt. Ebenjene stehen und fallen mit den fantastischen Darbietungen von Lady Gaga, die einmal mehr zeigt, was gesanglich in ihr steckt. Das Duett mit Bradley Cooper ist lediglich der Auftakt für mindestens zwei weitere Balladen, bei denen einem früher oder später die Tränen in die Augen steigen. Und selbst der kalkuliertesten Popnummer verleiht diese Frau mit ihrer unverwechselbaren Stimme Klasse und Wiedererkennungswert.

Fazit: „A Star Is Born“ funktioniert als ergreifende Liebesgeschichte mit spektakulären Musiknummern hervorragend, an der eigentlichen Story vom aufsteigenden Starlet, an dessen Seite der alternde Mentor nach und nach zu Grunde geht, hat sich Neu-Regisseur Bradley Cooper dagegen (noch) ein wenig verhoben.

„A Star Is Born“ ist ab dem 4. Oktober bundesweit in den deutschen Kinos zu sehen.

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