John Wick

Nach cineastischen Fehlschlägen wie „47 Ronin“ und „Man of Tai Chi“ ist Action-Star Keanu Reeves in JOHN WICK in seiner besten Rolle seit Jahren zu sehen. Als stiller Rächer begibt sich ein ehemaliger Auftragskiller in die Unterwelt New Yorks – ein fast schon unverschämt unterhaltsames Spektakel! Mehr dazu in meiner Kritik zum Film.

John Wick

Der Plot

John Wick (Keanu Reeves), berühmt-berüchtigt als bester Hitman der Branche, ist nach seinem letzten Auftrag und dem Tod seiner geliebten Frau endgültig aus dem Geschäft ausgestiegen. Doch die Ruhe währt nicht lange. Nach einem Überfall auf sein Haus, der ihn nicht nur um seine geliebte Beagel-Hündin, sondern auch um sein Auto bringt, sieht er sich seinem ehemaligen Boss gegenüber: Viggo Tarasof (Michael Nyqvist), Anführer des gefährlichsten Gangstersyndikats von New York. Um seine Vergangenheit für immer loszuwerden, rüstet er sich für den ultimativen Rache-Feldzug. Doch längst hat Viggo die besten Killer der Stadt auf John angesetzt. Darunter auch Johns alten Freund Marcus (Willem Dafoe)…

Kritik

Schon einmal förderte die Zusammenarbeit zwischen Keanu Reeves sowie dem Gespann aus David Leitch und Chad Stahelski ein erfolgreiches Filmergebnis zutage. Die mittlerweile zu Inszenatoren aufgestiegenen Stuntmen koordinierten im Kassenschlager „Matrix“ die legendären Kampfchoreographien des heute 50-jährigen Hollywoodstars und schufen damit einen modernen Klassiker der Martial-Arts-Kunst. Kein Wunder also, dass für das Regiedebüt der normalerweise auf die visuellen Aspekte des Fight-Geschehens spezialisierten Neu-Regisseure niemand anderes als Protagonist infrage kommt, denn Reeves, dessen Image durch die cineastischen Fehlschläge „47 Ronin“ und „Man of Tai Chi“ zuletzt deutlich angeknackst war. In „John Wick“ erlebt das Publikum den Mimen endlich wieder voll in seinem Element des bleihaltigen Actionthrillers, der sich mit seiner berauschenden Ästhetik und teils äußerst kompromisslosen Einstellungen nicht umsonst das Lob diverser internationaler Filmkritiker erarbeiten konnte. Mit einem Bodycount von über 120 reiht sich der Film in eine Reihe mit ähnlich gelagerten Actionern der vergangenen Monate, setzt im Vergleich zu „The Equalizer“ oder „A Walk Among the Tombstones“ aber auf ein bewusst enges Storykorsett. Drehbuchautor Derek Kolstad („The Package – Killers Game“) kreiert einen Actionfilm alter Schule und legt mehr Wert auf Optik denn Komplexität. Damit schätzen sich alle Beteiligten nicht nur verdammt realistisch ein, sondern sorgen darüber hinaus für ein fast schon unverschämt unterhaltsames Krawall-Vergnügen.

John Wick

Gewiss: Im Gegensatz zu Gareth Evans, der das Publikum im vergangenen Jahr mithilfe seines brutalen Actionfestes „The Raid 2“ in die Kinositze nagelte, gestaltet sich „John Wick“ in seiner Physis nicht wirklich bahnbrechend. Gute Martial-Arts-Produktionen gab es schon immer, doch der Weg ins Mainstream-Kino blieb den knallharten Mann-gegen-Mann-Konfrontationen bislang verwehrt. Mit Keanu Reeves in der Hauptrolle nehmen David Leitch und Chad Stahelski Kurs auf die Multiplexe der Welt und entfernen sich mit ihrer Hochglanz-Optik und den deutlichen Budget-Zuschlägen ganz bewusst vom Status des B-Movies. Auch in Sachen Story geht man bei „John Wick“ direkt auf Konfrontationskurs: Die PR-Maschinerie unterschlägt den Fakt des reichlich dünnen Plots zu keinem Zeitpunkt und verkauft den Film ganz so, wie er wirklich ist. Das Ergebnis dürfte ein reichlich aufgeklärtes Publikum sein; eben genau das, welches den Wert einer solch martialischen Produktion zu schätzen weiß und bereit ist, das Gehirn für knappe zwei Stunden an der Kinokasse abzugeben. Der Gegenwert ist enorm. Die beiden Regiedebütanten Stahelski und Leitch verpassten bereits Kassenschlagern wie „Fight Club“, „300“ und „Hangover“ die dazugehörigen Kampf-Performances und hatten entsprechend viele Möglichkeiten, sich von vielerlei Stilen beeinflussen zu lassen.

Mithilfe von Kameramann Jonathan Sela („Gesetz der Rache“) verpassen die Filmemacher ihrem „Baby“ einen hollywoodtauglichen Look. Die Castliste beinhaltet neben Reeves  auch solche Namen wie Willem Dafoe („A Most Wanted Man“) oder Michael Nyqvist („Stieg Larssons Verblendung“) und sowohl der moderne Electro-Soundtrack (Joel R. Richard, „Ravenswood“) als auch die angerissenen, persönlichen Hintergrundinformationen des Protagonisten machen aus „John Wick“ einen Blockbuster nach Maß – und ob seines Seltenheitswertes sogar einen, von dessen Fortsetzung man durchaus nicht abgeneigt ist. Dazu braucht es bei einer realistischen Einschätzung der eigenen Film-Fähigkeiten nicht zwingend eine ausgeklügelte Handlung. Die Geschichte des vom Schicksal gebeutelten Auftragskillers John, der seinem Job durch private Belange abschwört, um durch unglückliche Umstände schließlich doch noch ein letztes Mal mit den Fäusten zu sprechen, ist spätestens seit der „96 Hours“-Reihe nichts Neues. Und doch ist es insbesondere Keanu Reeves, der seiner kantigen Figur solch interessante, menschliche Züge verleiht, dass er damit bisweilen sogar Liam Neeson alias Bryan Mills in den Schatten stellt. Auch deshalb, weil Skriptautor Derek Kolstad nicht davor zurückscheut, den Grat zwischen Held und Antiheld äußerst schmal zu gestalten. Mit der unverwüstlichen Liebe zu seiner Frau und per se korrekten Moralvorstellungen erhält John ein positives Grundprofil, während die äußeren Umstände den Kämpfer immer wieder dazu zwingen, ebenjene zu überdenken. Dabei steht  die Härte seiner Vorgehensweise im direkten Kontrast zu seinem bisweilen sehr sanften Gemüt und bringen den Zuschauer damit bisweilen in einen innerlichen Zwiespalt.

Keanu Reeves

Doch gerade ebenjene Durchschlagkraft benötigt auch der Film selbst, um zu funktionieren. Mit einer Kombination aus Waffengebrauch und einem Kung-Fu ähnlichen Kampfstil etablieren die Macher eine ganz neue Art der Martial-Arts-Kunst und gaben dieser den passenden Namen „Gun Fu“. Aus den schnellen, jedoch sehr übersichtlichen Schnitten, diversen Farbenspielereien sowie visuell atemberaubende Kombinationen aus Musik und Körperbewegung kreieren die Verantwortlichen stilistisch vollkommen unterschiedliche Fights und arrangieren diese wie in einem Computerspiel – inklusive Endgegner und einer sukzessiven Steigerung des Schwierigkeitsgrades. Dabei schöpfen die Macher nicht immer aus ihren Möglichkeiten; Wicks Widersacher ähneln sich in Auftreten, Aussehen und Kampfstil, womit „John Wick“ im Vergleich zum ähnlich aufgezogenen „The Raid 2“ hinterherhinkt. Dem Spaß am knallharten Bleigewitter tut dies jedoch beileibe kein Abbruch. Zu leidenschaftlich stürzt sich Keanu Reeves in seine Arbeit und zu effektiv nutzen die Regisseure jeden Winkel ihrer übersichtlich gestalteten Kulissen aus, als dass minimale Störfaktoren wie profillose Nebencharaktere diesem Kinoerlebnis tatsächlich schaden könnten.

Fazit: Action wie sie im Buche steht! Ohne störenden Storyballast wütet ein bestens aufgelegter Keanu Reeves durch New Yorks Unterwelt. Liebhaber des Genres kommen voll auf ihre Kosten – und alle anderen, die sich darauf einlassen, ebenfalls!

 „John Wick“ ist ab dem 29. Januar bundesweit in den Kinos zu sehen!

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