The Cruzifixion

Der französische Regisseur Xavier Gens ist normalerweise für seine harten Horrorreißer bekannt, doch sein auf dem Fantasy Filmfest aufgeführter Exorzismusstreifen THE CRUCIFIXION ist überraschend handzahm. Mehr dazu in meiner Kritik.

Der Plot

Nach einem brutalen Exorzismus in einem rumänischen Kloster stirbt unter den Augen der umstehenden Geistlichen eine Nonne (Diana Vladu). Der bei der Dämonenaustreibung anwesende Priester wird kurz darauf vor Gericht gestellt, beharrt allerdings darauf, das Opfer aus den Klauen des leibhaftigen Teufels befreit zu haben. Die toughe Journalistin Nicole Rawlins (Sophie Cookson) bekommt zufällig etwas von dem Fall mit und beschließt, auf eigene Faust zu ermitteln. Nicole, die dem Thema Glauben seit dem Tod ihrer Mutter äußerst skeptisch gegenüber steht, begibt sich in das kleine Dorf am Rande Rumäniens und muss mit ansehen, wie das Grauen über die Bewohner hereinbricht. Schon bald scheint nicht mehr die Frage im Raum zu stehen, ob es Monster und Dämonen tatsächlich gibt, sondern ob die Menschheit überhaupt noch eine Chance gegen sie hat…

Kritik

Mit seinem Terrorfilm „Frontière(s)“ war Regisseur Xavier Gens Mitbegründer der neuen französischen Härte. Jener Welle an brutalen Horrorreißern, die in den vergangenen Jahren vorwiegend von seinen Landsmännern auf den Weg gebracht wurden und das moderne Genrekino um Kabinettstückchen wie „Martyrs“, „Inside“ und „High Tension“ ergänzten. Danach begab sich der Hardcore-Filmemacher erst einmal in den erwachsenen Mainstream, inszenierte die Game-Verfilmung „Hitman – Jeder stirbt allein“ sowie den Katastrophen-Horrorfilm „The Divide“, bevor er sein Gespür für ästhetische Gewalt in dem Kurzfilm „X for XXL“ im Rahmen des Episodenfilms „ABCs of Death“ voll ausleben konnte. Nach der Inszenierung einiger Folgen der Krimiserie „Crossing Lines“ kehrt er mit dem auf dem Fantasy Filmfest aufgeführten Exorzismusfilm „The Crucifixion“ nun wieder ganz zu seinen Genrewurzeln zurück. Man möchte davon ausgehen, dass gerade Jemand wie Xavier Gens hier erst recht in die Vollen gehen wird. Schließlich lässt sich mit so einem von Dämonen besessenen Körper allerlei anstellen, bevor man ihn den bösen Mächten übergibt. Doch mit Ausnahme einiger netter visueller Spielereien ist sein Austreibungsschocker fast schon seicht – nicht zuletzt, weil man all das auf der Leinwand Gezeigte schon einmal besser gesehen hat.

Die Nonne (Diana Vladu) soll mithilfe eines Exorzismus von einem Dämon befreit werden.

„The Crucifixion“ fängt dort an, worin anderer Exorzismusfilme münden: bei der Austreibung. Und damit ist dann auch direkt die stärkste Szene des Films vorbei, bevor die eigentliche Handlung überhaupt angefangen hat, denn wie sich die von Diana Vladu („Return of the Living Dead“) gespielte Nonne hier windet und sich denn Schmerz von der Seele schreit, geht durch Mark und Bein. Die fünf Priester haben glaubhaft Mühe, die eigentlich so zierliche Person am titelgebenden Kruzifix zu befestigen und geben ihr Menschenmöglichstes, um die Gläubige von dem Teufelswesen zu befreien, das die Herrschaft über sie übernommen hat. Nach dem vorzeitig abgebrochenen Exorzismus fährt die Kamera zurück und offenbart, dass es sich hierbei lediglich um eine gefundene Aufnahme handelt, die Hauptfigur Nicole ihrem Vater und Chef zeigt, um einen Rechercheauftrag in dem heimgesuchten Dorf zu rechtfertigen. Das ist auf der einen Seite albern, da die Bilder vorab viel zu sehr nach Hochglanzfilm aussehen, um gefundenem Filmmaterial entsprechen zu können und bleibt oberflächlich, da sich Nicoles Faszination für derlei Thematiken nicht direkt erschließt, auf der anderen Seite ist dieser erzählerische Ansatz aber auch ganz nett. Schließlich hat das Ereignis, auf das Fans bei Austreibungsfilmen normalerweise hinfiebern, hier bereits stattgefunden und soll im Nachhinein untersucht werden; Erinnerungen an „Der Exorzismus von Emily Rose“ werden wach, wenngleich „The Crucifixion“ mit diesem Genrevertreter nicht mal im Ansatz mithalten kann (und natürlich bedeutet ein Exorzismus zu Beginn nicht, dass es nicht noch einen weiteren geben kann).

Entsprechend ruhig gestaltet sich im weiteren Verlauf die Recherche- und Ermittlungsarbeit Nicoles, die sich vorwiegend darauf beschränkt, mit Einheimischen zu sprechen und sich die Ereignisse vor der Teufelsaustreibung nacherzählen zu lassen. Dabei sind die Parallelen zum schon einmal angeführten „Emily Rose“-Film überraschend groß; geschildert wird die sukzessive Eskalation eines eigentlich harmlosen Mädchens, was für alle Beteiligten erst im Nachhinein ein unheimliches Gesamtbild ergibt. Doch leider fällt Xavier Gens respektive seinen Drehbuchautoren Chad und Carey Hayes (schrieben das Skript zu „Conjuring – Die Heimsuchung“) nicht viel mehr ein, als das Aneinanderreihen von Horrorfilmklischees. Von plötzlich auftauchenden Fratzen bis hin zu aus dem Gebüsch springenden Hunden oder unheimlichen kleinen Jungen grast der Film das gesamte Potpourri halbgarer Schockeffekte ab – natürlich nicht, ohne dabei jedes Mal die Musik laut aufzudrehen. Darunter leidet vor allem eines: die Atmosphäre; Gens versucht sichtlich, auch über die beklemmende Kameraarbeit Daniel Aranyós („Regression“) ein möglichst unheilvolles Szenario zu kreieren und setzt auf lange, ausgedehnte Kamerafahrten mit Blick fürs Detail, doch mit Konzentration auf den schnellen Schock bringt er die sich langsame steigernde Intensität der Szenarios immer wieder plump zum Einsturz.

Pater Anton (Corneliu Ulici) steht Nicole (Sophie Cookson) mit Rat und Tat zur Seite.

Dagegen kann auch Hauptdarstellerin Sophie Cookson („Kingsman: The Secret Service“) nicht viel unternehmen. Den Respekt vor der gruseligen Materie bringt sie glaubhaft auf die Leinwand, doch das einfältige Skript bietet ihr Kaum mehr Möglichkeiten, als die Performance des Opfers. Von ihrer anfänglich so resoluten Attitüde bleibt im weiteren Verlauf des Films nicht mehr viel übrig – und wer die 27-jährige Nachwuchsschauspielerin in ihren bisherigen Rollen gesehen hat, der weiß, dass sie weitaus mehr kann, als schockiert in die Kamera zu schauen. Immerhin die Effekte sind dafür nicht der ausschlaggebende Grund – die sind nämlich richtig ordentlich geworden. Dabei greift Xavier Gens nicht auf ausgiebige CGI-Orgien zurück, sondern setzt im Kleinen auf handgemachte Ideen; wenn einer Patientin intravenös eine schwarze Flüssigkeit injiziert wird, die sich anschließend über das gesamte Venensystem verteilt, dann sieht das genau so gruselig aus, wie ein Bienenschwarm, der sich über der Scham einer unbekleideten Frau ausbreitet. Solch kleine Momente erweisen sich vor allem deshalb als weitaus effektiver denn jede noch so monströse Fratze, da Gens sie still und unaufgeregt, fast schon minimalistisch und ohne großen musikalischen Beiklang inszeniert. Hier steht plötzlich das Opfer im Mittelpunkt, das sich sonst vornehmlich von einem Jumpscare zum nächsten hangeln muss. Manchmal ist weniger eben doch mehr.

Fazit: „The Crucifixion“ ist ein gerade noch durchschnittlicher Exorzismus-Horrorfilm, der routiniert auf der Klaviatur des Genres spielt. Neue Ideen sucht man vergebens, dafür gelingt es den unheilvollen Bildern, zwischen den vielen nervigen Jumpscares für eine einigermaßen beunruhigende Atmosphäre zu sorgen.

„The Crucifixion“ ist in diesem Jahr auf dem Fantasy Filmfest zu sehen.

STUTTGART: Samstag / 09.09.17 / 21:00h / Metropol FRANKFURT: Sonntag / 24.09.17 / 19:15h / Cinestar Metropolis BERLIN: Freitag / 22.09.17 / 23:00h / Cinestar Sony Center MÜNCHEN: Donnerstag / 14.09.17 / 14:30h / CineMaxx Isartor HAMBURG: Freitag / 15.09.17 / 22:45h / Savoy Filmtheater KÖLN: Montag / 25.09.17 / 20:30h / Residenz Astor Film Lounge NÜRNBERG: Freitag / 22.09.17 / 22:54h / Cinecitta

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