Geostorm

Das Genre des Katastrophenfilms war lange Zeit weg vom Fenster. Nun versucht sich Dean Devlin in GEOSTORM an einer weltweiten Wetterkatastrophe und macht daraus banales Hollywood-Effektekino, das trotzdem immer noch besser ist, als befürchtet. Mehr dazu verrate ich in meiner Kritik.

Der Plot

Eine beispiellose Serie außergewöhnlicher Naturkatastrophen bahnt sich ihren Weg rund um den Globus. Aus diesem Anlass kommen die Regierungschefs der Welt zusammen, um ein Netz von Satelliten zu schaffen, das das Weltklima überwacht und Sicherheit für alle garantiert. Doch nun ist etwas schief gelaufen und das System, das den Planeten eigentlich schützen sollte, greift diesen an. In einem Wettlauf gegen die Zeit muss die wahre Bedrohung entdeckt werden, bevor ein weltweiter Geostorm alles ausradiert – und jeden. Dafür begibt sich der Wissenschaftler Jake (Gerard Butler) auf eine Weltraumstation um von dort aus die defekten Systeme zu reparieren. Doch die Zeit drängt – und irgendeiner in dem Team sabotiert außerdem seine Arbeit.

Kritik

Mitten in der afghanischen Wüste rafft ein Eissturm die Einwohner eines Dorfes dahin, basketballgroße Hagelkörner krachen auf die Erde und riesige Flutwellen bedrohen arabische Millionenmetropolen – das sind nur einige der hanebüchenen Ereignisse in Dean Devlins Katastrophenblockbuster „Geostorm“, die der ehemalige Schützling von „Independence Day“-Regisseur Roland Emmerich auf die Weltbevölkerung loslässt. Damit entbehrt sein Film einer unübersehbaren Neunzigerjahre-Mentalität, als noch in schöner Regelmäßigkeit immer wieder neue Hyper-Naturkatastrophen ihren Weg auf die Leinwand fanden. Mittlerweile finden abnorme Wetterphänomene direkt vor unserer Haustür statt; entsprechend brach liegt das Subgenre des Katastrophenthrillers, das zuletzt vor drei Jahren mithilfe des Found-Footage-Booms wiederbelebt werden sollte („Storm Hunters“), dieses Unterfangen aber irgendwie nicht so recht funktionieren wollte. Im Klartext: Keiner wollte sich angucken, wie Teenies vor wild gewordenen Wirbelstürmen fliehen. Wo man früher ein riesiges Budget in die Hand genommen hätte, standen Dean Devlin („The Quest“) für die Realisierung von „Geostorm“ daher nur finanzielle Mittel in Höhe von gerade einmal 81 Millionen US-Dollar zur Verfügung; wenig für einen nahezu ausschließlich über Computereffekte funktionierenden, massentauglichen Spektakelfilm. Entsprechend kurz kommt besagtes Spektakel dann auch, denn in „Geostorm“ wird überraschend viel geredet, überraschend wenig geht zu Bruch und auf der Strecke bleibt selbst das sinnloseste Entertainment. Dazwischen müht sich Gerard Butler („Die nackte Wahrheit“) in der schablonenhaften Rolle eines angestrengt grübelnd dreinblickenden Wissenschaftlers.

In „Geostorm“ friert plötzlich die Wüste ein…

Je näher die Realität der Fiktion kommt, desto größere Geschütze müssen die Macher fiktiver Geschichten auffahren, um ihr Publikum zu verblüffen. Die Nachrichten bombardieren uns mit Stories über Flutwellen und Hurricanes – entsprechend erfrischend wirkt da das Grundkonzept von „Geostorm“, das davon handelt, wie sich die Weltbevölkerung einst aufgrund diverser Wetterkatastrophen mithilfe eines Sattelitensystems von Umwelteinflüssen abschirmte. Das ist aus wissenschaftlicher Sicht betrachtet natürlich völliger Humbug, aber es ist immerhin einmal etwas Anderes. Leider scheint sich das Drehbuchautorenduo aus Dean Devlin und Paul Guyot (arbeiteten beide auch schon an „The Quest“ zusammen) der Absurdität ihrer Prämisse nicht bewusst und inszeniert die Geschichte als todernstes Thrillerdrama, das sich viel zu lange an wissenschaftlichen Erklärungen aufhält. Auf der einen Seite ist dieses Bemühen um eine in sich geschlossene, logische Einordnung in die Realität bemerkenswert; auf wirklich jedes absurde Ereignis liefern die Fachleute sofort eine wissenschaftliche Theorie. Auf der anderen Seite wirkt das dem kurzweiligen Spaß bei „Geostorm“ entgegen, denn die in den Trailern und auf dem Plakat angekündigten Hyper-Katastrophen finden im Film letztlich nur in äußerst wenigen Einzelszenen statt. Stattdessen gibt es innerhalb der zähen 109 Minuten Laufzeit viel Dialog zu hören. Im Anbetracht des Irrsinns, über den hier debattiert wird, ist das mit der Zeit ganz schön ermüdend.

So gerne man die vereinzelt auftretenden, in ihrer Konzeption prägnanten Actionszenen in „Geostorm“ als das Herzstück des Films bezeichnen würde, so wenig ausdrucksstark sind sie am Ende doch, um dieses Prädikat zu rechtfertigen. Der Großteil des Budgets ist nämlich in die beachtlich hochwertige Ausstattung geflossen. Die Nachbildung der Raumstation kann sich sehen lassen und mit vergleichbaren Settings aus „Life“ oder „Passengers“ mithalten. Schwierig wird es dagegen immer, wenn Computertrick ins Spiel kommt – und gerade bei der Darstellung der Katastrophen kommt man ohne diesen nun mal nicht weit. Wenn eine riesige Flutwelle auf die Küste Dubais zurollt, ist man vom Blockbuster-Standard 2017 so weit entfernt, wie Gerard Butlers Hauptfigur von einer tiefschürfenden Charakterisierung. Egal ob Blitze, Hagelkörner oder durch Hitze aufbrechende Straßenverläufe: Handgemacht ist an „Geostorm“ gar nichts und die CGI-Effekte fügen sich äußerst unharmonisch in die realen Settings. Lediglich das Geschehen im Weltraum lässt anklingen, was in „Geostorm“ auch technisch drin gewesen wäre, hätte den Machern ein größeres Budget zur Verfügung gestanden. Die dort oben stattfindenden Explosionen funktionieren in ihrer wuchtigen Erscheinung und wirken bedrohlich, während man bei den Szenen auf der Erde jederzeit weiß, dass die Dutzenden Statisten hier nicht wirklich vor einer Gefahr davon laufen.

Die Szenen im Weltraum können sich technisch sehen lassen.

Normalerweise spielt die Story bei Filmen dieser Art eher eine untergeordnete Rolle. Das ist in „Geostorm“ anders, denn tatsächlich versucht man sich hier an einem halbwegs interessanten Plot rund um eine Verschwörung, in der niemand Geringeres verwickelt ist, als die US-amerikanische Regierung. Diese Storyline um die Ergründung der Frage, weshalb das Katastrophenabwehrsytem plötzlich nicht mehr funktioniert, entpuppt sich als einzig mitreißender Faktor innerhalb des Films, auch wenn ausgerechnet Gerard Butler als bemühte Identifikationsfigur mit schablonenhaft gezeichnetem Umfeld aus Tochter und getrennt lebender Freundin hierin nur wenig involviert ist. Sein Job beschränkt sich darauf, innerhalb der Raumstation Ursachenforschung zu betreiben; erst spät laufen sein Handlungsstrang und jener des Präsidenten (Andy Garcia) zusammen. An Butlers Seite agiert eine leidenschaftslos aufspielende Alexandra Maria Lara („You Are Wanted“), während sich der Rest seiner Crew aus den üblichen Stereotypen einer solchen Mannschaft zusammensetzt. Die hieraus resultierenden Reibungen mitsamt diverser falscher Fährten entwickeln ohne jedwede emotionale Unterfütterung leider ebenso wenig Spannung, wie das vorhersehbare Finale, in denen sich der Plan der Täter offenbart. Leider ist der Knalleffekt aus dem Computer im rasanten Finale weitaus größer, als jener auf inhaltlicher Ebene, denn die Gesinnung des Bösewichts ist dann schon wieder ganz schön neunziger – eigentlich konsequent.

Fazit: Viel Gerede, wenig Zerstörung und ein gelangweilter Gerard Butler: Auch wenn ein Subplot rund um eine Verschwörung einen Hauch Spannung aus „Geostorm“ herauskitzeln kann, ist dieser technisch ambivalente Katastrophenthriller reine Zeit- und Geldverschwendung.

„Geostorm“ ist ab dem 19. Oktober bundesweit in den Kinos zu sehen – auch in 3D!

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